Beim Stichwort "Hagel" denkt man wahrscheinlich als erstes an heftige Gewitter und große, eisige Kugeln, die vom Himmel fallen. Diese Assoziation ist durchaus korrekt, doch Hagel ist mehr als nur ein kurzzeitiges Naturphänomen.
Der Deutsche Wetterdienst definiert Hagel als "Niederschlag in Form von Eiskugeln oder Eisklumpen mit einem Durchmesser von 5 bis 50 mm (in Extremfällen über 10 cm)." Nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) werden Eispartikel ab einer Größe von 5 mm als Hagel definiert. Kleinere Körner werden im Allgemeinen als Graupel bezeichnet.
Hagel besteht aus gefrorenem Wasser mit kleinen Lufteinschlüssen und hat nur eine etwas geringere Dichte (0,9 g cm-3) als reines Eis.
Die Entstehung von Hagel ist ein komplexer Prozess, der unter spezifischen atmosphärischen Bedingungen stattfindet. Die Bildung von Hagel beginnt in unstabilen Luftschichten, die typischerweise bei starken Gewittern vorhanden sind. Hagel tritt auf, wenn bei Gewittern starke Winde die Wassertropfen in die oberen Teile der Wolken hinauftragen.
Dort gefrieren sie und bilden Eiskugeln, die immer größer werden, je öfter sie wieder nach oben transportiert werden und dabei weitere Eisschichten anlagern. Der Prozess der Hagelbildung wird in der Meteorologie als Hagelbildung bezeichnet. Er beginnt mit der Bildung eines Eiskerns in einer Gewitterwolke.
Der Kern wird wiederholt in höhere, kältere Teile der Wolke transportiert, wo er weitere Wasserschichten ansammelt, die schnell gefrieren und das Hagelkorn vergrößern. Dieser Prozess findet so lange statt, bis das Hagelkorn zu schwer wird und der Aufwind es nicht länger halten kann.
Die Entstehung von Hagel ist an gewisse klimatische Bedingungen geknüpft. Einerseits muss die Temperatur in der Gewitterwolke unter dem Gefrierpunkt liegen, damit das Wasser in Eiskristalle umgewandelt werden kann. Der Gefrierpunkt von Wasser liegt bei 0 Grad Celsius.
Andererseits müssen starke Aufwinde vorhanden sein, die die Eiskristalle in der Wolke halten und ihnen ermöglichen, weiter zu wachsen.
Die Hagelbildung ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie zum Beispiel der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Windgeschwindigkeit.
Hagelkörner bestehen nicht einfach aus einer homogenen Masse an Eis. Ihr internes Strukturieren basiert auf einem komplexen Prozess, bei dem Wasserdampf und unterkühlte Wassertropfen auf die Oberfläche des Hagelkorns treffen und dort gefrieren. Dieser Prozess führt zur Bildung von konzentrischen Schichten aus Eis, die sich um das Hagelkorn legen.
Jede Schicht eines Hagelkorns entsteht durch einen Prozess, der als Anlagerung oder Akkretion bezeichnet wird. Hierbei treffen unterkühlte Wassertropfen, also flüssige Wassertropfen mit einer Temperatur unter dem Gefrierpunkt, auf die Oberfläche des Hagelkorns und frieren sofort an.
Es gibt verschiedene Formen der Anlagerung:
Jede dieser Formen der Anlagerung führt zu unterschiedlichen Eigenschaften der entstehenden Eisschicht auf dem Hagelkorn. So ist die Eisschicht bei der Bindeanlagerung besonders hart und klar, während Eisschichten, die durch Tausalzanlagerung entstanden sind, eine etwas weichere Konsistenz und eine milchige Farbe aufweisen.
Die Schichtenbildung eines Hagelkorns hat eine Reihe von Auswirkungen auf die Atmosphäre. Zum einen verändert die Bildung von Hagelschichten die Verteilung von Feuchtigkeit und latentem Wärmeinhalt in der Atmosphäre. Jede neu gebildete Eisschicht wandelt atmosphärischen Wasserdampf oder unterkühlte Wassertropfen in Eis um, wobei latente Wärme freigesetzt wird. Dies erhöht die Temperatur der umgebenden Luft, die daraufhin weiter aufsteigt und die Zirkulation in der Wolke fördert.
Zum anderen beeinflusst die Größe und das Gewicht des Hagelkorns die Windgeschwindigkeiten in der Wolke. Große Hagelkörner können starke Fallwinde verursachen, wenn sie zur Erdoberfläche fallen.
Hagel und Gewitter sind eng miteinander verknüpft. Fast immer, wenn es hagelt, ist auch ein Gewitter im Gange. Ein Gewitter entsteht durch den Aufstieg warmer, feuchter Luft. Dieser Aufstieg kann durch Temperaturunterschiede, Begegnungen mit kalten Fronten oder durch spezifische geografische Gegebenheiten (wie Berge) ausgelöst werden.
Allerdings ist die Entstehung von Hagel kein garantierter Bestandteil jedes Gewitters.
Hagelkörner sind faszinierende Naturerscheinungen. Jedes Einzelne ist ein Unikat mit individuellen Merkmalen. Die Größe, Form und Dichte von Hagelkörnern variieren stark und hängen von verschiedenen atmosphärischen Bedingungen ab.
Stell dir vor, du findest nach einem Hagelschauer ein besonders großes Hagelkorn und misst den Durchmesser. Er beträgt 5 cm.
Hagel kann erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben. Hierbei sind vor allem die landwirtschaftlichen Schäden von Bedeutung, denn Hagel kann ganze Ernten zerstören. Es wird geschätzt, dass die wirtschaftlichen Verluste durch Hagelschäden weltweit in die Milliarden gehen.
Aber auch für die natürliche Vegetation, insbesondere Bäume und Sträucher, kann Hagel schädlich sein. Zusätzlich zu den physischen Schäden kann Hagel auch chemische Auswirkungen auf die Umwelt haben. Wenn Hagel durch verschmutzte Luftschichten fällt, kann es Schadstoffe aufnehmen und sie mit zur Erdoberfläche bringen.
Darüber hinaus kann Hagel auch Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen verursachen. Große Hagelkörner können Fenster zerbrechen und tiefe Dellen in Autos verursachen.
Besonders bedenklich ist das Auftreten von Hagelstürmen in Gebieten, die bisher nicht oder kaum von ihnen betroffen waren. Stell dir einen Landwirt vor, der gerade seine Ernte in den nächsten Wochen einfahren möchte. Ein unerwarteter Hagelsturm tritt auf und zerstört seine gesamte Ernte.
Eine physikalische Folge der Erwärmung der Erde sind vermehrte Feuchtigkeit und höhere Energien in der Luft. Das wiederum fördert die Häufigkeit von Hagelunwettern sowie auch die Größe der Hagelkörner. Klimaforscher sagen für Europa und Australien eine Erhöhung der schweren Unwetter mit Hagel, für Nordamerika und Südostasien jedoch nicht.
Bereits im Jahr 2010 schätzen Wissenschaftler, dass der Schaden durch Hagelschlag in den Niederlanden bis 2050 auf landwirtschaftlichen Freiflächen bis zu 50 % zunehmen wird. Bei Treibhäusern gehen sie von einer Zunahme bis zu 200 % aus. Das wirft unter anderem Fragen nach der Versicherbarkeit solcher Schäden auf.
Obwohl Hagel und Graupel oft verwechselt werden, handelt es sich um zwei unterschiedliche Wetterphänomene mit einzigartigen Eigenschaften und Entstehungsbedingungen. Hagel und Graupel ähneln sich in Aussehen und Konsistenz, unterscheiden sich jedoch in mehreren Schlüsselaspekten.
Hagel besteht aus Schichten von Eis und kann bei großem Durchmesser erhebliche Schäden anrichten. Die Größe eines Hagelkorns kann von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern reichen.
Graupel, auch als weicher Hagel oder Schneegriesel bezeichnet, besteht aus leicht überfrorenen Schneeflocken. Die Körner sind kleiner, meist weniger als 5mm im Durchmesser, und haben eine Weißfärbung.
Die Entstehung von Hagel erfordert starke aufsteigende Luftströmungen und eine ausreichende Zufuhr von unterkühltem Wasser. Graupel entsteht hingegen, wenn gefrorene Wolkenteilchen aufsteigen und auf andere gefrorene Wolkenteilchen treffen. Diese können aneinander haften bleiben und bilden so das Graupelkorn.
| Merkmal | Hagel | Graupel |
|---|---|---|
| Größe | 5 mm oder größer | Kleiner als 5 mm |
| Struktur | Schichten von Eis | Überfrorene Schneeflocken |
| Entstehung | Starke Aufwinde, unterkühltes Wasser | Gefrorene Wolkenteilchen treffen aufeinander |
tags: #Hagel #Definition
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