Wer an Krebs erkrankt, muss sich häufig darauf einstellen, dass durch die Therapie die Haare ausfallen. Das bedeutet oft auch, eine gewisse Zeit mit einer Glatze zu leben. Sichtbare Folgen von Krebstherapien wie Haarverlust oder Narben können das Selbstwertgefühl stark beeinträchtigen.
Bestimmte Krebsbehandlungen führen zu einem vorübergehenden Haarverlust. Viele denken hier zunächst an das Kopfhaar und machen sich Gedanken über Perücken und Tücher. Aber wie sieht es im Gesicht aus?
Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen von Haarausfall und Augenbrauenverlust im Zusammenhang mit Krebsbehandlungen und bietet Informationen zu Behandlungen und Möglichkeiten, mit den Veränderungen im Aussehen umzugehen.
Chemotherapien, Bestrahlungen und Antihormontherapien sind häufig - aber nicht zwingend - mit Haarausfall verbunden. Selten tritt er bei zielgerichteten Therapien und Immuntherapien auf.
Chemotherapie: Eine Krebsbehandlung mit Chemotherapie zielt darauf, die sich schnell teilenden Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Diese Form der Therapie wirkt auf den ganzen Körper und schädigt auch schnell wachsendes, gesundes Gewebe - wie die Haarwurzel-Zellen. In der Folge hören die Haare auf zu wachsen und fallen aus.
Nicht jede Chemotherapie geht mit Haarausfall einher. Ob es dazu kommt, hängt davon ab:
Neben dem Kopfhaar können Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achsel- und Schamhaare verloren gehen.
Bestrahlung: Eine Bestrahlung zerstört die Krebszellen um den bestrahlten Bereich herum. Wird etwa der Kopf bestrahlt, kann das die Haarwurzeln schädigen und Haarausfall begünstigen. Im Vergleich zur Chemotherapie ist eine Bestrahlung seltener mit Haarausfall verbunden.
Zielgerichtete Therapie: Zielgerichtete Therapien greifen nur ganz bestimmte Strukturen der Krebszellen an. Gesundes Gewebe schädigen sie in der Regel nicht. Es gibt jedoch Wirkstoffe, die sich gegen Strukturen richten, die auch bei gesunden Zellen vorkommen. Betrifft es die Zellen der Haarwurzeln, ist Haarausfall möglich.
Immuntherapie: Immuntherapien dienen dazu, dass Immunsystem zu aktivieren und dieses gezielt gegen die Krebszellen zu richten. Wie es dabei genau zu Haarausfall kommt, ist bisher unklar. Man vermutet, dass Entzündungsprozesse an den Haarwurzeln eine Rolle spielen.
Antihormontherapie: Wie Antihormontherapien mit Haarausfall zusammenhängen, ist ebenfalls noch nicht vollständig geklärt. Was man weiß: Geschlechtshormone beeinflussen das Haarwachstum.
Da die eigentliche Haaranlage durch eine Krebsbehandlung meist nicht geschädigt wird, wachsen die Haare nach Ende der Therapie in der Regel nach.
Bei einer Chemotherapie fallen die Haare üblicherweise ein bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn aus. Manchmal fängt der Haarausfall erst nach mehreren Therapie-Sitzungen an. Bei Haarausfall durch eine Bestrahlung verhält es sich ähnlich.
Kommt es im Zuge einer zielgerichteten Therapie zu Haarveränderungen, treten diese indes erst zwei bis drei Monate nach Behandlungsbeginn auf.
Ist die Behandlung abgeschlossen und sind die Medikamente im Körper abgebaut, wachsen die Haare wieder nach. Das passiert meist innerhalb von drei bis sechs Monaten. Bis das Haar vollständig nachgewachsen ist, kann es aber noch länger dauern.
Das nachwachsende Haar ist oft fülliger und lockiger. Zudem kann die Farbe der neuen Haare von der ursprünglichen Haarfarbe abweichen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich auf den Haarausfall vorzubereiten:
Wer sich mit dem Haarausfall unwohl fühlt und in der Öffentlichkeit keine Glatze tragen möchte, kann ihn auf verschiedene Weise verbergen:
Sei geduldig mit dir selbst: Augenbrauen und Wimpern können vorübergehend ausfallen, wachsen aber nach einiger Zeit wieder nach. Fehlende Wimpern und müde Augen kann man mit einfachen Mitteln kaschieren, damit man sich in dieser belastenden Zeit wohler und attraktiver fühlt. Mehr Ausdruck in den AugenMit ein paar Tricks kannst du deinen Blick offener und wacher wirken lassen.
Augenbrauen nachzeichnen:
Augenbrauen und Wimpern fallen meist etwas später als das Kopfhaar aus, da sie nicht so schnell wachsen. Sind noch einzelne Härchen vorhanden, kannst du den natürlichen Verlauf der Brauen einfacher nachzeichnen. Wenn keine Haare mehr da sind, ist es schwieriger, die Brauen symmetrisch und ihrer natürlichen Form folgend zu schminken. Daher sind bei vielen Kosmetikprodukten wie Augenbrauenpuder Schablonen beigefügt, die eine gute Hilfe sein können.
Nimm ein älteres Foto von dir als Vorlage, damit du den natürlichen Verlauf deiner Augenbrauen besser nachzeichnen kannst.
Augenbrauenstifte sind meist etwas härter als Kajalstifte. Mit ihnen kann man kleine Härchen präzise nachzeichnen. Wähle eine Farbe passend zu deiner natürlichen Haarfarbe und nimm im Zweifel eine etwas hellere Farbe, damit die Brauen nicht zu hart wirken.
Für einen 3D-Effekt zeichnest du mit einer etwas dunkleren Farbe einzelne Härchen dazwischen. Alternativ kannst du mit einem Augenbrauenpuder auch flächiger arbeiten. Abschließend alles mit Transparentpuder und einem breiten Pinsel verblenden.
Permanent-Make-up:
Auch wenn du wasserfeste Produkte verwendest, halten geschminkte Augenbrauen in der Regel nur einen Tag. Wenn du deinen Augenbrauen längerfristig mehr Farbe geben möchtest, kommt vielleicht ein Permanent-Make-up infrage. Hier gibt es unterschiedliche Techniken, Augenbrauen und Wimpern längerfristig anzudeuten.
Wenn du abschätzen kannst, dass du in den nächsten Wochen eine Chemotherapie machen wirst, kannst du frühzeitig deine Brauen mit Permanent-Make-up nachzeichnen lassen. Während der Chemotherapie ist das Infektionsrisiko erhöht, daher sollte man während der Therapie von einer solchen Behandlung absehen.
Es gibt Perücken aus Echt- und Kunsthaar, die verschieden geknüpft sind. Im Tragekomfort unterscheiden sie sich kaum. Perücken aus Echthaar sind jedoch aufwändiger zu pflegen und teurer.
Erkundigen Sie sich im Zweithaarstudio zu den aktuellen Preisen. Bei der Wahl des Zweithaarstudios ist darauf zu achten, dass es von der jeweiligen Krankenkasse als Anbieter zugelassen ist.
Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Perücke trägt oder anteilig übernimmt, muss der Arzt oder die Ärztin den Haarersatz verordnen. Zudem muss die Krankenkasse die Verordnung genehmigen.
Ob die Kosten ganz oder teilweise übernommen werden, hängt vom Perücken-Modell ab. Hat die Perücke Eigenschaften, die über die medizinisch notwendige Versorgung hinausgehen, muss man die Mehrkosten selber tragen.
Fallen die Haare aus, ist die Kopfhaut an den haarlosen Stellen sehr empfindlich und benötigt eine spezielle und schonende Pflege.
Solange die Haare ausfallen und nicht vollständig nachgewachsen sind, ist es ratsam:
In dieser Zeit empfiehlt es sich:
Kühlkappen sollen helfen, Haarausfall zu vermeiden. Ärztinnen und Ärzte können sie anbieten, wenn mit starkem Haarverlust zu rechnen ist - etwa bei einer Chemotherapie über die Vene.
Man trägt die Kühlkappe einige Minuten vor, während und nach der Medikamentengabe. Das kann mit starkem Kälteempfinden und Kopfschmerzen verbunden sein.
Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. In der Folge fließt weniger Blut durch die Kopfhaut. Dadurch gelangt auch weniger Chemotherapie-Medikament über das Blut in die Kopfhaut und schließlich in die Haarzellen.
Gleichzeitig drosseln die Haarwurzeln ihren Stoffwechsel und nehmen insgesamt geringere Mengen des Medikaments auf: Die Haare werden weniger geschädigt und können erhalten bleiben.
Der Einsatz von Kühlkappen eignet sich nicht für jede Krebsform und jede Krebsbehandlung. Zudem sind sie nicht überall verfügbar.
Sprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, ob eine Kopfhautkühlung infrage kommt. Fragen Sie zudem bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Kosten dafür übernommen werden.
Plötzlich und schnell die Haare zu verlieren, ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis.
Der Haarverlust kann dazu führen, dass man sich zum Beispiel traurig oder wütend fühlt. Auch fällt es manchmal schwer zu entscheiden, wie man am besten mit dem Haarausfall umgeht.
Dann kann es hilfreich sein:
Ist die emotionale Belastung sehr groß, bieten Psycho-Onkologinnen und Psycho-Onkologen therapeutische Hilfe.
Wichtig: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen.
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