Die staatstragende Betonfrisur von Königin Beatrix

Dreiunddreißig Jahre lang war Beatrix Königin der Niederlande, für Generationen gehörte sie genau so zum Land wie Tulpen, Käse und Fahrräder.

Am 31. Januar wird sie 80 Jahre alt. Und natürlich: Sie strahlt noch immer, und aus der staatstragenden Betonfrisur lugt kein vorwitziges Haar heraus.

Die Konstante im Leben der Niederländer

Während die Monarchin im Leben von Millionen Niederländern eine Konstante ist, sind ihre Haare es für sie. Und die haben sogar einen Namen.

Wenn Königin Beatrix für eine Sache bekannt ist, dann für ihre haubenartige Betonfrisur. Sie ist damit seit Jahrzehnten auf Briefmarken und Geldstücken zu sehen, erst auf Gulden, dann auf Euro-Münzen.

Die Silhouette ihres Kopfes wurde unverwechselbar, ein Symbol für Stabilität und Verlässlichkeit.

Die Staatsporträts der Königin, die alle öffentlichen Gebäude und auch viele Firmensitze und Kulturstätten in den Niederlanden schmücken, konnten deshalb im Laufe der Jahrzehnte immer abstrakter werden.

Zur Wiedererkennung reicht eine einzelne Linie, die die Umrisse des königlichen Hauptes nachzeichnet. Deshalb wäre es auch undenkbar gewesen, die Frisur zu ändern.

Niederländische Kommentatoren haben immer wieder gewarnt, dass dies geradezu eine Staatskrise, zumindest aber einen Einbruch der Aktienkurse heraufbeschwören würde. Fest steht, dass Beatrix eine der wenigen Konstanten im Leben von Millionen Niederländern ist.

Als sie 1980 Königin wurde, gab es noch Schreibmaschinen, Plattenspieler und die Berliner Mauer. Fast alles hat sich seitdem geändert, nur nicht die Frisur des Staatsoberhaupts. Und egal welche Katastrophen über die Niederlande hereinbrachen, ihre Haarpracht erwies sich als krisenfest.

Selbst bei Besuchen in sturmgepeitschten Überschwemmungsgebieten hielt die Föhnfrisur. Für viele ihrer Untertanen war das außerordentlich beruhigend. Solange Beatrix die Haare nicht durcheinandergerieten, konnten die Niederlande noch nicht ernsthaft bedroht sein.

Beatrix trägt ihre Frisur schon seit fast 50 Jahren. „Het Beatrixkapsel“ (die Beatrix-Frisur) wurde 1966 zu ihrer Hochzeit mit Prinz Claus entworfen.

Wie oft sie wiederhergerichtet werden muss, wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Vermutlich alle zwei Tage, sagen Friseure.

Während von Angela Merkel kürzlich noch Urlaubsfotos veröffentlicht wurden, die sie lässig unfrisiert zeigen, gestand sich Beatrix selbst in persönlichen Schicksalsstunden keine Schwäche zu.

Der Thronwechsel und die Frisur

Der am 30. April anstehende Thronwechsel bedeutet frisurenmäßig einen deutlichen Abstieg. Wie um den Niederländern über diesen Schock hinwegzuhelfen, werden Beatrix und Willem-Alexander zunächst noch zusammen auf der Rückseite niederländischer Zwei-Euro-Münzen abgebildet.

Willem-Alexander, der als unkompliziert bekannt ist, hat nichts anderes als einen Kochtopfschnitt.

Das Outfit der beiden Frauen

Das Outfit der beiden Frauen sprach für sich: die einstige Königin in schlichtem Kostüm, die künftige in mondäner Satin-Robe.

Als Königin Beatrix um zehn Uhr am Dienstagvormittag ihre Abdankung unterzeichnete, griff ihre äußere Erscheinung ihrer künftigen Rolle vor: Weder einer ihrer berüchtigten Hüte noch ein Diadem krönte das königliche Haupt. Da war lediglich ihre so typische Betonfrisur, die den Untertanen während ihrer gesamten Regierungszeit ein Gefühl von Stabilität und Halt gegeben hatte.

Selbst das Königsblau ihrer TV-Ansprache vom Vorabend hatte die 75-Jährige abgelegt: Zur Unterzeichnung der Dokumente trug Beatrix ein dezentes brombeerfarbenes Kostüm.

Um einiges pompöser trat auf: Máxima - künftige Königin und modisches Aushängeschild der Nation. Die 41-Jährige wirkte in ihrer zweiteiligen Robe aus zartrosa Satin ganz und gar prinzessinnenhaft.

Am Vorabend der Thronübergabe hatte sich Beatrix beim Gala-Dinner im Rijksmuseum in Amsterdam noch einmal ganz und gar als Königin präsentiert: in fliederfarbener, bestickter Robe mit Brokat-Borte am Ausschnitt, dazu eine glamouröse violette Stola mit Pelzbordüre.

Dass Beatrix zugunsten eines perlenverzierten Diadems auf die obligatorische Kopftorte verzichtete, dürften ihre Untertanen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Kenntnis genommen haben.

Wie gewohnt überstrahlte Máximas Garderobe alles - selbst die letzte Amtsrobe ihrer Schwiegermutter. Die 41-jährige angehende Königin trug ein Valentino-Kleid mit Volants, schulterfrei und feuerrot.

Am Dienstagmittag auf dem Balkon des Palastes: Ein paar warme Abschiedsworte, ein letztes Winken noch, dann trat sie ab - und mit ihr eine geradezu staatstragende Frisur.

Einst vom französischen Star-Figaro Alexandre zu ihrer Hochzeit mit Prinz Claus kreiert, trotzte die helmartige Haarpracht nicht nur heftigen Nordseestürmen, sondern auch jedem Frisurentrend.

Lange Zeit wurde Beatrix von Etienne Meyer im Salon De Kroon in Den Haag frisiert, der die Technik der "Beatrixkapsel" auch an der niederländischen Coiffeur-Akademie lehrte. Seit langem hat der Palast einen Privatcoiffeur, der Beatrix auch auf Reisen begleitet.

45 Jahre stand die königliche Frisur wie ein Fels in der Brandung, vermittelte Zuversicht und Standfestigkeit. Dem Geheimnis ihrer Form liegt übrigens eine Wasserwelle zugrunde: Haarsträhnen werden mit reichlich Festiger getränkt und auf Wickler gelegt, dann geht es unter die Fönhaube.

Entscheidend ist das anschließende Toupieren, um dem königlichen Haupt ein flauschiges Volumen zu verleihen. Perfektioniert wird der Helmlook durch Haarspray. Sehr viel Haarspray.

Dass die Welt auch nach der Abdankung der Frisur noch in Ordnung ist, demonstriert Beatrix später bei der Inthronisations-Zeremonie in der Nieuwe Kerk: Sie trägt zur Vereidigung ihres Sohnes wieder Kopftorte - in Königsblau!

Experten mutmaßen, dass es sich bei der Hutkreation um ein Modell aus Sinamay-Faser handelt, einer asiatischen Naturfaser, die durch ihren noblen Glanz und die hochwertige Form für solche Anlässe besser geeignet sei als herkömmliches Stroh.

Die Nationalhymne erklingt, es erscheint der künftige König - und die Welt blickt wie immer gebannt auf die Frau an seiner Seite: Máxima trägt ein langes, leuchtend blaues Kleid, auf dem Kopf ein mit Saphiren besetztes Diadem - das wertvolle Stück wurde 1881 im Auftrag König Willems III. für seine Frau Königin Emma angefertigt.

Abgerundet wird das Ensemble von einem bodenlangen Umhang in fließendem Stoff.

Bis zur Bootsfahrt durch die Gewässer von Amsterdam immerhin kann Willem-Alexander ausnahmsweise mit seiner Frau mithalten - zumindest, was den Umhang betrifft: Er trägt den klassischen samtenen Überwurf der Könige - rot, mit Hermelin-Besatz.

Máximas Robe wurde von dem Amsterdamer Coutourier Jan Taminiau entworfen und findet bei den Niederländern, aber auch weltweit, sehr viel Lob: In den sozialen Netzwerken äußerten sich User begeistert von dem "traumhaften", "atemberaubenden" Kleid.

Außer der leuchtend blauen Farbe weist der Entwurf noch eine Gemeinsamkeit mit der Garderobe von Beatrix auf: die ausgeprägten Schulterpartien.

Mit denen wusste die Königin, die jetzt Prinzessin ist, ihre kompakte Figur optisch auszugleichen, wie der österreichische Designer Claus Tyler im ORF so charmant erläuterte: "Die breiten Schultern und wuchtig wirkenden Hüte lenken von ihrer Figur ab und formen eine schöne Silhouette". Und: Genau wie die Helmfrisur vermitteln sie Präsenz und Stärke.

Ansonsten dominierten vor allem bunte Farben das Bild der internationalen Gesellschaft, die sich nach der Vereidigung zum Palast begab, wo im Anschluss der offizielle Empfang für das neue Königspaar der Niederlande stattfand.

Hamburg - Königin Beatrix führt gerne die Regie. Und das gilt auch für den Moment des Thronwechsels: Wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag kündigte die Dame mit der stets makellosen Frisur ihre Abdankung an.

In einem blauen Kostüm wandte sich die Regentin via Fernsehen an ihr Volk und erklärte am 30. April, genau 33 Jahre nach ihrer Thronbesteigung, die Krone weiterzureichen.

Umfragen bescheinigten der Königin mit den adretten Kleidern und bisweilen exzentrischen Hüten regelmäßig hohe Sympathiewerte bei ihren Landsleuten.

Auch zu ihrem 30. Thronjubiläum im Jahr 2010 hatte sich eine überwältigende Mehrheit der Niederländer Beatrix weiter als Staatsoberhaupt gewünscht, zugleich aber 2013 als ein gutes Jahr für eine Amtsübergabe genannt.

Beatrix' Mutter, Königin Juliana, hatte an ihrem 71. Geburtstag abgedankt. An diese inoffizielle Schwelle zum Eintritt ins königliche Rentnerdasein wollte ihre Tochter sich nicht halten.

Beatrix, die am 31. Januar 1938 als erstes Kind von Königin Juliana und Prinz Bernhard geboren wurde, ist dafür bekannt, in nahezu allen Angelegenheiten ihre eigene Vorstellung zu haben und diese konsequent durchzusetzen.

Deutlich wurde dies schon bei der Wahl ihres Ehemanns: Als 1965 die Verlobung mit dem deutschen Diplomaten Claus von Amsberg bekanntgegeben wurde, gab es aufgrund der deutsch-niederländischen Vergangenheit lautstarken Protest.

Doch statt sich dem Druck der Öffentlichkeit zu beugen, verlegte Beatrix die Hochzeit von Den Haag nach Amsterdam, dem Zentrum des Widerstands gegen die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs.

Prinz Claus gewann mit seiner bockigen Einstellung zum steifen Hofzeremoniell bald die Herzen der Menschen.

Anders als ihre Mutter verstand sich Beatrix Wilhelmina Armgard von Oranien-Nassau und von Lippe-Biesterfeld von Beginn an als politische Monarchin.

Sie lässt sich mit "Ihre Majestät" anreden, ist sich der verfassungsrechtlichen Grenzen ihres Amtes aber bewusst.

"Die Vorstandsvorsitzende der Firma Niederlande", wird sie oft spöttisch, aber auch anerkennend genannt. Sie arbeitet hart, ist stets gut informiert und ungeheuer pflichtbewusst, loben alle Ministerpräsidenten, die mit ihr zusammengearbeitet haben.

Bei ihren Auftritten hat die Königin stets ein professionelles Lächeln auf den Lippen und schüttelt fleißig Hände.

Ihre perfekt organisierte Pressestelle sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit nur dann private Informationen erhält, wenn die Königin das möchte.

Sowohl die Palastangestellten als auch die Boulevardpresse halten sich an diese Regelung: Die einen plaudern nicht, die anderen drucken keine Insider-Informationen oder Paparazzi-Bilder, sofern es diese überhaupt gibt.

In der wohl schwersten privaten Krise ihres Lebens ließ Beatrix zum ersten Mal die royale Maske fallen. Im Januar 2012 war ihr zweitältester Sohn Johan Friso bei einem Lawinenunglück schwer verletzt und nach der Wiederbelebung in ein künstliches Koma versetzt worden.

Beim Verlassen der Innsbrucker Klinik, in der der Prinz nach dem Skiunfall behandelt wurde, ließ sie sich von ihrer Schwester Margriet und ihren beiden anderen Söhnen Constantijn und Willem-Alexander stützen.

Ihre Augen versteckte sie hinter einer großen Sonnenbrille.

Dennoch nahm Beatrix die Amtsgeschäfte kurz danach wieder auf und kommt ihren Pflichten weiterhin in vollem Umfang nach. Seitdem scheinen die Niederländer ihrer Regentin noch mehr persönliches Wohlwollen entgegenzubringen.

tags: #königin #beatrix #frisur

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