Wer Urlaub in Småland macht, kommt um Astrid Lindgren kaum herum. Der Themenpark Astrid Lindgrens Värld in ihrem Geburtsort Vimmerby zählt als die Königsdisziplin für alle, die im Schwedenurlaub ihren beliebten Kinderbüchern nachspüren wollen. Und Astrid Lindgrens Welt gilt diesbezüglich als die größte Attraktion für Familien mit Kindern.
Aber lohnt sich der ausgesprochen stattliche Eintritt? Und was ist „ALV“ überhaupt? Für alle Eiligen, die nur ganz kurz eine Antwort auf diese Frage suchen, JA! und denen rund 200 Euro Budget für einen Tag (für eine vierköpfige Familie, plus ggf. Mittagessen, hier eine Waffel, da eine Tüte Karamellbonbons und all die Souvenirläden: Die 200 Euro sind schnell voll.
Es folgt ein ausführlicher Erfahrungsbericht mit Begründung, wie ich zu dieser Auffassung komme. Wer meinem Reiseblog family4travel etwas regelmäßiger folgt, weiß das schon: Wir sind in den Sommerferien 2023 zu viert als Familie zwischen Småland und Stockholm in Schweden unterwegs gewesen. In jenem Artikel habe ich auch schon ganz kurz über unseren Besuch in Astrid Lindgrens Värld berichtet.
Wir sind ziemlich menschenscheues Gesindel. Am besten an Schweden gefällt uns eigentlich, dass es dort für alle viel Platz gibt und man dem Touristenpack (zu dem wir freilich selbst gehören) gut aus dem Weg gehen kann. Sämtliche Hypes betrachten wir per se erst einmal kritisch. Außerdem sind wir ziemliche Geizhälse. Wir sind der Meinung, dass uns die schönste Familienzeit eh draußen in der Natur erwartet. Völlig kostenlos.
Wir geben viel Geld aus für Cappuccino und Schokoladentorte in schönen Cafés. Und, als zwischenzeitlich hauptberuflich gewesene Reisebloggerin muss ich das dazusagen: Wir haben unseren Eintritt wie auch die ganze Reise zu 100 Prozent selbst bezahlt. Es gibt keine Verbindungen jedweder Art mit ALV oder der schwedischen Tourismusförderung.
Zu allererst: der „Astrid-Lindgren-Park“ in Vimmerby ist kein Freizeitpark! Wer Achterbahnen und Karussells erwartet, ist hier völlig falsch. Es handelt sich um Skandinaviens größtes Freilichttheater. Und natürlich um eine große Hommage an die Autorin, die mit ihren Kinderbüchern die Welt verändert hat.
Konkret heißt das: Im Park befinden sich neun Bühnen, auf denen über hundert Schauspielerinnen und Schauspieler jeden Tag (im Sommer) insgesamt 30 Theateraufführungen abliefern. Jede dauert etwa 20 Minuten und ist damit wunderbar kindgerecht. Außerhalb der Aufführungszeiten dürfen die Kulissen besichtigt und bespielt werden. Darüber hinaus gibt es mindestens neun Spielplätze. Nur die wenigsten sind allerdings klassische Vertreter dieser Gattung mit ordnungsgemäßen Spielgeräten.
Astrid Lindgrens Värld ist 180.000 Quadratmeter groß. Wir haben während unseres Besuchs ungefähr acht Kilometer zurückgelegt.
Katthult in Astrid Lindgrens Värld
In der Saison 2023 kostet der Eintritt für ein Tagesticket in Astrid Lindgrens Värld für Erwachsene ab 15 Jahren 465 Kronen. Umgerechnet sind das etwa 40 Euro. Kinder ab drei Jahren zahlen 350 Kronen: fast 30 Euro. Familientickets gibt es nicht. Für die klassische Familie mit zwei Kindern bedeutet das 140 Euro Eintritt. Dazu kommt das beinahe obligatorische Parkticket für 60 Kronen (gut 5 Euro).
Wie ein Park ohne Fahrgeschäfte, nur mit ein paar Spielplätzen und etwas Theater so teuer sein kann, sorgt bei vielen Familien für Unverständnis. Allerdings ist zu bedenken, dass der Betrieb von Astrid Lindgrens Värld 500 Mitarbeitende erfordert. 125 davon stehen im Sommer jeden Tag auf der Bühne, darunter viele Kinder. Die Schauspielerinnen und Schauspieler werden aus ganz Schweden zusammengecastet. Ich war überrascht, wie hoch das künstlerische Niveau ist!
Ganze (oder halbe) Familien ziehen für die Saison plus vorangehende Proben nach Vimmerby um, damit die Kinder sich den typisch schwedischen Traum erfüllen können, in Astrid Lindgrens Värld auf der Bühne zu stehen. Außerdem geht mit dem Erlebniskonzept des Parks ein hoher Verschleiß einher. Das gilt zum Glück nicht für die Leute auf der Bühne - aber für die Kulissen. Alle dienen außerhalb der Aufführungszeiten als Spielplätze. Die Häuser sind teils bis zum letzten Detail eingerichtet. Anfassen ist überall erlaubt, spielen erwünscht. Eltern wissen: Wenn Kinder so richtig spielen, geht es zur Sache.
Klar: Ihr seid keine Melkkühe für schwedische Kultureinrichtungen. Überlegt euch knallhart, ob sich die Investition für euch rentiert. Wir können diese Frage für unsere Familie mit einem klaren Ja beantworten. (Das heißt: Wir Eltern und unsere kleine Tochter können das. Den Teenager-Sohn haben wir schon eher mitgeschleift und durch regelmäßige Genussmittelkäufe bei Laune gehalten. Übrigens: →Junibacken, das Astrid-Lindgren-Kinderkulturhaus in Stockholm, ist fast genauso teuer. Und im Vergleich bietet Astrid Lindgrens Värld in Vimmerby sooo viel mehr!
Neu und zumindest auf der Homepage des Parks überall empfohlen ist die eigene App. Sie gilt als hilfreicher Führer zu den verschiedenen Spielorten und hat alle Spielzeiten parat. Ich habe mir die App runtergeladen und vor Ort dann völlig vergessen. Zum Navigieren hat uns die kleine Papierkarte gereicht, die Silas am Eingang mitgenommen hat. Es geht auch altmodisch.
Mit einem knapp vierjährigen Kind ohne große Theatererfahrung schaffen wir an dem einen Tag im Park vielleicht drei Aufführungen, dachte ich. Nachher haben wir tatsächlich viereinhalb gesehen, ohne es darauf anzulegen. Ich glaube, bei den Familien im Astrid-Lindgren-Park gibt es zwei Sorten: die, die möglichst viel Theater sehen wollen, und die, die möglichst viel spielen wollen. Natürlich geht auch beides. Alle Vorstellungen könnt ihr jedenfalls nicht an einem einzelnen Tag sehen. Einige Teile überschneiden sich.
Die Theateraufführungen finden auf acht verschiedenen Bühnen statt. (Eigentlich sind es sogar neun, da in Nangijala sowohl das Kirschtal als auch das Heckenrosental bespielt werden.) Die Geschichten aus den Büchern werden in handlichen Häppchen von rund 20 Minuten serviert. Das passt prima zur kindlichen Aufmerksamkeitsspanne. Nicht nur meine kleine Tochter hat diese Zeit jeweils problemlos durchgehalten.
In keiner Aufführung, wenn ich mir das so überlege, gab es Theater im Zuschauerraum. Gut möglich natürlich, dass ich immer zu gefesselt vom Bühnengeschehen war, um diskrete Rückzüge um mich herum mitzuschneiden. Aber meiner Auffassung nach haben praktisch alle Kinder alle Aufführungen von vorne bis hinten verfolgt.
Ja! Einzelne Warnschilder sind auf Englisch und Deutsch übersetzt. Und bei den verschiedenen Stationen gibt es Schilder mit (arg) verkürzten Zusammenfassungen der Geschichten auf Englisch und Deutsch. Sonst ist alles auf Schwedisch. Die Aufführungen werden nicht übersetzt. Und wisst ihr was? Das macht nichts! Ich hab es immer wieder gelesen und nicht geglaubt, bis ich es selbst erlebt habe: Den Kindern ist es wumpe, welche Sprache ihre Heldinnen und Helden auf der Bühne benutzen. Sie kennen die Geschichten.
Außerdem liegt Astrid Lindgrens Värld ja mitten in Schweden. Den Kulturschock, sich in einem anderen Land zu befinden, in dem anders gesprochen wird, haben die allermeisten Kinder bereits überwunden. (Vielleicht ist es unter diesem Gesichtspunkt eine gute Idee, den Besuch des Themenparks eher ans Ende des Urlaubs zu legen. So haben wir es gemacht. Das hat auch mir als nur sehr rudimentär Kundiger der schwedischen Sprache ermöglicht, meine Kenntnisse auf dem natürlich gewachsenen Höhepunkt maximal auszunutzen.
Wir reisen an diesem Tag aus Hultsfred an. Das ist nur eine knappe halbe Stunde entfernt und eine ganz gute Basis zum Erkunden von Astrid-Lindgren-Land. (Das Preisniveau ist dort nämlich etwas angenehmer für Unterkünfte als in Vimmerby selbst und der direkten Umgebung. Wer bereit ist, (noch) tiefer in die Tasche zu greifen, kann direkt neben dem Park sehr hübsche dazugehörige Unterkünfte buchen. Ein Tinyhouse zur Selbstverpflegung (23 Quadratmeter mit zwei Doppelstockbetten) gäbe es in der Hauptsaison etwa für umgerechnet 169 Euro pro Nacht. Wer länger bleibt, bekommt auch Rabatt.
Wir bezahlen →in Hultsfred für eine Zwei-Zimmer-Ferienwohnung weniger als die Hälfte. Für alle, die in Vimmerby oder der Nähe davon eine familienfreundliche Unterkunft suchen, habe ich zwischenzeitlich eine vorsortierte Liste bei booking.com* erstellt. Für Familien, die ihre Unterkunft selbst mitbringen, gibt es selbstverständlich auch Stellplätze fürs Wohnmobil und Campingplätze. Damit kenne ich mich null aus.
Astrid Lindgrens Värld öffnet um zehn Uhr morgens. Wir reisen so an, dass wir um zwanzig vor zehn auf den Parkplatz rollen. Die Ersten sind wir keineswegs. Es ist Hauptanreisezeit. Aber die Organisation ist gut. Wer klug war, hat auch das Parkticket gleich online vorgebucht und bezahlt. Dass wir dazugehören, zeigen wir dem ersten Parkwächter in der entsprechenden Fahrspur kurz auf dem Handy. Junge Leute in orangen Westen weisen uns den Weg über den riesigen Parkplatz. Zack, zack, zack, rollen die Autos Seite an Seite in die Parklücken.
Ein bisschen doof: Es wird wirklich eine Parklücke nach der anderen gefüllt. Einen Parkplatz abseits wählen, auf dem man bequem beide Türen öffnen kann, ist nicht drin. Lottas Fahrrad parkt in der Krachmacherstraße. Da der Astrid-Lindgren-Park etwas außerhalb von Vimmerby liegt, sind Alternativen zum großen Bezahlparkplatz rar. Außerdem ist es für Einheimische immer blöd, wenn bei Großveranstaltungen Wohngebiete zugeparkt werden.
Wer die Parkgebühr von umgerechnet gut fünf Euro sparen möchte, sollte sich lieber eine Anreise mit dem Zug überlegen. Die umweltfreundlichere Anfahrt kostet von Hultsfred aus zwar auch 60 Kronen - pro erwachsener Person. Dafür spart sie Sprit. Die Haltestelle befindet sich nur wenige Minuten Fußweg von Astrid Lingrens Värld entfernt.
Während sich der Großparkplatz hinter uns wie im Zeitraffer füllt, schwanke ich zwischen Entsetzen und Faszination. Inzwischen ist es Viertel vor zehn. Wir klappen den Buggy aus (unbedingt mitnehmen!) und beladen ihn mit unserem Gepäck. Dann reihen wir uns in den Massenandrang ein, der sich Richtung Eingang schiebt. Im aufgeregten Geschnatter um uns herum hören wir viel Deutsch, viel Schwedisch und sporadisch viele andere Sprachen.
Im Juli wird es voll in Astrid Lindgrens Värld. Etliche kleine Mädchen signalisieren durch ihre Kleidung, welche Heldin aus den Astrid-Lindgren-Büchern sie am liebsten mögen. Da sind die Ronjas in schlichten Naturfarben. Die Pippis tragen Zöpfe, manche auch unterschiedliche Strümpfe. Schon während wir uns dem Saum des Gedränges nähern, kommt Bewegung in die Masse. Um zehn vor zehn öffnen sich die Tore.
Genauso effizient wie auf dem Parkplatz ergießt sich die Schar generalstabsmäßig organisiert in den Park. Fast alle haben Onlinetickets und halten im Vorbeigehen einfach nur ihr Handy unter den Scanner. Wer tatsächlich erst vor Ort noch Tickets kaufen muss, begibt sich vorher zu dem kleinen Kassenhäuschen mit der entsprechenden Beschilderung. Der Park empfängt uns und die Hundertschaften anderer Astrid-Lindgren-Fans mit Livemusik am zentralen Platz.
Dort beginnt die „echte“ Krachmacherstraße, die Kulisse für die Verfilmung von 1991/92 war. In den ebenfalls begehbaren anderen Häusern sind Cafés und Souvenirshops untergebracht. Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga haben als die beliebtesten Buchfiguren sogar jeweils ihren eigenen Fan-Shop. Wer ohne geflochtene Rattenschwänze gekommen ist, kann sich hier noch schnell die passende Perücke besorgen.
In einem dritten, allgemeineren Shop stehen auch Maditas und Lisabets Matrosenkleider zum Verkauf. Und auch sonst ungefähr ALLES, was Kommerz und Kapitalismus aus Astrid Lindgrens Werken herausgekitzelt haben. (Die Autorin selbst stand diesem Themenpark deshalb zuletzt eher kritisch gegenüber. Auch ALV war früher genügsamer. Wir haben von den Besten gelernt und lassen uns nicht ablenken. Eisern marschieren wir an all den verlockenden Attraktionen vorbei. Wir wissen: Vorne knäult sich erst einmal alles, während die hinteren Teile des Parks anfangs noch beinahe menschenleer sind. Unser erster Gang führt uns nach Katthult.
→Am originalen Schauplatz bei Rumskulla sind wir tags zuvor vom überfüllten Parkplatz geflüchtet. Mit Michel beginnt die erste Aufführung des Tages um 10:30 Uhr. Die ersten Zuschauer*innen sitzen schon auf den Stufen im Halbrund vor der Theaterkulisse. Noch dürfen alle Schaulustigen die Bühne aber betreten und das liebevoll eingerichtete Bauernhaus erkunden, in dem Michel mit seinen Eltern, der kleinen Schwester Ida, der dummen Lina und seinem besten Freund Alfred wohnt. Natürlich besichtigen wir auch den Tischlerschuppen voller geschnitzter Figuren. Allerdings mag Franka Michel nicht.
Die Geschichte der beiden Brüder, die mit deren Tod beginnt, ist üblicherweise ein Lindgren-Buch für etwas ältere Kinder. Unserer Geländekarte entnimmt Martin, dass wir uns dem Kirschtal nähern und es sich bei dem kleinen Haus vor uns um den Tulipa-Hof handelt. Frankas Augen beginnen zu leuchten. Kurz überzeugt sie sich an der Hand ihres großen Bruders, dass sie nicht doch die echte Sophia stört. Zu dieser Stunde haben wir das Häuschen aber ganz für uns allein. Franka kann ihr Glück kaum fassen. „Du bist Sophia, und ich bin - nein, ich bin Sophia, und du bist Paloma, die weiße Taube!“, fordert sie mich auf. Ihre Stimme überschlägt sich fast vor Begeisterung. Irgendwann können wir „Sophia“ doch überzeugen, mit uns den Rest von Nangijala zu erkunden.
Wir besichtigen den Reiterhof und überqueren die Brücke, auf der Jonathan nach seinem viel zu frühen Tod auf seinen kleinen Bruder wartet, bis auch der seine schwere Krankheit hinter sich lassen kann. Die zwei großen Halbkreise der Zuschauerränge sind noch komplett leer. Der erste Teil der Löwenherz-Geschichte beginnt erst um viertel nach elf, später als die meisten anderen. Wir lassen deshalb schweren Herzens alle Brüder-Löwenherz-Aufführungen aus. (Vielleicht können wir in ein paar Jahren mit älterem Kind wiederkommen und dann alle fünf Teile ansehen. Das wäre ein Plan.) Dafür erkunden wir die Kulissen aber ausgiebig. Sie sind meiner Meinung nach die schönste und am aufwändigsten gestaltete Welt im Themenpark.
Unzählige liebevoll eingerichtete Häuser dürfen wir erforschen. Ja, es ist alles künstlich und klingt hohl, wenn man drauf klopft. Als die ersten anderen Parkgäste eintrudeln und auf den Rängen Platz nehmen, erinnert uns das daran, dass wir ja auch Theater ansehen wollen. Wir wechseln dazu in die nahegelegene Mattisburg. Ronja Räubertochter ist nämlich F...
Normalerweise reden wir hier eher über “Herr der Ringe”-Filme, deren spektakulären Kulissen in Neuseeland zu finden sind. Auch Småland in Schweden bietet eine Vielzahl von Film Locations - für Kinder und nostalgische Erwachsene. Die Spuren von Astrid Lindgren sind überall.
Wer die Bücher der schwedischen Autorin Astrid Lindgren nicht kennt, wem zu Pippi Langstrumpf*, Michel* und Ronja Räubertochter* nichts einfällt, der hat seine Kindheit wahrscheinlich unter einem Stein verbracht. Wir alle haben sie gelesen und/oder die Filme gesehen. Wie toll, dass man in Småland an jeder Ecke auf die Spuren dieser Kindheitshelden stößt!
Vor allem die Erwachsenen waren es auch, die sich schon Wochen vor unserer Småland-Reise ein Loch in den A… freuten, weil sie bald ihren Kindheitsheldinnen Pippi, Ronja & Co. Echt oder nicht? Astrid Lindgren wurde 1907 in der Kleinstadt Näs (heute ein Stadtteil von Vimmerby) in einem rot gestrichenen Haus geboren und verbrachte dort ihre Kindheit, und genau dort spielen auch viele ihrer Geschichten.
Wir waren wirklich verzaubert von der stillen Atmosphäre in Bullerbyn aka Sevedstorp und Katthult aka Gibberyd. Das Örtchen Lönneberga gibt es übrigens wirklich und es liegt ganz in der Nähe - aber einen Bauernhof, wie man ihn aus den Michel-Filmen kennt, gibt es dort nicht. Der echte Michel im echten Katthult?
Und dann ging es in die “richtige” Astrid Lindgren Welt: einen beschaulichen Freizeitpark, der 1981 von drei Familien aus Vimmerby erdacht wurde und heute im Besitz der Kommune ist. Wenn man erzählt, dass man nach Småland in die Astrid Lindgren Värld fährt, wollen alle mitkommen. “Das ist sooo toll da!”, hieß es von allen Seiten.
So unbeliebt ich mich bei euch jetzt vielleicht machen werde - die Astrid Lindgren Värld hat mich nicht wirklich begeistert. Hier war es für mich schon vorbei. Damit bin ich auf der ganzen Welt fast die einzige - eine Google-Suche nach diesem Satz ergibt genau vier Treffer. Ich kann das auch begründen: Dieses Mädchen ist mir suspekt. Eine Zehnjährige, die sich von niemandem etwas sagen lässt, alles allein macht (wie zum Henker hält sie ihre Villa sauber?), die superstark ist und immer gut drauf. Die niemals unsicher ist, niemals weint oder Angst hat. Sie findet es okay, dass ihr Vater sie allein lässt, um weit weg Eingeborene auf einer Insel zu beherrschen (mit welchem Recht eigentlich?).
Pippi hat vor allem deshalb ein tolles Leben als Single-Kind, weil sie bei Bedarf einfach ihren Koffer voll Gold herausholt. Sie muss niemals auf etwas verzichten, niemals einen Kompromiss machen oder kreativ sein, um ihre Ziele zu erreichen. Sie will oder muss auch niemals etwas lernen. Hat Pippi eigentlich einen Freund oder eine Freundin, der sie vertraut und der sie ihr Herz ausschütten kann? Für Thomas und Annika ist sie eher die bewunderte Heldin, die bestimmt, wo es langgeht. Andere Kinder treten nicht auf, Erwachsene sind durch die Bank doof - bis auf Pippis Vater, aber der ist halt weg, denn er muss ja als “N__könig” arbeiten. Bleiben das Pferd, Kleiner Onkel, und der Affe Herr Nilsson - und genau mit diesen Ersatz-Freunden sitzt Pippi dann abends allein in ihrer Villa. All das fällt mir ein, wenn ich an Pippi Langstrumpf denke. Und dann schüttle ich verwundert den Kopf über all die Erwachsenen, die dieses Mädel als Rollenmodell für ihre Kinder - nein, korrekt: für ihre Töchter lieben. Bis hin zum Pippi-Schürzenkleid. Und die dann aber (natürlich!) genervt sind, wenn der Nachwuchs ein echtes Pippi-Verhalten an den Tag legt.
Mit diesen Gedanken im Kopf fuhr ich also nach Vimmerby ins östliche Småland. Wie hatte sich die Weltwundertochter darauf gefreut! Ihre Freunde hatten die Astrid Lindgren Welt in den höchsten Tönen gelobt, und die Tochter kennt und mag viele der Figuren des Lindgren-Universums. Ihre kleine Schwester kennt bis dato nur Lotta aus der Krachmacherstraße - ein lebensechtes, nachvollziehbar dickköpfiges Mädchen. Mit leuchtenden Augen machten sich die Mädels also auf den Weg, der sich gleich nach dem Eingang zur Astrid Lindgren Värld gabelte - und für Streit sorgte. Erst zur Villa Kunterbunt und in die Mattisburg? Oder doch lieber auf die Krachmacherstraße und den Spielplatz?
Lektion eins: Für die Astrid Lindgren Värld müsst ihr euch einen ganzen Tag Zeit nehmen, vielleicht sogar zwei. Das Gelände ist groß, verwinkelt und lädt zu ausgiebigen Entdeckungstouren ein. Lektion zwei: Leiht euch bloß keinen Bollerwagen für 30 SEK am Eingang. Lektion drei: Bevor ihr an die Kasse geht, atmet einmal tief durch. Bis zu 50 kurze und längere Aufführungen finden über den Tag verteilt auf den Bühnen der verschiedenen “Welten” statt - von Katthult und Birkenlund über die Mattisburg und die Villa Kunterbunt bis zum spektakulären Drachenkampf der Brüder Löwenherz im Heckenrosental.
Und dann sprachen die Darsteller - natürlich - Schwedisch. Und machten - natürlich - nicht exakt dasselbe wie in den Filmen. Weil Theater eben nicht dasselbe ist wie Film oder Buch. Ich konnte richtig zusehen, wie in den Augen der Weltwundertochter die hoch aufragende, uralte Mattisburg in der Realität zu einer ollen Pappmaché-Kulisse zusammenschmolz. Dann lieber einfach so die verschiedenen Sets erkunden!
Während wir alle mit viel Spaß in den kleinen Häusern der winzig kleinen Stadt, von Maditas Birkenlund und Lottas Krachmacherstraße herumliefen, Schule und Kaufladen spielten, machte die Tochter in der Villa Kunterbunt ein langes Gesicht - denn hier drinnen wohnt ganz eindeutig kein echtes Mädchen, es gab weder einen Herrn Nilsson noch einen (echten) Kleinen Onkel. In der Astrid Lindgren Welt gibt es keine Fahrgeschäfte und auch sonst kaum etwas “Cooles” - erstaunlich eigentlich, dass so viele Kinder hier trotzdem so begeistert sind. Dieser Freizeitpark lebt komplett von der Magie seines Themas und von der Schauspielfreude seiner Darsteller.
Lektion fünf: Die Astrid Lindgren Värld ist wirklich nur etwas für Kinder, die mit Pippi & Co. schon (oder noch) etwas anfangen können. Am meisten Spaß machte uns allen das freie Spiel in den Sets, die gerade nicht von Darstellern “bespielt” wurden. Der Park ist schön angelegt und sehr grün, mit viel Platz auch in der Hochsaison und Beschäftigungsmöglichkeiten für jedes Alter. Und wer Schwedisch kann, der findet sicher auch die vielen Theaterstücke interessant, bei denen eine Heerschar von motivierten Darstellern mitwirkt. Das Essen in den verschiedenen Restaurants ist überraschend gut - es gibt kein Fastfood!, und wer sparen will, kann sich gern sein eigenes Picknick mitbringen. Und in den Souvenirshops gibt es hochwertige, schön ausgesuchte Dinge, die man seinen Kindern gern kauft und die ihr Geld wert sind.
Hier ist eine Tabelle mit den wichtigsten Informationen für Ihren Besuch:
| Information | Details |
|---|---|
| Ort | Vimmerby, Småland, Schweden |
| Art | Freilichttheater und Themenpark |
| Größe | 180.000 Quadratmeter |
| Mitarbeiter | 500 |
| Schauspieler | 125 (im Sommer) |
| Aufführungen | 30 täglich (im Sommer) |
| Eintritt Erwachsene (ab 15) | 465 Kronen (ca. 40 Euro) |
| Eintritt Kinder (3-14) | 350 Kronen (ca. 30 Euro) |
| Parkgebühr | 60 Kronen (ca. 5 Euro) |
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