Amphibien: Ein Leben ohne Schuppen

Die Klasse der Amphibien umfasst wechselwarme Wirbeltiere mit einem Skelett und einer nackten, drüsenreichen, feuchten Haut, die einen Teil der Atemfunktion übernimmt. Im Gegensatz zu ihren nächsten Verwandten, den Reptilien, zeichnen sich Amphibien durch ihre feuchte, empfindliche Haut aus, die nicht mit Schuppen bedeckt ist.

Was genau Amphibien sind und wie du sie einteilen kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.

Verbreitung von Amphibien weltweit.

Merkmale der Amphibien

Die heute noch lebenden Arten (= Lissamphibia) kannst du in die drei Ordnungen Froschlurche, Schwanzlurche und Schleichenlurche einteilen. Zu den Lurchen in Deutschland gehören Frösche, Kröten, Unken, Salamander und Molche. Insgesamt findest du 21 heimische Amphibien-Arten.

  • Haut: Die Haut der Amphibien ist sehr dünn, nackt und feucht. Denn im Gegensatz zu Reptilien besitzen sie keine Schuppen. Während die Haut bei Fröschen und Salamandern glatt ist, ist sie bei Unken und Kröten faltig und warzig. Das ist beispielsweise ein Unterschied zwischen Frosch und Kröte. Aus ihrer Haut können die Lurche Schleim und Gifte absondern, um sich vor Feinden zu schützen. Außerdem ist ihre Hautschicht reich an Pigmenten, weshalb sie viele verschiedene Farben annehmen kann (roter Feuersalamander, Gelbbauchunke).
  • Gliedmaßen: Lurchtiere besitzen vier Gliedmaßen. An ihren Füßen haben sie wie wir Menschen fünf Zehen, ihre Hände bestehen dagegen nur aus vier Fingern.
  • Atmung: Bei der Amphibien-Atmung gibt es verschiedene Wege. Als Larven atmen sie über Kiemen, später dann über einfache Lungen. Die Schleimhaut im Mund- und Rachenraum ist immer feucht und gut durchblutet. Wird die Luft in diesem Raum ständig durch einen besonderen "Blasebalgmechanismus" gewechselt, kann hier ständiger Gasaustausch vor sich gehen. Die Mund- und Kehlatmung findet man u.a. bei den Froschlurchen.
  • Herz: Amphibien besitzen ein Herz mit zwei getrennten Vorhöfen und nur einer Herzkammer, in der sich sauerstoffarmes und -reiches Blut mischen kann.
  • Körpertemperatur: Die Körpertemperatur der Amphibien ist abhängig von der Umgebungstemperatur. Sie verfallen bei tiefen Temperaturen in einen Zustand der Starre. Die Arten der gemäßigten Zone, halten eine Winterruhe (keinen Winterschlaf sondern eine Winterstarre). Dazu vergraben sich viele Arten in den Bodenschlamm ihrer Wohngewässer, oder verkriechen sich in feuchtes Erdreich. Während dieser Winterstarre nehmen sie keine Nahrung zu sich. Ihren geringen Sauerstoffbedarf decken sie durch die Haut.
  • Ernährung: Die erwachsenen Amphibien sind allesamt Fleischfresser und die Ernährung basiert hauptsächlich auf Insekten, Spinnentieren, Würmern und Schnecken sowie anderen kleinen wirbellosen Tieren. Die Entwicklung der Larven vollzieht sich überwiegend im Wasser, dort ernähren sie sich weitgehend von Plankton.

Bekannte Beispiele für Amphibien dieser Gruppen sind der Riesensalamander und die Aga-Kröte, weil sie zu den größten Vertretern der Amphibienarten gehören. Die Aga-Kröte stellt in Australien ein großes Problem dar, weil sie sich dort ungehindert ausbreitet. Auch der Krallenfrosch ist sehr bekannt.

Einige Amphibienarten.

Entwicklung und Lebensweise

Das Besondere bei ihrer Entwicklung ist, dass ihr Körper eine deutliche Veränderung durchmacht. Vor allem für ihre Fortpflanzung sind Amphibien an Feuchtbiotope gebunden und müssen das Wasser suchen. In der Paarungszeit können die Männchen besondere Ruflaute erzeugen, um Weibchen anzulocken.

Die weiblichen Tiere legen ihre vielen Eier in Form von Laich ins Wasser ab, sodass die Männchen die Eier äußerlich befruchten können. Nach nur wenigen Tagen entwickeln sich daraus die Larven (Kaulquappen). Im Laufe ihrer Entwicklung bilden sich eine Lunge sowie Gliedmaßen, während sich die Kiemen und der Schwanz zurückbilden. Ab diesem Zeitpunkt wechseln die Frösche ihren Lebensraum und leben an Land.

Es gibt jedoch ein paar Arten, bei denen die Entwicklung anders aussieht. Beispielsweise beim Alpensalamander, der seine Jungen fertig entwickelt und lebend zu Welt bringt oder bei Grottenolm und Axolotl, die ihr Leben durchgehend im Wasser verbringen.

Ihre dünne Haut müssen die Lurche ständig feucht halten, wodurch sie sich an ein Leben in Gebieten nahe von Gewässern binden. Um sich vor Fressfeinden zu schützen, und auch um Wasserverluste über die empfindliche Haut gering zu halten, sind viele Amphibien nachtaktiv.

Wenn es im Winter kalt wird und die Temperaturen unter einen bestimmten Wert sinken, fallen sie in eine Winterstarre. Darunter verstehst du einen Zustand, in dem die Tiere ihre Aktivität herunterfahren. Dann bewegen sie sich nicht mehr, fressen nichts mehr und ihre Herz- und Atemfrequenz sinken.

Amphibien schützen by Roots&Shoots

Amphibien und Reptilien im Vergleich

Reptilien unterschieden sich über mehrere Merkmale von der oft im gleichen Atemzug genannten Artengruppe, der Amphibien. Zunächst besitzen Reptilien, im Vergleich zur dünnen, feuchten Haut der Amphibien, eine trockene, mit Schuppen, Hornplatten oder einem Panzer überzogene Oberfläche. Diese schützt sie vor Verdunstung.

Während Amphibien im Laufe ihres Lebens immer auch von einem Wasserlebensraum abhängig sind, sind die meisten Reptilien dadurch nicht daran gebunden. Die Eiablage von Amphibien findet meist im Wasser statt, die der Reptilien erfolgt jedoch ausschließlich an Land. Dies gilt selbst für Meeresschildkröten, welche sich sonst wieder vollständig an das Leben im Wasser angepasst haben.

Neben der Tatsache, dass beide Artengruppen zu den am meisten bedrohten Deutschlands zählen, haben sie jedoch auch eine weitere Gemeinsamkeit. In der Gruppe der Reptilien wird zunächst zwischen Schildkröten, Echsen und Schlangen unterschieden.

Ursprünglich besitzen alle Reptilien Vorder- und Hinterbeine, diese haben sich jedoch bei den zu den Echsen gehörenden Schleichen stark zurückgebildet und sind bei den Schlangen gar nicht mehr vorhanden. Reptilien sind allesamt wechselwarm. Damit weisen sie keine konstante Körpertemperatur auf und sind stark von ihrer Umgebungstemperatur abhängig.

Die wichtigsten Unterschiede in der Übersicht

Merkmal Amphibien Reptilien
Haut Feucht, glatt, ohne Schuppen Trocken, mit Schuppen, Hornplatten oder Panzer
Lebensraum Abhängig von feuchten Umgebungen und Gewässern An Land angepasst, verschiedene Umgebungen
Fortpflanzung Externe Befruchtung, Eier im Wasser Interne Befruchtung, Eier an Land oder lebendgebärend
Körpertemperatur Wechselwarm, abhängig von der Umgebungstemperatur Wechselwarm, abhängig von der Umgebungstemperatur

Gefährdung und Schutzmaßnahmen

Die Anzahl an Lurchen ist stark zurückgegangen und viele Arten gelten als gefährdet. Daher stehen alle Amphibienarten seit 1980 nach der Bundesartenschutzverordnung unter Schutz. Das Naturschutzgesetz verbietet es zum Beispiel, Laich oder ausgewachsene Tiere aus Gewässern zu entnehmen, um sie in den eigenen Gartenteich umzusiedeln.

Außerdem gibt es mittlerweile viele Gebiete, in denen Krötenschutzzäune gebaut oder sogar Straßen gesperrt werden. Frösche und Kröten sind auch ein Teil des Ökosystems See. viele empfindliche Kreisläufe gibt, ist es wichtig, alle Lebewesen darin zu schützen, um das System nicht durcheinanderzubringen.

Der Schutz heimischer Amphibien und Reptilien ist einer unserer besonderen Schwerpunkte und im Tätigkeitsbereich der Station als thüringenweite Sonderaufgabe angesiedelt. In diesen beiden Artengruppen ist der Anteil bestandsgefährdeter Arten höher als in jeder anderen in Deutschland. Um deren Bestände zu erhalten initiieren und realisieren wir in diesem Bereich vielfältige Projekte. Dazu gehören beispielsweise die Renaturierung von aquatischen Lebensräumen und Optimierung von Landlebensräumen.

Wir setzen uns jedoch auch für die Habitatvernetzung durch Anlegen von Trittsteinbiotopen ein - eines der Kernthemen des Natura 2000-Konzepts. Zu den Zielarten gehören hier primär die Arten der Anhänge II & IV der FFH-Richtlinie wie Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch und Zauneidechse.

Durch von der Station und Sonderaufgabe initiierte Projekte werden außerdem beispielsweise Betreiber und Eigentümer wertvoller Lebensräume auf z. B. Bergbau- und Trassenflächen zu naturschutzfachlichen Wirtschaftsweisen beraten.

Durch den großräumigen Verlust dieser Lebensräume oder eines Teils davon und zahlreicher weiterer Einflussfaktoren ist die Hälfte der in Deutschland beheimateten Amphibienarten in ihrem Bestand gefährdet. Aktuell sind selbst bei weniger speziell angepassten „Allerweltsarten“ besorgniserregende Bestandseinbrüche zu beobachten. Viele Amphibienarten und deren Fortbestehen sind unmittelbar von Natur- und Artenschutzmaßnahmen abhängig. Die meisten davon kommen heute allenfalls in Ersatzhabitaten vor, welche oft nur noch wenig mit ihren natürlichen Lebensräumen zu tun haben.

Wer ein Grundstück oder Garten besitzt oder nutzt, kann gezielt Lebensräume und Laichgewässer für Amphibien schaffen. Das Einsetzen von Tieren ist nicht notwendig, da Kleingewässer in der Regel innerhalb kurzer Zeit besiedelt werden. Setzen Sie sich für den Erhalt und für die Renaturierung von Kleingewässern in Ihrem Umfeld ein.

Mobile Amphibienzäune

Jedes Jahr wandern tausende Amphibien ca. ab März (Faustregel: nachts > 4°C und feucht) von ihren terrestrischen Winterquartieren zur Fortpflanzung in ihre Laichgewässer, und ein paar Monate später bis in den Herbst hinein wieder zurück. Hier handelt es sich um Arten wie die noch sehr häufig vertretene und bekannte Erdkröte, aber auch um den streng geschützten Kammmolch.

Dabei müssen diese oft Straßen überqueren, die ihnen dann allzu häufig zum Verhängnis werden. Um diesem Faktor des voranschreitenden Amphibienrückgangs entgegenzuwirken, können stationäre Amphibienleiteinrichtungen z.B. bei Straßenneubauten eingeplant werden.

Häufig kümmern sich jedoch regionale Akteure, Vereine und Privatpersonen um den Aufbau und die Betreuung von mobilen Amphibienzäunen. Diese können durch das Land über das NALAP-Förderprogramm beim Thüringer Landesamt (TLUBN) beantragt und damit finanziell unterstützt werden (siehe unten). Beratend und koordinierend tätig werden hier die unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter sowie die regionalen Natura 2000-Stationen tätig.

ACHTUNG Molche laufen je nach Witterung häufig bereits ab Anfang/Mitte Februar über die Straßen, während beispielsweise Knoblauchkröten ihre Hauptwanderzeit noch bis Mitte/Ende Mai haben können. Bitte achten Sie bei der Betreuung Ihres Amphibienzauns auf die Artvorkommen bei sich vor Ort und nicht nur auf die gut sichtbare Massenwanderung der Erdkröten im März und April. Nur so können wir auch die besonderen Arten vor dem Straßentod bewahren und deren Vorkommen erhalten.

Praxistipp I

Durch die immer schlechter vorhersehbare Frühjahrswitterung, mit zum Teil feuchtwarmen Perioden und bis zu 15°C bereits Mitte Februar und erneut anhaltenden Minusgraden bis Ende März macht die Entscheidung des richtigen Zeitpunkts zum Stellen des mobilen Amphibienzauns zu einer großen Herausforderung.

Ein zu früh gestellter Zaun erfordert unnötig viel Aufwand der täglichen Betreuung für ehrenamtliche Helfer und ein zu spät gestellter Zaun kann für hunderte sich bereits auf Wanderschaft befindliche Amphibien zum Verhängnis auf der Straße werden.

Stellen Sie daher den Zaun ohne Eimer bereits entspannt Anfang/Mitte Februar, sobald es der Boden erlaubt. Entdecken Sie die ersten bedeutenden wandernden Tiere, oder kündigt die Witterung eine baldige Wanderung an, graben Sie jeweils am Anfang und am Ende des Zauns einen Eimer ein und beginnen jetzt mit der täglichen Kontrolle. Die restlichen Eimer können nun auch noch in den folgenden Tagen eingegraben werden, sobald Ihre aktiven Helfer Zeit haben.

Praxistipp II

Wenn Sie Ihren Amphibienzaun sehr lange stehen lassen wollen oder müssen, ist es ratsam auch auf der anderen Seite des Zauns Fangeimer in größeren Abständen einzugraben.

Stationäre Amphibienleitanlagen & Querungshilfen

Neben den mobilen Schutzanlagen, welche häufig auf ehrenamtliche Betreuer angewiesen sind, sollten Straßen an bedeutenden Amphibienquerungsstellen mit stationären Leitanlagen und Durchlässen ausgestattet werden. Bei einem grundhaften Ausbau der Straße ist der Einbau solcher Anlagen für den Straßenbaulastträger verpflichtend.

Im technischen Regelwerk der FGSV sind die Anforderungen benannt, die eingehalten werden müssen, um die Funktionsfähigkeit der Querungshilfen sicherzustellen. Das Merkblatt zur Anlage von Querungshilfen für Tiere und zur Vernetzung von Lebensräumen an Straßen (M AQ) aus dem Jahr 2022 und die dazu ergänzenden Erläuterungen ersetzen das heute veraltete Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen (MAmS). Da jedes Gelände und Artvorkommen jedoch einzigartig ist, empfehlen wir bei der Ausführungsplanung außerdem das Hinzuziehen eines Amphibienexperten.

tags: #haben #amphibien #schuppen

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen