Schon mal erlebt? Du siehst eine Eidechse und sobald du dich ihr näherst, ist sie blitzschnell verschwunden. Du hättest ja auch ein Raubvogel oder ein anderer Fressfeind sein können. In der Tierklasse der Reptilien finden sich die ältesten Tierarten der Welt. Reptilien faszinieren Menschen seit Jahrtausenden.
Ob es die geheimnisvolle Anmut einer Schlange, das urzeitliche Aussehen eines Warans oder die farbenprächtige Erscheinung eines Chamäleons ist - diese Tiere üben eine ganz besondere Anziehungskraft aus. In der Terraristik sind Reptilien äußerst beliebt, weil sie eine enorme Artenvielfalt, spannende Verhaltensweisen und interessante Haltungsbedingungen mitbringen.
Doch was macht Reptilien eigentlich aus? Welche biologischen Merkmale definieren sie, und woran erkennt man, dass ein Tier zur Klasse der Reptilien gehört? In diesem Artikel beleuchten wir die zentralen Merkmale von Reptilien im Detail. Dieser Beitrag richtet sich sowohl an Einsteiger, die sich einen Überblick verschaffen wollen, als auch an erfahrene Terrarianer, die ihr Wissen vertiefen möchten.
Systematik der Reptilien
Reptilien oder Kriechtiere nennt man eine Klasse von Tieren, die zumeist auf dem Land leben. Zu ihnen gehören die Echsen, Krokodile, Schlangen und Schildkröten. Früher hat man die Reptilien als eine von fünf großen Gruppen von Wirbeltieren angesehen, weil sie eine Wirbelsäule im Rücken haben. Diese Ansicht ist jedoch teilweise überholt.
Systematisch gesehen bilden die Reptilien, oder auch Kriechtiere, keine eigene Klasse innerhalb der Wirbeltiere. Dazu müssten nämlich die Vögel mit einbezogen werden (direkte Nachfahren einer Reptiliengruppe). Der Begriff Reptilien wird nur noch als informeller Sammelbegriff für Landwirbeltiere mit ähnlichen Charakteristika verwendet. Die ersten fossilen Reptilien stammen aus dem Oberkarbon (vor ca. 315 Mio. Jahren).
Es kommt oft zur Verwechslung zwischen Reptilien und Amphibien. Beide Klassen sind sich in einigen Merkmalen ähnlich. Zum Beispiel sind beide Klassen poikilotherm, das heißt wechselwarm.
Der größte Unterschied, beziehungsweise das deutlichste Unterscheidungsmerkmal von Reptilien und Amphibien ist die Metamorphose.
Reptilien sind eine Klasse der Wirbeltiere, die sich durch eine Kombination aus anatomischen, physiologischen und ökologischen Eigenschaften auszeichnen.
Eines der auffälligsten Merkmale von Reptilien ist ihre Haut. Im Gegensatz zu Amphibien, deren Haut feucht und oft glatt ist, haben Reptilien eine trockene, mit Hornschuppen bedeckte Haut. Diese Schuppen bestehen aus Keratin, demselben Protein, das auch unsere Haare und Nägel bildet.
Die oberste Hautschicht von Reptilien besteht aus verhornten Schuppen. Sie ist fest und trocken und - anders als viele Menschen gerade Schlangen unterstellen - nicht glitschig und schleimig.
Biologische Funktion der Schuppen:
Praktische Bedeutung für Terrarianer:
Die trockene Haut macht Reptilien zwar widerstandsfähiger gegenüber Austrocknung als Amphibien, dennoch ist eine angepasste Luftfeuchtigkeit im Terrarium entscheidend.
Schuppen einer Schlangenhaut
Der Schuppenpanzer bietet nicht nur einen gewissen Schutz vor Angreifern. Viel wichtiger ist für die wechselwarmen Tiere, dass ihre Haut die Verdunstung minimiert. Anders als bei Amphibien, die über eine sehr dünne und durchlässige Haut verfügen, kann die Feuchtigkeit im Körper bei Reptilien nicht durch die Haut verdunsten. Das schützt die Tiere auch bei extremen Bedingungen wie in der Wüste vor Austrocknung.
Der besondere Aufbau ihrer Haut kommt für Reptilien mit einer weiteren Besonderheit. Da Reptilienschuppen nicht wachsen, die Tiere selbst aber schon, wird es regelmäßig zu eng in der Haut. Die alte Haut muss weg. Das geschieht bei der Häutung.
Wenn Schlangen, Echsen & Co nicht mehr fressen wollen und sich ungewöhnlich viel zurückziehen, steht meist die Häutung bevor. Auch die Farben strahlen dann nicht mehr so. Unter der Haut bildet sich eine milchige Flüssigkeit, die dafür sorgt, dass die obere Schicht sich ablöst. Darunter wartet schon die neue Haut.
Wie das im Einzelnen funktioniert, ist von Reptil zu Reptil verschieden. Schlangen häuten sich nach einem Wachstumsschub in einem Stück, Echsen häuten sich in Fetzen, was damit zu einer Art fortlaufendem Prozess wird. Allen Reptilien gemeinsam ist, dass sie für eine erfolgreiche Häutung etwas höhere Luftfeuchtigkeit brauchen sowie Gegenstände, an denen sie die alte Haut abreiben können.
Eine Wetbox im Terrarium gibt den Tieren die Möglichkeit, sich mit der nötigen Feuchtigkeit zu versorgen, Wurzeln und Hölzer sind als Kletter- und Versteckmöglichkeiten ohnehin Teil der Einrichtung und bieten genügend Reibungsfläche.
Während die Häutung also für alle Reptilien normaler Bestandteil des Wachstums ist, hat ein Gecko diesen Vorgang zur Überlebensstrategie gemacht. Andere Eidechsen werfen bei Gefahr ihren Schwanz ab, der Fischschuppengecko (Geckolepis megalepis) befreit sich gleich ganz von seiner Haut, wenn ein Angreifer ihn packt. Der bleibt mit nichts als Schuppen zurück.
Die Häutung in Sekundenschnelle wird dadurch möglich, dass die Hornschicht nur an wenigen Stellen mit den unteren Hautschichten verbunden ist. Hinzu kommt die Größe der Schuppen, durch die Hebelkräfte entstehen, die die Ablösung beschleunigen. Dabei werden allerdings auch stellenweise Teile der unteren Hautschicht mit abgerissen. Der Gecko bleibt nackt.
Allerdings nicht für lange. Zwar geht die Neubildung der Schuppen nicht ganz so schnell wie das Abwerfen. Aber bereits nach wenigen Wochen hat der Fischschuppengecko sein buntes Hautkleid wieder. Erstaunlicherweise trägt er von dem Kunststück nicht einmal Narben davon.
Schonmal vom Regen überrascht und so richtig nass geworden? Das kann Deinem Gecko nicht passieren. Denn seine Haut ist mit unzähligen feinen Haaren, den sogenannten Spinula-Härchen besetzt. Diese funktionieren wie ein Leitungssystem: An ihnen wird das Wasser zu Tröpfchen gesammelt, die beim Weiterlaufen immer größer werden und sich dank physikalischem Energiegewinn für das System schließlich selbst vom Tier wegschleudern. Dank der von den Wissenschaftlern "Geckoveszenz" benannten Eigenschaft bleiben die Geckos auch in feuchter Umgebung trocken. Das ist nicht nur praktisch, wenn man keine Nässe mag. Auch feuchtigkeitsliebende Mikroben bleiben so fern. Die Spinula-Härchen tragen also zur Immunabwehr bei und halten die Tiere gesund.
Damit wird die Geckohaut zu einem praktischen Vorbild nicht nur für wasserabweisende Hightech-Stoffe. Sie kann auch Anregungen dafür geben, wie Oberflächen ohne Zutun steril bleiben.
Reptilien sind ektotherm, was bedeutet, dass sie ihre Körpertemperatur nicht selbst durch Stoffwechselwärme regulieren können. Stattdessen sind sie auf äußere Wärmequellen angewiesen - Sonne, aufgeheizte Steine oder im Terrarium spezielle Wärmelampen.
Eidechsen sind Schuppenkriechtiere. Sie haben eine schuppige Haut und gehören zu den wechselwarmen Reptilien. Das heißt: Sie benötigen Wärme, um beweglich zu werden und auf Touren zu kommen. Vor allem am Morgen brauchen sie die Sonne oder wenigstens warme Lufttemperaturen, um auf Beutefang gehen zu können.
Biologische Hintergründe:
Praktische Bedeutung für die Terraristik:
Eine artgerechte Haltung erfordert Temperaturzonen im Terrarium, damit die Tiere zwischen warmen und kühleren Bereichen wechseln können. Wärmelampen, Heizsteine oder Heizmatten spielen hier eine entscheidende Rolle.
Zauneidechse beim Sonnenbaden
Reptilien gehören zu den Amnioten - eine Gruppe von Wirbeltieren, deren Embryonen in einer Amnionhülle heranwachsen. Diese Hülle schützt den Embryo vor Austrocknung und mechanischen Einwirkungen.
Ausnahmen:
Einige Reptilien, wie bestimmte Schlangen und Echsen, sind ovovivipar oder vivipar - das heißt, sie gebären lebende Junge, obwohl diese im Mutterleib ursprünglich in Eiern heranwachsen.
Bedeutung in der Terraristik:
Die erfolgreiche Nachzucht hängt stark von der richtigen Inkubationstemperatur und -feuchtigkeit ab. Bei einigen Arten beeinflusst die Bruttemperatur sogar das Geschlecht der Jungtiere, wie man es beispielsweise bei manchen Geckos oder Schildkröten kennt.
Während Amphibien in ihrer Larvenphase oft über Kiemen atmen und später Lungen entwickeln, besitzen Reptilien von Geburt an voll entwickelte Lungen und atmen ausschließlich darüber.
Besonderheiten der Reptilienatmung:
Praktische Relevanz:
Im Terrarium muss eine gute Luftzirkulation gewährleistet sein, um Sauerstoffmangel zu vermeiden. Gleichzeitig ist es wichtig, Zugluft zu vermeiden, da viele Reptilien empfindlich auf zu starke Luftströmungen reagieren.
Ein weiteres zentrales Merkmal der Reptilien ist die innere Befruchtung. Männchen übertragen die Spermien direkt in die Geschlechtsöffnung des Weibchens.
Biologische Vorteile:
Bedeutung in der Terraristik:
In der Zuchtpraxis kann es vorkommen, dass Weibchen auch ohne erneute Paarung noch Monate später befruchtete Eier legen - ein Aspekt, den Halter bei der Zuchtplanung berücksichtigen sollten.
Neben den fünf Hauptmerkmalen gibt es noch andere Eigenschaften, die häufig, aber nicht ausschließlich, bei Reptilien vorkommen:
In Deutschland leben fünf Eidechsenarten. Sie alle werden bei uns streng geschützt, weil sie nur noch selten vorkommen.
| Art | Besonderheit |
|---|---|
| Blindschleiche | Echse ohne Beine, kann Schwanz bei Gefahr abwerfen (wächst aber nicht nach) |
| Zauneidechse | Männchen sind zur Paarungszeit an den Flanken, am Kopf und am Bauch intensiv grün |
| Waldeidechse | Lebendgebärend, Schuppenhaut ist braun oder grau mit einem Strich aus schwarzen Flecken auf dem Rücken |
Von den 5.473 in der Roten Liste der IUCN geführten Reptilienarten sind 28 bereits ausgerottet worden, zwei Arten existieren nur noch in Menschenobhut, 1.090 Arten sind bedroht und 353 Arten sind potentiell gefährdet. Bei 917 Arten ist die Datenlage so schlecht, dass eine Kategorisierung nicht möglich ist. Hier könnten noch zahlreiche weitere Arten unerkannt bedroht sein.
Die fortschreitende Lebensraumzerstörung durch den Menschen zur Gewinnung von Flächen oder Ressourcen, die Verschmutzung der Lebensräume, das Absammeln für den Handel und der Klimawandel sind die Hauptursachen für den Rückgang vieler Reptilienarten.
Der WWF kümmert sich darum, möglichst viele natürliche Lebensräume zu erhalten, in denen Eidechsen sich wohlfühlen - in Deutschland zum Beispiel in der Uckermark, am Schaalsee oder an der Ammer in den Alpen.
Auch du kannst etwas für Eidechsen tun und ihnen in eurem Garten oder Schulgarten Sonnenplätze bauen.
Reptilien sind wechselwarme Wirbeltiere und nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt.
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