Jod ist ein essentielles Spurenelement, das für die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 (Triiodthyronin) und T4 (Thyroxin) unverzichtbar ist. Diese Hormone spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und beeinflussen nahezu alle Körperfunktionen. Ohne Jod kann die Schilddrüse nicht richtig arbeiten. Am besten nimmst du das Spurenelement mit der Nahrung zu dir. Gelingt das nicht ausreichend, können Tabletten helfen. Doch wann sind sie sinnvoll?
Deutschland gilt als Jodmangelgebiet, weil die Böden relativ jodarm sind. Vor Tausenden von Jahren schwemmte die Gletscherschmelze nach den Eiszeiten das Spurenelement Jod aus den Bergen in die Meere fort. Daher kommt Jod heutzutage nur noch in relativ geringen Mengen in unseren Böden, Acker- und Weideflächen sowie im Trinkwasser vor und fehlt somit größtenteils in der tierischen und menschlichen Nahrung. Das Gebiet der heutigen Bundesrepublik wurde viele Jahre lang zum Jodmangelland erklärt und der Kropf war das sichtbare Zeichen dieses Defizits.
Jod ist lebensnotwendig für deinen Körper - und dieser kann das Spurenelement nicht selbst produzieren. Darum müssen wir darauf achten, täglich eine ausreichende Menge mit unserer Nahrung zu uns zu nehmen. Dass das vielen nicht mehr gelingt, zeigt das Ergebnis einer Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Das sogenannte Jodmonitoring ergab nämlich, dass in Deutschland milder Jodmangel herrscht. Ein gutes Drittel aller Erwachsenen bekommt täglich zu wenig Jod, bei Kindern und Jugendlichen sind es sogar 44 %. Die Zahl derer, die nicht genug Jod zu sich nehmen, ist steigend.
Etwa 30 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder in Deutschland nehmen nicht ausreichend Jod zu sich. Insbesondere junge Frauen, schwangere und stillende Frauen sowie Menschen, die vegan leben, sind gefährdet.
Jodmangel entsteht nicht von heute auf morgen - es ist ein schleichender Prozess, denn eine gesunde Schilddrüse baut sich immer eine Jodreserve auf. So kann sie es einige Monate überbrücken, wenn deine tägliche Jodzufuhr über die Nahrung zu gering ist. Doch irgendwann ist die stille Reserve aufgebraucht - ein Jodmangel entsteht.
Die Symptome eines Jodmangels entwickeln sich häufig schleichend. Die tägliche Jodaufnahme sollte etwa 150 Mikrogramm betragen. Ein Jodmangel kann verschiedene Symptome hervorrufen, die durch eine verminderte Schilddrüsenhormonproduktion bedingt sind.
Ein (beginnender) Jodmangel bewirkt zunächst eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose). Das äußert sich häufig in unspezifischen Symptomen wie:
Volle und gesunde Haare benötigen verschiedene Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Ein Haarverlust ist nur eines dieser Symptome. Bevor die Haare ausfallen, können die Haare stumpf und brüchig werden. Sie wachsen kaum noch und fallen vorzeitig aus, da sich die Wachstumsphasen der Haare verkürzen. So schnell, wie die Haare ausfallen, können sie nicht nachwachsen. Da die Haare auf dem gesamten Kopf von einem Jodmangel und einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen betroffen sind, zeigt sich der Haarausfall durch Jodmangel gleichmäßig auf dem gesamten Kopf. Es kommt zu einem diffusen Haarausfall.
Bei einer Unterfunktion fallen die Haare zunehmend aus, da sich die Haarzellen vermehrt in einer Ruhephase befinden und das Haarwachstum verlangsamt ist. Darüber hinaus werden die Haare spröde und brüchig. Dünner werdendes und diffus ausfallendes Haar deutet hingegen auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin.
Die gute Nachricht: Schilddrüsenfunktionsstörungen sorgen in der Regel für keinen dauerhaften Haarverlust. Nach erfolgreicher Behandlung der ursächlichen Schilddrüsenerkrankung und der Normalisierung der Schilddrüsenwerte wachsen die ausgefallenen Haare meist wieder nach - auch nach länger anhaltenden Funktionsstörungen. Generell gilt: Je früher gehandelt wird, desto schneller lässt sich weiterem Haarausfall vorbeugen. Denn es kann mitunter Jahre dauern, bis die Haare in Länge und Volumen wieder nachgewachsen sind.
Bleibt die Unterversorgung längere Zeit bestehen, hat das vielfältige Auswirkungen auf den Körper. Dazu zählen:
Weil Schilddrüsenhormone sehr wichtig für Wachstum und Gehirnentwicklung sind, ist ein Jodmangel für Ungeborene und Kleinkinder besonders gefährlich. Nehmen sie nicht ausreichend Jod zu sich, kann sich das in Entwicklungsstörungen, mangelnder Feinmotorik und Intelligenzminderung äußern.
Jodmangel kann schwere Entwicklungsstörungen beim Kind verursachen, darunter Kleinwüchsigkeit, Kretinismus inklusive Taub- und Blindheit, geistige Entwicklungsstörungen oder sogar Fehl- und Totgeburten. Um dem vorzubeugen, empfiehlt die Wissenschaft dir während der Schwangerschaft etwa 230 mg Jod täglich, in der Stillzeit sind es sogar 260 mg. Das gelingt nicht immer über die Nahrung.
Bei Kindern und Jugendlichen kann ein erhöhter Jodbedarf entstehen. Da die Schilddrüsenhormone zahlreiche wichtige Prozesse im Körper steuern, werden beispielsweise bei Wachstumsschüben während der Pubertät auch die Funktionen der kleinen Drüse stark beansprucht und es kann zu Jodmangel kommen. Gerade in dieser Phase reagiert dein Körper sehr empfindlich auf Jodmangel - es kann zu Kropfbildung, Atem- und Schluckbeschwerden, Müdigkeit, Lern- und Konzentrationsstörungen kommen. Auch das Risiko, an Arteriosklerose zu erkranken, steigt.
Ob du ausreichend Jod im Körper hast, kann am besten deine Hausärztin oder dein Hausarzt mithilfe einer Blut- oder auch einer Urinuntersuchung klären. Die Ursache eines Haarausfalls können Sie nicht selbst feststellen. Sie sollten, wenn Sie Symptome von Jodmangel und einen Haarverlust bemerken, Ihren Hausarzt konsultieren.
Mithilfe einer Urinuntersuchung lässt sich die Jodversorgung eines Menschen überprüfen. Wertvolle Hinweise liefern auch ein Schilddrüsenfunktionstest und bildgebende Verfahren.
Wie gut oder schlecht ein Mensch mit Jod versorgt ist, lässt sich durch eine Urinprobe prüfen. Denn der überwiegende Teil des aufgenommenen Jods wird innerhalb von 24 Stunden mit dem Urin wieder ausgeschieden. Das bedeutet: Je besser und höher die Jodversorgung, desto größer auch die Jodmenge im Urin.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert den Jodgehalt im Urin nach folgenden Werten (ab einem Alter von sechs Jahren):
* Ausnahmen: schwangere und stillende Frauen (hier gelten andere Referenzwerte)
Für einen Schilddrüsenfunktionstest wird eine Blutprobe abgenommen. Ein Labor bestimmt dann unter anderem die Konzentration des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH, „thyroid-stimulating hormone“) sowie der beiden Schilddrüsenhormone T3 und T4.
Bei einer (primären) Schilddrüsenunterfunktion aufgrund eines schweren Jodmangels ist der TSH-Wert erhöht. Die Blutspiegel der Schilddrüsenhormone sind noch normal oder bereits erniedrigt.
Bei auffälligen Werten überprüfen Ärzte und Ärztinnen routinemäßig mittels bildgebender Verfahren, ob ungewöhnliche Veränderungen im Gewebe der Schilddrüse vorliegen.
Hat sich bei Erwachsenen bereits ein (sichtbarer) Kropf gebildet, lässt sich mittels Ultraschalluntersuchung oder Schilddrüsenszintigraphie die Größe dieser sogenannten Struma bestimmen und prüfen, ob sich innerhalb der vergrößerten Schilddrüse bereits Knoten gebildet haben.
## Behandlung von JodmangelEinem Jodmangel lässt sich am einfachsten über die Nahrung entgegenwirken. Die wichtigsten Jodlieferanten sind Seefische und Meerestiere. Besonders jodhaltig sind Seelachs, Kabeljau und Scholle. Nennenswerte Jodmengen können zudem in Milch und Eiern vorkommen, allerdings ist hier die Fütterung der Tiere ausschlaggebend. Auch die Verwendung von jodiertem Speisesalz kann helfen, Defizite auszugleichen und Kröpfen vorzubeugen.
Die Behandlung eines Jodmangels besteht hauptsächlich in der Anpassung der Ernährung. Integrieren Sie regelmäßig jodreiche Lebensmittel in Ihre Ernährung, wie Seefisch, Meeresfrüchte, jodiertes Salz und Milchprodukte. Verwenden Sie jodiertes Speisesalz in Ihrer Küche, um sicherzustellen, dass Sie ausreichend Jod aufnehmen.
Bei milder Unterversorgung können Sie Ihre Jodaufnahme meist durch eine angepasste Ernährung verbessern. Seefisch, Krustentiere und Meeresfrüchte enthalten viel Jod. Vor allem aber hilft es, mit jodiertem Speisesalz zu würzen.
Bei einem Haarausfall durch Jodmangel wird zumeist die Unterfunktion der Schilddrüse behandelt. Der Arzt kann Ihnen Tabletten mit Schilddrüsenhormonen verordnen. Sie sollten bei einem Verdacht auf einen Jodmangel nicht eigenmächtig Jod als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Um einen Jodmangel auszugleichen, sollten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Führen Sie Ihrem Körper durch Ihre Nahrung genügend Jod zu, müssen Sie keinen Überschuss befürchten.
Die Einnahme von Jodtabletten kann dann sinnvoll sein, wenn deine Ärztin oder dein Arzt einen schweren Jodmangel feststellt und klar ist, dass du über deine Nahrung dauerhaft nicht genug des Spurenelements bekommst. Eine solche Supplementierung - so lautet der Fachbegriff - solltest du aber nie ohne medizinische Begleitung starten. Denn ein Zuviel an Jod kann sich negativ auf deine Gesundheit auswirken.
Bei einem schweren Jodmangel kann Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin auch Jodtabletten (in Form von Kaliumiodid) in der passenden Dosierung verordnen.
Zu viel Jod ist genauso schädlich wie zu wenig. Es gibt einige Hinweise darauf, dass eine auf Dauer übermäßige Jodaufnahme das Risiko für das Auftreten von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und hier insbesondere der Hashimoto-Thyreoiditis erhöht. Zudem sollten Patienten mit einer schlafenden oder manifesten Schilddrüsenüberfunktion gewarnt werden.
Generell gilt: Du solltest solche Joddosen auf keinen Fall ohne vorherige ärztliche Unterstützung einnehmen.
Es gibt auch jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel - beispielsweise auf Basis von Meeresalgen oder Seetang. Allerdings haben Algen manchmal so viel von dem Spurenelement eingelagert, dass schon geringe Verzehrmengen eine gefährlich hohe Jodzufuhr bedeuten. Halten Sie vor der Einnahme von Algenpräparaten (und anderen jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln) daher zuerst Rücksprache mit Ihrem Arzt, Ihrer Ärztin oder Apotheke.
Der Jodbedarf ist abhängig vom Alter unterschiedlich hoch. Sind Sie jünger als 51 Jahre, beträgt der Jodbedarf pro Tag ungefähr 200 Mikrogramm.
| Altersgruppe | Empfohlene Jodmenge pro Tag |
|---|---|
| Säuglinge (0-12 Monate) | 50-90 Mikrogramm |
| Kinder (1-10 Jahre) | 100-120 Mikrogramm |
| Jugendliche und Erwachsene | 150-200 Mikrogramm |
| Schwangere | 230 Mikrogramm |
| Stillende | 260 Mikrogramm |
Die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfohlene tägliche Menge für die Selenaufnahme bei Erwachsenen liegt in einer Größenordnung von etwa 60 bis 70 Mikrogramm.
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