Haarentfernung mit Pinzette und Strom: Funktionsweise und Methoden

Haare werden an vielen Körperstellen als unästhetisch und störend empfunden. Neben den medizinischen Indikationen spielt das äußere Erscheinungsbild und der Wunsch nach glatter haarfreier Haut eine wesentliche Rolle bei der dauerhaften Haarentfernung. Gerade bei Frauen werden Haare im Gesichtsbereich, unter den Achseln und im Bikinibereich als störend empfunden, besonders, wenn diese dunkel sind und stark auffallen. Aber auch bei Männern können störende Haare schnell und sicher entfernt werden. Vor allem am Gesäß und im Rückenbereich neigen diese dazu wieder in die Haut einzuwachsen und entzündliche Pusteln zu bilden. Dies kann durch dauerhafte Haarentfernung verhindert werden.

Die dauerhafte Haarentfernung wird schon seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert und tausende Frauen wie Männer profitieren von professionellen Behandlungen. Der Mangel an Popularität und Gesellschaftsfähigkeit in Deutschland beruht vor allem auf den bisher meist viel zu hohen Preisen und der langen Behandlungsdauer.

Nadelepilation - wenn Laser und IPL nicht wirken...

Arten der Haarentfernung

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen temporären (zeitweiser) und dauerhafter Haarentfernung. Ebenfalls muss unterschieden werden, inwiefern nur der Haarschaft (bzw. dessen Abschnitt oberhalb der Haut), die Haarwurzel oder das gesamte Haarfollikel entfernt oder zerstört werden. In dieser Hinsicht wird zwischen einer Depilation und einer Epilation unterschieden.

Bei der Depilation wird der sichtbare Anteil des Haares entfernt, wie z.B. bei der Rasur. Zurück bleibt die Haarwurzel und die sie umgebenden Wurzelscheiden, aus denen sich ein neues Haar regeneriert. Während der Epilation wird das gesamte Haar, also auch die Haarwurzel entfernt. Dies kann das Haarwachstum entweder verlangsamen, eine zeitweise Haarfreiheit herbeiführen oder auch dauerhaft sein.

Entscheidend für eine dauerhafte Haarfreiheit ist nicht die Entfernung der Haarwurzel, sondern die Entfernung der Haarmatrixzellen in der Haarpapille. Beim „Waxing”, dem „Epilieren” oder der Haarentfernung mittels Pinzette wird das Haar mitsamt der Wurzel entfernt. Zurück bleibt die Haarpapille mit der Zellmatrix aus der sich ein neues Haar regeneriert. Da das Haar jedoch mitsamt der Wurzel entfernt wird, ist die Zeit, bis wieder ein Haarschaft durch die Haut sprießt, verlängert. Dauerhaft haarfrei wird man mit solchen Methoden nicht.

Dauerhaft Haare entfernen können nur professionelle Geräte, die nicht nur die Haarwurzel, sondern auch die Haarmatrixzellen beseitigen und somit eine Regeneration des Haares unmöglich machen. Den Goldstandard bilden hierbei moderne Licht/Lasersysteme.

Verschiedene Methoden im Überblick:

  • Rasur: Haare werden auf mechanischem Weg temporär entfernt. Vorteil: Einfache und rasche Durchführbarkeit Nachteil: Der Effekt hält nur kurz an. Haarbalgentzündungen, vor allem im Bereich gekräuselter Haare sind häufig.
  • Chemische Depilation: Enthaarungscremes, die vor allem Thioglykate enthalten. Der Effekt beruht auf einer Hydrolyse von Disulfidbrücken im Haarschaft. Vorteil: Der Effekt hält einige Tage an. Nachteil: Bei zu langen Wartezeiten nach dem Auftragen der Creme kann es zu lokalen Reizungen kommen. Sehr kräftige Terminalhaare lassen sich damit nicht entfernen. Ungeeignet für Personen mit empfindlicher Haut.

Die Elektro-Epilation (Nadelepilation)

Die Elektro-Epilation ist schon ein sehr altes Verfahren zur dauerhaften Haarentfernung. Bereits im Jahr 1875 arbeitete ein amerikanischer Arzt mit einem batteriebetriebenen Epiliergerät an der Entfernung von eingewachsenen Wimpern.

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Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wurden nun unterschiedliche Haarentfernungsmethoden entwickelt und erforscht.

Die Elektro-Epilation wird auch Nadelepilation genannt und in unserem Beispielfilm auf der Startseite sehen Sie, wie sie funktioniert. Jedes einzelne Härchen wird mittels einer sehr feinen Nadel aus der Wurzel gelöst und mit der Pinzette entfernt. Es ist die beste Methode der permanenten Haarentfernung, die in unserer Praxis seit 1973 sehr erfolgreich und effektiv angewendet wird.

Funktionsweise der Elektro-Epilation

Durch den Einsatz von hochfrequentem Wechselstrom findet eine Schädigung der Haarzellen statt. Entlang des Haares wird eine hauchdünne Sonde in den Haarkanal geführt (es wird bei jeder Behandlung eine neue sterile Sonde verwendet). Erst an der Haarwurzel wird für ca. 1 Sekunde ein Hochfrequenzstrom ausgelöst, durch den die Haarwurzel zerstört wird. Das Einführen der Sonde spüren Sie nicht, nur den Strom - als Wärme. Ist das Haar korrekt „koaguliert“ worden, so lässt es sich mitsamt dem Haarsäckchen (es enthält Fett und Farbstoff) ohne Widerstand herausnehmen.

Es gibt verschiedene Arten der Elektrolyse:

  • Elektrolyse: Hierbei wird durch Natriumhydroxid eine Gewebezerstörung im Bereich des Haarfollikels hervorgerufen. Niedrige Stromstärke lässt dieses im Haarfollikel entstehen und leitet so die Gewebedestruktion ein. Nachteil: Man benötigt eine Einwirkzeit von 30-60 Sekunden/Follikel (der Mensch besitzt ca. 100 Follikel/cm²). Regenerationsrate der Haare von bis zu 40%.
  • Thermolyse: Kurze hochfrequente Stromflüsse führen zur Follikeldestruktion. Nachteil: Man benötigt eine Einwirkzeit von 3-20 Sekunden/Follikel (s.o.).

Laser- und Lichttechnologien

Die neuste Lasertechnologie bietet Ihnen eine schnelle, sichere und effektive Entfernung unerwünschter Haare. Eine immer größere Anzahl an publizierten Studien bestätigt die Wirksamkeit und dauerhafte Effizienz der benutzten Laser/Lichttechnologie. Die dauerhafte Haarentfernung mit einem Diodenlaser ist äußerst attraktiv da man große Areale schnell und effizient behandeln kann. Dies wirkt sich, verglichen mit herkömmlichen Geräten, in einer erheblichen Verminderung der Behandlungspreise aus.

Durch selektive Photothermolyse wird der Haarfollikel entfernt. Vorteil: Dauerhafte Entfernung des Haares. Nachteil: Da nur Haare in der anagenen Phase entfernt werden können sind wiederholte Behandlungen notwendig. Dadurch ist die Gesamtbehandlung meist mit hohen Kosten verbunden.

Epilierer: Tipps und Tricks

Bis zu sechs Wochen glatte Beine, Achseln und ein haarfreier Intimbereich: Das gelingt mit Epilierern. Moderne Epilierer arbeiten so schonend, dass du von der Prozedur lediglich ein leichtes Ziepen bemerkst. Durch das Zupfen entsteht keine harte Schnittkante, wie sie eine Rasierklinge erzeugt. Tauchen die Härchen wieder auf, fühlen sie sich weich an.

Die Epilierer-Funktionsweise basiert auf blitzschnellen Bewegungen: Die Pinzetten befinden sich auf einer Walze, die du beim Einschalten zum Rotieren bringst. Dann greifen sie jedes einzelne Haar und zupfen es an der Wurzel aus. Da das Haar an einer tieferen Stelle entfernt wird als beim Rasieren, dauert es wesentlich länger, bis es nachwächst. Es ist übrigens nicht wahr, dass durch Epilierer weniger Haare sprießen. Sie fühlen sich nur zarter und weicher an und fallen durch die feine Spitze weniger auf. Auf das Haarwachstum hat die Prozedur keinen Einfluss.

Anwendungstipps für Epilierer

  • Bereite die Haut mit einem Bad oder einer Dusche vor. So lassen sich die Härchen einfacher auszupfen.
  • Halte das Epiliergerät im 90-Grad-Winkel Richtung Haut. Straffe diese mit der anderen Hand ein wenig.
  • Epiliere stets gegen die Wuchsrichtung.
  • Nimm dir Zeit für die Anwendung und fahre bedächtig über die Haut.
  • Idealerweise lässt du die Haare vor dem Epilieren auf maximal fünf Millimeter wachsen. Kürzer als 0,5 Millimeter sollten sie ebenfalls nicht werden.

Du kannst einige Epilierer unter Wasser nutzen, etwa unter der Dusche. Viele Menschen empfinden das als angenehmer, denn das warme Wasser öffnet die Poren und macht die Haut weicher. So lassen sich die Härchen leichter herauszupfen.

Laser, Shaver & Epilierer im Vergleich

Suchst du nach Lösungen für die Haarentfernung, begegnen dir außer Epilierern und Rasierern auch Lasergeräte. Laser- und IPL-Tools senden gebündelte Lichtstrahlen aus, die das Haarwachstum an der Wurzel stoppen, und zwar (quasi) dauerhaft. Die Wurzeln können sich regenerieren, sodass mitunter nach einiger Zeit doch wieder Härchen nachwachsen. Das sind allerdings in der Regel nicht mehr als rund 30 Prozent.

Laser und die IPL-Haarentfernung halten deine Haut für (fast) immer haarfrei, doch sie eignen sich nicht für jeden. Vor allem Menschen mit heller Haut und dunklem Haar erzielen Topergebnisse. Bei sehr heller Haut und hellem Haar sowie dunkler Haut und dunklem Haar funktioniert die Methode nicht. Hier ist die Epilation das Mittel der Wahl, um möglichst lange glatte Haut zu genießen.

Rasierer punkten durch ihre einfache Anwendung, lassen sich überall und auch ohne Stromquelle oder Akku nutzen, sofern du die Nassrasur bevorzugst. Für empfindliche Menschen kann die Epilation jedoch schmerzhaft sein. Auch können Rötungen und Pickelchen nach der Anwendung auftreten.

Idealerweise haben Epilierer zwischen 30 und 40 Pinzetten. Die Anzahl gilt als optimal für eine sanfte und effektive Haarentfernung.

Biologische Grundlagen des Haarwachstums

Das Körperhaar ist heutzutage ohne jegliche biologische Funktion. Lediglich die Kopfbehaarung dient zum Schutze vor intensiver Sonnenbestrahlung. Wimpern und Augenbrauen dienen dem Schutz des Auges vor herabfließendem Schweiß. Die restliche Behaarung des Menschen entbehrt jeglicher physiologischer Funktion. Abgesehen von den Hand- und Fußflächen besitzt der Mensch überall auf der Körperoberfläche Haare. Diese variieren stark in ihrer Dichte, Pigmentierung und ihrem Wachstum.

Schon in der 10. Entwicklungswoche entstehen beim Embryo die ersten Haare. Sie reifen aus embryonalen Follikelzellen heran und differenzieren sich mit zunehmendem Fortschritt der Schwangerschaft. Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat ist die Follikelbildung und Ausreifung abgeschlossen und die endgültige Follikelzahl ist erreicht.

Das ursprüngliche Lanugohaar (das Haar der Neu- und Ungeborenen) wandelt sich im Laufe der ersten Lebensjahre in bleibendes Haar um (Terminalhaar oder Vellushaar). Dieses ist dicker und meist auch pigmentiert. Das Vellushaar ähnelt dem Lanugohaar in seiner Feinheit, besitzt jedoch etwas Pigment. Es ist dünn, annähernd farblos und ist das normale Oberflächenhaar des menschlichen Körpers. Das Terminalhaar ist dick, lang und pigmentiert. Das Kopfhaar, die Augenbrauen und die Wimpern sind Terminalhaare.

Eine besondere Form der Terminalhaare ist das Sexualhaar. Es entsteht während der Pubertät aus Vellushaaren und kommt in den Achselregionen, der Schamgegend und bei Männern als Bart- und Körperbehaarung vor.

Aufbau der Haare

Der Haarfollikel besteht aus mehreren Komponenten:

  • Haarbulbus
  • Haarschaft
  • Haarwurzel

Dem Haarbulbus, der die Haarpapille und die versorgenden Blutgefäße und die Haarwurzel einschließt. Hier wird das Haar gebildet und wächst stetig Richtung Hautoberfläche vor.

Dem Schaft, der meist den Haarschaft enthält. Die Ausgänge der Talgdrüsen enden in diesem Bereich und der Muskel, der das Haar aufrichtet setzt hier an. Kurz unter der Hautoberfläche verengt sich der Haarschaft und geht in die Öffnung zur Hautoberfläche über.

Wachstumsphasen der Haare

Die Haare des Menschen wachsen nicht kontinuierlich, sondern durchlaufen geregelte Wachstumszyklen. Man unterscheidet mehrere Phasen des Haarwachstums:

  • Anagene Phase (in der das Haar wächst)
  • Katagene Phase (in der das Haar ruht, ein Übergangsstadium)
  • Telogene Phase (in der das Haar ausfällt)

Anagene Phase

Während der anagenen Phase wächst das Haar kontinuierlich in die Länge, von der Haarwurzel ausgehend. Über die Wurzelscheiden wird Keratin (Horn, wie bei unseren Nägeln auch) und Melanin (natürlicher Farbstoff des Menschen) an die Haarwurzel angelagert und bedingt somit das Längenwachstum und die Pigmentierung. In dieser Phase ist das Haar am anfälligsten gegenüber äußeren Einflüssen und kann leicht entfernt werden. Alle Laser/Lichtquellen nutzen diese Phase, um nicht nur das Haar selbst, sonder auch die Papille zu zerstören und somit einen Wiederwuchs des Haares zu verhindern. Die Dauer dieser Phase ist abhängig vom Hormonstatus und dem Körperareal.

Katagene Phase

In dieser Phase findet kein Längenwachstum mehr statt. Das Haar ruht, die Zellen hören langsam auf sich zu teilen und die Verbindung zwischen der Haarwurzel und den Wurzelscheiden beginnt sich aufzulösen. Die Matrixzellen sterben weitgehend ab, der verbleibende Rest geht in eine nicht-aktive, ruhende Phase über. Die Haarwurzel schrumpft durch Wasserabsonderung auf ca. 1/3 seiner ursprünglichen Länge und verhärtet sich dadurch. Die katagene Phase dauert mehrere Tage bis 2 Wochen. Nach Abschluss der katagenen Phase bleibt am unteren Pol des Haarschaftes eine verhornte Verdickung übrig (auch Haarkolben genannt), die einst die Haarwurzel war.

Telogene Phase

Das Haar ist vollständig von der Papille getrennt und wird abgestoßen. Durch Zug am Haarschaft kann es leicht aus dem Haarkanal herausgelöst werden, der Mensch merkt dies am Haarausfall. Jedes Haar durchläuft diesen Zyklus und wird irgendwann von selbst ausfallen. Die telogene Phase dauert ca. 3-4 Monate, kann aber auch, z.B. an den Beinen bis zu einem Jahr dauern. In der telogenen Phase regenerieren sich die Matrixzellen der Haarpapille. Sie haben während dieser Phase kaum eigene Stoffwechselaktivität und sind durch äußere Noxen (Einflüsse) nicht zu schädigen.

Auf unterschiedlichen Arealen unseres Körpers wachsen die Haare verschieden schnell und durchlaufen den Haarzyklus auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Auf der Kopfhaut befinden sich zum Beispiel 85% aller Haare in der anagenen Phase (Wachstumsphase). Diese Phase dauert auf der Kopfhaut 2-6 Jahre. Bei den Augenbrauen befinden sich nur ca. 10% der Haare in der anagenen Phase, die verbleibenden 90% ruhen. Diese 10% durchlaufen die Wachstumsphase in 4-8 Wochen also um einiges schneller als die Kopfhaare.

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