Die Bedeutung von Haaren und Frisuren geht weit über den rein ästhetischen Aspekt hinaus. Sie sind ein Ausdruck von Identität, Kultur und Zugehörigkeit. Besonders bei Kindern mit Migrationshintergrund können Frisuren zu einem Politikum werden, das gesellschaftliche Vorurteile und Diskriminierung offenbart.
In westlichen Industrienationen nutzen laut der Europäischen Union über 60 % der Frauen und immer mehr Männer Haarfarben, oft sechs bis acht Mal jährlich. Der Industrieverband für Körperpflege- und Waschmittel (IKW) schätzt, dass etwa 70 % der Frauen ihre Haare färben, bei Männern sind es etwa 3 %. Blond ist dabei die beliebteste Farbe (über 30 %), gefolgt von Braun- und Rottönen. Schwarz hat einen Anteil von ca. 10 %.
Haarfärbung ermöglicht eine Typveränderung und vielfältige Stylingkreationen. Permanente Färbungen nutzen Oxidationsfärbemittel mit Entwickler- und Kupplerkomponenten für dauerhafte und intensive Farben. Unter dem Einfluss von Oxidationsmitteln wie Wasserstoffperoxid oder Luftsauerstoff entsteht die eigentliche Farbstoffbildung auf und im Haar. Temporäre Färbungen verwenden bereits färbende Komponenten, die direkt auf das Haar ziehen und keinen Oxidationsvorgang benötigen. Die Beständigkeit variiert, von Färbungen, die nach ein oder zwei Haarwäschen verschwinden, bis zu semipermanenten Färbungen, die mehrere Haarwäschen überdauern. Unterschiedliche Farbtöne werden durch die Kombination verschiedener Komponenten erreicht.
Seit 1. November 2011 müssen Haarfärbemittel besser über mögliche schädliche Wirkungen informieren, um das Sensibilisierungsrisiko zu mindern. Bis 1. August 2012 wurden 181 Substanzen zur Verwendung als Haarfarbstoffe verboten. 76 Haarfarbstoffe sind mit bestimmten Restriktionen (Maximalkonzentrationen, Anwendungshinweisen und ggf. anderen individuellen Beschränkungen) endgültig zugelassen worden.
Seit 2004 wurden am LGL wiederholt Haarfärbemittel auf das Vorhandensein von Farbstoffkomponenten geprüft und zwar sowohl permanente wie auch semipermanente Produkte. Zum jeweiligen Untersuchungszeitpunkt war bei keiner Probe eine unzulässige Verwendung von Farbstoffen (soweit bis dato geregelt) feststellbar.
Die Strategie der Europäischen Kommission hat vorgesehen, alle permanenten und nicht permanenten Haarfarbstoffe zu verbieten, für die die Industrie keine Sicherheitsdossiers vorgelegt hat oder zu denen der Wissenschaftliche Ausschuss eine negative Stellungnahme abgibt und eine Positivliste zulässiger Haarfarbstoffe zu erstellen, die als unbedenklich für die menschliche Gesundheit einzustufen sind.
Eine Migrantenmutter berichtet, wie ihr Sohn beim Friseur einen "Fade" bekommt, eine Frisur, die in ihrem Umfeld viele Jungen tragen. Doch als sie ein Foto des frisch frisierten Kindes an ihre Freundinnen schickt, reagiert eine Freundin mit dem Satz: "Meiner will auch so eine Frisur. Ich erlaube es nicht." Auf Nachfrage erklärt die Freundin, sie wolle nicht, dass ihr Kind "Ausländer Haare" oder "Fussballer-Haare" habe. Sie bevorzuge "Bullerbü-Haare" für ihren Sohn.
Diese Episode verdeutlicht, wie schnell Frisuren mit bestimmten sozialen Schichten, Nationalitäten oder gar einem "asozialen" Image assoziiert werden können. Was vor 50 Jahren noch als ordentlich galt, wird heute als "ghetto" abgestempelt. Die Migrantenmutter fragt sich, ob es die eigene Prägung ist, die solche Assoziationen hervorruft, oder ob es sich um eine Form von verstecktem Rassismus handelt.
Die Migrantenmutter erinnert sich an eine frühere Episode, als ihr Sohn mit vier Jahren einen Irokesenschnitt haben wollte. Obwohl sie dem Wunsch ihres Sohnes nachkam, ernteten sie auf der Straße entsetzte Blicke von anderen Eltern. Ihr wurde bewusst, dass die Haare ihres Sohnes, und damit auch ihr Sohn selbst, von der Umwelt wahrgenommen und bewertet werden, sobald er nicht mehr wie "Michel aus Lönneberga" aussieht.
Die Body Autonomy der Kinder führt dazu, dass Kinder in Windeln rumlaufen, bis sie ‚bereit‘ sind, sich nicht mehr einzuscheißen aber hört dann bitte bei den Haaren auf, denn die haben rebellisch hübsch locker flockig zu wippen beim Gehen über den Mauerflohmarkt (Oder RAW-Gelände). Damit die Mütter der Freundin beim Match Latte , schallend lachend, Kopf schüttelnd entgegnen können, dass sie es ja schon problematisch finden, dass Wildfremde denken, ihr Sohn sei ein Mädchen.
Die Migrantenmutter stellt fest, dass ihr Migrationshintergrund so lange interessant ist, wie es um kulinarische Besonderheiten geht, aber nicht, wenn es um den frisch rasierten Kopf ihres Sohnes geht. Sie kritisiert die Heuchelei einer Gesellschaft, die Dostojevski vergöttert, aber Capital Bra problematisch findet.
Kevinismus geht im Kleiderschrank und beim Friseurbesuch weiter, auch wenn wir unseren Kindern keine englischen Vornamen mehr geben.
Die Autorin betont, dass wir sehr viel über die Erziehung unserer Mädchen reden, aber selten über die Jungen. Wenn ein Mädchen keine Kleider mag, dann ist das so, aber wenn ein Junge Kleider mag, wird es schwierig. Wenn ein Junge unsauber schreibt, dann wird das hingenommen, denn Jungen sind so und wenn ein Junge sich in der Schule kloppt, auch, denn so sind Jungs. Nur bei den Haaren sind wir…mmmhh, wer sind wir denn? Bildungsbürgermuttis? Wannabe-Öko-Muttis? Die trotzdem bei H&M und Zara einkaufen, aber nur die Sachen in altrosa und beige? Und die Pullis der Jungs dürfen keine Bagger oder Paw Patrol Hunde drauf haben, aber Paddington oder Puh der Bär wäre ok?
Das harte Männlichsein, das in vielen migrantischen Communities vorherrscht, wird verbunden mit einer Antipathie gegenüber ‚Mädchenhaaren‘ bei Jungs. Genauso, wie ein entfernter Cousin mal behauptet hat, Malen wäre voll gay. Uhm. Da sitzt du dann, bei einer Hochzeit und denkst dir, wo fang ich denn da an.
Antislawismus oder Slaw:innenfeindlichkeit ist eine Form des Rassismus.
Die Friseur-Salons in Deutschland sind immer noch geschlossen - so fahren viele Saarländerinnen und Saarländer nach Frankreich. Im Salon von Marie-Rose Salemi (rechts) suchen viele Saarländerinnen und Saarländer Erlösung von herausgewachsenen Frisuren und Farben. Mit einer Woche Wartezeit auf einen Termin muss man derzeit bei „Maria-Rosa Coiffure“ schon mal rechnen. Denn neben ihrer Stammkundschaft geben sich im Salon von Marie-Rose Salemi immer mehr Saarländerinnen und Saarländer die Klinke in die Hand.
Salemis Friseurladen liegt an der Durchgangsstraße Rue nationale in Spicheren nur 300 Meter von der deutsch-französischen Grenze entfernt. Schon als die junge Französin ihren Laden 2013 eröffnete, hatte sie die strategisch günstige Lage im Blick. „Es kommen schon immer viele Deutsche zu uns“, sagt sie. Vor allem Deutsche, die in Spicheren wohnen, auch viele Beschäftigte vom nahegelegenen Unternehmen ZF, die nach Feierabend noch schnell den Friseurbesuch erledigen wollen.
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