Um den Fußballcoach Joachim Löw, der seit 2006 die deutsche Fußballnationalmannschaft betreut und seinen Abschied nach der Europameisterschaft 2021 angekündigt hat, ranken sich abseits des Fußballfeldes so einige Mythen, die einfach nicht totzukriegen sind.
Es ist jetzt ziemlich genau sechs Jahre her, dass Joachim Löw aus dem Schatten trat. Nachdem Jürgen Klinsmann seinen Abschied verkündet hatte, übernahm er 2006 den Bundestrainerposten. Für Sportjournalisten war das damals ein logischer Schritt, Löw galt ohnehin als das Taktik-Mastermind hinter dem "Sommermärchen". 2012 hat dieser Joachim Löw den Bekanntheitsgrad von Angela Merkel - nur dass er viel beliebter ist.
Löw steht für Erfolg - aber auch für Bodenständigkeit und Badener Dialekt. Man glaubt ihn mittlerweile gut zu kennen, die Wurzeln im Breisgau, die Liebe zu blauen und weißen Hemden, seine Idee vom Spiel. Die Fußball-EM 2021 steht vor der Tür - für Bundestrainer Joachim Löw und sein DFB-Team bedeutet das Konzentration pur.
Joachim Löw bei einem Spiel der Nationalmannschaft.
Eine Behauptung, die einfach nicht verstummen möchte, ist die, dass Jogi Löw schwul sei. Viele Fans mag das verwundern, ist der Fußballlehrer doch seit 1986 mit seiner Ehefrau Daniela Löw verheiratet. Doch obwohl sich Joachim Löw im August 2016 von seiner Frau trennte, ist der heute in Berlin lebende Bundestrainer noch nicht geschieden.
Der Ursprung liegt schon eine Dekade in der Vergangenheit, als ein nicht nominierter Spieler aus Frust verbreitet haben soll, dass der Schwabe schwul sei. Dies wurde allerdings im selben Jahr geklärt. Joachim Löw führte damals ein umfangreiches Interview mit der Welt am Sonntag. Dabei klärte der 61-Jährige das Gerücht auf, indem er sagte: „Ich habe das auch schon gehört. Was soll ich dazu sagen? Es ist wie mit dem Toupet. Auch das stimmt nicht. Fragen Sie gern meine Frau.“
Er ist noch heute mit seiner Frau Daniela Löw verheiratet, demnach steht sie wohl weiterhin für diese Frage zur Verfügung.
Allerdings bedauert Löw die nicht vorhandene Offenheit im Fußball: „Unsere Gesellschaft und damit auch der Fußball steht doch für Offenheit, Vielfalt und Teilhabe", sagte der Bundestrainer. Auf die Frage: "Wie würden Sie handeln, wenn es Sie beträfe?", antwortete er: "Dann würde ich dazu auch stehen." Also wem das Interview von 2011 nicht reicht, auch hier hat er es noch mal bestätigt. Das Internet kann also jetzt das Thema schwuler Bundestrainer abschließen.
Davor wurde im Interview bereits eine andere Falschaussage über ihn berichtigt, nämlich dass er angeblich eine Perücke tragen würde.
Joachim Löw und seine markante Frisur.
Mythos bestätigt! Die Gerüchte, Jogi Löw sei schwul oder trage ein Toupet, sind also komplett aus der Luft gegriffen.
In einem sehr persönlichen Interview in der „Welt“ geht es um Löws Äußeres, Körperpflege im harten Männersport und jede Menge Klischees, mit denen er in seinem Berufsalltag als Deutschlands wichtigster Fußball-Lehrer leben muss.
Bundestrainer Jogi Löw kämpft allmorgendlich mit seiner Haarpracht. Er habe es nicht ganz leicht mit seiner Frisur, sagte der 51-Jährige der "Welt am Sonntag". "Meine Haare wachsen nämlich, was mich etwas stört, nach vorne. Ich könnte sie gar nicht zurückkämmen." Darum habe er seit seiner Jugend die gleiche Frisur, mal ein bisschen länger, mal ein bisschen kürzer. "Ich wasche meine Haare, föhne sie zwei Minuten an, mach' vielleicht etwas Gel rein, und dann fallen die so." Gelegentlich gehe er auch mal mit nassen Haaren aus dem Haus. "Also, ich style meine Haare nie", betonte er.
Zum Gerücht, dass er ein Toupet trage, stellte Löw klar: „Das habe ich auch schon gehört. Quatsch. Sie können ja gern mal dran ziehen.“
Täubchen Dagmar nutzt eine sehr einfühlsame Interviewmethode, mit der sie die intimsten Geheimnisse entlockt: Sie kübelt haufenweise schlichte Stereotypen über die Promis, rutscht dann langsam durch anbiedernde, distanzlose Schleimerei immer näher, wird - wenn es sein muss - auch mal handgreiflich und gibt dadurch ihren Opfern die Gelegenheit zu zeigen, dass sie ja so gaaaaanz anders und so viiiiieeeel tollere Hechte sind, als sich das so Otto Normalzeitungsleser vorstellt. Oder Dagmar von Taube.
Welt Online: Es gibt Menschen, Männer übrigens, die behaupten gemeinerweise, Ihr Haar sei gar nicht echt. Es sieht gar nicht so aus, finde ich. Also wenn, dann wäre es echt fantastisch gemacht, dann müsste man hier wirklich Werbung machen dafür. Also, tragen Sie Toupet?
Jogi Löw: Das habe ich auch schon gehört. Quatsch. Sie können ja gern mal dran ziehen.
Welt Online: Wenn ich darf, Herr Löw, greif ich Ihnen gern mal ins Haar: Dachte ich mir doch, alles echt!
Jogi Löw: Es wird so viel Unfug geredet. Das gehört in meinem Beruf wohl dazu.
Doch ein anderer Mythos beinhaltet durchaus ein Körnchen Wahrheit: Joachim Löw hat den Ruf weg, beim Autofahren gern Gas zu geben und mit Bleifuß über die Straßen zu brettern.
Bei der Fußball-EM 2021 gibt Jogi Löw vermutlich nur in Sachen Spielermotivation Vollgas - da dürfen auch Glücksbringer nicht fehlen. Joachim Löw setzt Gerüchten zufolge gleich auf mehrere Accessoires als Talisman. Der bekannteste ist wohl sein Glückspullover - Sie haben richtig gelesen, Joachim Löw schreibt einem ganz bestimmten Kleidungsstück positive Wirkung zu. Der markante blaue Kaschmirpulli der Marke Strenesse in blau und mit V-Ausschnitt ist es, der Joachim Löw bei so manchem Spiel Glück gebracht hat: "Wenn ich diesen Pulli getragen habe, haben wir jeweils vier Tore geschossen", erklärte Joachim Löw einst. Vielleicht bringt Joachim Löw ja seine Glückskette Erfolg bei den EM-Spielen? Diese trägt der Bundestrainer, oft in Kombination mit einem Kreuz-Anhänger, gern um den Hals, wie er in einem Interview enthüllte.
Jogi Löw mit seinem berühmten Glückspullover.
Vor seinem letzten großen Turnier als Bundestrainer hat sich Joachim Löw mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über den gemeinsamen Abschied ausgetauscht. Löw war kurz vor dem EM-Trainingslager in Seefeld, wo er derzeit die deutsche Nationalmannschaft auf die am 11. Juni beginnende Fußball-EM vorbereitet, im Kanzleramt in Berlin. "Wir finden beide, dass es jetzt ein guter Zeitpunkt ist, Abschied zu nehmen. Der Bundestrainer gibt nach der EM im Sommer 2021 sein Amt ab. Merkel ist seit November 2005 Bundeskanzlerin. Zur nächsten Wahl im September 2021 kandidiert die 66-Jährige nicht mehr.
Er selbst stellt es sich "erleichternd vor", wenn er nach seinem achten Turnier die Verantwortung für das DFB-Team an seinen Nachfolger Hansi Flick (56) abgibt: "Verantwortung ist manchmal schon eine Last.
Bundestrainer Joachim Löw bedauert es manchmal, keine Kinder zu haben. "Natürlich, ja", antwortete Löw in einem Interview der "Zeit" auf eine entsprechende Frage. Mit 25, 30 oder 35 Jahren habe er "das noch nicht so gesehen. Da konnte ich es mir vielleicht nicht vorstellen, habe das Thema verdrängt oder weggeschoben. Er habe "immerhin einige Patenkinder", die er auch oft sehe.
In der Gesellschaft sei die Offenheit grundsätzlich vorhanden, was wichtig sei, betonte Löw. "Obwohl sich schon wahnsinnig viel getan hat, fehlt sie aber vielleicht noch ein bisschen im Stadion", sagte Löw. Erklären könne er sich dies "nicht so genau", er bedaure es allerdings.
Jeder kennt ihn und doch kann man den weit gereisten Jogi Löw wahrhaftig erst in Freiburg begreifen. Hier, in dieser malerischen Stadt am Fuße des Schwarzwalds - wo Raps und Flieder blühen und überhaupt alles schon viel reifer ist als im Rest Deutschlands, wo Wein und sogar Palmen wachsen und sich die Menschen herzlich mit "Grüß Gott" begrüßen - hier, in dieser fruchtbaren Gegend, die er seine Heimat nennt, ist auch das Gespräch mit dem Bundestrainer wie Urlaub: Einmal ist er nicht der Fußballlehrer, sondern darf den Ball flach halten und einfach mal von den Dingen reden, die ihn sonst so interessieren.
Montagmittag, Kaiserwetter. Mit dem Kirchturmschlag (Punkt zwölf) steht er in der Tür des Hotels "Colombi": Jeans, hellblaues Hemd. Fester Händedruck, man will gar nicht mehr loslassen. Sein Blick ist offen, sein Lachen ansteckend. Ein Naturbursche mit Stil. Kein Wunder, dass ihn Nivea als Markenbotschafter verpflichtet hat: Ab Mai wird er zum dritten Mal in einer Kampagne für die Kosmetik-Männerlinie zu sehen sein.
Welt Online: Herr Löw, Deutschland liebte Sie auf Anhieb. Das hat nicht nur mit Ihrem Erfolg zu tun, man mag Ihre Person, Ihre Erscheinung. Sie gelten als modisch, aufgeschlossen, erfrischend unkonventionell. Die Werbeangebote müssten sich stapeln auf Ihrem Schreibtisch. Warum jetzt Hautcreme?
Jogi Löw: Es gibt immer wieder Anfragen, das meiste kommt für mich nicht infrage. Aber Nivea, damit kann ich mich identifizieren, das kenne ich von klein auf. Wir Kinder, meine drei Brüder und ich, sind praktisch mit der blauen Dose aufgewachsen - die Handcreme, die man für alles benutzt hat, die Sonnencreme im Freibad. Wir waren ja viel draußen, wir Jungs.
Welt Online: Fußball gilt traditionell als der kantige Männersport: Wir können uns alle noch erinnern: Paul Breitner mit seinem Afrolook, Günter Netzer und seine Discomatte, Schnurrbärte überall. Da hat sich ja was verändert. Seit dem schönen David Beckham sind die Fußballer heute unheimlich gepflegt. Muss man da als Bundestrainer mitmachen? Sie sehen auch immer wie aus dem Ei gepellt aus.
Jogi Löw: Das soll jeder machen, wie er will. Aber unser Beruf bringt natürlich mit sich, dass wir uns intensiver mit Körperpflege beschäftigen müssen als andere. Wir schwitzen einfach mehr.
Welt Online: Es hat ja auch etwas Schönes, sich mit seinem Körper zu beschäftigen. Prinz Charles poliert stundenlang seine Ohren, Gerhard Schröder verbrauchte viel Debattenzeit mit seinen angeblich ungefärbten Haaren. Heute ist es völlig normal, dass Männer auch mal ein paar Gedanken an ihr Aussehen verschwenden.
Jogi Löw: Also, bei mir geht's schnell, ich brauche nicht länger als eine halbe Stunde morgens. Bei uns Sportlern kommt hinzu, dass der Fußball gerade die letzten Jahre ein unglaublich mediales Geschäft geworden ist. Sobald unsere Jungs aus der Kabine kommen, treten sie in die Öffentlichkeit. Es ist wichtig, als Mannschaft einen guten Eindruck zu hinterlassen. Wir repräsentieren ja auch Verein oder Verband. Flügelhemden und Badelatschen können wir uns nicht mehr leisten.
Welt Online: Jupp Derwall, das war noch ein ganz anderer Typ in seinem Adidasanzug. Sie sieht man im Strenesse-Hemd mit Abnähern, Sie rauchen Marlboro light und nicht etwa Zigarre wie der alte Macho auf Schalke.
Jogi Löw: Und ich trinke Rioja - dürfen wir nicht vergessen ...
Welt Online: ... statt ein herbes Pils wie der hanebüchene Rudi Assauer. Woher kommt dieses Gefühl für Lebensart? Sie stammen aus dem tiefsten Schwarzwald, das kann es nicht gewesen sein.
Jogi Löw: Nein, meine Kindheit, unser Elternhaus, das war etwas ganz anderes. Mein Vater hatte einen kleinen Handwerkerbetrieb mit zwanzig Arbeitern. Er hat sehr hart gearbeitet, er war im Krieg, er gehörte zur Generation Wiederaufbau. Selten, dass er sich etwas gegönnt hat. Eine Zigarre vielleicht mal, sonntags nach dem Sauerbraten oder den Brägele mit Spiegelei bei unserem Opa in der Küche. Wir Kinder waren viel auf dem Fußballplatz. Ferien haben wir meist zu Hause verbracht, im Schwimmbad - der Vater musste ja arbeiten. So sind wir aufgewachsen. Reisen, das Ausland sehen, das kam dann erst später. Ich habe ja mal in Österreich gearbeitet, in der Schweiz gelebt, auch in südländischen Gefilden wie Istanbul. Da sah man plötzlich Dinge, die man noch nie kannte - ob es etwas Modisches war oder ein guter Wein. Was mir gefiel, habe ich angenommen. Ich mache überhaupt nur, was mich wohlfühlen lässt.
Welt Online: Aber Sie rauchen schon auch ein bisschen, weil es den Appetit dämpft, oder?
Jogi Löw: Nein, um Gottes willen. Ich glaube sogar, dass kaum einer so viel Süßigkeiten isst wie ich: Kuchen, Schokolade, Eis, Desserts. Ich bin eher ein Gelegenheitsraucher, ich rauche gern mal abends eine nach dem Essen. Mir schmeckt's zum guten Glas Wein oder zu einem Espresso. Ich kann aber auch ohne und mache auch bewusst Pausen.
Ich schaue grundsätzlich auf einen ausgewogenen Lebensstil, genieße aber auch mal Dinge, die nicht unbedingt gut für die Gesundheit sind. Ich trinke zum Beispiel gerne mal den einen oder anderen Espresso zu viel. Ich verbiege mich nicht, ich stehe zu allem, was ich mache. Wobei man als Jugendlicher schon auch gewisse Trends mitgemacht hat, an die man sich heute nicht mehr so gern erinnert.
Welt Online: Nur Mut, Herr Löw, beichten Sie uns Ihre Jugendsünden.
Jogi Löw: Gelegentlich schaut man ja mal alte Fotos an, und wenn man sich dann so sieht in Schlaghosen und in diesen Hemden mit den ganz langen Krägen, das ist schon komisch. Wir waren ja vier Jungs zu Hause, da war häufiger auch mal Partnerlook angesagt: alle gleich angezogen. Als Kind hasst man das.
Welt Online: Welcher Jugendkultur gehörten Sie an - waren Sie Popper, waren die Haare mal grün?
Jogi Löw: Ministrant! Ich war Messdiener. Klar, katholisch. Das war jetzt nicht direkt unter Zwang, aber es war schon gern gesehen, sagen wir es so. Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich durch eine besondere Phase gegangen bin. Ich war halt ein Jugendlicher aus einer Kleinstadt in den 70er-, 80er-Jahren. Als Ältester hatte ich den schwierigsten Stand natürlich, ich musste mir vieles erst erkämpfen, um mal weggehen zu dürfen zum Beispiel, auf eine Party oder ins Kino. Die Regeln daheim waren schon streng.
Ich bin dann relativ früh, so mit 17, von zu Hause weg und nach Freiburg gegangen, wo ich eine kaufmännische Lehre begonnen habe. Also ich war relativ früh selbstständig, und das war auch ein bewusstes Abnabeln damals - wobei mir das Zuhause anfangs schon gefehlt hat. Wir waren ja eine große Familie, da war man sehr geborgen. Umso größer und wichtiger war auch der Schritt, wegzugehen, in eine größere Stadt, und auf eigenen Füßen zu stehen. Meine Mutter war schon besorgt damals. Sie hat übrigens auch immer Nivea benutzt.
Welt Online: Na, klar. Gut, dass Sie's noch mal erwähnen - wir wollten ja auch über Ihren neuen Werbeauftritt reden. Fünf Kerle im Hause Löw - wie war das eigentlich morgens im Bad geregelt?
Jogi Löw: Es gab feste Zeiten, wann wer wie lange ins Bad durfte. Der Vater hatte natürlich Vorrang, dann blieben wir Buben draußen. Wir waren immerhin sechs Personen mit nur einem kleinen Bad.
Welt Online: Und dann einer nach dem anderen ins immer selbe Badewasser?
Jogi Löw: Das nicht, aber wehe das warme Wasser ging aus! Eine Vielfalt an Produkten wie heute gab's damals für uns ja noch gar nicht. Wasser und Seife, das war's praktisch.
Welt Online: Wann haben Sie zum ersten Mal bewusst gedacht, dass etwas gut duftet oder einfach schön ist, über den praktischen Wert hinaus?
Jogi Löw: Ich glaube, wenn du als Junge das erste Mal das Gefühl hast, dass da irgendetwas gut duftet, dann war das eine Frau.
Welt Online: Sie bekommen sicher viele Liebesbriefe von Frauen.
Jogi Löw: Gelegentlich schon. Ich denke, die meisten fängt meine Frau ab und lässt sie verschwinden ...
Welt Online: Von Bruno Sälzer, früher Beiersdorf, dann Boss, heute Escada, weiß man, dass er als Bauernsohn sein ganzes Taschengeld in Parfums investiert hat.
Jogi Löw: Mein Taschengeld ging für Trikots und Bälle drauf. Klar, ich war ein fußballfanatischer Junge. Dafür hat man richtig zusammengespart.
Welt Online: Was gehört heute zu Ihren Pflegeritualen? Erzählen Sie doch mal der Reihe nach - wonach duften Sie?
Jogi Löw: Lagerfeld. Oder auch Armani manchmal. Aber: Der Duft verfliegt, der Eindruck bleibt ...
Welt Online: Friseur?
Jogi Löw: Friseur, klar. Alle fünf, sechs Wochen. Seit Jahren zum gleichen.
Welt Online: Dusche oder Vollbad?
Jogi Löw: Hängt von den Gegebenheiten und der Zeit ab: morgens oder im Sommer ausschließlich duschen, je nach Sportprogramm zwei-, manchmal auch dreimal am Tag. Im Winter, abends, wenn ich nach Hause komme nach einer langen Reise, nehme ich schon auch gern mal ein warmes Bad. Außerdem gehe ich manchmal zur Fußpflege - das muss sein, wenn man viel Sport macht, Fußball spielt, joggen geht. Was mach' ich noch? Hände eincremen, unbedingt. Gesicht auch, klar. Meine Haut ist empfindlich und relativ häufig auch trocken. Und dann rasiere ich mich natürlich täglich. Das kostet mich eigentlich am meisten Zeit. Aber es muss sein, weil ich nicht unbedingt einen Dreitagebart möchte.
Welt Online: Sie sind der erste Bundestrainer, dessen Gesicht wirklich jeder vor Augen hat. Ein Mann, dem man gar nicht unbedingt sofort ansieht, was er von Beruf ist. Sie könnten Model sein, Josef Ackermanns jüngerer Bruder, Gymnasiallehrer. Sie sehen einfach seriös und verdammt gut aus. Das liegt auch an Ihrem Haarschnitt, so als ob die Beatles nie gegangen wären ...
Jogi Löw: Rolf Fringer, Trainer beim VfB Stuttgart, als ich Co-Trainer war, hat mal erzählt, wenn er zum Friseur geht, sagt seine Friseurin immer: "Also hinde isch's jetzt subber, aber vorne isch halt's G'sicht ..."
Welt Online: Das darf man aber auch nur zu einem Mann sagen. Was ist mit Ihrem Pony - ist das mehr ein Visier oder eher Ausdruck Ihrer Jugendlichkeit?
Jogi Löw: Visier auf keinen Fall. Ich wüsste nicht, wovor ich mich schützen müsste. Ich habe einfach viel Haar, an meiner Frisur kann ich gar nicht viel tun. Meine Haare wachsen nämlich, was mich etwas stört, nach vorne. Ich könnte sie gar nicht zurückkämmen. Darum habe ich, seit ich denken kann, die gleiche Frisur, mal ein bisschen länger, mal ein bisschen kürzer. Ich wasche meine Haare, föhne sie zwei Minuten an, mach' vielleicht etwas Gel rein, und dann fallen die so. Ich geh' auch mal mit nassen Haaren aus dem Haus. Also, ich style meine Haare nie.
Welt Online: Es gibt Menschen, Männer übrigens, die behaupten gemeinerweise, Ihr Haar sei gar nicht echt. Es sieht gar nicht so aus, finde ich. Also wenn, dann wäre es echt fantastisch gemacht, dann müsste man hier wirklich Werbung machen dafür. Also, tragen Sie Toupet?
Jogi Löw: Das habe ich auch schon gehört. Quatsch. Sie können ja gern mal dran ziehen.
Welt Online: Aber Sie haben ja ein dickes Fell. Sind Sie immer so cremig wie eine Creme, perlt an Ihnen alles ab?
Jogi Löw: Das sieht nur so aus. Ich kann mich auch wahnsinnig aufregen. Vor allem über Dinge, die für mich Zeitverlust bedeuten: Staus, schlechte Autofahrer. Ich habe auch viel zu viele Punkte in Flensburg. Ich bin schon ziemlich emotional. Das bin ich ja auch beim Fußball oder im Umgang mit meiner Mannschaft.
Welt Online: Was liegt eigentlich, außer dem Handyaufladekabel, in Ihrer Mittelkonsole im Auto?
Jogi Löw: Die Aufstellung vom nächsten Spiel, an der ich dann immer mal so ein bisschen arbeite. Nein, im Ernst jetzt: immer ein Labello. CDs ...
Welt Online: Sie hören Musik?
Jogi Löw: Im Moment höre ich Amy Macdonald sehr gern, die finde ich klasse. Grönemeyer. Udo Jürgens gerne mal. Oder Dieter Thomas Kuhn, der die deutschen Schlager parodiert. Gerne Deutsch. Oder Rock-Pop. Auch kubanische Musik, Lateinamerikanisches höre ich gerne. Das hängt von der Stimmung ab, wo ich gerade bin und zu welcher Zeit ich fahre.
Welt Online: Sind Sie grundsätzlich eine Spielernatur?
Jogi Löw: Ja, schon.
Welt Online: Das Leben ist ein einziges Spiel?
Jogi Löw: Das nun nicht gerade.
Welt Online: Können Sie verlieren?
Jogi Löw: Ich bin schon sehr risikofreudig. Auch als Trainer spiele ich ja gerne mit Risiko und setze oft alles auf eine Karte. Aber ich bin dann immer von meinem Vorhaben überzeugt. Ich bin nicht so der Mensch, der auf Sicherheit baut, Dinge verwaltet - nicht im Fußball und auch nicht privat. Ich verändere mich auch gerne. Ich bin in meinem Leben häufig umgezogen, ich war in fernen Ländern. Ich habe eigentlich immer Fernweh. Abenteuerreisen, so was reizt mich. Ich war ja auch schon auf dem Kilimandscharo. Das hat mich fasziniert. Früher war ich auch schon mal gerne im Casino. Roulette fand ich immer spannend.
Welt Online: Hat man auch immer diesen Spielfeldblick? Stellen Sie im Bad Ihre Nivea-Kosmetika auf wie Ihre Spieler auf dem Grün?
Jogi Löw: Natürlich nicht. Aber ich brauch' ein gewisses Ordnungssystem im Fußball wie im Privatleben. Ich kann auch keinen vollen Schreibtisch ertragen, ich kann sonst nicht nachdenken. Ich habe keine Angst vor der Leere. Im Gegenteil, ich mag mein Hotelzimmer am liebsten so klar wie möglich. Prospekte, Menükarten, Briefpapier und all das wandert, sobald ich ein Zimmer betreten habe, als Erstes in die Schublade.
Welt Online: Schicken Sie auch mal einen Spieler weg, wenn Ihnen eine Frisur nicht passt oder so?
Jogi Löw: Das auf gar keinen Fall. Mich interessiert die Leistung der Spieler, nicht ihr Äußeres.
Welt Online: Marketing ist ja heute alles, wegen der Werbeverträge und Sponsorengelder. Inwiefern wird das Image, also das Aussehen der Fußballer, sogar bewusst abgestimmt aufeinander? Dass man also sagt: Okay, du machst jetzt den radikalen Irokesenschnitt und du lässt lang wachsen - wie bei einer Boygroup.
Jogi Löw: Nein, jeder ist, wie er ist. Keiner verbiegt sich für Sponsoren, die werden von allein aufmerksam. Da gibt es keine Imageberatung.
Welt Online: Haben Sie denn einen Imageberater?
Jogi Löw: Nein, auch nicht. Und das würde mir auch nicht helfen. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich beratungsresistent bin, aber ich möchte gerne für mich entscheiden, worin ich mich wohlfühle.
Welt Online: Wohlfühlen scheint überhaupt ganz wichtig für Sie zu sein. Sie fühlen, Sie erspüren viel, nicht wahr? Sie arbeiten mit viel Gefühl.
Jogi Löw: Ja, schon. Wobei ich mich nach außen nicht immer gern preisgebe. Wenn Sie sich wie ich in der Öffentlichkeit bewegen und wie in einem Glashaus sitzend spüren, dass Sie permanent beobachtet werden, egal wo Sie sind - ob im Zug, im Flugzeug, im Restaurant, auf der Straße, beim Einkaufen -, dann brauchen Sie einen Rückzugsort wie eine Schnecke: Sie ziehen sich in sich selbst zurück. Im Laufe der Jahre ist...
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