Krankheitsbedingter Haarausfall bei Frauen: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Fast jede dritte Frau hat im Laufe ihres Lebens mit Haarausfall zu kämpfen. Der Leidensdruck ist groß, dabei lässt sich Haarverlust gezielt bekämpfen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von krankheitsbedingtem Haarausfall bei Frauen.

Was ist normaler Haarausfall?

Zwischen 75.000 und 150.000 Haare haben wir auf dem Kopf. Sie schützen unsere Kopfhaut vor der UV-Strahlung und verhindern ein zu schnelles Abkühlen des Kopfes. Täglich verlieren wir bis zu 100 Haare beim Kämmen, Waschen oder Stylen. Das ist ganz normal und sie wachsen wieder nach. Dauert der Haarausfall mehrere Wochen und gehen täglich mehr als 100 Haare aus oder entstehen haarfreie Stellen, liegt ein Haarausfall vor.

Ursachen von Haarausfall bei Frauen

Haarausfall bei Frauen kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind die häufigsten:

  1. Androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall): Dies ist die häufigste Ursache von Haarausfall, auch bei Frauen. Dabei reagieren die Haarwurzeln wahrscheinlich empfindlich auf männliche Sexualhormone (Androgene).
  2. Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Diese Autoimmunerkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus.
  3. Diffuser Haarausfall (Telogenes Effluvium): Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Ursachen sind vielfältig, wie z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente, Stress oder Mangelernährung.
  4. Mechanisch bedingter Haarausfall (Traktionsalopezie): Diese Art von Haarausfall wird durch physische Belastungen der Haare verursacht, wie z.B. das ständige Tragen enger Zopfgummis.
  5. Krankheiten und Medikamente: Erkrankungen wie Schilddrüsenprobleme oder Nebennierenstörungen können ebenfalls Haarausfall bei Frauen verursachen. Zudem können bestimmte Medikamente das Haarwachstum hemmen.

Androgenetische Alopezie

Erblich bedingter Haarausfall, bekannt als androgenetische Alopezie, betrifft auch Frauen - wenn auch seltener als Männer. Der Haarverlust beginnt bei Frauen meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und ist durch eine zunehmende Ausdünnung des Haares gekennzeichnet. Ursache ist das Hormon Testosteron, genauer gesagt sein Abbauprodukt Dihydrotestosteron (DHT). Es lässt die Haarfollikel schrumpfen. Auf diese Weise wird das Haar dünner und wächst langsamer nach. Mit der Zeit können die betroffenen Haarfollikel so stark geschädigt werden, dass sie schließlich gar kein neues Haar mehr produzieren.

Auch der vordere Kopfbereich kann betroffen sein - eine Stirnglatze ist oft die Folge. Bei jüngeren Frauen kann die Abnahme der Haardichte zum Beispiel auch durch ein Polyzystisches Ovar Syndrom (PCOS) bedingt sein.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Kreisrunder Haarausfall - auch Alopecia areata genannt - kann in nahezu jedem Lebensalter auftreten. Dabei gehen die Haare schmerzlos und büschelweise aus. Die Krankheit kann neben dem Kopfhaar auch die übrige Körperbehaarung betreffen. Fallen die Haare komplett aus, sprechen Experten von einer Alopecia areata universalis.

Alopecia areata ist eine Autoimmunkrankheit. Durch einen Angriff des Immunsystems werden die Haare in ihrem Wachstum so stark gestört, dass sie ausfallen.

Kreisrunder Haarausfall

Diffuser Haarausfall

Diffuser Haarausfall ist eine häufige Form von Haarverlust. Gleichmäßig, über den ganzen Kopf verteilt, fallen die Haare aus. Die Ursachen sind vielfältig. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, bestimmte Medikamente, chronische Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten, schwere Infekte wie eine Grippe, Mangelernährung oder eine Chemotherapie.

Weitere Ursachen

Einige Kopfhauterkrankungen können vorübergehend oder dauerhaft zu Haarverlust führen. Dazu zählen schwere Ekzeme der Kopfhaut oder Pilzerkrankungen. Auch Druck und Zug auf die Haare kann zum Ausfall führen.

Stress Haarausfall verursachen kann. Stresshormon Cortisol hemmt das Haarwachstum. Bei länger anhaltendem negativen Stress schädigen zudem ausgeschüttete Botenstoffe und Neurotransmittel die Haarfollikel. Entspannen Sie sich öfters vom Alltag mit Hilfe von progressiver Muskelrelaxation oder Yoga und achten Sie darauf, sich regelmäßig eine Auszeit zu nehmen.

Diagnose von Haarausfall

Bei der Untersuchung fragen Ärztin oder Arzt ausführlich nach der Vorgeschichte der Patientin, bisherigen Untersuchungen und Therapien sowie Symptomen. Dann werden die Haare unter der Lupe betrachtet und geprüft, ob sie brüchig sind. Ein Zupftest zeigt, ob sich die Haare schnell lösen. Anschließend wird die Haarwurzel untersucht. Ein sogenanntes Trichogramm zeigt, in welcher Wachstumsphase die Haare ausfallen. Weitere Erkenntnisse kann eine computergestützte Haaranalyse liefern.

Empfinden Sie Ihren Haarausfall als übermäßig viel, ist es ratsam ärztliches Fachpersonal aufzusuchen und Ihre Vermutung abklären zu lassen. Durch ein persönliches Gespräch und Untersuchungen kann Ihr Arzt eine gesicherte Diagnose stellen und eine geeignete Behandlung vorschlagen.

Haarausfall bei Frauen: Welche Medikamente und Behandlungen helfen? | ARD GESUND

Behandlungsmöglichkeiten

Je früher die passende Behandlung eingeleitet wird, umso größer ist die Erfolgschance der Therapie. Zunächst muss aber die genaue Ursache des Haarausfalls gefunden sein, erst dann erstellt der Arzt einen individuellen Therapieplan. Ist ein bestimmtes Medikament für Haarausfall verantwortlich, kann möglicherweise ein alternatives Präparat ausprobiert werden. Sind Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion oder Mangelernährung die Ursache für den Verlust der Haare, müssen diese therapiert werden, um den Haarausfall zu stoppen.

Eine einheitliche Behandlung bei Haarausfall gibt es nicht. Sie richtet sich immer nach den Ursachen. In einigen Fällen setzt auch ohne Behandlung das Wachstum der Haare wieder ein. Liegt beispielsweise ein Mangel an Vitaminen vor, kann eine gezielte Einnahme der fehlenden Mineralstoffe den Haarausfall stoppen.

Medikamente

Es gibt zwei Wirkstoffe, die dem Haarausfall wirksam entgegensteuern können:

  • Minoxidil: Der Blutdrucksenker Minoxidil lässt bei erblich bedingtem Haarausfall in einigen Fällen neue, kräftigere Haare nachwachsen.
  • Anti-Androgene: Gegen hormonbedingten Haarausfall verschreiben Dermatologinnen und Dermatologen Tabletten, die Anti-Androgene enthalten.

Haartransplantation

Dafür werden Haare am Hinterkopf entnommen. An den kahlen Stellen setzt der Arzt Mikroschlitze und verpflanzt die Transplantate. Dabei bestimmt er auch die Dichte und Richtung, in der die Haare in Zukunft wachsen sollen. Das Ganze geschieht in Millimeterarbeit.

Weitere Produkte

Ob Öle, Seren oder Pulver zum Einnehmen: Im Einzelhandel werben viele Produkte damit, Haarverlust aufhalten zu können. Die Mittel, heißt es mitunter, könnten den Haarausfall „aktiv bekämpfen“ - mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Bambus oder Basilikum. Mit eigenen Studien wollen die Hersteller die Wirksamkeit der Produkte unterstreichen.

Expertinnen und Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft dieser oft kleinen und über einen kurzen Zeitraum hinweg durchgeführten Studien. Auch Nahrungsergänzungsmittel versprechen mitunter eine hohe Wirksamkeit bei Haarausfall.

Wer unter Haarverlust leidet, sollte zunächst das Expertengespräch bei der Dermatologin oder beim Dermatologen suchen. Produkte aus dem Einzelhandel sollten mit Vorsicht behandelt werden.

Hausmittel

Es gibt eine Reihe von Hausmitteln, die Frauen bei der Behandlung von Haarausfall helfen können:

  • Henna: Natürliches Henna-Pulver enthält Gerbstoffe, die die Kopfhaut straffen, das Haar kräftigen und Haarausfall reduzieren können.
  • Basilikum: Basilikumblätter haben antimikrobielle und entzündungshemmende Eigenschaften.

Vorbeugung von Haarausfall

Um das Haar natürlich zu stärken, helfen einfache Tipps. Einige haben wir hier für Sie zusammengetragen:

  • Gesund ernähren. Die Vitamine A, C und D spielen eine wichtige Rolle für gesunde und schöne Haare. Auch Nährstoffe wie Biotin, Eisen, Zink und Folsäure fördern das Wachstum der Haare.
  • Stress reduzieren. Das Stresshormon Cortisol hemmt das Haarwachstum.
  • Richtig pflegen. Waschen Sie Ihre Haare nur alle zwei bis drei Tage. Vermeiden Sie zudem übermäßige Hitze beim Stylen - das schädigt die Haarstruktur.
  • Natürliches Wachstum: Kräuter wie Brennnessel, Salbei oder Rosmarin werden in Form von Spülungen genutzt. Sie aktivieren die Haarwurzeln für einen schnelleren Haarwuchs.

Zusätzlich zu den oben genannten Informationen, hier eine Tabelle mit einigen wichtigen Nährstoffen und ihrer Rolle für das Haarwachstum:

Nährstoff Funktion
Vitamin A Wichtig für die Zellentwicklung und das Haarwachstum
Vitamin C Antioxidans, das die Haarfollikel vor Schäden schützt
Vitamin D Spielt eine Rolle bei der Bildung neuer Haarfollikel
Biotin Unterstützt die Keratinproduktion, ein wichtiges Protein für das Haar
Eisen Notwendig für den Sauerstofftransport zu den Haarfollikeln
Zink Wichtig für die Zellteilung und das Haarwachstum
Folsäure Unterstützt das Zellwachstum und die Bildung roter Blutkörperchen

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