Viele Frauen erleben nach der Schwangerschaft und Geburt einen verstärkten Haarausfall. Dieses Phänomen, auch als postpartales Effluvium bekannt, kann verunsichern, ist aber in den meisten Fällen völlig normal und vorübergehend. Hier erfahren Sie, warum es dazu kommt, wie lange es anhält und was Sie dagegen tun können.
Während der Schwangerschaft profitieren viele Frauen von einem erhöhten Östrogenspiegel, der zu dichterem und glanzvollerem Haar führt. Die Östrogene sorgen dafür, dass sich die Haare länger in der Wachstumsphase (Anagenphase) befinden, wodurch weniger Haare ausfallen. Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel jedoch abrupt ab. Der Geburtsstress kann zusätzlich dazu beitragen, dass die Haarfollikel in die Ruhephase (Telogenphase) eintreten, bis die Haare etwa zwei bis vier Monate später ausfallen.
Normalerweise befinden sich die Haare in einem sich ständig wiederholenden Haarzyklus, der aus Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase besteht. Jedes Haar hat seinen ganz eigenen Zyklus, der gegenüber seinen Nachbarn zeitlich versetzt abläuft. Es befinden sich daher stets einige Haare in der Neubildung, manche im Umbruch und wieder andere fallen gerade aus.
Etwa 20 % der jungen Mütter bemerken 3-4 Monate nach der Geburt einen verstärkten Haarausfall. Während der Schwangerschaft verschiebt sich unter dem Einfluss von Östrogenen der Anteil der Haare in der Wachstumsphase auf bis zu 95 %. Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel abrupt. Dadurch wechseln viele Haare gleichzeitig in die Telogenphase - es kommt zum gleichmäßig über den Kopf verteilten Haarausfall.
In den meisten Fällen beginnt der Haarausfall etwa zwei bis vier Monate nach der Geburt. Nach drei bis sechs Monaten normalisieren sich die Hormonspiegel von allein und der Lebenszyklus der Haare verläuft wieder normal. Es kann jedoch bis zu einem Jahr nach der Geburt dauern, bis sich das Haarwachstum sichtlich gebessert hat.
Wann der hormonell bedingte Haarausfall nach der Schwangerschaft einsetzt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Meistens beginnt er schon wenige Wochen nach der Entbindung, es kommt aber auch vor, dass er erst 5 Monate nach der Geburt auftritt.
Allerdings stellen sich die Hormone bei stillenden Frauen häufig langsamer um, weshalb bei ihnen der Haarausfall oft später einsetzt als bei Müttern, die die Stillzeit längst hinter sich haben. In manchen Fällen beginnt der Haarverlust sogar erst nach dem Abstillen. Das führt fälschlicherweise gelegentlich zu der Annahme, Stillen sei der Grund für die ausfallenden Haare.
Auch wenn der Haarausfall nach der Geburt lästig ist, so gehört er doch zum natürlichen Prozess dazu. Aber es gibt Möglichkeiten, dem Körper das zu geben, was er in dieser Phase braucht: Vitamine und Mineralstoffe. Ernähren Sie sich dafür gesund und ausgewogen.
Möchten Sie neben einer ausreichenden Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen aber mehr tun, so können folgende Tipps hilfreich sein:
Nach der Geburt braucht der Körper vor allem Ruhe und Zeit zur Regeneration. Die Anstrengungen der Entbindung, Schlafmangel, Stress und Mangelernährung können den Haarausfall verstärken.
Um diese Zeit zu überbrücken, kann ein Besuch beim Friseur helfen. Ein neuer Haarschnitt oder gefärbte Strähnen lassen das Haar fülliger erscheinen.
Der Haarausfall nach der Schwangerschaft ist harmlos und hört in der Regel auf, sobald sich die Hormone wieder eingependelt haben. Wenn der Haarausfall nach der Geburt nicht innerhalb eines halben Jahres nachlässt, sprechen Sie bitte mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt darüber. Hält der Haarausfall länger als sechs Monate an oder gehen die Haare nach der Geburt massiv oder sogar büschelweise aus, sprechen Sie bitte mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt oder wenden Sie sich an Ihre hausärztliche Praxis.
Eventuell kommen in diesem Fall andere Auslöser für den Haarverlust in Betracht, etwa:
Um der Ursache auf die Spur zu kommen, können Arzt oder Ärztin die Kopfhaut untersuchen, an einem kleinen Büschel Haare ziehen (Haarzugtest oder Epilationstest) und die Haare mikroskopisch untersuchen (Trichogramm). Eine Blutuntersuchung liefert Hinweise auf Eisen- oder Zinkmangel, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder entzündliche Erkrankungen, die Haarausfall verursachen können. In manchen Fällen ist auch eine Gewebeprobe (Biopsie) der Kopfhaut sinnvoll.
Neben den hormonellen Veränderungen, die zu einem Haarausfall nach der Schwangerschaft führen, gibt es auch Veranlagungen, die Auslöser für eine weitere Art des Haarausfalls sind, nämlich den hormonell erblich bedingten Haarausfall. Eine ärztliche Untersuchung durch eine*n Dermatolog*in kann die Ursache für den übermäßige Haarausfall klären, um eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Manchmal kann ein postpartales Effluvium auch in eine androgenetische Alopezie übergehen. Unter diesem erblich bedingten Haarausfall leiden bis zu 30 Prozent aller Frauen. Meist tritt er in den Wechseljahren auf, kann aber auch durch eine Schwangerschaft getriggert bzw.
Die folgende Tabelle veranschaulicht, wie sich die Schwangerschaft auf die verschiedenen Phasen des Haarwachstums auswirkt:
| Phase | Dauer | Einfluss während der Schwangerschaft | Einfluss nach der Schwangerschaft |
|---|---|---|---|
| Anagenphase (Wachstumsphase) | 2-6 Jahre | Verlängert durch erhöhten Östrogenspiegel | Verkürzt durch sinkenden Östrogenspiegel |
| Katagenphase (Übergangsphase) | 2-3 Wochen | Kaum beeinflusst | Kaum beeinflusst |
| Telogenphase (Ruhephase) | 2-3 Monate | Verkürzt | Verlängert, was zu vermehrtem Haarausfall führt |
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