Ist Haarefärben schädlich für die Gesundheit?

Wenn die Friseure nicht gerade geschlossen sind, färben sich in Deutschland zwei Drittel der Frauen und 19 Prozent der Männer mindestens halbjährlich die Haare. Mindestens einmal pro Monat sind es immer noch 23 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer (Quelle: Statistika 2021). Doch wie wirken sich die Produkte auf unsere Gesundheit aus? Sind sie wirklich so sicher wie beworben?

Haarfarben stehen laut Presse und Medien immer wieder im Verdacht, krebserregend zu sein. Auch andere Verbraucherinnen und Verbraucher stellen sich diese Frage. Wie sicher sind moderne Haarfarben? Sind Pflanzenhaarfarben wirklich unbedenklich? Dieser Artikel gibt einen Überblick.

Eine Beach Blonde Mähne, Rassiges Schwarz, Karamellbrauner Traum… ja, all das ist möglich und durch die vielen Möglichkeiten der Colorationen und neuen Trends können wir uns immer wieder neu erfinden. Sounds fun?

Die Risiken und Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln

Jede künstliche Haarfarbe (ob auswaschbar oder nicht) greift die Haare an. So ist es leider. Damit sich die Farbpigmente im Haar einlagern können, muss zunächst die schützende Schuppenschicht jedes einzelnen Haares gelockert werden. Dies geschieht in den meisten Fällen durch den Zusatz von Ammoniak. Unterstützt von einem Oxidationsmittel (Wasserstoffperoxid) quellen die im Färbeprodukt enthaltenen Farbpigmente auf und lagern sich dauerhaft im Haar ein.

Um nun das Färbeergebnis so lange wie möglich beizubehalten und das gereizte Haar zu beruhigen, ist es immens wichtig, auf gute Pflege zu setzen.

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Studien, die Haarfärbemittel mit der Entstehung von Krebs in Verbindung bringen. Demnach hätten Menschen, die sich regelmäßig die Haare färben (lassen), vor allem aber wir, die Friseurinnen und Friseure, ein erheblich höheres Krebsrisiko als der Rest der Bevölkerung.

Allerdings wird nur selten erwähnt, dass die Studienergebnisse für moderne Haarfärbemittel keine Gültigkeit besitzen. Die Stoffe, die damals in Haarfärbemitteln enthalten waren, sind heute von den Zutatenlisten verbannt. Seit dem Jahr 2006 gilt eine neue EU-Vorschrift: Jetzt sind nur noch Inhaltsstoffe erlaubt, für die Sicherheitsdossiers vorliegen. Die Europäische Kommission bezeichnet die in der EU erhältlichen Haarfärbemittel als sehr sicher.

Ein bedenklicher Stoff ist jedoch zu nennen: aromatische Amine, die häufig in Haarfärbemitteln enthalten sind. Zu ihnen besteht noch Forschungsbedarf, denn sie werden ebenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

Auch wenn das Krebsrisiko durch eine Haarfärbung gemäß den aktuellen Erkenntnissen nicht erhöht wird, sind Haarfärbemittel auch nach heutigem Wissensstand nicht ganz ungefährlich. Manche von ihnen sollen auch die Leber und die Nieren schädigen können. Dass diese Auswirkungen beim Haare färben auftreten könnten, ist nicht ausgeschlossen.

Die Färbemittel, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, enthalten keine Stoffe, die nach heutigem Wissensstand erwiesenermaßen gesundheitsschädlich sind.

Problematische Inhaltsstoffe in Haarfarben

  • Aromatische Amine: Stoffe wie 2,5-Toluylendiamin (PTD), p-Phenylendiamin (PPD) und Hydroxyethyl-p-Phenylendiamin gelten als starke Allergene.
  • Resorcin: Reizt die Haut, sensibilisiert für Allergien und kann erbgutverändernd wirken.
  • PEG/PEG-Derivate: Machen die Haut durchlässig für Schadstoffe.
  • Halogenorganische Verbindungen: Sind ebenfalls bedenklich.
  • Allergene Duftstoffe: Können allergische Reaktionen auslösen.

Im Jahr 2014 veröffentlichten schwedische Forscher eine Studie, in der sie die Chemikalienbelastung von Friseuren untersuchten. Diese sind den verdächtigen krebserregenden Aminen und Allergenen bekanntlich ein ganzes Arbeitsleben ausgesetzt. Die Spiegel jener krebserregenden aromatischen Amine, die sich o- und m-Toluidine nennen, waren im Blut der Friseure umso höher, je häufiger sie bei ihren Kunden die Haare färbten (insbesondere hell färbten).

Man sollte grundsätzlich Handschuhe beim Hantieren mit diesen Mitteln tragen - ob man nun Privatanwender oder Friseur ist. Tätigkeiten, die ohne Handschuhe durchgeführt werden müssen, wie z. B. Haare schneiden, sollten vor dem Färben oder Dauerwelle legen erledigt werden.

Krebsrisiko und Haarfärbemittel

Forscher der Harvard Universität haben im Rahmen einer über 36 Jahre andauernden Langzeitstudie, an der fast 120 Tausend Krankenschwestern teilnehmen, untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen dem Färben der Haare und dem Risiko, an Krebs zu erkranken besteht. Die Teilnehmerinnen der Studie wurden 36 Jahre lang nach unterschiedlichen Lebensumständen und Lebensgewohnheiten befragt.

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Friseure ein überdurchschnittlich hohes Risiko hatten, an Blasenkrebs zu erkranken. Forscher der University of California in Los Angeles hatten darin 1.514 Personen, die an Blasenkrebs erkrankt waren und genauso viele Menschen desselben Alters, die gesund waren, untersucht. Färbt man sein Haar langfristig, also über viele Jahre hinweg, dann steigt das Risiko weiter. Wer beispielsweise 15 Jahre und länger allmonatlich Haarfarbe aufträgt, erhöht sein Risiko auf das 3,3-Fache.

Ob das Risiko tatsächlich so gering ist, wie hier glauben gemacht werden sollte, wird inzwischen wieder bezweifelt, denn im Juni 2017 erschien im Fachjournal Carcinogenesis eine Studie von Forschern der Rutgers University in New Brunswick, New Jersey, die einen Zusammenhang zwischen der Verwendung von bestimmten Haarprodukten, wie z. B. Haarfärbemittel.

Pflanzliche Alternativen und natürliche Haarfarben

In den letzten Jahren wurde viel über die Risiken bei der Anwendung von Haarfärbemitteln diskutiert. Infolgedessen sind zahlreiche natürliche Produkte auf den Markt gekommen. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an pflanzlichen Haarfärbemitteln, die ohne bedenkliche Stoffe auskommen und mit denen man die Haare natürlich färben kann.

Aus gesundheitlicher Sicht sind diese Mittel zu begrüßen. Sie enthalten natürliche Stoffe wie Henna, Indigo und Kamille. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist hier wesentlich geringer. Allerdings lassen sich mit natürlichen Haarfärbemitteln nicht die gleichen Ergebnisse erzielen wie mit konventionellen Produkten. Aufhellungen sind nicht möglich und graues Haar wird nicht vollständig abgedeckt. Wie bei Tönungen verblasst die Farbe mit jeder Haarwäsche. Noch mehr als bei konventionellen Färbemitteln hängt das Farbergebnis von der Ausgangshaarfarbe ab.

Auch ist die Anwendung natürlicher Färbemittel um einiges komplizierter als die von konventionellen. So ist die Einwirkzeit oft deutlich länger.

Vor- und Nachteile natürlicher Haarfarben

Vorteile Nachteile
Geringeres Allergierisiko Keine Aufhellung möglich
Natürliche Inhaltsstoffe Graue Haare werden nicht vollständig abgedeckt
Weniger schädlich für das Haar Farbe verblasst schnell
Komplizierte Anwendung

Allerdings können pflanzliche Haarfärbemittel auch Nachteile haben:

  • Begrenzte Farbauswahl: Die Auswahl an natürlichen Farbtönen ist geringer als bei chemischen Produkten.
  • Keine komplette Weißabdeckung: Graue Haare lassen sich oft nicht vollständig abdecken.
  • Farbwirkung ist abhängig von der Haarstruktur: Das Ergebnis kann je nach Haartyp variieren.
  • Komplizierte Anwendung: Die Anwendung ist oft aufwendiger und zeitintensiver.
  • Wie eine Tönung waschen sich Pflanzenfarben mit jeder Haarwäsche weiter aus

7 Fakten über Henna / Pflanzenhaarfarbe

Tipps für ein schonendes Haarefärben

Damit Ihre Gesundheit und Ihre Haare beim Haarefärben nicht übermäßig belastet werden, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Wenn Sie Ihre Haare selbst färben, halten Sie sich genau an die Anweisungen des Herstellers.
  • Vermeiden Sie, wenn möglich, Hautkontakt: Verwenden Sie Schutzhandschuhe und bevorzugen Sie Färbemethoden, bei denen das Färbemittel nicht mit der Kopfhaut in Kontakt kommt.
  • Atmen Sie das Färbemittel nach Möglichkeit nicht ein.
  • Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie Haarfärbemittel ins Auge bekommen oder verschluckt haben.
  • Verzichten Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit sicherheitshalber auf das Färben der Haare. Auch bei Kopfhautproblemen wie Schuppenflechte sollten Sie aufs Haarefärben verzichten.
  • Färbungen ohne Ammoniak sind nicht unbedingt besser für die Haare: Alternative Alkalisierungsmittel verflüchtigen sich nicht so schnell und können deshalb die Haare stärker schädigen.
  • Färben Sie Ihre Haare nicht zu oft und wenn, dann greifen Sie lieber zu natürlichen Haarfärbemitteln ohne Chemie.
  • Auf bereits gefärbtem oder blondiertem Haar können Haarfärbemittel anders als erwartet wirken. Gehen Sie in solchem Fall lieber zum Friseur, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
  • Spezielles Shampoo und Pflegeprodukte für coloriertes Haar können dabei helfen, das Farbergebnis zu erhalten. Zudem können Haarkuren helfen, das strapazierte Haar und die gereizte Kopfhaut zu pflegen.
  • UV-Strahlung, Chlor- und Salzwasser bleichen das Haar aus. Das gilt auch für coloriertes Haar.

tags: #ist #haare #färben #schädlich

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen