Viele Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) der Kopfhaut fragen sich, ob sie ihre Haare färben oder tönen können. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, aber es gibt einige wichtige Punkte zu beachten, um die Kopfhaut nicht zusätzlich zu reizen und mögliche Komplikationen zu vermeiden.
Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, von der etwa 1,5 bis 2 Prozent der Deutschen betroffen sind. Bei etwa 50 bis 80 Prozent der Betroffenen tritt die Schuppenflechte auch auf der Kopfhaut auf, entweder als Teil der Psoriasis vulgaris oder als eigenständiges Krankheitsbild (Psoriasis capitis). Charakteristisch sind schuppende, juckende und entzündete Hautareale.
Die Kopfhaut wird durch Haarfarbe immer gereizt. Jede mechanische oder chemische Belastung der Haut kann eine Schuppenflechte verschlimmern (Köbner-Phänomen). Hinzu kommt, dass die Schutzfunktion der Hautbarriere bei einem aktuellen Psoriasis-Schub herabgesetzt ist. Dann können Stoffe der Haarfärbemittel leichter auch in die Haut eindringen. Das ist besonders riskant, wenn man offene Schuppenflechte-Stellen hat.
1. Fachgerechte Anwendung: Schonender für die Haut ist es, wenn die Haare fachgerecht, also zum Beispiel von einer Friseurin, gefärbt werden. Im Gegensatz zur Prozedur zuhause gelangt dann weniger Farbe direkt auf die Kopfhaut.
2. Wechselwirkungen beachten: Wer seine Psoriasis auf dem Kopf behandelt, sollte klären, ob es Wechselwirkungen des Arzneimittels mit dem Haarfärbemittels geben könnte. Sonst kommt es eventuell zu unerwünschten Farben oder zu Nebenwirkungen.
3. Allergie-Risiko: Künstliche Haarfarben enthalten Ammoniak und allergieauslösende Substanzen. Vor allem wegen der Allergene schreibt die EU-Kosmetikverordnung für Haarfärbemittel Warnhinweise vor: „Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt“.
4. Inhaltsstoffe prüfen: Zwei Farbstoffe lösen besonders intensiv Kontaktallergien aus: PPD (Para-Phenylendiamin) und PTD (Para-Toluylendiamin). Wer allergisch auf PPD reagiert, tut das auch auf den Ersatzstoff PTD. Wer aber erst einmal darauf allergisch reagiert, muss PPD-haltige Produkte meiden.
5. Allergietest beim Arzt: Wer wissen will, ob er allergisch auf PPD oder verwandte Stoffen reagiert, sollte beim Arzt einen Allergietest machen lassen. Ansonsten riskiere man, die Allergie durch den Kontakt erst auszulösen, so das BfR. Das trifft nicht zu auf diejenigen, die sich schon seit langem problemlos ihre Haare färben. Die werden vermutlich kaum noch eine PPD-Allergie entwickeln. Gefährdet seien aber alle, die bereits andere Allergien haben, wie z.B. auf Duftstoffe oder Nickel.
6. Natürliche Alternativen: Risikolos dagegen sind pflanzliche Haarfarben, sofern sie reine Naturstoffe sind. Aber selbst bei den als „natürlich“ angebotenen Pflanzenfarben kann man nicht sicher sein. So wurden in Tests krebsverdächtige und allergieauslösende Stoffe gefunden. Henna-Haarfarben enthielten z.B. PPD, damit es schneller geht und intensiver wirkt. Produkte ohne Angabe der Inhaltsstoffe sollte man meiden. Die Bezeichnung „Natur“ ist nicht geschützt.
7. Kopfhautschutz während des Färbens: Interessant wirkt ein neues Verfahren, bei dem während des Färbens die Kopfhaut abgedichtet wird. In jede Strähne wird ein kleiner Kamm eingeschoben. Die Zwischenräume zwischen den Zähnen sind mechanisch verschließbar. Damit wird die Kopfhaut an der Stelle abgedeckt und vor dem Färbemittel geschützt. Der Hersteller spricht davon, dass 99 Prozent des Farbstoffes abgehalten werden. Das Verfahren heißt Opilomed®, angelehnt an den Friseur- Fachbegriff "Opilieren" und bedeutet „blockieren" und "schützen“ (lat.).
TÖNEN UND Färben ist sehr wohl ein Unterschied. D.H. in jeder Farbe ob Tönung o.richtige Farbe liegen Pigmente vor. Bei der Tönung sind diese schon fertig zusammen gesetzt. Die Tönung hat eine positive Ladung, dein Haar eine negative. Bei der Farbe liegen die Pigmente zerkleinert in der Farbmasse. Die Farbcreme ist alkalisch. Ist notwendig, da um dein Haaar eine Schuppenschicht ist, die beim gesunden Haar aussieht, wie bei einem geschlossenen Tannenzapfen. Durch diese Alkali wird diese Schuppenschicht geöffnet und die noch kleinen Pigmente können ins Haar reinkrabbeln.
Einige Betroffene berichten, dass das Blondieren die Schuppenflechte sogar vorübergehend verbessert, da die Kopfhaut "weggeätzt" wird. Andere haben nach dem Färben mit starkem Juckreiz zu kämpfen. Es ist also sehr individuell, wie die Kopfhaut auf die Prozedur reagiert.
1. Milde Shampoos: Verwenden Sie hautfreundliche Shampoos und Styling-Produkte ohne Zusatzstoffe. Optimal sind Haarwasch-Produkte mit Harnstoff und Milchsäure als feuchtigkeitsspendende Faktoren.
2. Lauwarmes Wasser: Waschen Sie Ihre Haare nur mit lauwarmem Wasser und wählen Sie auch beim Föhnen nur die mittlere Temperaturstufe.
3. Duftstofffreie Produkte: Bei der Wahl von Styling-Produkten sollten Betroffene auf duftstofffreie und pH-neutrale Produkte zurückgreifen.
4. Schuppenentfernung: Verwenden Sie spezielle Lotionen oder Schäume mit Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure zum Aufweichen der Plaques.
5. Kopfhaut nicht waschen vor dem Färben: Was man beim Färben nie machen sollte: direkt vorm Färben die Haare waschen! Ich hab das einmal getan und hatte dann anschließend wochenlang große Schuppen am Kopf.
Die Behandlung der Psoriasis an der Kopfhaut ist eine besondere Herausforderung. Cremes und Salben lassen sich auf der Kopfhaut wegen der Haare nur schwer verteilen und fördern zudem das Nachfetten der Haare.
1. Schuppenentfernung: Im ersten Schritt der Behandlung versuchen Mediziner und Medizinerinnen den Schuppenpanzer auf der Kopfhaut zu durchbrechen bzw. abzulösen. Hierbei können medizinische Shampoos oder Cremes mit Inhaltsstoffen wie Salicylsäure helfen. Bei wunden Stellen auf der Kopfhaut und bei Kindern ist Vorsicht bei der Verwendung von Salicylsäure geboten. Gelangen größere Menge an Salicylsäure über die Kopfhaut in den Körper, kann es zu einer Intoxikation (Vergiftung) kommen. Daher sollte der Einsatz von Produkten mit diesem Wirkstoff vorab immer mit einer Dermatologin bzw. einem Dermatologen abgestimmt sein.
2. Entzündungshemmung: Nach der Entfernung der Schuppen ist es sinnvoll, Arzneimittel anzuwenden, die die Entzündungen der Kopfhaut behandeln. Zur Behandlung der Kopfhaut können Gele, Lotionen oder Schäume mit Glukokortikoiden (Kortison) oder Präparate mit Vitamin-D3-Abkömmlingen wie Calcipotriol verwendet werden. Reine Kortisonpräparate sind eine gute Möglichkeit, um einen akuten Schub zu behandeln.
3. UV-Lichttherapie: Ergänzend zur äußeren Pflege kann eine Therapie mit UV-Lichtkämmen bei der Behandlung der Kopfhaut helfen. Die eingesetzten UV-A- und UV-B-Strahlungen können die schnelle Zellteilung reduzieren und somit auch die übermäßige Produktion von juckenden Plaques verhindern. So können betroffene Areale besser abheilen. Die Bestrahlung erfolgt bei der Dermatologin bzw.
4. Systemische Therapien: Wenn die lokalen Behandlungen und die Lichttherapie keine ausreichende Wirkung zeigen oder aufgrund der starken Ausprägung nicht erfolgversprechend sind, können systemische Therapien wie z.B. Biologika verordnet werden. Diese Präparate wirken auf den ganzen Körper und greifen in die Abwehr-Reaktion ein. Sie hemmen gezielt Botenstoffe oder Enzyme, die Entzündungen auslösen, oder reduzieren die Bildung dieser Stoffe und unterbrechen bzw.
5. Natürliche Heilmittel: Als weiteres Naturheilmittel kann als Ersatz für das Standard-Teershampoo eine 5-prozentige Steinkohleteerlösung verwendet werden. Stiefmütterchenkraut als Tee oder Aufguss zur Durchführung von Waschungen kann zum Abheilungsprozess der Schuppenplaques auf der Kopfhaut beitragen.
Haarefärben bei Schuppenflechte ist möglich, erfordert aber besondere Vorsicht. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe, wählen Sie schonende Methoden und pflegen Sie Ihre Kopfhaut entsprechend. Im Zweifelsfall ist eine Beratung beim Hautarzt oder Friseur ratsam.
Einige Inhaltsstoffe in Shampoos können bei Schuppenflechte helfen, während andere vermieden werden sollten. Hier ist eine Tabelle, die einige gängige Inhaltsstoffe und ihre Auswirkungen zusammenfasst:
| Inhaltsstoff | Wirkung | Hinweise |
|---|---|---|
| Salicylsäure | Löst Schuppen | Vorsicht bei offenen Stellen und Kindern |
| Harnstoff | Feuchtigkeitsspendend | Gut verträglich |
| Milchsäure | Feuchtigkeitsspendend, löst Schuppen | Gut verträglich |
| Teer | Entzündungshemmend, antimykotisch | Kann unangenehm riechen, verfärben |
| Calcipotriol | Immunsuppressiv | Nicht für Kinder zugelassen |
| Kortikosteroide | Entzündungshemmend | Nur kurzzeitig und kleinflächig anwenden |
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