Wir alle wünschen uns gepflegtes, glänzendes Haar und greifen dafür zu unzähligen Produkten mit vielversprechenden Inhaltsstoffen. Kaum ein Inhaltsstoff polarisiert dabei so sehr wie Silikone. In der Beauty-Welt gelten sie für die einen als wahres Wundermittel, das selbst strapazierte Längen sofort seidig und geschmeidig wirken lässt. Man findet sie in Shampoos, Conditionern und Spülungen, Haarölen und Stylingprodukten, als ultimative Helfer für eine glattere und geschmeidigere Haarstruktur. Für andere sind sie ein absolutes No-Go, weil sie angeblich das Haar „zukleistern“ und auf Dauer mehr schaden als nützen. Wie so vieles im Leben, ist auch die Rolle der Silikone in der Haarpflege nicht nur schwarz-weiß und etwas komplexer, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag.
Um die Frage zu beantworten, ob Haarspülungen schädlich sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die chemische Struktur der Inhaltsstoffe, ihre Wirkung auf das Haar und darauf, für wen sie sinnvoll sind und wann man besser darauf verzichtet.
Silikone sind synthetische Polymere, die aus Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Im Grunde sind Silikone einfach farblose Kunststoffe, die meist aus Erdöl gewonnen werden. Ihre chemische Struktur macht sie extrem glatt und flexibel. Daher sind sie ideal, um raue Haaroberflächen zu ummanteln. Jedes Haar besteht außen aus einer Schuppenschicht (Cuticula) aus überlappenden Keratinschuppen. Bei strapaziertem Haar stehen diese Schuppen ab, was zu Frizz in den Haaren, Brüchigkeit und Glanzverlust führt.
Die Kettenstruktur der Silikonmoleküle ist extrem flexibel und gleitfähig. Dadurch legen sie sich wie winzige, glatte Plättchen über die aufgeraute Schuppenschicht des Haares. Der dünne, hydrophobe Silikonfilm glättet die Haare und schließt Feuchtigkeit im Inneren ein. Diese „ummantelnde“ Wirkung können die Silikone ausüben, weil sie nicht in das Innere des Haarschaftes dringen, sondern sich nur an der Oberfläche an das Haar lagern. Anders als Proteine und Lipide wirken sie nicht auf den Aufbau des Haars, sondern optimieren sozusagen nur das Finish. Diese Versiegelung verhindert nicht nur das Feuchtigkeit aus dem Haar entweichen kann, sondern reduziert auch die mechanische Reibung zum Beispiel beim Bürsten.
Ihr erkennt sie an den Endungen „-cone“ oder „-oxane“ in der INCI. In der Kosmetik kommen vor allem zwei Formen vor: nicht wasserlösliche Silikone) und wasserlösliche.
Gerade bei beanspruchtem, trockenem oder coloriertem Haar können Silikone wahre Beauty-Helden sein. Sie versiegeln die Oberfläche, verhindern Spliss und machen das Styling einfacher. Besonders langes oder krauses Haar profitiert von der glättenden Wirkung, die Frizz reduzieren und das Haar bändigen kann. Aber gibt es auch negative Aspekte? Dies kommt auf die Art der Silikone an.
Viele Silikone sind nicht wasserlöslich und lassen sich nicht einfach auswaschen. Mit der Zeit können sie sich schichtweise auf dem Haar ablagern, was „Build-up“ genannt wird. Das Haar wirkt dann zwar glänzend, fühlt sich aber schwer an, verliert Volumen und kann Pflegestoffe aus anderen Produkten schlechter aufnehmen. Vor allem für feines Haar ist dies besonders abträglich. Daher ist es vor allem wichtig zu wissen, dass nicht alle Silikone gleich gut für dein Haar sind.
Wie bereits erwähnt gibt es zwei Arten von Silikonen für das Haar:
Wenn dein Haar stark strapaziert ist, etwa durch Colorationen, Blondierungen, regelmäßiges Hitze-Styling oder häufiges Bürsten, können Silikone eine echte Rettung sein. Sie glätten aufgeraute Strukturen, versiegeln die Oberfläche und schützen die Längen vor weiteren Schäden. Auch bei krausem Haar bringen sie mehr Kontrolle und sorgen für ein gepflegtes, glattes Finish.
Anders sieht es jedoch bei feinem, schnell fettendem oder ohnehin gesundem Haar aus: Hier ist der versiegelnde Effekt oft nicht nötig. Stattdessen können Silikone manchmal das Haar beschweren, Volumen nehmen und langfristig das Gefühl von Frische mindern. Wer zudem Wert auf natürliche Pflege legt und seine Haare lieber mit Nährstoffen aus Ölen oder Proteinen tiefenwirksam stärken möchte, ist mit silikonfreien Alternativen oder mit einer leichten Silikonmischung besser beraten.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Im eigentlichen chemischen Sinn existieren keine natürlichen Silikone, da Silikone immer synthetisch auf Siliziumbasis hergestellt werden. Was jedoch gerne als „natürliche Alternative zu Silikonen“ bezeichnet wird, sind Wirkstoffe, die dem Haar ein ähnlich seidiges Finish verleihen, dabei aber aus pflanzlichen Ölen oder Zuckern gewonnen werden.
Zu den beliebtesten Inhaltsstoffen zählen reichhaltige Pflanzenöle und -buttern wie Kokosöl, Arganöl, Jojobaöl oder Sheabutter, die das Haar intensiv pflegen und ihm luxuriösen Glanz schenken. Ergänzt werden sie durch leichte Esteröle aus Zucker, Kokos- oder Rizinusöl, die weniger beschwerend wirken, sowie durch hydrolysierte Proteine aus Reis, Weizen oder Seide, die sich wie ein feiner Schutzfilm um jedes Haar legen. Auch innovative Verbindungen pflanzlichen Ursprungs, etwa Methosulfate aus Rapsöl, und moderne Biotech-Inhaltsstoffe wie Hemisqualan aus Zuckerrohr setzen neue Maßstäbe in der natürlichen Haarpflege.
Das führt zu geschmeidigem Haar, das frei von schwerem Build-up bleibt und sich mit milden Shampoos ganz einfach auswaschen lässt. Gleichzeitig überzeugen diese Inhaltsstoffe durch ihre Umweltfreundlichkeit und biologische Abbaubarkeit und versorgen das Haar zusätzlich mit wertvollen Nährstoffen wie Fettsäuren, Vitaminen und Antioxidantien.
Natürlich haben diese Alternativen auch Grenzen: Sie schützen weniger intensiv vor Hitze, die Glättung ist sanfter und die Wirkung etwas kürzer, weshalb eine regelmäßige Anwendung empfehlenswert ist. Bei feinem Haar kann zudem ein zu reichhaltiges Öl für ein beschwerendes Gefühl sorgen.
Kurz gesagt: Synthetische Silikone stehen für sofortige, hochwirksame Ergebnisse, jedoch mit dem Risiko von Ablagerungen. Natürliche Alternativen hingegen umhüllen das Haar mit sanfter Pflege, nachhaltiger Leichtigkeit und einem Gefühl von natürlicher Schönheit, auch wenn sie beim Hitzeschutz und Frizz-Control nicht ganz die Performance von Dimethiconen & Co. erreichen.
Pflanzliche Öle wie Arganöl, Kokosnussöl oder Jojobaöl können die Haaroberfläche ebenfalls glätten und Glanz verleihen, allerdings ohne den langanhaltenden Film der Silikone. Bei manchen Ölarten wie zum Beispiel Kokosnussöl, sollte man darauf achten, dass sie die Haare nicht zusätzlich austrocknen.
Flüchtige Silikone wie Cyclopentasiloxane (D5) oder Cyclohexasiloxane (D6) verdampfen nach dem Auftragen relativ schnell. Sie werden häufig als Trägerstoffe für andere Pflegestoffe eingesetzt, hinterlassen kaum Rückstände und sorgen für ein leichtes, seidiges Haargefühl. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie das Haar nicht beschweren und sofortigen Glanz verleihen. Dadurch sind sie besonders für feines oder schnell fettendes Haar geeignet, das geschmeidiger wird und sich leichter kämmen lässt. Der Nachteil ist jedoch, dass flüchtige Silikone keinen nachhaltigen Schutz bieten und sich daher weniger für stark strapaziertes oder sehr trockenes Haar eignen.
Nicht flüchtige Silikone wie Dimethicone, Amodimethicone oder Dimethiconol haften länger an der Haaroberfläche. Sie bilden einen Schutzfilm um die Cuticula, der mechanische Schäden reduziert und Feuchtigkeitsverlust vorbeugt. Dadurch schützen sie das Haar zuverlässig vor Hitze, UV-Strahlen und Reibung, reduzieren Frizz und glätten die Haarstruktur. Sie eignen sich vor allem für dickes, krauses, chemisch behandeltes oder stark geschädigtes Haar. Gleichzeitig bergen sie aber das Risiko von Ablagerungen: Das Haar kann stumpf oder schwer wirken, Pflegewirkstoffe gelangen schlechter ins Innere und zur gründlichen Entfernung sind oft sulfathaltige Shampoos notwendig.
| Silikonart | Vorteile | Nachteile | Geeignet für | Ungeeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Flüchtige Silikone | Leichtes Haargefühl, Sofort-Glanz, beschweren nicht | Kein nachhaltiger Schutz | Feines, leicht fettendes Haar | Stark geschädigtes oder sehr trockenes Haar |
| Nicht flüchtige Silikone | Langfristiger Schutz, Glättung, Reduzierung von Frizz | Risiko von Ablagerungen, können beschweren | Dickes, trockenes, krauses oder strapaziertes Haar | Feines Haar oder Haar, das schnell beschwert wirkt |
Viele Shampoos enthalten schädliche Inhaltsstoffe wie Sodium Lauryl Sulfate (SLS) und Sodium Laureth Sulfate (SLES), aggressive Tenside, die die Kopfhaut reizen und zu Hautproblemen führen können. Parabene und synthetische Duftstoffe in Haarpflegeprodukten gelten als potenziell gesundheitsschädliche Substanzen, die als Kontaktallergene wirken und die Gesundheit von Menschen und Umwelt durch Giftstoffe belasten können. Silikone in Shampoos und Conditionern führen langfristig zu einem Build-up-Effekt, der die Haarstruktur schädigt, den natürlichen Glanz reduziert und das Haar schwer macht.
Auch die Verbraucherzeitschrift Öko-Test hat 30 Produkte aller Preiskategorien genauer unter die Lupe genommen - und teils schädliche Stoffe in unseren Wunder-Helfern gefunden. Vor allem künstliche Moschusdüfte und der Duftstoff Lilial, den man auf den Etiketten als Inhaltsstoff "Butylphenyl Methylpropional" erkennt, sind dem Portal dabei unangenehm aufgefallen. Die Moschusdüfte stehen unter Verdacht, die Leber zu schädigen - Lilial ist möglicherweise fortpflanzungsschädigend. Klar durch den Test gefallen sind damit gleich zwei Produkte von L'Oréal: Ihre "Elvital Total Repair 5 Reparatur-Spülung" und ihre "Fructis Oil Repair 3 Kräftigende Spülung" enthalten die gefährlichen Duftstoffe.
Um sicherere Haarprodukte zu erkennen, sollte man die Inhaltsstoffliste kritisch auf problematische Substanzen wie Sulfate, Parabene und synthetische Duftstoffe prüfen. Vertrauenswürdige Zertifizierungen wie EWG Verified oder USDA Organic bieten eine gute Orientierung für unbedenkliche Haarpflegeprodukte. In Conditionern sollten Sie besonders Silikone wie Dimethicone vermeiden, die langfristig Ablagerungen bilden und die Haarstruktur belasten.
Viele Naturprodukte verwenden Öle und Milch-, Seiden- oder Weizenproteine als Glattmacher und Glanzspender.
Sind Silikone schädlich für das Haar? Mit einem beherzten Jein! Sie sind nicht wirklich schädlich per se, denn sie können dem Haar nicht nachhaltig schaden. Gleichzeitig sind sie aber auch kein Muss für jedes Haar und sollten nur angewendet werden, wenn dein Haar von den Vorteilen der Silikone profitieren kann, um ein Beschweren des Haares durch das Silikon Built-up zu vermeiden.
Entscheidend ist, deinen Haartyp zu kennen und die Produkte bewusst auszuwählen. Für manche sind Silikone der schnelle Weg zu glänzendem Traumhaar, für andere sind sanfte, silikonfreie Alternativen die bessere Wahl. Wer auf besonders umweltfreundliche Produkte Wert legt, sollte lieber auf silikonfreie Alternativen setzen. Silikone sind zwar nicht schädlich für die Umwelt, müssen jedoch trotzdem aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Je mehr Silikone im Wasser enthalten sind, desto kostspieliger und energieaufwendiger ist die Filterung in den Klärwerken.
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