Die deutsche Redewendung „kein gutes Haar an jmdm., an etwas lassen“ bedeutet so viel wie „jemanden oder etwas schlecht machen, völlig verreißen“.
Umgangssprachlich bedeutet dies, nichts Gutes oder Positives an jemandem oder etwas finden zu können; jemanden oder etwas harsch zu verurteilen, ganz und gar schlechtzureden.
Die Frage ist, woher diese Bedeutung kommt und wie sie sich entwickelt hat. Eine Erklärung im Netz ist schwer zu finden.
Ursprung und Hintergrund
In dieser Redewendung symbolisieren Haare männliche Eigenschaften.
Die meisten Redewendungen haben ihren Ursprung meistens im Mittelalter. Es gibt auch regionale Ausdrücke.
Beispiele für die Verwendung
Die Redewendung findet in verschiedenen Kontexten Anwendung, oft in der Kritik oder negativen Beurteilung von Personen oder Dingen. Hier einige Beispiele:
- Medienkritik: [Der Journalist und Schriftsteller Wolfgang] Herles ließ an Charlotte Roches Bestseller »Schoßgebete« kein gutes Haar. Das Buch sei ein »Medienhype«, kein literarisches Ereignis.
- Politik: [Präsident] Erdogan lässt kein gutes Haar an Griechenland. In einem Brief an die UN argumentierte das türkische Außenministerium […], mit der Stationierung von Militär auf den Inseln verliere Griechenland seine Hoheitsrechte.
- Produktbewertungen: An denen [Fertigprodukten aus Tüte oder Tetra Pak] haben Warentester in der Vergangenheit kein gutes Haar gelassen.
- Sport: [Fußballer] William Kvist vom VfB Stuttgart ließ kein gutes Haar an seinem Ex‑Trainer Felix Magath: »Magath schürte Furcht, Stress und Unsicherheit. Sein fachliches Können und seine Mannschaftsführung sind auf dem schlechtesten Niveau, das ich je erlebt habe. Keiner verdient einen Chef wie Magath.«
- Musikkritik: In seiner Kritik zum Doppelalbum »Exile On Mainstreet« von 1972 ließ das Magazin Sounds kein gutes Haar an dem damals 29‑jährigen Frontmann der Rolling Stones. »[…] Mick Jagger scheint eine gehörige Portion seines Feelings und seines Phrasierungsvermögens verloren zu haben.«
- Filmkritik: Die Kritik ließ kein gutes Haar an Zack Snyders Action‑Fantasy‑Mixtur »Sucker Punch«, doch die deutschen Zuschauer störte das wenig.
- Sportliche Leistung: Münchens Trainer Werner Lorant ließ an seinen Verlierern kein gutes Haar: »Mit den Führungsspielern muss ich dringend reden.
C1-C2 idiomatische Redewendungen Hörtext hinter Schloss und Riegel sitzen
Weitere haarige Redewendungen
Es gibt viele weitere Redewendungen, die sich auf Haare beziehen und unterschiedliche Bedeutungen haben:
- Jemandem kein Haar/kein Härchen krümmen
- Jemanden mit Haut und Haaren fressen wollen
- Bis unter die Haarwurzeln
- Haarspalterei (wenn jemand etwas wortwörtlich auslegt, also ziemlich kleinkariert ist)
Tabelle: Haarige Redewendungen und ihre Bedeutung
| Redewendung | Bedeutung |
| Jemandem kein Haar krümmen | Jemandem keinen Schaden zufügen |
| Jemanden mit Haut und Haaren verschlingen | Jemanden vollständig beherrschen oder ausnutzen |
| Haarspalterei betreiben | Sich in unwichtigen Details verlieren; kleinlich sein |
Weitere Redewendungen
Neben den haarigen Ausdrücken gibt es noch viele andere interessante Redewendungen, die oft ihren Ursprung im Mittelalter haben:
- Ins Fettnäpfchen treten
- Der Bär steppt (Hier wird gefeiert. Hier geht die Post ab.)
- Jetzt mal Butter bei die Fische!
- Die Chemie stimmt (Es klappt zwischen zwei Menschen.)
- Ende gut, alles gut!
- Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.
- Man reicht den kleinen Finger und er nimmt die ganze Hand.
- Mache Gang! (Bewege Dich!)
- Für den einen ist das Glas halbvoll, für den anderen halb leer.
- Das war haarscharf. Um Haaresbreite einem Unglück entgehen.
- Halsabschneider / Das sind Halsabschneider.
- Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus.
- Es liegt mir auf der Zunge.
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