Langes und dichtes Haar ist für viele Menschen ein Schönheitsideal. Unser Haarwachstum wird durch verschiedene Hormone so gesteuert, dass immer ein gleichmäßiger Haarbestand erhalten bleibt. Doch es ist kaum möglich, Haare auf natürliche Weise in kurzer Zeit wachsen zu lassen, ohne Extensions zu verwenden. In diesem Blogeintrag werden wir das Haarwachstum näher beleuchten, die Geschwindigkeit des Haarwachstums besprechen und Tipps geben, wie Sie Ihr Haar schneller, schöner und gepflegter wachsen lassen können.
Um zu verstehen, wie Haare wachsen, ist es wichtig, die verschiedenen Faktoren zu kennen, die das Haarwachstum beeinflussen.
Wie schnell Haare wachsen lässt sich eigentlich nicht pauschal beantworten. Denn das hängt vom Haartyp, dem Geschlecht, dem Alter sowie weiteren Einflussfaktoren ab.
Im Durchschnitt wächst das Haar etwa 1 bis 1,5 cm pro Monat. Wenn man das Haarwachstum auf täglicher Basis betrachtet, wächst das Haar durchschnittlich 0,05 mm pro Tag. Dies summiert sich auf etwa 0,35 mm pro Woche und führt zu einem Wachstum von 1 bis 1,5 cm pro Monat.
Der Mensch hat durchschnittlich 100.000 Haare auf dem Kopf: Blonde Menschen haben meist etwas mehr, bis zu 150.000 (aber dafür meist dünnere Haare), Dunkelhaarige um die 100.000 und Rothaarige etwa 80.000 Haare. Mitteleuropäische Haare haben eine durchschnittliche Dicke von 0,06 mm.
Ein Haar besteht aus zwei Teilen, dem Haarschaft und der Haarwurzel. Die Haarwurzel sitzt in der Lederhaut und ist von einer kleinen Hülle umgeben, dem Haarbalg, der auch Haarfollikel genannt wird. Die Form dieser Follikel entscheidet übrigens darüber, ob unser Haar glatt oder lockig ist: Je runder der Follikel ist, desto glatter wächst das Haar. Der Haarschaft enthält hingegen das Pigment, das unsere angeborene Haarfarbe bestimmt.
Die Haare selbst bestehen aus Hornfäden - eine Mischung aus Keratin, Melanin, Schwefel, Wasser und Fett. Nach zwei bis sechs Jahren fällt in der Regel ein Haar aus, dabei fallen 50 bis 100 Haare täglich aus. Die Dicke der Haare sowie die Haarlänge haben übrigens keine Bedeutung für die Entstehung von Haarausfall.
Der Zyklus der einzelnen Haare verläuft nicht synchron, sodass zu jeder Zeit Haare in unterschiedlichen Zyklusphasen vorhanden sind. Dadurch bleibt der Haarbestand immer gleichmäßig. Wie lange genau die einzelnen Phasen dauern und wie oft ein Haarfollikel einen Haarzyklus durchlaufen kann (normalerweise etwa 10 bis 30 Mal), ist genetisch bedingt und dadurch individuell unterschiedlich.
Der Haarzyklus gilt nicht nur für Kopfhaare, sondern verläuft bei allen anderen Körperhaaren auf die gleiche Weise. Die verschiedenen Phasen des Haarzyklus werden durch Hormone gesteuert.
Grundsätzlich durchläuft das Kopfhaar auf seinem „Lebensweg“ drei Phasen:
Die Anagenphase ist die am längsten dauernde Phase im Haarzyklus. Sie dauert etwa zwei bis sechs Jahre. Der genaue Zeitraum ist bei jedem Menschen individuell und bestimmt, wie lang die Haare insgesamt werden können.
Während der sichtbare Teil des Haars Haarschaft genannt wird, befinden sich die für das Wachstum wichtigen Bestandteile unter der Haut, von der Lederhaut (Dermis) bis in die Unterhaut (Subcutis) reichend. Der Haarschaft mündet in die Haarwurzel, die vom Haarfollikel umgeben ist. Am unteren Ende ist das Haar knotig verdickt - dieser Teil wird Haarzwiebel genannt. Von unten reicht die Haarpapille in die Haarzwiebel hinein. In der Haarpapille befinden sich Blutgefäße, über die das Haar mit Nährstoffen versorgt wird. In dieser Region sitzen auch die Keratinozyten, also die Zellen, die neue Haarsubstanz produzieren. Die Melanozyten, die den Farbstoff der Haare herstellen, geben diesen hier in die Haarzwiebel ab.
Die Phasen des Haarwachstums
Auch verschiedene Hormone haben Einfluss auf den Haarzyklus. Dazu gehören die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone. Insbesondere das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT), eine biologisch hoch aktive Form von Testosteron, sorgt besonders häufig für einen gestörten Haarzyklus. Die weiblichen Östrogene beeinflussen den Haarzyklus und damit das Haarwachstum positiv. Dadurch können sich jedoch Schwankungen des Östrogenspiegels ebenfalls auswirken, zum Beispiel im Rahmen der Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit oder der Menopause. Auch andere Hormonstörungen wie zum Beispiel eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse können Haarausfall begünstigen, jedoch durch eine medikamentöse Einstellung meist gut behandelt werden. Vermeiden sollte man alles, was die Haare schädigen kann. Dazu gehören zum Beispiel aggressive Shampoos oder Spülungen, häufiges Haarefärben, Dauerwelle, Lockenstab und Glätteisen. Wer Haare färbt, sollte dies von einem Profi durchführen lassen, damit möglichst wenig Farbe auf die Kopfhaut gelangt und diese schädigt.
Das Wachstumshormon IGF-1 (Insulin like Growth Factor 1) zum Beispiel verlängert die Wachstumsphase der Haare und aktiviert die Zellteilung in der Haarwurzel. Durch das Hormon TGF-beta2 (Transforming Growth Factor Beta 2) wird die Zellteilung an den Haarwurzeln gehemmt - dieser Hormonspiegel kann durch DHT nochmals erhöht werden. Zu den weiteren Hormonen, die den Haarzyklus beeinflussen, gehören FGF-5 (Fibroblast Growth Factor 5), KGF (Keratinocyte Growth Factor) und EGF (Epidermal Growth Factor).
Die Haarwurzeln können nur dann ein neues Haar produzieren und wachsen lassen, wenn dazu ausreichend Nährstoffe zu Verfügung stehen. Manche Menschen haben eine unzureichende Nährstoffzufuhr durch chronische Erkrankungen oder mangelnde Aufnahme über die Ernährung. Gefährdete Personen sind zum Beispiel Patienten mit chronischen Magen- oder Darmkrankheiten, Menschen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie Sportler oder Schwangere oder Menschen mit bestimmten Ernährungsgewohnheiten oder -störungen wie Vegetarier, Veganer und Patienten mit Magersucht oder Bulimie.
Auch Stress kann den Haarzyklus stören und für vermehrten Haarausfall sorgen. Dafür verantwortlich sind vermutlich Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol. Wer Probleme im Haarzyklus hat, stellt meistens einen übermäßigen Haarverlust oder eine schlechtere Qualität der Haare fest. Es gehen statt den üblichen 60 bis 100 Haaren pro Tag über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Haare verloren. Damit kommt es zu einer Ausdünnung der Frisur oder lichten Stellen im Haar. Um den Haarverlust medizinisch zu objektivieren, kann ein spezialisierter Arzt, zum Beispiel ein Hautarzt, ein sogenanntes Trichogramm durchführen. Dabei werden die Haarwurzeln unter dem Mikroskop untersucht. Man kann erkennen, wie viele Haare sich in welcher Phase des Haarzyklus befinden und ob sich diesbezüglich Auffälligkeiten ergeben.
Die für das Haarwachstum benötigten Nährstoffe sind zum Beispiel Vitamine wie Vitamin A, C, D, E und verschiedene B-Vitamine, Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Selen und Kupfer und Mineralien wie Calcium und Magnesium. Da die Haare zu über 90 Prozent aus der Eiweißverbindung Keratin bestehen, ist auch eine ausreichende Versorgung mit Proteinen wichtig, die sich vor allem aus Fisch, magerem Fleisch, Milchprodukten oder Hülsenfrüchten aufnehmen lassen.
Um den Haarwurzeln ihre optimale Arbeit zu ermöglichen, sollte die Versorgung und Pflege der Haare gesichert sein. Dazu gehören eine ausreichende Nährstoffversorgung der Haare sowie der Verzicht auf schädigende Einflüsse wie Rauchen, Färben oder starken Stress. Die verwendeten Haarpflegemittel sollten frei sein von Silikonen, Parabenen und künstlichen Duftstoffen.
Damit die Nährstoffe auch bis zum Haar gelangen können, ist eine gute Durchblutung der Kopfhaut wichtig. Sie kann zum Besipiel durch Kopfhautmassagen verbessert werden.
Um übermäßigen Haarverlust zu beheben, ist es essenziell, die Ursache zu finden. Nur dann kann eine passende Therapie eingeleitet werden und unnötige, zeitraubende blinde Therapieversuche vermieden werden. Es ist deshalb wichtig, einen Experten für Haarausfallbehandlungen aufzusuchen - je früher, desto besser, denn je länger der Haarzyklus gestört ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Haarwurzeln irreversibel geschädigt werden. Ist die Ursache des Haarausfalls gefunden, können die Haarwurzeln durch eine entsprechende Behandlung wieder aktiviert werden. Dazu kann zum Beispiel eine Infusionstherapie infrage kommen, bei der gezielt die fehlenden Nährstoffe in die Blutbahn gegeben werden. Auch bioregenerative Therapien sind begleitend möglich, beispielsweise eine PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma oder Plättchenreiches Plasma). Die möglichen Therapieoptionen sind bei jedem Patienten individuell und können durch ein persönliches Beratungsgespräch ermittelt und geklärt werden.
Erwarten Sie keine sofortigen Ergebnisse - niemand kann garantieren, dass Ihr Haar in nur wenigen Tagen auf die gewünschte Länge wächst.
Während es keine Wundermittel gibt, die Ihr Haar über Nacht wachsen lassen, können diese Tipps und Maßnahmen das Haarwachstum unterstützen und beschleunigen.
Die folgende Tabelle fasst die durchschnittlichen Haarwachstumsraten zusammen:
| Zeitraum | Durchschnittliches Wachstum |
|---|---|
| Pro Tag | 0,03 - 0,05 mm |
| Pro Woche | 0,2 - 0,3 cm |
| Pro Monat | 1 - 1,5 cm |
| Pro Jahr | 12 - 18 cm |
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