Kreisrunder Haarausfall an Augenbrauen und Wimpern: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Vermutlich achtest du momentan mehr denn je auf sämtliche Signale, die dir dein Körper so schickt - immer auf der Ausschau nach Corona-Symptomen. Vielleicht hast du auch gehört, Haarausfall sei eine recht typische Spätfolge des Virus, und hast seitdem deine Haare besonders im Auge; vor allem die, die du in deiner Bürste, der Dusche oder auf deinem Kopfkissen findest.

Dabei kann übermäßiger Haarausfall natürlich viele Ursachen haben, doch geht es im Gespräch darüber meist um die Haare am Oberkopf. Aber was hat es zu bedeuten, wenn es stattdessen deine Wimpern und Augenbrauen sind, die aktuell deutlich lichter aussehen als sonst?

Vor allem, weil moderne Schönheitsideale häufig einen dramatischen Wimpernaufschlag und perfekt definierte Augenbrauen von uns erwarten, kann der Verlust dieser Haare genauso traumatisch sein wie Haarausfall am Oberkopf - mal ganz davon abgesehen, dass du dir bei allen Arten des Haarverlusts vermutlich erstmal Sorgen um deine Gesundheit machst.

Bevor ich mich hier aber in medizinische Ratschläge stürze, eine kurze Erinnerung vorweg: Corona und die damit einhergehende Selbstisolation hat unser aller Selbstbild auf den Kopf gestellt. Die Konsequenz spiegelt sich in den Zahlen wider: Die Nachfrage nach Schönheitsoperationen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.

Kein Wunder, wenn du bedenkst, wie oft wir derzeit mit unserem eigenen Aussehen konfrontiert werden, wenn wir tagein, tagaus in Videocalls rumhängen. Da kann es schon passieren, dass wir Dinge zu sehen glauben, die gar nicht wirklich da sind. Sehen wir uns die medizinischen Fakten genauer an.

Ursachen für Haarausfall an Augenbrauen und Wimpern

Haarausfall an den Augenbrauen kann tatsächlich jeden treffen. Egal ob Frau oder Mann, es ist gar nicht so selten, dass die Augenbrauenhaare ausfallen. Ebenso wie beim Haarausfall am Kopf gibt es zahlreiche Gründe für Augenbrauenverlust.

Der Verlust kann durch einen Unfall schlagartig eintreten. Aber auch eine schleichende Entwicklung durch anhaltenden Haarausfall an den Augenbrauen ist häufig zu beobachten. Doch keine Sorge: Wir kennen die Ursachen und klären darüber auf.

Zudem ist der Haarausfall in einigen Fällen reversibel bzw. kann gut behandelt werden.

Alopecia Areata als mögliche Ursache

„Wenn sich der Haarverlust auf deine Augenbrauen und Wimpern beschränkt, könnte die Ursache Alopecia Areata sein - also kreisrunder Haarausfall“, meint die Trichologin Stephanie Sey. Tricholog:innen beschäftigen sich mit allen Haarproblemen.

„Wie auch bei anderen Arten des Haarausfalls wird Alopecia Areata durch eine Immunreaktion ausgelöst, bei der der Körper damit anfängt, Haarfollikel anzugreifen. Die Besonderheit des kreisrunden Haarausfalls liegt darin, dass er nur kleine, örtlich begrenzte Bereiche betrifft.“ Laut Sey kann sich der Ausfall daher auch durchaus nur auf eine Lücke in einer Augenbraue begrenzen.

Meist liegt dem Ganzen eine schief gelaufene Stressreaktion zugrunde: „Gerade jetzt hört man häufig von Alopecia Areata, weil aktuell viele Menschen unter Stress und Angstzuständen leiden - und einer der Vorboten des Haarausfalls ist Stress“, erklärt Sey und ergänzt, dass davon häufig Student:innen, entlassene Angestellte oder Leute, die große Lebensveränderungen durchmachen, betroffen sind.

Wenn du dickes, dichtes Haar auf dem Kopf hast, ist dir vielleicht bisher kein Haarverlust am Oberkopf aufgefallen. Das heißt aber nicht, dass er nicht da ist. „Häufig bemerken Leute mit dichtem Haar gar nicht, dass sie es verlieren, bis ein:e Friseur:in sie darauf hinweist“, sagt Sey.

Das liegt auch daran, dass der Wachstumszyklus deiner Wimpern und Augenbrauen deutlich kürzer ist (etwa drei Monate) als der deiner anderen Haare (bis zu sieben Jahre). Nach dieser Zeit fallen sie aus - und daher fallen dir an den Wimpern und Brauen eben schneller kahle Stellen auf.

Bitte lass dir davon jetzt aber keine Angst machen! Ich will dir bloß alle möglichen Fakten geben, damit du im Zweifelsfall gut informiert zum Facharzt bzw. zur Fachärztin gehen kannst.

Und es gibt auch gute Neuigkeiten: „In vielen Fällen von Alopecia Areata ist die Ursache für den Haarverlust schon behoben, wenn er dir überhaupt auffällt“, meint Sey. Konkret heißt das: Wenn deine Haare abgestorben sind und ausfallen, liegen der Stress oder die Krankheit, die dafür verantwortlich war, meist schon eine Weile zurück.

Der Verlust ist also quasi eine Art Kater - noch dazu ein normalerweise gut heilbarer, versichert mir Sey. Trotzdem solltest du dir im Zweifel eine (fach-)ärztliche Meinung einholen.

Wenn du aber glaubst, der Verlust deiner Wimpern und Augenbrauen sei womöglich auf dich selbst zurückzuführen, weil du immer daran rumzupfst, hilft dir womöglich dieser Artikel zur sogenannten Dermatillomanie - dem zwanghaften Zupfen an der eigenen Haut. Und auch vermeintlich harmlose Angewohnheiten wie das Spielen mit den Haaren können irgendwann krankhaft werden.

Generell kann es helfen, deinen Stresspegel (insbesondere momentan) zu senken, beispielsweise durch Meditation, Yoga, lange Spaziergänge oder Trash-TV.

Wenn du an dir selbst solche Angewohnheiten feststellst, bitte andere darum, dich darauf hinzuweisen, wann immer sie dich dabei erwischen; und deine unruhigen Finger kannst du zum Beispiel durch einen Stressball oder Fidget Spinner ablenken.

Von Seren, Supplements & Co., die schnelleres Haarwachstum versprechen, würde Sey aber eher abraten, weil die Wirksamkeit vieler solcher Produkte bisher nicht wissenschaftlich erwiesen ist.

Weitere mögliche Ursachen

  • Genetische Veranlagung: Liegt ein genetisch bedingter Augenbrauenausfall vor, bedeutet das: die Veranlagung hierzu ist vom Vater oder der Mutter vererbt.
  • Narbenbildung: Das passiert nicht selten in Folge von Schnittwunden im Augenbereich. Ähnliche Narben entstehen auch bei der Entfernung von Tumoren, wobei diese auch mit einem kompletten Verlust der Augenbrauenhaare einhergehen können.
  • Chemotherapie und Strahlentherapie: Patienten, die sich einer Strahlen- oder Chemotherapie aussetzen müssen, leiden oft unter Haarausfall. Dies kann einen plötzlich starken Haarausfall hervorrufen oder auch ein schleichender Prozess sein.
  • Medikamente: Bei Augenbrauenverlust durch Medikamenten-Einnahme kommt es bei den meisten Patienten nach dem Absetzen des Medikaments zu einem erneuten Wachstum der ausgefallenen Haare.
  • Vitalstoffmangel: Bei manchen Patienten liegt die Ursache für den Haarausfall an den Augenbrauen in einem Mangel an bestimmten Vitalstoffen. Auch ein Zinkmangel, Eisenmangel oder Magnesiummangel kann sich nachteilig auf die Haargesundheit auswirken.
  • Stress: Permanenter Stress sorgt nämlich für einen hohen Spiegel an Stresshormonen, die wiederum die Konzentration der Botenstoffe in der Kopfhaut beeinflussen. Sie regulieren die Immunabwehr herab, was wiederum zu Entzündungen an den Haarwurzeln führt. Die Folgen sind schwerwiegend: Das Haarwachstum ist gestört, die Haare fallen vermehrt aus und im schlimmsten Fall entwickelt sich eine Alopezie (diffuser oder kreisrunder Haarausfall).
  • Permanent Make-up und Microblading: Die hierbei entstehenden Narben und Schädigungen sind noch massiver als klassisches Permanent Make-up.
  • Übermäßiges Zupfen: Durch zu intensives Augenbrauen zupfen kann es zum partiellen oder gar kompletten und langfristigen Verlust der Augenbrauen kommen.
  • Hormonelle Schwankungen: Nicht selten kommt es nach der Schwangerschaft dazu, dass die Haare vermehrt ausfallen. Mediziner sprechen in diesem Fall vom postpartalen Effluvium. Auch in den Wechseljahren klagen einige Frauen über Haarverlust an Augenbrauen, Kopfhaar oder Wimpern. In der Regel ist dies ebenfalls auf die hormonellen Schwankungen zurückzuführen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) - Ursache & Behandlung - Einfach erklärt von Dr. Durani

Diagnose von kreisrundem Haarausfall

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) ist in der Regel an der Art erkennbar, wie sich das Haar lichtet - also an den typischen runden kahlen Stellen am Kopf. Mitunter entstehen die Flecken an den Augenbrauen oder im Bart.

Neben der Kopf- und Gesichtsbehaarung untersuchen Ärztinnen und Ärzte das Körperhaar, denn auch dort kann kreisrunder Haarausfall auftreten. Zudem schauen sie sich die Nägel an. Denn bei Menschen mit Alopecia areata kann es zu Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel kommen.

Zusätzlich sucht die Ärztin oder der Arzt mit einem Auflichtmikroskop (Dermatoskop) die lichten Stellen nach den typischen abgebrochenen Haaren ab - den „Ausrufezeichen-Haaren“.

Außerdem kann die Ärztin oder der Arzt einen Zupftest machen. Lassen sich die Haare an den Rändern der kahlen Stellen leicht auszupfen, weist das ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall hin.

Insbesondere schaut sie oder er nach den Haarbälgen und Poren. Sind diese noch sichtbar, ist das ein Zeichen dafür, dass die Haare grundsätzlich wieder nachwachsen können. Zudem können die Poren gelb oder schwarz verfärbt sein.

Gewebe zu entnehmen, also eine Biopsie zu machen, ist in der Regel nicht notwendig. Das kommt nur dann infrage, wenn trotz einer gründlichen Untersuchung und eines ausführlichen Gesprächs die Diagnose unklar ist.

Zusätzliche Tests

  • Untersuchung der Haare am Kopf, im Gesicht und am Körper sowie der Nägel: Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen.
  • Die Untersuchung der Haut und Haarfollikel mittels Hautoberflächenmikroskopie: Die klinische Untersuchung gemeinsam mit der Dermatoskopie der Kopfhaut sind die wichtigsten Schritte und, in meisten Fällen, ausreichend um die Diagnose Alopecia areata zu stellen.
  • Zupftest: Sehr hilfreicher Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie. Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt. Hierbei wird ein dickes Haarbüschel (ca. 20-50 Haare) zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger am Haaransatz nahe der Kopfhaut fest gefasst, und dann fest, aber nicht gewaltsam von der Kopfhaut weggezogen. Wenn mehr als 10 % der erfassten Haare zwischen den Fingern am Ende verbleiben, gilt dies als positiver Zupftest und deutet auf aktiven Haarausfall hin. Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.
  • SALT Score: Das „Severity of Alopecia Tool’’ oder der sog. SALT Score ist ein sehr hilfreiches, visuelles Mittel zur Bestimmung des prozentualen Kopfhaarausfalls bei Alopecia areata.

Behandlungsmöglichkeiten bei kreisrundem Haarausfall

Bei vielen Menschen mit kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) wachsen die Haare innerhalb eines Jahres von allein nach. In solch einem Fall ist keine Behandlung notwendig. Das Problem: Es lässt sich nicht sicher vorhersagen, bei wem die Haare nachwachsen und bei wem nicht.

Für die Behandlung von Alopecia areata stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Diese reichen von Medikamenten zur äußerlichen (topischen) Anwendung auf der Kopfhaut, über eine topische Immuntherapie bis hin zum Einsatz sogenannter JAK-Inhibitoren in Tablettenform.

Ziel dieser Therapien ist, die Entzündung an den Haarwurzeln zu stoppen und die Haarwurzeln dazu anzuregen, neue Haare zu bilden und nachwachsen zu lassen.

Im besten Fall wachsen die Haare nach, ohne erneut auszufallen. Ein gewisses Risiko für künftige Haarausfall-Schübe bleibt jedoch bestehen.

Welche Therapie zum Einsatz kommt, richtet sich immer auch nach den persönlichen Bedürfnissen. Wichtig: Nicht immer stellt sich nach einer Behandlung der gewünschte Erfolg ein. Vor allem bei schwerem kreisrundem Haarausfall und einem frühen Erkrankungsbeginn kommt es häufig zu Rückfällen. Außerdem haben alle Therapien Nebenwirkungen.

Übliche Behandlungsmethoden

  • Behandlung mit Kortison: Zu Beginn einer Therapie kommen üblicherweise Präparate mit entzündungshemmendem Kortison zum Einsatz - meist zum Auftragen auf die kahlen Stellen. Um sicher sagen zu können, ob die äußerliche Behandlung anschlägt, muss man die Präparate für mindestens drei Monate anwenden, maximal für fünf bis sechs Monate. Solange dauert es, bis die Entzündung nachlässt, die Haarwurzeln sich erholen und ein neues Haar nachwachsen kann. Ein nächster Schritt in der Therapie kann darin bestehen, Kortison in die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen. Da manche Menschen diese Maßnahme als sehr schmerzhaft empfinden können, eignet sie sich nicht für jede Person. Ist der Haarausfall stärker ausgeprägt, können Ärztinnen und Ärzte Kortison als Tabletten in Form einer Stoß- oder Pulstherapie einsetzen. Das Medikament kommt dabei in abnehmender Dosierung und über einen kurzen Zeitraum zum Einsatz oder in einem On-Off-Schema - also einem Wechsel von Einnehmen („On“) und Absetzen („Off“). Mitunter wird die äußerliche Anwendung oder das Spritzen von Kortison mit der Einnahme von Kortison-Tabletten kombiniert.
  • Kombi-Therapie: Kortison und Minoxidil: Grundsätzlich ist es möglich, unterstützend Minoxidil als Lösung, Spray oder Schaum anzuwenden. Dieser Wirkstoff soll die Durchblutung der Kopfhaut fördern und somit das Haarwachstum anregen. Setzt man Minoxidil nach der Kortison-Behandlung ein oder parallel dazu, könnte sich das positiv auf das Haarwachstum auswirken. Minoxidil-Präparate sind frei verkäuflich und für die Anwendung beim anlagebedingten Haarausfall bestimmt. Für den Einsatz bei Alopecia areata sind sie nicht zugelassen. Lassen Sie sich ärztlich zur richtigen Anwendung und den möglichen Nebenwirkungen beraten.
  • Therapien mit Licht: Lichtbehandlungen mit UV-B-Licht, mitunter auch als Excimer-Laser bezeichnet, haben einen gewissen therapeutischen Stellenwert und können mit anderen Behandlungen kombiniert werden. Der Nachteil ist, dass mehrere Therapiesitzungen nötig sind und man sich dafür regelmäßig in der ärztlichen Praxis einfinden muss. Hinzu kommt, dass sich durch das Bestrahlen der Haut mit UV-Licht das Hautkrebs-Risiko erhöht. Dieses steigt umso eher, je länger die Therapie dauert.
  • Immuntherapie mit DCP: Falls nach Therapieversuchen mit Kortison nicht zu erkennen ist, dass Haare nachwachsen, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Die Substanz wird auf die Kopfhaut gepinselt und löst an den behandelten Stellen gezielt eine Allergie aus. Mit dieser Maßnahme möchte man das Immunsystem dazu bringen, den „Angriff“ auf die Haarwurzeln zu unterlassen. Vereinfacht gesagt, wird das Immunsystem durch die künstlich hervorgerufene allergische Reaktion von der Entzündung an den Haarwurzeln abgelenkt. Wichtig: Die Therapie mit DCP bei Alopecia areata ist in Deutschland nicht zugelassen, kann aber ärztlich verordnet werden. Medizinerinnen und Mediziner bezeichnen das als Off-Lable-Use - was so viel heißt wie „Verwendung, die nicht auf dem Etikett steht“. Erwägt man solch eine Therapie, sollte man sich an ein dafür spezialisiertes Zentrum, beispielsweise an einer Universitätsklinik, wenden.
  • Reiztherapie mit Dithranol: Alternativ zur DCP-Behandlung kommt eine Reiz-Therapie mit Dithranol infrage. Fachleuten zufolge birgt diese Behandlung weniger Risiken und eignet sich daher vor allem bei Kindern. Hierbei handelt es sich um Präparate, die zur äußerlichen Anwendung bei Menschen mit Schuppenflechte zugelassen sind. Ärztinnen und Ärzte dürfen sie aber bei kreisrundem Haarausfall verordnen („Off-Label-Use“).
  • Einsatz von JAK-Inhibitoren: JAK steht für Januskinasen. Inhibitor bedeutet Hemmstoff. Januskinasen sind Enzyme, die Entzündungsprozesse fördern, die mit kreisrundem Haarausfall in Zusammenhang stehen. JAK-Inhibitoren, also Hemmstoffe gegen diese Kinasen, ermöglichen es, die Entzündungsprozesse zu unterdrücken. In der Folge erholen sich die Haare und können wieder nachwachsen. Im Juni 2022 hat die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den Wirkstoff Baricitinib als ersten JAK-Inhibitor zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem kreisrundem Haarausfall zugelassen. Die Hemmstoffe werden als Tabletten eingenommen. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten für die bisher noch teure Behandlung zu übernehmen. Es ist daher sinnvoll, sich vor Therapiebeginn eine Zusage zur Kostenübernahme einzuholen. Eine Behandlung mit JAK-Inhibitoren vermag es ebenfalls nicht, den Haarausfall zu heilen. Bereits einige Wochen nach Absetzen der Tabletten können die Haare wieder ausfallen. Zudem birgt die Einnahme Nebenwirkungen, sodass Untersuchungen vor der ersten Einnahme und regelmäßig während der Therapie notwendig sind. Da JAK-Inhibitoren das Immunsystem leicht unterdrücken, ist es sinnvoll, vor Beginn der Therapie den Impfstatus zu prüfen und wichtige fehlende Impfungen nachzuholen.
  • Haartransplantation: Mit modernsten Methoden der Haartransplantation ist auch eine Korrektur der Augenbrauen bzw. eine Neupositionierung möglich.

Weitere Therapieansätze

  • Topische Therapie mit Kortikosteroiden: Hierbei wird ein stark bis sehr stark wirksames Kortikosteroid (Klasse III/IV) im Bereich der Haarausfallherde an der Kopfhaut angewendet.
  • Intraläsionale Kortikosteroid-Injektion: Hier wird mit einer dünnen Nadel eine bestimmte Menge eines Kortisonpräparates (Triamcinolonacetonid Kristallsuspension) in die Kopfhaut eingespritzt. Die Unterspritzung erfolgt in der Hautebene (intrakutan), nicht ins Unterhautgewebe. Während jeder Sitzung erfolgen mehrere Injektionen an den Rand der Haarausfallsbereiche. Die Dauer der Behandlung wird abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit vom behandelnden Arzt nach Rücksprache mit dem Patienten festgelegt. In der Regel erfolgen ca. 3-5 Unterspritzungen alle 4-8 Wochen. Bei gutem Ansprechen und Verträglichkeit können weitere Sitzungen erfolgen.
  • Systemische Therapie mit Kortison: Die systemische Therapie mit Kortison erfolgt meistens in Form einer oralen Prednisolon-Stoßtherapie, d.h. tägliche ca. einwöchige orale Einnahme von Kortikosteroiden jeweils unterbrochen durch einnahmefreie Intervalle. Die gesamte Dauer der Therapie beträgt mindestens 3 Monate, diese soll jedoch vom behandelnden Arzt entsprechend des Ansprechens und des Auftretens von den Nebenwirkungen angepasst werden. Es ist wichtig, dass der Patient über die bekannten, möglichen Nebenwirkungen einer systemischen Kortison-Therapie von dem behandelnden Arzt aufgeklärt und überwacht wird.
  • Dithranol: Diese Option ist aufgrund ihres günstigeren Risikoprofils eine Alternative zur Sensibilisierungstherapie, besonders bei Kindern. Der Wirkmechanismus ist derzeit unklar, es wird jedoch vermutet, dass die vom Dithranol verursachte leichte Reizung der Kopfhaut zu einer Umlenkung der Entzündungszellen führt und es damit zur Förderung des Nachwachsens der Haare kommt. Zu den Nebenwirkungen gehören starke Reizung an den Anwendungsstellen, sowie vorübergehende Verfärbungen der Haut und Haare.
  • Minoxidil: Dies ist eine Substanz, die die Durchblutung um den Haarfollikel verbessert und so das Haarwachstum anregt. Der Wirkstoff hat keinen Einfluss auf die Entzündung, fördert jedoch das Haarwachstum, nachdem die Entzündung von der für die AA angesetzten Therapie (z.B. topische Kortikosteroide) unterdrückt wurde. Es könnte unterstützend beim Nachwachsen der Haare in den umschriebenen AA Herden eingesetzt werden.
  • Zink Supplementierung: Zink hilft die Immunantwort zu modulieren, und könnte bei Zink-Mangel hilfreich sein. Aber die verfügbaren Daten sind noch widersprüchlich, und kommen von kleinen Studien und Fallberichten.
  • Vitamin D Supplementierung: Die Einnahme bei entsprechendem Vitaminmangel könnte von Bedeutung sein.

Umgang mit dem Haarausfall

Jeder Mensch geht unterschiedlich damit um, Haare zu verlieren. Manche kommen gut damit klar, für andere ist es ein einschneidendes Erlebnis.

Kreisrunder Haarausfall fällt leicht auf und kann dazu führen, dass sich Betroffene unwohl fühlen.

Tritt der Haarverlust sehr plötzlich auf oder ist er sehr stark ausgeprägt, kann das emotional enorm belasten. Mitunter passiert es, dass Menschen aufgrund des Haarausfalls gemobbt und sozial ausgegrenzt werden - vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Risiko groß.

In solchen Fällen lässt sich einiges tun, um den Leidensdruck zu mindern.

Kosmetische Maßnahmen

  • Manchen hilft es, den Kopf zu rasieren - viele Männer greifen zu dieser Maßnahme.
  • Andere tragen lieber eine Perücke oder ein Haarteil. Man bekommt den Haarersatz ärztlich verordnet. Die Krankenkassen übernehmen dafür unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise die Kosten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse zu den genauen Konditionen.
  • Wer kreisrunden Haarausfall an den Wimpern hat, kann erwägen, künstliche Wimpern zu tragen.
  • Sind die Augenbrauen betroffen, kann man künstliche Augenbrauen aufkleben, die Augenbrauen mit Schminke nachzeichnen oder tätowieren lassen (Permanent-Make-up). Bevor man sich für die eine oder andere Maßnahme entscheidet, ist eine Beratung zu den Kosten sowie zu den Vor- und Nachteilen der Methode sinnvoll.

Psychotherapeutische Betreuung

Wenn der Haarausfall trotz kosmetischer Maßnahmen sehr stark belastet und psychische Symptome wie Depressivität oder Ängstlichkeit hinzukommen, ist professionelle psychotherapeutische Hilfe sinnvoll.

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