Henna-Tätowierungen sind ein beliebtes Urlaubssouvenir, doch das Färbemittel kann eine Allergie auslösen. Dies gilt sowohl für Hautmalerei als auch für das Färben der Haare.
Henna ist ein natürlicher Farbstoff, der aus den Blättern des Hennastrauchs (Lawsonia inermis L.) gewonnen wird. Seit mehr als dreitausend Jahren wird Henna zum Färben von Haaren, Haut und Nägeln verwendet. Der Farbstoff der Henna-Pflanze - Lawson - bleibt in allen Fällen negativ.
Für die färbende Wirkung von Henna ist das Pigment Lawson verantwortlich. Mit dem roten Inhaltsstoff Lawson (Grafik 2) erreicht man in der höchsten Anwendungskonzentration im günstigsten Fall dunkelrote bis braune Färbungen. Natürliches Henna färbt Ihre Haare oder die Haut in einem dunkleren Rot- oder Braunton. Einen schwarzen Farbton erzielt man jedoch nur durch Zusatz entsprechender Pigmente. Am preiswertesten ist das p-Phenylendiamin.
Um eine dunklere Färbung zu erreichen, wird Henna allerdings häufig P-Phenylendiamin, kurz PPD genannt, hinzugefügt. Die PPD-Kontaktallergie entwickelt sich innerhalb von 14 Tagen; eine Vorsensibilisierung liegt nur selten vor. In Europa ist der Zusatz von PPD in Haar- oder Hautfärbemitteln verboten.
Para-Phenylendiamin (PPD) ist ein aromatisches Amin und bekannt durch seine hohe Sensibilisierungspotenz. PPD ist ein starker Sensibilisator. Die ermittelte Sensibilisierungskapazität wird von den Untersuchern mit „stark“ bis „extrem“ eingestuft. Zwei Wochen sind die kürzeste Zeitspanne, die der Organismus aus immunologischer Sicht für eine Sensibilisierung benötigt. Diese kurze Latenzzeit beobachtet man auch bei mehr als 90 Prozent aller bisher beschriebenen Fälle. Sie ist charakteristisch für sehr starke Sensibilisatoren.
Die Substanz p-Phenylendiamin ist den Betroffenen unbekannt. Ungläubig nehmen sie bei der Ausstellung des Allergieausweises jene Gegenstände zur Kenntnis, die sie fortan meiden müssen: wie schwarz gefärbte Stiefel, Lederhandschuhe, Pelze, Portemonnaies und Kleidungsstücke, Haarfarben, Druckerschwärze, Fahrradgriffe, Gummischläuche, Unterröcke, Futterstoffe, dunkle Strumpfhosen.
Kreuzreaktionen auf verwandte Verbindungen (zum Beispiel p-Toluylendiamin, p-Aminoazobenzol, 3- und 4-Aminophenol, Dispersionsorange 3) sind im Epikutantest häufig.
Da eine Kreuzreaktion auf andere Substanzen mit ähnlicher chemischer Struktur möglich ist, wie z.B. auf das para-Toluylendiamin (PTD), p-Aminophenol oder Azofarbstoffe, können auch diese Stoffe beim Hautkontakt eine allergische Reaktion auslösen.
Kommt es zu einer Allergie auf Henna, genauer gesagt auf den Zusatzstoff PPD, merken Sie dies nicht sofort. Typisch für eine Allergie gegen Henna ist, dass Sie nicht beim ersten Kontakt mit dem allergenen Stoff des PPD reagieren. Das bedeutet, dass Ihr Immunsystem den Stoff erkennt, aber nicht sofort darauf reagiert.
Etwa zwei Wochen nach dem Auftragen der Tuschzeichnung kommt es an der Applikationsstelle zu Juckreiz, Rötung, Bläschenbildung und starker Infiltration, gelegentlich auch zu konfluierenden Blasen. Einige Personen verspüren ein starkes Brennen schon kurz nach dem Auftragen. Trotz des Abwaschens platzt die Haut darunter auf. Betroffene berichten, ihr Arm sei „wie mit einem Brandeisen“ markiert gewesen.
Schließlich entwickelt sich ein millimeterhohes, stark entzündetes Relief, das exakt der Form des abgebildeten Motivs entspricht (Abbildung 1). Versäumt der Patient sich behandeln zu lassen, schließt sich nicht selten eine Superinfektion an.
Lymphknotenschwellungen und Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens werden ebenfalls beobachtet.
Noch Monate später imponiert die Tuschzeichnung als postinflammatorische Hypopigmentierung auf der nun blass gewordenen Haut (Abbildung 2). Sie besteht im günstigsten Fall drei Monate, zieht sich aber bei einigen Patienten aus dem vorigen Sommer noch bis zum heutigen Tage hin. Für Angestellte in Büros mit Publikumsverkehr ist dies bei „Tätowierung“ der Hand- und Fingerrücken eine sehr unangenehme Folgeerscheinung.
Die Behandlung erfolgt meist beim Hausarzt oder beim Hautarzt mit feuchtkalten Kompressen, lokal und/oder systemisch mit hochdosierten Corticosteroiden, Mometasonfuroat und Fusidinsäure. Trotz Therapie zieht sich die Abheilung in der Regel über drei bis vier Wochen hin.
Nur hochdosierte Corticosteroide bringen die Läsionen langsam zur Abheilung.
Ist es eine nicht so ausufernde Reaktion, wird Ihnen Ihr Arzt wahrscheinlich ein Antiallergikum verabreichen. Sie selbst können die Hautstelle kühlen. Hier ist ein Kühlpad sicher hilfreich.
Es ist wichtig, einen spezialisierten Dermatologen aufzusuchen, um die Hautunverträglichkeitsreaktionen diagnostizieren zu lassen.
Der Epikutantest, einige Wochen nach Abschluss der akuten Behandlung vorgenommen, zeigt generell eine hochgradige Überempfindlichkeit gegenüber p-Phenylendiamin (PPD) (Abbildung 3). Nicht selten reagieren die Patienten in der 72-Stundenablesung mit einer Blase.
Nah verwandte Verbindungen wie p-Toluylendiamin, Isopropyl-p-phenylendiamin, 3-Aminophenol, 4-Aminophenol, p-Aminoazobenzol, Dispersionsorange 3 und andere Dispersions-Azofarbstoffe rufen gleichfalls starke bis sehr starke Reaktionen hervor. Auf den roten Inhaltsstoff der Henna-Pflanze - Lawson - erhält man jedoch keine Testantwort.
Um die Tuschzeichnung schwarz zu gestalten, verwendet man in Drittländern gewöhnlich die höchstzulässige Konzentration von sechs Prozent. In einigen wenigen Proben lag die Konzentration des quantitativ bestimmten PPD in Tuschlösungen darunter (9), in einem Fall ergab sie jedoch über 13 Prozent (13).
Kinder und Jugendliche bilden die größte Gruppe der auf Henna-Tuschzeichnungen reagierenden Personen (Alter: 5 bis 51 Jahre) (12, 16). Von 53 in der Literatur beschriebenen (1997 bis 2001) und elf eigenen Fällen sind 45 Prozent jünger als 20 Jahre beziehungsweise 73 Prozent jünger als 30 Jahre. Das weibliche Geschlecht überwiegt deutlich (2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 12, 13, 15, 18, 20, 21, 23, 25, 27, 29, 30).
Bei einigen wenigen Individuen liegt bereits eine früher erworbene Sensibilisierung gegenüber PPD durch Kontakt mit Textilfarbstoffen und Haarfärbemitteln vor. Die Reaktionen auf die Henna-Tätowierung treten dann schon nach wenigen Tagen auf und fallen besonders heftig aus.
Atopiker sind Menschen, in deren Familien Allergien bereits aufgetreten ist und die daher erblich vorbelastet sind. "Bei einer qualifizierten medizinischen Berufsberatung müsste den wenigen Hochempfindlichen von den stark hautbelastenden Berufen wie Friseur oder Krankenschwester abgeraten werden." Entscheidender sei aber, den vielen hautempfindlichen Menschen von Anfang an zu zeigen, wie sie sich konsequent und richtig im angestrebten Beruf schützen können.
Fragen Sie nach, ob PPD in dem Färbemittel verwendet wird. Darauf vertrauend, es handle sich bei „Henna“ immer um ein reines Naturprodukt, akzeptiert der ahnungslose Urlauber eine temporäre „Tätowierung“.
Im Gegensatz zur echten Tätowierung dringen die Farblösungen bei einer temporären „Tätowierung“ (engl.: paint-on tattoo) nicht tief in die Haut ein. Diese kosmetisch-dekorative Veränderung der Hautoberfläche unterliegt strenggenommen dem Lebensmittelrecht und der Kosmetikverordnung. Tätowierungsfarbstoffe und -lösungen stuft der Gesetzgeber jedoch nicht als Kosmetika ein. Der Import von Henna-Tusche wird nur oberflächlich kontrolliert. Eine Überwachung auf gesundheitsschädigende Wirkung der Bestandteile findet nicht statt.
Obwohl PPD (Grafik 1) in der Europäischen Union zur Applikation auf der Haut verboten ist, wurden Henna-Bemalungen auch auf der EXPO in Hannover vorgenommen.
Zeichnet man das Muster oder die Figur ein zweites Mal nach, nimmt das Risiko dramatisch zu. Die Fälle des Sommers 1999 und 2000 beweisen es. Es liegt nahe, eine sehr hohe Dunkelziffer zu vermuten. Zwei Autoren beschreiben sogar eine Übertragung der Tusche von der Applikationsstelle auf Arm beziehungsweise Oberschenkel (trotz Abwaschens mit Wasser und Seife) auf einen anderen Körperteil mit nachfolgender Entzündung an der Kontaktstelle (6, 10).
PPD ist für bestimmte industrielle Zwecke bis sechs Prozent als freie Base zugelassen. Zur Anwendung auf Wimpern, Augenbrauen und der Haut darf PPD nicht eingesetzt werden. Bei der früher üblichen Epikutantestung in der Europäischen Standardreihe mit zwei Prozent kam es gelegentlich zu einer aktiven Sensibilisierung (heutige Testkonzentration: ein Prozent).
Wohl keinem der Betroffenen ist die Folge einer solchen PPD-Sensibilisierung bewusst. Bei der Wahl des zukünftigen Berufs bleibt den Jugendlichen aufgrund der weiten Verbreitung von PPD die Ausbildung zum Drucker, Friseur, Kürschner, Schuhverkäufer, Chemiewerker oder Arbeiter in der Leder-, Gummi- und Textilbranche verschlossen.
Auch eine Lehre zum Laboranten, Masseur, Tankwart, Verkäufer in einem Lederwarengeschäft oder Arbeiter in der Zellstoff-, Kunststoff- und Papierindustrie und Landwirtschaft wird zu einem Risiko. Bis die Kinder unserer Klientel (sechs bis 13 Jahre) und jene, die in der Literatur beschrieben wurden (15 Kinder; fünf bis elf Jahre) ihre Berufsausbildung beginnen, werden sie noch unzählige Male mit PPD-haltigen Druckerzeugnissen, Fahrradgriffen und -schläuchen, Gummireifen-, schläuchen- und -booten, Stiefeln, Handschuhen und anderen schwarz gefärbten Artikeln in Kontakt kommen.
Vom PPD-Gehalt dieser Gegenstände hängt die Stärke der zukünftig noch zu erleidenden Rezidive ab. Jede erneut auftretende allergische Reaktion führt aber zur Unterhaltung und Verstärkung der Sensibilisierung infolge der Vermehrung von Gedächtniszellen.
Lawson ist kein Sensibilisator. Sowohl tierexperimentelle Untersuchungen zur Bestimmung des Sensibilisierungsvermögens (24), als auch Tests am Menschen verliefen mit dem reinen Farbstoff negativ. Rohextrakte sowie nicht genügend gereinigtes Lawson können gelegentlich eine positive Testreaktion provozieren (22).
Pflanzenfarben gelten als relativ schonende und besser verträgliche Alternative zu den synthetischen Färbemitteln. Reine Henna beispielsweise zeigt geringe sensibilisierende Potenz und löst sehr selten eine allergische Reaktion aus. Um mit dem Henna-Farbstoff eine intensivere und dunklere Färbung zu erreichen, wird der Henna para-Phenylendiamin zugesetzt.
Experten weisen darauf hin, dass der Einsatz eines potenten Allergieauslösers wie PPD eine Sensibilisierung gegenüber dem schwachen Allergen in Hennafarben fördern kann.
Für die Farbveränderung kommen hier folgende Naturstoffe zum Einsatz: Henna, Auszüge aus Kamille, Rhabarber sowie Indigo- und Kaffeepulver, wobei Henna die weit größte Bedeutung hat. Beispielsweise ist Färbung mit Henna von Dauer, allerdings kann sich der Farbton mit der Zeit verändern und verblassen.
Für alle Kontaktallergiker:innen ist es wichtig, dass sie die Inhaltsstoffe der Haarfärbeprodukte auf ihre Allergieauslöser sorgfältig durchgehen.
Die richtige Auswahl der Kosmetikprodukte ist entscheidend: Neurodermitiker sollten Kosmetikprodukte bevorzugen, die frei von Duftstoffen, pflanzlichen Inhaltsstoffen und Konservierungsstoffen sind. Oft sind eher Produkte aus der Apotheke frei von Duft- oder Konservierungsstoffen also solche aus Drogerien.
Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie auf Kosmetika oder Haarfarben sollte ein Arzt aufgesucht werden, der einen Allergietest durchführt.
Tabelle: Übersicht über Henna-Allergie
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Ursache | Zusatz von PPD (Para-Phenylendiamin) zu Henna |
| Symptome | Juckreiz, Rötung, Bläschenbildung, Schwellung, Brennen |
| Diagnose | Epikutantest (Patch-Test) |
| Behandlung | Corticosteroide, Antihistaminika, feuchte Umschläge |
| Prävention | Vermeidung von Henna-Produkten mit PPD |
| Alternativen | Reines Henna (Lawsonia inermis L.) ohne Zusatzstoffe |
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