Joachim Löw: Eine Frisur, die mehr als nur Haare ist

Im Internet kursieren zahlreiche Meinungen über Joachim Löw, insbesondere über sein Aussehen. Während sich andere in seinem Alter vielleicht über schwindendes Haar beklagen würden, scheint Bundestrainer Jogi Löw jeden Morgen mit seiner Haarpracht zu kämpfen.

Jeder kennt ihn, und doch kann man den weit gereisten Jogi Löw wahrhaftig erst in Freiburg begreifen. Hier, in dieser malerischen Stadt am Fuße des Schwarzwalds, wo er seine Heimat nennt, ist auch das Gespräch mit dem Bundestrainer wie Urlaub: Einmal ist er nicht der Fußballlehrer, sondern darf den Ball flach halten und einfach mal von den Dingen reden, die ihn sonst so interessieren.

Es gibt immer wieder Anfragen, das meiste kommt für mich nicht infrage. Aber Nivea, damit kann ich mich identifizieren, das kenne ich von klein auf. Wir Kinder, meine drei Brüder und ich, sind praktisch mit der blauen Dose aufgewachsen - die Handcreme, die man für alles benutzt hat, die Sonnencreme im Freibad. Wir waren ja viel draußen, wir Jungs.

Das soll jeder machen, wie er will. Aber unser Beruf bringt natürlich mit sich, dass wir uns intensiver mit Körperpflege beschäftigen müssen als andere. Wir schwitzen einfach mehr.

Also, bei mir geht's schnell, ich brauche nicht länger als eine halbe Stunde morgens. Bei uns Sportlern kommt hinzu, dass der Fußball gerade die letzten Jahre ein unglaublich mediales Geschäft geworden ist. Sobald unsere Jungs aus der Kabine kommen, treten sie in die Öffentlichkeit. Es ist wichtig, als Mannschaft einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wir repräsentieren ja auch Verein oder Verband. Flügelhemden und Badelatschen können wir uns nicht mehr leisten.

Und ich trinke Rioja - dürfen wir nicht vergessen ...

Nein, meine Kindheit, unser Elternhaus, das war etwas ganz anderes. Mein Vater hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb mit zwanzig Arbeitern. Er hat sehr hart gearbeitet, er war im Krieg, er gehörte zur Generation Wiederaufbau. Selten, dass er sich etwas gegönnt hat.

Ich glaube sogar, dass kaum einer so viel Süßigkeiten isst wie ich: Kuchen, Schokolade, Eis, Desserts. Ich bin eher ein Gelegenheitsraucher, ich rauche gern mal abends eine nach dem Essen. Mir schmeckt's zum guten Glas Wein oder zu einem Espresso. Ich kann aber auch ohne und mache auch bewusst Pausen.

Gelegentlich schaut man ja mal alte Fotos an, und wenn man sich dann so sieht in Schlaghosen und in diesen Hemden mit den ganz langen Krägen, das ist schon komisch. Wir waren ja vier Jungs zu Hause, da war häufiger auch mal Partnerlook angesagt: alle gleich angezogen. Als Kind hasst man das.

Ich war halt ein Jugendlicher aus einer Kleinstadt in den 70er-, 80er-Jahren. Als Ältester hatte ich den schwierigsten Stand natürlich, ich musste mir vieles erst erkämpfen, um mal weggehen zu dürfen zum Beispiel, auf eine Party oder ins Kino. Die Regeln daheim waren schon streng.

Wir waren ja eine große Familie, da war man sehr geborgen. Umso größer und wichtiger war auch der Schritt, wegzugehen, in eine größere Stadt, und auf eigenen Füßen zu stehen.

Es gab feste Zeiten, wann wer wie lange ins Bad durfte. Der Vater hatte natürlich Vorrang, dann blieben wir Buben draußen. Wir waren immerhin sechs Personen mit nur einem kleinen Bad.

Ich glaube, wenn du als Junge das erste Mal das Gefühl hast, dass da irgendetwas gut duftet, dann war das eine Frau.

Gelegentlich schon. Ich denke, die meisten fängt meine Frau ab und lässt sie verschwinden ...

Klar, ich war ein fußballfanatischer Junge. Dafür hat man richtig zusammengespart.

Lagerfeld. Oder auch Armani manchmal. Aber: Der Duft verfliegt, der Eindruck bleibt ...

Friseur, klar. Alle fünf, sechs Wochen. Seit Jahren zum gleichen.

Hängt von den Gegebenheiten und der Zeit ab: morgens oder im Sommer ausschließlich duschen, je nach Sportprogramm zwei-, manchmal auch dreimal am Tag. Im Winter, abends, wenn ich nach Hause komme nach einer langen Reise, nehme ich schon auch gern mal ein warmes Bad.

Außerdem gehe ich manchmal zur Fußpflege - das muss sein, wenn man viel Sport macht, Fußball spielt, joggen geht. Was mach' ich noch? Hände eincremen, unbedingt. Gesicht auch, klar. Meine Haut ist empfindlich und relativ häufig auch trocken. Und dann rasiere ich mich natürlich täglich. Das kostet mich eigentlich am meisten Zeit. Aber es muss sein, weil ich nicht unbedingt einen Dreitagebart möchte.

Rolf Fringer, Trainer beim VfB Stuttgart, als ich Co-Trainer war, hat mal erzählt, wenn er zum Friseur geht, sagt seine Friseurin immer: "Also hinde isch's jetzt subber, aber vorne isch halt's G'sicht ..."

Ich habe einfach viel Haar, an meiner Frisur kann ich gar nicht viel tun. Meine Haare wachsen nämlich, was mich etwas stört, nach vorne. Ich könnte sie gar nicht zurückkämmen. Darum habe ich, seit ich denken kann, die gleiche Frisur, mal ein bisschen länger, mal ein bisschen kürzer. Ich wasche meine Haare, föhne sie zwei Minuten an, mach' vielleicht etwas Gel rein, und dann fallen die so. Ich geh' auch mal mit nassen Haaren aus dem Haus. Also, ich style meine Haare nie.

Das habe ich auch schon gehört. Quatsch. Sie können ja gern mal dran ziehen.

Es wird so viel Unfug geredet. Das gehört in meinem Beruf wohl dazu.

Die Aufstellung vom nächsten Spiel, an der ich dann immer mal so ein bisschen arbeite. Nein, im Ernst jetzt: immer ein Labello. CDs ...

Im Moment höre ich Amy Macdonald sehr gern, die finde ich klasse. Grönemeyer. Udo Jürgens gerne mal. Oder Dieter Thomas Kuhn, der die deutschen Schlager parodiert. Gerne Deutsch. Oder Rock-Pop. Auch kubanische Musik, Lateinamerikanisches höre ich gerne. Das hängt von der Stimmung ab, wo ich gerade bin und zu welcher Zeit ich fahre.

Ich bin schon sehr risikofreudig. Auch als Trainer spiele ich ja gerne mit Risiko und setze oft alles auf eine Karte. Aber ich bin dann immer von meinem Vorhaben überzeugt. Ich bin nicht so der Mensch, der auf Sicherheit baut, Dinge verwaltet - nicht im Fußball und auch nicht privat. Ich verändere mich auch gerne. Ich bin in meinem Leben häufig umgezogen, ich war in fernen Ländern. Ich habe eigentlich immer Fernweh.

Natürlich nicht. Aber ich brauch' ein gewisses Ordnungssystem im Fußball wie im Privatleben. Ich kann auch keinen vollen Schreibtisch ertragen, ich kann sonst nicht nachdenken. Ich habe keine Angst vor der Leere. Im Gegenteil, ich mag mein Hotelzimmer am liebsten so klar wie möglich.

Das auf gar keinen Fall. Mich interessiert die Leistung der Spieler, nicht ihr Äußeres.

Nein, jeder ist, wie er ist. Keiner verbiegt sich für Sponsoren, die werden von allein aufmerksam. Da gibt es keine Imageberatung.

Nein, auch nicht. Und das würde mir auch nicht helfen. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich beratungsresistent bin, aber ich möchte gerne für mich entscheiden, worin ich mich wohlfühle.

Ja, schon. Wobei ich mich nach außen nicht immer gern preisgebe.

Der "Wet-Look" während der WM 2014

Im Internet ist man sich sicher: So sexy wie im Regenspiel gegen die USA hat man Bundestrainer Jogi Löw noch nicht gesehen. Normalerweise sitzt der brave Bubikopf von Jogi Löw wie eine Perücke. Doch beim WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA am Donnerstag (26. Juni) zeigte der Bundestrainer eine neue, wilde Seite: Klatschnass im strömenden Regen klebten die nassen Haare in seinem Gesicht. Dazu betonte das mit Wasser vollgesogene dunkelblaue Hemd des Trainers den sportlichen Body des 54-Jährigen.

Regelrecht verwegen wirkten Jogi Löws nasse Haare, vor allem als er bei Anpfiff der Halbzeitpause seine Nassfrisur mit einer coolen, selbstvergessenen Geste zurückstrich, wie männliche Models das in Werbefilmen oder Musikvideos auch gerne mal machen.

"Mmmmh, Löw auf dem Weg in die Kabine: nass, entschlossen, sexy. Auch in nass macht Bundestrainer Jogi Löw eine klasse Figur.

Lustigerweise erschien Jogi Löw nach der Pause wieder mit seinem gefönten, braven Bubikopf und im trockenen Polohemd. Doch der Regen machte Jogi Löws Haare und den Body bald wieder zum Augenschmaus.

Im Internet wurde der ungewohnte Sexappeal des Bundestrainers dementsprechend heiß diskutiert.

"Löw sieht mit nassem Haar viel besser aus", zwitscherte eine Userin. Eine andere schrieb, Jogi Löw habe mit seinem Look den "Wet-T-Shirt"-Wettbewerb klar für sich entschieden.

Bei so viel Zuspruch sollte Jogi Löw darüber nachdenken, den Bubikopf dauerhaft gegen den Wet-Look auszutauschen - für viele würden die WM-Spiele damit sicher an Attraktivität gewinnen.

Joachim Löw beim Regenspiel von Recife bei der WM 2014. Das Fußballfachmagazin "Gala" urteilte damals, seine nassen Haare wirkten "regelrecht verwegen".

Sein alemannischer Heimatdialekt, der sich aufs Unheilvolle mit dem schwäbischen Einschlag aus den Stuttgarter Jahren mixte, vermochte seinen Cool-Faktor nicht entscheidend zu schmälern.

Ein weiterer, klarer Wettbewerbsvorteil für Löw in modischer Hinsicht: mangelnde Konkurrenz. Zeitweise saßen auf den anderen Bänken eben Männer wie Vicente del Bosque (Spanien) oder Carlos Dunga (Brasilien). Andere wie Antonio Conte (Italien) trugen die Hemden ähnlich eng, behielten aber stets das Nationaljackett drüber an. Mit zunehmendem Alter machte sich Löw sogar noch lockerer und erschien bei der EM 2016 bisweilen in engen grauen T-Shirts.

Egal, wer dem 61-Jährigen auf der Trainerbank folgt - modisch kann der Neue wahrscheinlich erst mal nur verlieren.

"Er war einer der Rekordhalter Joachim Löw - Der Bundestrainer wird 60 Jahre alt | kicker.tv

tags: #joachim #löw #frisur

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