In einem unscheinbaren Haus in Haar unterhält die Landsmannschaft der Volksgruppe ein kleines Kulturzentrum mit Museum. Besucht wird es hauptsächlich von Menschen, die selbst vor 80 Jahren die Flucht aus den Ländern des Balkan erlebt haben. Doch nun ist Geld da, um das Gebäude zu vergrößern und die Ausstellung auch für junge Leute attraktiv zu gestalten.
Das Haus der Donauschwaben in Haar.
In dem Bungalow an der Leibstraße in Haar ist ein Koffer ausgestellt. Er ist aus Holz, unscheinbar und ein bisschen staubig, seine blaue Lackierung matt. In ihm trug Paul Beiwinkler als kleiner Bub alles bei sich, was er besaß - Gegenstände und Erinnerungen gleichermaßen. "Mein Vater hat ihn gemacht, in seiner Schreinerei", erzählt er. Das war 1943. Beiwinkler war damals fünf Jahre alt und lebte mit seiner Familie in Syrmien, eine Landschaft im damaligen Königreich Ungarn.
Es war fast auf den Tag vor 80 Jahren. Elisabeth Arnold erinnert sich genau: ein Kirchweihsonntag, der 8. Oktober 1944. An diesem Tag „um zwei Uhr Nachmittag“, erzählt die Seniorin mit brüchiger Stimme, sei ihre Kindheit zu Ende gegangen. Es standen Bewaffnete vor der Tür des Elternhauses in Tschernenka. Die Familie musste fliehen und die Elfjährige fortan tapfer sein auf der monatelangen Flucht, die sie in mehrere Lager führte, in denen ein Menschenleben wenig zählte. Was damals geschah, ist schwer nachzuvollziehen. Und manches können Betroffene bis heute nicht erzählen, so schrecklich war es.
Doch Zeitzeugenvideos wie das mit Elisabeth Arnold, die auf der Homepage des Kulturzentrums „Haus der Donauschwaben“ in Haar abrufbar sind, ermöglichen eine Annäherung. Dazu macht eine neue begehbare Installation in dem Haus, das nur drei Minuten vom Haarer Bahnhof entfernt liegt, die Schrecken in Ansätzen erfahrbar. Der in Kasachstan geborene deutschstämmige Künstler Jurij Diez hat den multimedialen Parcours aus Anlass der Gedenkfeiern zu „80 Jahre Flucht, Vertreibung Neubeginn“ in Haar geschaffen.
Die Geschäftsführerin des Kulturzentrums, Gabriele Schilcher, sagt bei einer Präsentation des Parcours, dieser mache für den einzelnen „begreifbar, was fast nicht zu begreifen ist“. Juri Dietz spricht von einer Auseinandersetzung mit den universellen Themen Vertreibung und Identität. Jeder werde mit sich selbst konfrontiert.
Das Konzept ist anspruchsvoll und passt zu dem neuen Weg, den das Haus der Donauschwaben 2021 eingeschlagen hat. Aus dem Ort, an dem die Vertriebenen ein Stück Heimat bewahrten, ist ein Kulturzentrum geworden. Die Sammlung von Trachten, alten Möbel und auch handwerklichen Gegenständen gibt es weiter. Doch das Haus, das vom Freistaat mit 300 000 Euro im Jahr gefördert wird, richtet den Blick auch auf das Heute und die Zukunft. Geschäftsführerin Schilcher will ein „Begegnungszentrum“ schaffen und sagt, Flucht und Vertreibung seien wahrlich keine Themen von gestern.
Mittlerweile ist erkennbar, wie sie mit ihrem Team und dem Erfahrungsschatz der Zeitzeugen ein komplexes und lange als Sache der Vertriebenen am Rand beachtetes Thema aufarbeitet. Sie erzählt vom Siedlungsraum der Donauschwaben im heutigen Serbien, Ungarn, Rumänien, Kroatien, der „jahrhundertelang multiethnisch“ geprägt gewesen sei. „Da sind fünf, sechs Kirchen in dem kleinsten Dorf gestanden“, sagt sie und spricht von „gelebter Vielfalt“. Dies alles sei im 19. Jahrhundert mit dem heraufziehenden Nationalismus und später dann in der verbrecherischen NS-Diktatur zerstört worden. Es gelte einen verschüttet gegangenen und bis heute vielfach vergessenen Schatz zu heben; eine Art Vermächtnis der Vertriebenen an spätere Generationen.
Die Zeitzeugen Martin Pertschy, Elisabeth Arnold und Paul Beiwinkler erzählen in Videos ihre Geschichte. (Foto: Claus Schunk)
Juri Dietz ist mit 43 Jahren selbst ein Nachgeborener und hat doch viel mit den Zeitzeugen der Vertreibung gemeinsam. Er ist in Kasachstan geboren und ist „Russland-Deutscher“. Was er zu erzählen hat, zeigt sich schnell, als es hinter Dietz durch die Drehtür in die Installation geht, die im Untergeschoss des Kulturzentrums steht. Auch Elisabeth Arnold und andere Zeitzeugen sind bei der Begehung dabei. Man taucht erst ein in ein informatives Hörstück, das die Geschichte der Donauschwaben in fünf Minuten erzählt, dazu Bilder der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, die die Siedler damals aus dem deutschsprachigen Raum nach Südosteuropa holte. Fotografien zeigen das Leben dort.
Und schon ist man in einem spartanisch eingerichteten Raum - abgewetzter Tisch, Stuhl, Besteck - und wird mit der Härte der Vertreibung konfrontiert. Plötzlich flimmern Bilder von Menschen an der Wand, die in Viehwaggons verladen werden, Regentropfen laufen am Bildschirm hinab.
Und genau dort, wo Abrisszettel von einem Kalender auf dem Boden die langen Tage in den Lagern symbolisieren, beginnt Elisabeth Arnold live zu erzählen, wie sie als Elfjährige auf der Flucht das Lager Kaisersteinbruch im heutigen Burgenland erlebt hat. „Die Käferlein sind auf der Suppe geschwommen“, erzählt sie. „Läuse, Wanzen, alles, was es gab.“ Das sei der Alltag gewesen. „Die Russen haben mit uns gemacht, was sie wollten.“ Beim Gang durch die Installation kann der Besucher in einem Glaskubus die Zeitzeugenvideos ansehen und wird zum Beobachteten.
„Der Koffer ist ein Symbol für Menschen, die entwurzelt sind.“ Flucht und Vertreibung sei ein Thema, das nicht vorübergehe, sagt Dietz. Er begegnet sich in einem Spiegel und sieht sich am Ende vor einem sprechenden Koffer, der Jahreszahlen wie 2030, 2040 und 2050 ausspuckt, mit der Frage konfrontiert: Soll ich auspacken oder weiterziehen?
Erinnern, ohne zu beschönigen: Geschäftsführerin Gabriele Schilcher mit dem Künstler Jurij Diez. (Foto: Claus Schunk)
Im Haus der Donauschwaben steht der Koffer auch fürs Ankommen in Bayern und im Raum München. Es ist die Geschichte von Zigtausenden, die heute die Mitte der Gesellschaft bilden, ohne die Haar, Trudering und der ganze Großraum München nicht mehr vorstellbar wären. Paul Beiwinkler ist einer davon. Er trug als Bub bei der Flucht einen blauen Holzkoffer, den sein Vater als Schreiner selbst gemacht hatte, und der heute ein Ausstellungsstück im Kulturzentrum ist. Beiwinkler sagt, man sei nicht stehen geblieben. „Wir sind doch moderne Leute.“
Gabriele Schilcher will mit ihrem Team wertvolle Aspekte in die aktuelle gesellschaftliche Debatte über Flucht, Vertreibung und Integration einbringen. Dabei werde nichts beschönigt, sagt sie. Natürlich seien der Vertreibung die NS-Verbrechen vorausgegangen, sagt sie. Und die Heimat der Donauschwaben sei vor und während des Zweiten Weltkriegs kein Idyll gewesen. Aber es habe ein „sehr gutes Nebeneinander“ vieler Kulturen gegeben. Für Elisabeth Arnold endete als Kind vor 80 Jahren „eine wunderschöne Zeit“.
Mit einer vielseitigen Informations- und Veranstaltungsreihe erinnert das Kulturzentrum Haus der Donauschwaben e.V. in Haar an 80 Jahre Flucht und Vertreibung der Donauschwaben. Lesungen, Diskussionen, ein Kongress, die Veröffentlichung von Erklärvideos und filmischen Zeitzeugenberichten sowie eine begehbare Kunstinstallation flankieren die zentrale Gedenkfeier am 12. Oktober 2024. Schirmherrin des Gedenkjahres ist Dr. Petra Loibl, MdL, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene.
Der Oktober 1944 markierte mit dem Vorrücken der Roten Armee im Osten Europas den Beginn der gewaltsamen Vertreibung der Donauschwaben aus ihren Siedlungsgebieten im heutigen Serbien. Wer im sogenannten blutigen Herbst den Massenerschießungen, Misshandlungen, der Inhaftierung in Vernichtungs- und Arbeitslager und den Deportationen in die Sowjetunion entkommen konnte, floh in die ganze Welt. Viele der heimatvertriebenen Donauschwaben kamen nach teils monate- oder jahrelanger Flucht nach Bayern. Die Ereignisse um diese deutsche Minderheit liegen inzwischen 80 Jahre zurück und sind doch hochaktuell. Kriege wie gerade jene in der Ukraine oder im Sudan lösen Flucht und Vertreibung aus, Menschen verlieren ihre Heimat und müssen in der Fremde eine neue finden. Es ist ein wiederkehrendes Schicksal, das Menschen bis in die Gegenwart widerfährt. Die Erfahrungen von Krieg, Flucht und Vertreibung wirken oft als transgenerative Traumata bis in die nachfolgenden Generationen fort.
Der 80. Jahrestag der Vertreibung der Donauschwaben ist Anlass und Motivation, an die historischen Ereignisse zu erinnern und über diese und ihre Folgen bis in die Gegenwart zu informieren. Hierfür hat das Kulturzentrum Haus der Donauschwaben die Informations- und Veranstaltungsreihe "80 Jahre Flucht, Vertreibung, Neubeginn" konzipiert, die von Dr. Petra Loibl, Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene, in Form einer Schirmherrschaft unterstützt wird.
Den zentralen Gedenktag am 12. Oktober 2024 beginnen wir mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Konrad in Haar. Im Anschluss daran findet die feierliche Gedenkveranstaltung im Kleinen Theater in Haar statt, zu der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verbänden und die interessierte Öffentlichkeit eingeladen sind. Der anschließende Empfang im Kulturzentrum Haus der Donauschwaben mit der Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen bildet zusammen mit der Eröffnung der begehbaren Kunstinstallation "Im Fluss der Zeit" den Ausklang dieses besonderen Tages.
Zahlreiche Aktivitäten, informative Formate und Veranstaltungen läuten das Gedenkjahr, das am 12.10. seinen Höhepunkt findet, bereits jetzt ein. Den Auftakt bildet die Veröffentlichung einer Reihe von Erklärfilmen, die das Kulturzentrum eigens in Auftrag gegeben hat. Vier kurze animierte Videos à 100 Sekunden veranschaulichen leicht verständlich und zugleich informativ die bewegte und bewegende Geschichte der Donauschwaben in zeitgemäßem Format: Vom Beginn der Siedlungsbewegung im 18. Jahrhundert, dem Leben und der Kultur der Donauschwaben im Donaubecken bis zu ihrer gewaltsamen Vertreibung aus der Heimat, der Ankunft und dem Neubeginn in Bayern. Die Kurzfilme machen die Ereignisse der Zeitspanne von rund 250 Jahren kompakt für alle Generationen begreifbar und fördern damit das Geschichtsverständnis.
Ein weiteres Dokumentarfilm-Projekt erzählt die Vertreibung der Donauschwaben aus sehr persönlicher Sicht: In einem Zusammenschnitt von verschiedenen Interviews, die der Fernsehjournalist Bastian Kellermeier geführt und produziert hat, berichten Zeitzeugen der Erlebnisgeneration von ihren individuellen Erinnerungen an Vertreibung, Flucht und Internierung, die sie als Kinder erlebt haben. Entstanden sind eindrückliche Erzählungen, die dank der filmischen Dokumentation nun vor dem Vergessen bewahrt werden. Auch diese filmischen Berichte sind online abrufbar.
Lesungen und Diskussionsrunden beleuchten verschiedene Aspekte der Vertreibung, wie die Frage nach der eigenen Identität, nach dem Heimatbegriff und den transgenerativen Traumata. Die Psychotherapeutin und Schriftstellerin Dr. Dorothea Steinlechner-Oberläuter, die auf Einladung des Kulturzentrums am 11. Juni 2024 im Haus des Deutschen Ostens München zu Gast sein wird, begibt sich auf die Suche nach den Mosaiksteinen der donauschwäbischen "Gefühlserbschaft" und nimmt ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine biografische Spurensuche. "Mein Donauschwabien. Wie ich nicht aufhören konnte, über meine Herkunft nachzudenken" ist der Titel ihrer Familiengeschichte, die sie nach Südosteuropa in die alte Heimat der Donauschwaben führt.
Für einen international besetzten Diskussionsabend konnten Helena Rill und Nenad Vukosavljevic vom Zentrum für gewaltfreie Aktion (Centar za nenasilnu akciju) gewonnen werden. Die regionale Friedensorganisation aus Sarajevo und Belgrad arbeitet auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens an friedenstiftenden Projekten. So leistet ihre Publikation "Auf den Spuren der Donaudeutschen in der Vojvodina" wichtige Aufklärungsarbeit und strengt einen Perspektivwechsel auf die historischen Ereignisse und deren heutige Erzählung an - besonders im eigenen Land, wo die Recherche-Projekte des Zentrums sehr kritisch gesehen werden. In vielen ehemaligen donauschwäbischen Gebieten wissen die jetzigen Einwohner teils immer noch nichts von den Lagern, in denen damals selbst Kinder interniert wurden.
Vom 18. bis 20. Oktober 2024 findet im österreichischen Marktrenk ein Donauschwäbischer Kongress statt, der in einer Kooperation zwischen der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft Österreich (DAG), der Landsmannschaft der Donauschwaben Bundesverband e.V., dem Deutschen Humanitären Verein "St. Gerhard" (Humanitarno Udruzenje Nemaca "Gerhard") aus Sombor/Serbien und dem Haus der Donauschwaben in Haar organisiert wird. Die mehrtägige Veranstaltung stellt in vielzähligen Fachbeiträgen unterschiedliche Perspektiven und Fragestellungen der donauschwäbischen Geschichte vor: Wie sah die Diskriminierung der deutschen Minderheit aus? Wer waren die Menschen, die die enteigneten Häuser der Donauschwaben bezogen? Was geschah mit denjenigen, die nicht flüchten konnten? Was nehmen Kinder von den dunklen und verborgenen Seiten ihrer Vorfahren wahr? Welche Auswirkungen hatte das Erlebte auf die eigene Lebensführung?
Ergänzt wird der Kongress durch Workshops und Lesungen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf die erlebte Geschichte der Vertriebenen blicken. Die Rauminstallation "Im Fluss der Zeit" wird im Kulturzentrum vom 12. Oktober bis 13. Dezember 2024 den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit geben, in die Geschichte der Schicksalsgemeinschaft der Donauschwaben interaktiv einzutauchen, ihr nachzuspüren und sich dank multimedialer Unterstützung in das historische Geschehen hineinzuversetzen. Das begehbare Objekt wurde von dem Künstler Jurij Dietz im Auftrag des BKRD (Bayerisches Kulturzentrum der Deutschen aus Russland) konzipiert und thematisch für das Haus der Donauschwaben weiterentwickelt.
Der von Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg hat millionenfaches Leid verursacht. In Jugoslawien forderte die Bombardierung Belgrads am 6. und 7. April 1941 zigtausende Tote und Verletzte, Tausende von Häusern wurden zerstört. Die Deutsche Wehrmacht und die SS taten ihr Übriges an Gräueltaten in den Dörfern und Städten. Das blieb nicht folgenlos. Im Oktober 1944 trat der Zweite Weltkrieg dann in seine letzte blutige Phase. Im Osten Europas war die Rote Armee auf dem Vormarsch. Die russischen Soldaten besetzten das Siedlungsgebiet Vojvodina, im Norden des heutigen Serbiens, wo sie zahlreiche donauschwäbische Zivilistinnen und Zivilisten vorfanden.
Die "Schwaben", insbesondere die Zivilbevölkerung, wurden in der Folge pauschal für die Gräuel des nationalsozialistischen Besatzungsregimes mit seiner menschenverachtenden Vernichtungspolitik verantwortlich gemacht und kollektiv bestraft. Es kam zu willkürlichen Erschießungen sowie zu massenhaften Vergewaltigungen durch Soldaten und serbische Partisanen. An die 7.000 Donauschwaben fielen den Mordaktionen zum Opfer. Darüber hinaus verfolgte die jugoslawische Volksbefreiungsbewegung die Vorstellung von einem ethnisch homogenen Nationalstaat und plante das Land von der deutschen Minderheit zu säubern. In der Folge wurden die Donauschwaben zu Volksfeinden erklärt, entrechtet und enteignet.
Diese als "blutiger Herbst" in die Geschichte der Donauschwaben eingegangene Tragödie setzte den Anfangspunkt zu Deportationen, Internierungen, Flucht und Vertreibung. Bis in die 1950er Jahre flohen mehr als eine halbe Million Donauschwaben in die ganze Welt, viele von ihnen kamen nach Bayern. Die insgesamt ca. 12 Millionen Heimatvertriebenen im Nachkriegsdeutschland leisteten einen wichtigen Beitrag für den Wiederaufbau - auch in Bayern, wo sie mit 1,9 Millionen ein Viertel der Bevölkerung stellten.
Das Kulturzentrum Haus der Donauschwaben e.V. bewahrt das kulturelle Erbe der Donauschwaben als Teil deutscher und europäischer Migrationsgeschichte. Es versteht sich als Ort der Begegnung und lädt dazu ein, die Kultur der Donauschwaben kennenzulernen, Brücken zu bauen zwischen den Generationen und Kontakte in die Herkunftsorte der einst Vertriebenen zu knüpfen. Das Kulturzentrum ist ein eingetragener Verein und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert und finanziert.
Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer war zu Gast im Haus der Donauschwaben in Haar. Dabei zeigte sie sich beeindruckt: „Das Haus der Donauschwaben in Haar vermittelt ein eindrucksvolles Bild von Schicksal, Geschichte und Kultur der Donauschwaben. Das Bewusstsein für diesen Teil unserer Geschichte zu erhalten, ist eine wichtige, zukunftsorientierte Aufgabe.“. Schreyer nutzte die Gelegenheit, dem Landesvorsitzenden der Landsmannschaft der Donauschaben Hermann Schuster und allen Ehrenamtlichen herzlich für das große Engagement der Landsmannschaft zu danken.
Mühevolle zweijährige Kleinarbeit, Auswertung zahlreicher historischer Quellen und die Mithilfe vieler freiwilliger Helfer waren erforderlich, damit der Kulturreferent der Landsmannschaft der Donauschwaben (Landesverband Bayern), Heinrich Klein, im Haus der Donauschwaben in Haar bei München einen neuen Ausstellungsraum gestalten konnte.
Im Jahr 1992 hatte der Bezirk Oberbayern die Patenschaft über die Donauschwaben übernommen und der Landsmannschaft der Donauschwaben (Landesverband Bayern) - die Vereinigung der Deutschen aus dem ehemaligen Jugoslawien - ein Gebäude in Haar bei München, eben das Haus der Donauschwaben, überlassen. Im Laufe der letzten Jahre wurden immer mehr Einzelaspekte der Geschichte und Lebensweise der Donauschwaben durch Historiker und den Kulturreferenten untersucht, die Ergebnisse museumsdidaktisch aufbereitet und in gesonderten Räumen präsentiert. Der nun fertig gestellte Raum ist damit ein weiteres wertvolles Glied in der Informationskette des Hauses.
In diesem Raum wird aufgezeigt, dass die Siedlungsgebiete der Donauschwaben am mittleren Lauf der Donau durch die Bodenbeschaffenheit, die günstigen klimatischen Bedingungen und die gute Verkehrserschließung (wozu auch die Anlegung des “Fransens-Kanals” beitrug) Regionen waren, die sich besonders durch Getreide- und Gemüseanbau, Weinbau und Anbau von Hackfrüchten auszeichneten. Weitere Text- und Bildtafeln erklären die vielen fremden Einflüsse auf die donauschwäbische Küche, die eine einmalige Mischung aus altschwäbisch-alemannischer, ungarischer und serbischer Kochtradition ermöglichten.
Die Schwerpunkte bilden die Darstellung des Kochens in den donauschwäbischen Küchen im Alltag und an Festtagen sowie die Sicherung des Lebensmittelbedarfs durch die heimische Landwirtschaft. Außerdem wird beschrieben - und mit alten Bildern belegt -, wie es in einem donauschwäbischen Bauernhaus an einem Schlachttag zuging, wie Brot gebacken wurde und welche Traditionen im Jahreslauf in Bezug auf die Speisenzubereitung gepflegt wurden. Ferner wird ein Einblick in den Weinanbau, die Bienenzucht, den Obst- und Gemüseanbau, die Geflügelzucht und die Sauerkrautherstellung gewährt.
All diese Darstellungen sind mit wertvollen Dokumenten und Originalgeräten angereichert, die der Landsmannschaft von donauschwäbischen Landsleuten aus ihrem Familienbesitz zur Verfügung gestellt wurden. In einer gesonderten Abteilung wird dem Besucher auf eindrucksvolle Weise vermittelt, wie sich die rund 150.000 nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bayern gekommenen Donauschwaben in die hiesigen Gegebenheiten nahtlos einfügten, in ihren kleinen Hausgärten neben dem selbst erstellten Häuschen Gemüse und Obst anbauten und wie sie bis in unsere Tage hinein ihre alten Koch- und Essgewohnheiten pflegen.
Die Geschichte der Donauschwaben von ihrer Ansiedlung im 18. Jh. bis zur Flucht und Vertreibung im 20. Jh. lässt sich im Haus der Donauschwaben anhand von Exponaten des täglichen Lebens und Wirtschaftens nachverfolgen. Foto: Dirk Tacke (Reproduktion)
tags: #haus #der #donauschwaben #haar #geschichte
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.