Selen, Haarausfall und Hashimoto: Ein komplexer Zusammenhang

Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das eine wichtige Rolle für verschiedene Körperfunktionen spielt. Es beeinflusst Muskeln, den Stoffwechsel der Schilddrüse und die Stärke des Immunsystems. Als Bestandteil von über 25 Selenoproteinen ist es an zentralen Enzymen für antioxidativen Schutz, die Immunfunktion und den Stoffwechsel der Schilddrüse beteiligt.

Viele Endokrinologen setzen Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis ein. «Selen dient als Baustein bestimmter Enzyme, welche bei der Produktion der Schilddrüsenhormone beteiligt sind», erläutert Schatz.

Selen und die Schilddrüse

Selen wird gezielt in die Schilddrüse aufgenommen und akkumuliert im Gewebe, da es für die Biosynthese der Schilddrüsenhormone und die Kontrolle des Hormonmetabolismus essenziell ist. Es ist wichtig zu beachten, dass sowohl ein Mangel als auch eine Überdosierung relevante klinische Symptome verursachen können.

Selen spielt eine Rolle:

  • Als Antioxidans zum Zellschutz vor freien Radikalen
  • Bei der Produktion von Schilddrüsenhormonen
  • Im Immunsystem

Ein ausgewogener Selenspiegel ist darum entscheidend.

Selenmangel: Ursachen und Folgen

Tatsächlich kann unausgewogene Ernährung trotzdem zu Selenmangel führen. «Ein Selenmangel ist bei uns höchstens bei Veganern oder künstlich ernährten Menschen zu finden», so Schatz.

Eine zu geringe Selenzufuhr kann im seltenen Extremfall zu einer Erkrankung des Herzmuskels (Keshan-Kardiomyopathie), zu vermindertem Knochenwachstum (Kashin-Beck-Krankheit) oder zu Gelenkveränderungen führen.

Viele Bundesbürger müssen als unzureichend mit Selen versorgt angesehen werden.

In Zusammenarbeit mit chinesischen Kollegen konnte gezeigt werden, dass eine chronisch geringe Selenaufnahme mit erhöhter Prävalenz von Strumabildung, Hypothyreose und Thyreoiditis assoziiert ist.

Besonders vegan lebende Menschen sollten auf eine ausreichende Selenversorgung achten und gezielt selenreiche Lebensmittel wie Nüsse, Kohl oder Hülsenfrüchte zu sich nehmen.

Selenose: Symptome einer Selenvergiftung

Zu viel Selen kann eine Selenvergiftung, die Selenose, bewirken. Typische Symptome einer Selenose sind Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall, Nagelveränderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen. Bei einer akuten Vergiftung durch Selen - aber auch bei einer dauerhaften Überdosierung (Selenose) - kann ein nach Knoblauch riechender Atem entstehen.

Eine Überdosierung von Selen ist bereits bei mehr als 250 Mikrogramm pro Tag möglich.

Selen und Haarausfall: Ein möglicher Zusammenhang

Haarausfall kann ein Symptom sowohl von Selenmangel als auch von Selenvergiftung sein. Bei einer Selenose treten typischerweise Magen-Darm-Beschwerden, Nagelveränderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen auf, wobei auch Haarausfall ein Symptom sein kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass Haarausfall viele Ursachen haben kann, und ein Selenmangel oder eine Selenvergiftung nur eine mögliche Erklärung darstellt. Bei anhaltendem Haarausfall sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

Selen und Hashimoto-Thyreoiditis

Unter der Hashimoto-Thyreoiditis versteht man eine entzündliche Erkrankung, die durch eine Infiltration des Schilddrüsengewebes durch Lymphozyten gekennzeichnet ist. Die in die Schilddrüse invadierenden Lymphozyten zerstören zunehmend die Gewebestruktur und führen langfristig zur Hypothyreose.

Viele Endokrinologen setzen Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie der Hashimoto-Thyreoiditis ein.

Sowohl in der Prävention als auch während der Hormonsubstitution bedarf es der ausreichenden Versorgung mit den essenziellen Spurenelementen Selen und Jod, um die ggf. gestörte Interaktion der Immunzellen mit den Thyreozyten nicht zu aggravieren.

Es werden zwar auch Autoantikörper gebildet und gemessen (hauptsächlich gegen die Thyreoperoxidase [TPO] und Thyreoglobulin), diese sind aber eher Indikatoren des Erkrankungsrisikos bzw. der Erkrankungsaktivität, nicht aber die Ursache.

Die Hashimoto-Thyreoiditis nimmt einen sehr individuellen Verlauf. Die richtige Joddosierung stellt sich aber als ein Balanceakt dar. Jede Thyreoiditis ist eine individuelle Erkrankung und kann anders auf eine plötzlich einsetzende Jodsupplementation oder übermäßige Jodzufuhr reagieren.

Ein direkter Zusammenhang von niedrigem Selenstatus mit vergrößerter Schilddrüse und vermehrter Knotenbildung konnte in mehreren großen epidemiologischen Studien beobachtet werden.

Entsprechend sind die klinischen Erfahrungen mit einer Selensubstitution nicht einheitlich; ca. die Hälfte der gut geplanten und kontrolliert durchgeführten Studien zeigte positive Effekte (Reduktion der TPO-Autoantikörper, Verbesserung der Lebensqualität und der Schilddrüsenfunktion). Die andere Hälfte der Studien zeigte keine Effekte.

Wichtig: Die Hashimoto-Thyreoiditis nimmt einen sehr individuellen Verlauf. Er kann sich zwischen 2 Betroffenen deutlich unterscheiden in Bezug aufinitiale Beschwerden (Ausmaß der Freisetzung vorgefertigter Hormone mit transienter Hyperthyreose und Struma),den Verlauf (schleichende oder rapide Einschränkung der Schilddrüsenfunktion, mit entsprechenden Effekten auf Körpergewicht, psychisches Befinden, ggf. Haarausfall und weitere Symptome) undder benötigten Therapie (Hormonsubstitution und Anpassungsbedarf).

Selen-Supplementierung: Ja oder Nein?

Gesunde Menschen benötigen keine Selenpräparate, so das Fazit des Mediziners. Eine Einnahme ohne Grund könnte sogar schädlich sein.

Wünschenswert ist laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Zufuhr von insgesamt einem Mikrogramm (µg) Selen pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Erwachsene sollten eine Selenaufnahme von mehr als 255 Mikrogramm pro Tag (Lebensmittel inklusive Trinkwasser und Nahrungsergänzungsmitteln) laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vermeiden.

"Durch die normale Ernährung erreicht man solche kritischen Zufuhrmengen in der Regel nicht", erläutert Dr. Julia Podlogar, Apothekerin und Mitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Tierische Lebensmittel in Europa profitieren oft davon, dass dem Tierfutter Selen zusätzlich beigemischt wird - obwohl die Böden hierzulande nicht reich an Selen sind, ist der Selengehalt in Fleisch, Käse und Eiern daher oft gut.

Übrigens: Hochdosiertes Vitamin C kann die Aufnahme von Selen im Körper behindern. Zink und Selen profitieren nicht von einer gemeinsamen Einnahme.

Paranüsse enthalten besonders viel von dem Mineralstoff: 100 Gramm Paranüsse enthalten etwa 103 Mikrogramm (µg) Selen. Deshalb sollten sie laut BfS nur in geringen Mengen verzehrt werden.

Für die Prophylaxe ist der Zusammenhang einer guten Mikronährstoffversorgung mit dem Erkrankungsrisiko eindeutig: Ein ausgeprägter Jodmangel bzw. eine schlechte Selenversorgung sind mit Struma und dem Auftreten von Schilddrüsenentzündungen assoziiert und sollten bevölkerungsweit und individuell vermieden werden.

Die Diagnostik des Jod- und Selenstatus ist nicht trivial. Deshalb ist es empfehlenswert, einen Mangel prophylaktisch zu vermeiden, die Mahlzeiten vielseitig zu gestalten und ggf. zusätzlich ein Supplement einzusetzen.

Empfehlung: Bis dahin gilt die dringende Empfehlung, einen Mangel unbedingt und prophylaktisch zu vermeiden, die Mahlzeiten vielseitig zu gestalten und ggf. zusätzlich ein Supplement einzusetzen.

Achtung: Selen schützt nicht vor Herzkreislauf-Erkrankungen. Darüber hinaus besteht ein Zusammenhang zwischen Selen-Einnahme und erhöhtem Diabetes-Risiko.

Für Herzerkrankungen liegt eine aktuelle Metaanalyse aus zwölf randomisierten und kontrollierten Studien mit etwa 20.000 Teilnehmern vor. Diese ergab keinen vorbeugenden Effekt einer Selen-Gabe.

Diese hat gezeigt, dass unter Selen-Gabe das Risiko für Typ-2-Diabetes bis auf das Dreifache steigen kann. Der Mediensprecher der DGE, Professor Dr. Helmut Schatz aus Bochum, verweist zudem auf eine weitere Studie.

Selen: Wirkung, Mangel und Bedeutung für die Schilddrüse

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