Kreisrunder Haarausfall bei Frauen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Der kreisrunde Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata (AA) bezeichnet, ist eine Autoimmunerkrankung, die durch das Auftreten von kreisrunden, haarlosen Stellen auf der Kopfhaut gekennzeichnet ist. Obwohl die Ursache noch nicht vollständig geklärt ist, wird vermutet, dass eine Fehlregulation des Immunsystems eine zentrale Rolle spielt.

Was ist Alopecia Areata?

Die sogenannte Alopecia areata oder auch kreisrunder Haarausfall setzt sich aus dem griechischen Wort alopekia für „krankhaften Haarausfall“ und dem lateinischen Wort area für „freier Platz“ zusammen.

„Bei kreisrundem Haarausfall, in der Fachsprache als Alopecia areata bezeichnet, handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile. Die Ursache dafür ist noch nicht eindeutig geklärt“, sagt Prof. Dr. Michael Tronnier, Chefarzt der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Helios Klinikum Hildesheim.

Die AA ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich die körpereigenen Immunzellen gegen die Strukturen der Haarwurzel richten und Antikörper bilden. Als Folge der fehlgesteuerten Immunreaktion entzünden sich die Haarwurzeln, wodurch die Haare nicht mehr richtig wachsen und es zum kreisrunden Haarausfall kommt“, erklärt Prof. Dr.

Unter einer Alopecia areata versteht man einen Haarausfall, bei dem sich die haarlosen Stellen kreisrund präsentieren. Sie verläuft schubweise ohne Juckreiz und heilt nicht-narbig ab. Die Erkrankung betrifft Frauen und Männer gleichermaßen.

Ursachen des Kreisrunden Haarausfalls

Die Ursache für kreisrunden Haarausfall ist noch nicht genau bekannt. Bei den Betroffenen wird eine Autoimmunreaktion gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile vermutet. Aufgrund einer Fehlregulation des Immunsystems richten sich die eigenen Abwehrzellen des Körpers gegen Zellen der Haarwurzel.

Als Ursache für den kreisrunden Haarausfall werden Autoimmunreaktionen vermutet. Dies bedeutet vereinfacht, dass der Erkrankung eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt. Der Körper bildet Antikörper gegen eigene Strukturen und ruft so eine Entzündung hervor. Dieser Abwehrmechanismus richtet sich in diesem Fall gegen die Haarfollikel, welche zwar nicht zerstört, aber am Wachstum gehindert werden.

Auch genetische Faktoren scheinen den kreisrunden Haarausfall zu begünstigen. So ist das Erkrankungsrisiko von Verwandten eines Betroffenen erhöht. Die genauen genetischen Hintergründe sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

Neben einer erblichen Komponente wird vermutet, dass auch Umweltfaktoren bei der Entstehung oder bei dem Verlauf der AA eine Rolle spielen. Über diese Umweltfaktoren ist allerdings bislang nur sehr wenig bekannt.

Ein Zusammenhang besteht ebenfalls mit dem Maß an Stress der betroffenen Person. So kann sich kreisrunder Haarausfall zum Beispiel im Rahmen von besonderen Belastungen, wie Prüfungen oder nach Trauerfällen entwickeln.

Unter den Wissenschaftler*innen ist man sich jedoch einig, dass kreisrunder Haarausfall keine Folge einer Mangelernährung oder durch Umwelteinflüsse bedingt ist.

Kreisrunder Haarausfall tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf. Dazu zählen etwa Autoimmunerkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), aber auch atopische Erkrankungen, also mit Allergieneigung wie Neurodermitis und Heuschnupfen. Neben diesen können auch ein Vitamin D-Mangel sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen vorliegen.

Die Schilddrüse beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper. Eine Unterfunktion der Schilddrüse, medizinisch spricht man auch von einer Hypothyreose, kann das Haarwachstum beeinflussen. Das Haar kann dabei eine brüchige, spröde Struktur annehmen oder auch ausfallen. Gelegentlich tritt eine Erkrankung der Schilddrüse auch im Zusammenhang mit dem kreisrunden Haarausfall auf.

Ebenfalls kann eine Corona-Infektion zu Haarausfall führen. In einigen Fällen wird durch die Infektion eine Autoimmunerkrankung ausgelöst oder zumindest wieder reaktiviert, die Folge: Kreisrunder Haarausfall am Kopf- bzw.

In ca. 20% der Fälle lässt sich ein familiär gehäuftes Auftreten beobachten und auch ein möglicher Zusammenhang mit Stressbelastungen wird in der medizinischen Forschung diskutiert.

Was bedeutet Alopecia areata / kreisrunder Haarausfall? Ursachen? Therapie?

Symptome des Kreisrunden Haarausfalls

Der kreisrunde Haarausfall zeichnet sich durch einen schubweisen Verlauf aus. Es kommt zu einzelnen, runden, haarlosen Arealen auf der Kopfhaut. Seltener betrifft es aber auch die Gesichtsbehaarung (wie Bart oder Augenbrauen) oder zuletzt auch die restliche Körperbehaarung. Am Rand der haarlosen Stellen befinden sich meist kurze, abgebrochene Haare. In den meisten Fällen wachsen die Haare innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von selber wieder nach. Die Krankheit kann jedoch jederzeit wieder ausbrechen.

Der Haarausfall beginnt plötzlich und oftmals mit einer Stelle oder wenigen etwa münzgroßen kahlen Stellen. Innerhalb weniger Wochen werden diese Areale größer. Betroffen sind zumeist die Kopfhaut oder die Körperbehaarung, aber auch Augenbrauen oder Bart können diese Form des Haarausfalls aufweisen. Häufig befinden sich noch sehr kurze Haare in diesen Bereichen. Die Haut sieht nicht verändert oder entzündet aus.

Die ersten Symptome eines kreisrunden Haarausfalls sind Haarverluste an einzelnen Stellen, die letztlich zur Ausbildung eines umschriebenen kahlen Flecks führen. Das passiert oft relativ rapide oder in Schüben. Es kann am gesamten Kopf beginnen oder andere Körperstellen betreffen, zum Beispiel Arme, Beine, Bart, Wimpern oder Augenbrauen.

Die Alopecia areata (AA) tritt zu 80 Prozent der Fälle im Kopfbereich auf. Bei Männern kann zusätzlich der Bartwuchs betroffen sein.

Kreisrunder Haarausfall tritt zwar in den meisten Fällen im Bereich der Kopfhaut auf, kann aber prinzipiell die gesamte Körperbehaarung betreffen. So kann sich diese Erkrankung unter anderem auch im Bereich von Bart, Augenbrauen oder Intimbehaarung manifestieren. Medizinisch wird diese Sonderform auch als Alopecia areata universalis bezeichnet.

Verschiedene Formen des kreisrunden Haarausfalls:

  • Alopecia areata: Kreisartiger Haarausfall. Wimpern, Augenbrauen und restliche Körperbehaarung meist normal vorhanden.
  • Alopecia ophiasis: Kranzartiges Fehlen der Haare im Ohren- und Nackenbereich. Augenbrauen, Haare oben und seitlich am Kopf sowie die restliche Körperbehaarung sind nicht betroffen.
  • Alopecia totalis: Fehlen der gesamten Kopfbehaarung, inklusive Augenbrauen und Wimpern. Diese Form tritt eher selten auf.
  • Alopecia universalis: Komplette Körperbehaarung fällt aus, inklusive Augenbrauen, Wimpern und Nasenhaare.

Diagnose des Kreisrunden Haarausfalls

In der Regel reicht bereits das klinische Bild - die typischen runden kahlen Stellen -für die Diagnose des kreisrunden Haarausfalls aus.

Um den kreisrunden Haarausfall zu diagnostizieren, dient einem Haarspezialisten in erster Linie eine ausführliche Anamnese sowie das individuelle klinische Erscheinungsbild als Anhaltspunkt.

„Zunächst schaue ich mir die Haare am Kopf, im Gesicht und an Körper an, danach untersuche ich die Kopfhaut genauer.

Bei Haarausfall stellen Fachärzte der Dermatologie oft die erste Anlaufstelle dar. Doch nicht jeder Facharzt kann auf große Erfahrung mit kreisrundem Haarausfall zurückgreifen. Daher ist es in jedem Fall ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen.

Diagnostische Verfahren:

  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und des individuellen klinischen Erscheinungsbildes.
  • Kopfhautuntersuchung: Untersuchung der Kopfhaut auf typische Merkmale des kreisrunden Haarausfalls.
  • Dermatoskopie: Betrachtung der Kopfhaut mit einem Auflichtmikroskop zur Beurteilung der Haarfollikel und Haarschäfte.
  • Trichogramm/Trichoscan: Analyse der Haarwurzeln und des Haarwachstumszyklus.
  • Blutuntersuchung: Ausschluss anderer Ursachen für Haarausfall, wie z.B. Schilddrüsenerkrankungen oder Eisenmangel.
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe der Kopfhaut in unklaren Fällen.

Zur tiefergehenden Diagnostik & Haaranalyse bei Haarausfall kann außerdem eine Probe aus den haarlosen Bereichen entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Auf diese Weise kann ein Entzündungsgeschehen nachgewiesen werden.

Behandlungsmöglichkeiten des Kreisrunden Haarausfalls

Die Behandlung einer Alopecia areata ist nicht immer einfach und von verschiedenen Faktoren, wie der Ausprägung der Erkrankung sowie Begleitdiagnosen abhängig.

Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, den kreisrunden Haarausfall ursächlich zu heilen. Daher haben die Therapiemöglichkeiten vor allem das Ziel, die Symptome der Krankheit zu lindern, also den Haarausfall zu bekämpfen. Nach Absetzen der Therapie kann es daher häufig zu einem erneuten Haarverlust kommen.

Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bildet sich der Haarausfall nach sechs bis zwölf Monaten von selbst wieder zurück. Daher ist es sinnvoll, mit einer aktiven Behandlung abzuwarten.

Es gibt einige Therapieansätze, die Menschen mit Alopecia areata individuell ausprobieren können. Allerdings ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um abschließend die Wirksamkeit zu beurteilen.

Was kann man tun gegen kreisrunden Haarausfall?Meistens bessert sich die Krankheit nach einigen Monaten von selber wieder, so dass keine Behandlung erforderlich ist. Wenn dies jedoch nicht passieren sollte, kann eine Therapie mit Kortison begonnen werden. Kortison unterdrückt die Immunreaktion und wird daher auf die kahlen Stellen aufgetragen. In schweren Fällen kann Kortison auch in Tablettenform eingenommen werden. Nach dem Absetzen der Therapie können die Haare jedoch wieder ausfallen.

Therapieoptionen:

  • Kortikosteroide: Lokale Anwendung von Cremes oder Lösungen, Injektionen in die Kopfhaut oder systemische Therapie mit Tabletten.
  • Minoxidil: Förderung der Durchblutung der Kopfhaut zur Anregung des Haarwachstums.
  • Lichttherapie: Bestrahlung der Kopfhaut mit UV-B-Licht.
  • Immuntherapie: Auslösung einer allergischen Reaktion auf der Kopfhaut, um das Immunsystem von den Haarwurzeln abzulenken.
  • JAK-Inhibitoren: Hemmung von Entzündungsprozessen, die mit dem Haarausfall in Zusammenhang stehen.
  • PRP-Therapie: Eigenbluttherapie zur Förderung der Zellregeneration und des Haarwachstums.
  • Haarpigmentierung: Kosmetische Behandlung zur Kaschierung der kahlen Stellen.
Behandlungsmethode Beschreibung Hinweise
Kortison Entzündungshemmende Wirkung, kann lokal oder systemisch angewendet werden. Nebenwirkungen bei längerer Anwendung möglich.
Minoxidil Fördert die Durchblutung der Kopfhaut und das Haarwachstum. Frei verkäuflich, aber nicht für Alopecia areata zugelassen.
JAK-Inhibitoren Unterdrücken Entzündungsprozesse, die das Haarwachstum behindern. Kosten werden oft nicht von Krankenkassen übernommen.
DCP-Therapie Löst eine allergische Reaktion auf der Kopfhaut aus, um das Immunsystem abzulenken. Wird nur in spezialisierten Zentren durchgeführt.

„Da es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt, beobachten wir oft eine Verbesserung unter Kortison. Diese Form der lokalen Therapie kann Betroffenen durchaus helfen und die Haare wieder wachsen lassen.

Auch eine Immuntherapie oder PRP-Therapie bei Haarausfall kann in bestimmten Fällen hilfreich sein. Hierunter versteht man Methoden, die das körpereigene Immunsystem so stärken, dass die Bekämpfung einer Erkrankung erleichtert wird.

Jakunkinase (JAK) Inhibitoren können als Entzündungshemmer entzündliche Prozesse unterdrücken, wodurch es wieder zum Haarwachstum kommen kann. Der Wirkstoff Baricitinib ist das erste zugelassene Medikament zur Behandlung der Alopecia areata. Zunächst wurde der Wirkstoff 2020 als Mittel gegen rheumatoide Arthritis zugelassen. Im Juni 2022 erweitere die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung um die Behandlung der Alopecia areata bei Erwachsenen.

Falls alle Therapieversuche keinen Erfolg zeigen, kann in spezialisierten Zentren eine Behandlung mit dem Kontaktallergen Dipenylcyclopropenon durchgeführt werden. Dieses bewirkt eine allergische Reaktion auf der Kopfhaut, die das Immunsystem anregen und „ablenken“ soll. Im besten Fall stoppt das den Haarausfall.

Psychische Auswirkungen und Unterstützung

Zwar hat der kreisrunde Haarausfall keine Auswirkungen auf die Lebenserwartung, dennoch ist die psychische Gesundheit oft sehr erheblich beeinträchtigt.

Die Alopecia areata ist gesundheitlich für die Patient*innen nicht schädlich. Allerdings kann sie bei Betroffenen, vor allem bei Frauen, eine große psychische Belastung hervorrufen.

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.

Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.

Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.

In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.

Unterstützungsangebote:

  • Psychotherapie: Professionelle Hilfe bei psychischen Belastungen durch den Haarausfall.
  • Selbsthilfegruppen: Austausch mit anderen Betroffenen und gegenseitige Unterstützung.
  • Kosmetische Maßnahmen: Perücken, Haarteile, künstliche Wimpern oder Augenbrauen zur Kaschierung des Haarverlusts.

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