Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betrifft. Die Ursachen können vielfältig sein, von genetischer Veranlagung über Stress bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung sind entscheidend, um den Verlauf des Haarausfalls zu beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Die Ursachen für Haarausfall sind vielschichtig. Oft kommen mehrere Gründe zusammen - von Hormonschwankungen über Stress bis hin zu Autoimmunerkrankungen - und müssen erst einmal eingegrenzt werden.
Die häufigste Form des Haarverlusts bei Männern und Frauen ist die genetische, familiäre Veranlagung. Beim genetisch bedingten Haarausfall liegt also das Problem direkt an den überempfindlichen Haarfollikeln in der Kopfhaut. Weil Gene sich nicht verändern lassen, ist das Ziel, zumindest das Voranschreiten des erblich bedingten Haarausfalls aufzuhalten.
Auch Stress kann auf das Haarfollikel einwirken und an entzündlichen Reaktionen wie etwa beim kreisrunden Haarausfall beteiligt sein. Die Haarwurzel wird zusätzlich befeuert über benachbarte, ebenfalls gestresste Immun- und Gefäßzellen. Aber Haare reagieren nicht immer auf Stress. Experten vermuten, es hängt von der Art, Intensität und Dauer des Stresses ab.
Die Alopecia areata (AA) ist eine chronische, immunvermittelte Krankheit, die durch einen akut einsetzenden Haarausfall gegenzeichnet ist. Die Alopecia areata ist nach dem anlagenbedingten Haarausfall die zweithäufigste Ursache für Haarausfall. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an einer AA zu erkranken, beträgt 2 % (Lebenszeitinzidenz). Der häufigste Typ ist die umschriebene Alopecia areata. Seltener auftretende Typen sind Ophiasis -Typ, Alopecia totalis und Alopecia universalis, mit Prävalenzen von 0,02%, 0,08% und 0,03%. Die AA betrifft die Geschlechter gleichermaßen und tritt in allen Altersgruppen und ethnischen Gruppen auf. Bei 40 % der Patienten tritt die AA das erste Mal vor dem 20. Lebensjahr auf - bei ca. 85% zeigt sich die AA bis zum 40.
Neben dem anlagebedingten Haarausfall beim Mann gibt es auch andere Ursachen für einen Haarverlust. Bilden sich kreisrunde haarfreie Stellen auf dem Kopf, kann es sich um kreisrunden Haarausfall handeln. Die lichten Areale entstehen dadurch, dass sich das Immunsystem gegen die Haarfollikel richtet. Kreisrunder Haarausfall kann bei einer besonders starken Ausprägung auch zu einem vollkommenen Haarverlust führen. Die Erkrankung tritt vornehmlich bei jüngeren Menschen auf. Liegt ein Haarausfall bei einem Mann mit 20 Jahren vor, ist es also durchaus sinnvoll, in diese Richtung zu denken.
Kreisrunde haarfreie Stellen können ebenfalls auf eine Pilzinfektion der Kopfhaut hindeuten, die sogenannte Tinea capitis. Auch ein vernarbender Haarausfall kann eine mögliche Ursache sein. Der Haarverlust tritt hier aber nicht plötzlich auf, denn meistens gehen entzündliche Erkrankungen der Kopfhaut voraus. Männer können ihre Haare ebenfalls durch Infektionen wie COVID-19 verlieren. Dabei liegt ein diffuser Haarausfall beim Mann vor - die Haare fallen also nicht in einem Muster aus. Vitaminmangel spielt weniger eine Rolle, denn hierzulande sind Menschen mit Nährstoffen in der Regel ausreichend versorgt. Eine Ausnahme können allerdings Männer mit Essstörungen sein.
Bei einer Alopecia areata zeigen sich hier in meisten Fällen die typischen kreisrunden haarlosen Areale an der Kopfhaut. Sie kann sich aber auch durch teilweisen oder kompletten Verlust der Augenbrauen, Wimpern oder Barthaare, oder auch an anderen behaarten Arealen zeigen (siehe auch klinische Varianten). Die Hautoberfläche ist unauffällig, also z.B. Die Untersuchung der Haut und Haarfollikel mittels Hautoberflächenmikroskopie. Die klinische Untersuchung gemeinsam mit der Dermatoskopie der Kopfhaut sind die wichtigsten Schritte und, in meisten Fällen, ausreichend um die Diagnose Alopecia areata zu stellen.
Sehr hilfreicher Test zur Einschätzung der Aktivität der Alopecia areata, aber auch zum Ausschluss anderer Haarerkrankungen, so wie der Trichotillomanie. Der Test wird am Randbereich der haarlosen Areale sowie an klinisch unauffälligen Haaren durchgeführt. Hierbei wird ein dickes Haarbüschel (ca. 20-50 Haare) zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger am Haaransatz nahe der Kopfhaut fest gefasst, und dann fest, aber nicht gewaltsam von der Kopfhaut weggezogen. Wenn mehr als 10 % der erfassten Haare zwischen den Fingern am Ende verbleiben, gilt dies als positiver Zupftest und deutet auf aktiven Haarausfall hin. Für einen gültigen Test sollten die Haare mindestens einen Tag lang nicht gewaschen werden.
Das „Severity of Alopecia Tool’’ oder der sog. SALT Score ist ein sehr hilfreiches, visuelles Mittel zur Bestimmung des prozentualen Kopfhaarausfalls bei Alopecia areata.
Es gibt wenige wirksame Mittel, die Männer bei Haarausfall anwenden können. Die evidenzbasierte (S3)-Leitlinie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Männern empfiehlt die Wirkstoffe Minoxidil und Finasterid.
Doch bei beiden Substanzen gibt es keine Wirkgarantie. Außerdem können Männer bei akuten Schüben vom anlagebedingten Haarausfall trotz der Anwendung Haare verlieren. Nebenwirkungen wie Kopfhautreizungen oder Verlust des sexuellen Antriebs sind je nach Wirkstoff ebenfalls möglich.
Wichtig: Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnen aber vor Finasterid. Nebenwirkungen können zum Beispiel Impotenz, die Einschränkung der Libido oder Erektionsstörungen sein. Selten können Nebenwirkungen nach Absetzen des Medikaments noch anhalten - auch Post-Finasterid-Syndrom genannt.
Wenn die Haare durch die bekannten Behandlungsmethoden nicht mehr zum Wachsen angeregt werden können, hilft nur eine Transplantation. Für die Transplantation werden Haare vom unteren Hinterkopf entnommen, weil diese resistent gegen das für den erblich bedingten Haarausfall verantwortliche Hormon Dihydrotestosteron sind. Ein Risiko der Haartransplantation kann sein, dass die Haare vorne nicht anwachsen oder zumindest nicht überall oder, dass sich durch den Eingriff die Kopfhaut entzündet. Bei einem jungen Patienten kann der Haarausfall weiter voranschreiten, sodass hinter den transplantierten Haaren die eigenen Haare weiter ausfallen.
Viele reisen mittlerweile in die Türkei für eine Haartransplantation, weil es dort günstiger ist. Mit welchen Kosten muss man hier oder im Ausland rechnen? Je nach Umfang liegen die Kosten für eine Haartransplantation in Deutschland zwischen 3.000 und 10.000 Euro. Im Ausland seien die Kosten erheblich niedriger - in der Türkei oft zwischen 2.000 und 5.000 Euro.
Egal in welchem Land, so Dr. Zimmermann, wer als Patientin oder Patient auf Nummer sicher gehen will, sollte nach Chirurgen suchen, die sich in einem offiziellen Verband organisiert haben. „Der Operateur sollte eine Approbation haben, Facharzt sein. Nicht zuletzt wird es schwierig und aufwendig für Patienten auf Grund der Entfernung, wenn es nach der Operation dann doch Probleme mit der Transplantation geben sollte.
Dafür wird Patienten Blut abgenommen und Blutplättchen herausgefiltert. Sie werden in konzentrierter Form wieder in die Kopfhaut injiziert. Dr. Kathrin Hillmann, Dermatologin an der Charité in Berlin erklärt: “Bei der PRP-Behandlung ist es so, dass es einen Großteil von kleineren Untersuchungen gibt, wo es sehr gut wirkt. Aber es gibt auch immer noch einen Teil, wo kein nachwachsendes Haar oder besseres Haarwachstum nachweisbar ist.
Dem anlagebedingten Haarausfall können Männer weder mithilfe von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln noch Shampoos oder Tinkturen auf Kräuterbasis vorbeugen - schließlich bestimmt die Genetik darüber, wann das Haar ausfällt. Eine gesunde Ernährung ist aber in jedem Fall empfehlenswert, um der Haarwurzel genügend Nährstoffe für ein gutes Wachstum zu liefern. Erfahrungen zeigen, dass Crashdiäten oder sehr einseitige Ernährungsweisen tatsächlich einen diffusen Haarverlust provozieren können.
Wichtig ist für gesunde Haare, dass man die Haarzellen gesund hält, damit sie weiter Haare produzieren. Dazu gehören Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente, Botenstoffe, Hormone - und wenig Stress. Hier geht es vor allem um Eisen, Vitamin D und B12, Zink, Selen und ausreichend Proteine.
Es ist völlig normal, dass sich die Haarstruktur und die Haardichte im Alter verändern. Der anlagebedingte Haarverlust ist auch in jungen Jahren nicht selten und stellt keine Erkrankung dar. Männer müssen also nicht automatisch zum Arzt oder zur Ärztin, wenn der Haaransatz weiter nach hinten wandert oder sich lichte Stellen bilden. Rötungen, Juckreiz, andere Veränderungen an der Kopfhaut oder fleckenartige Haaraussparungen lassen Betroffene aber am besten von einem Dermatologen oder einer Dermatologin abklären.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Informationszwecken und ersetzen keine professionelle medizinische Beratung. Bei Fragen oder Bedenken bezüglich Haarausfall sollte immer ein Arzt oder Dermatologe konsultiert werden.
| Behandlungsmethode | Beschreibung | Wirkstoffe/Substanzen |
|---|---|---|
| Topische Behandlung | Anwendung auf der Kopfhaut | Minoxidil, Kortikosteroide |
| Systemische Behandlung | Einnahme von Medikamenten | Finasterid, Prednisolon |
| Injektionen | Direkte Injektion in die Kopfhaut | Triamcinolonacetonid |
| Alternative Therapien | Andere Ansätze | Dithranol, JAK-Inhibitoren, Zink, Vitamin D |
| Chirurgische Eingriffe | Haartransplantation | Eigene Haarfollikel |
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