Täglich lassen sich viele Menschen die Haare beim Friseur schneiden oder schwingen die Schere zu Hause selbst, am Ende hat man eine neue Frisur und die alten Haare landen in der Regel im Müll. Dabei kann man mit einer Haarspende jemandem ganz einfach etwas Gutes tun.
Warum Haare spenden? Weil es Menschen gibt, die nach Krankheiten keine mehr haben und darunter sehr leiden. Besonders Kinder.
Für viele ist der Haarverlust das Schlimmste an der Erkrankung. "Gerade Frauen ohne Haare werden stigmatisiert", sagt die Friseurin und Zweithaarspezialistin Britta Hespos-Schröder.
Es kann viele Ursachen haben, dass Kinder ihr Haar verlieren:
Für Kinder ist der Verlust der eigenen Haare besonders schlimm: Haarausfall macht ihre Krankheit für alle sichtbar, viele werden dadurch ständig auf die Krankheit angesprochen oder sogar auf dem Schulhof gehänselt. Eine Perücke kann das ändern - besonders, wenn sie wie echtes Haar aussieht.
Echthaarperücken werden handgeknüpft und können daher mehrere tausend Euro kosten. Oft unerschwinglich für die Eltern kranker Kinder.
Besonders Menschen, die wegen einer Chemotherapie ihre Haare verloren haben, wünschen sich häufig eine Echthaarperücke.
Laut BVZ braucht man bis zu fünf Zöpfe für eine Perücke.
Diese haben gegenüber Kunsthaarperücken den Vorteil, dass sie länger haltbar sind. "Echthaarperücken kann man außerdem auch noch färben und die Frisur kann man verändern. Wobei es mittlerweile auch Kunsthaarperücken gibt, die man verändern kann", sagt Hespos-Schröder.
Generell übernehme die Krankenkasse die Kosten in Höhe des Preises einer Kunsthaarperücke: "Das sind etwa 420 Euro, bei Echthaarperücken muss die Kundin die Differenz selbst aufbringen, es sei denn, sie leidet an einer Allergie gegen Kunsthaar. Echthaarperücken kosten aber schnell 1.000 bis 2.000 Euro. Abgesehen davon, dass sie sich länger halten, sind sie auch notwendig.
"Wir setzen uns dafür ein, dass Betroffene einmal pro Jahr eine Echthaarperücke von der Krankenkasse erstattet bekommen, leider gibt es Kassen, die diese Leistung gar nicht mehr oder nur alle 24 Monate übernehmen", sagt Rausch.
BVZ Rapunzel in Rosenfeld: Dahinter steht der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten. Sie versteigern einmal im Jahr das gespendete Echthaar und spenden den Erlös an gemeinnützige Organisationen.
Der Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e. V. (BVZ) ist die zentrale Organisation für Fachkräfte und Betriebe in der Zweithaarbranche, die sich auf Haarersatzprodukte wie Perücken spezialisiert haben. Als anerkannter Verband für Leistungserbringer im Bereich medizinischer Hilfsmittel vertritt der BVZ die Interessen seiner Mitglieder gegenüber gesetzlichen Krankenkassen, politischen Institutionen und anderen relevanten Stellen.
Zu den zentralen Aufgaben des BVZ gehört die Unterstützung seiner Mitglieder in rechtlichen und beruflichen Fragen. Eine besonders wichtige Dienstleistung ist die kostenlose Rechtsberatung bei Problemen mit Krankenkassen. Darüber hinaus hilft der BVZ bei der Einhaltung gesetzlicher und qualitativer Standards.
Der BVZ engagiert sich intensiv in der Öffentlichkeitsarbeit, organisiert Fachmessen wie „DIE ZWEITHAAR“ und bietet über seine Plattformen wie die BVZ-App eine Möglichkeit zum Austausch und zur Weiterbildung für seine Mitglieder. Ein weiteres wichtiges Projekt des BVZ ist die Rapunzel-Aktion, bei der Haarspenden gesammelt werden.
Insgesamt sichert der BVZ nicht nur die Qualität und Professionalität in der Branche, sondern sorgt auch dafür, dass betroffene Kunden flächendeckend eine hochwertige Beratung und Versorgung erhalten.
Die Rapunzel-Aktion ist eine bedeutende Initiative des BVZ, die Menschen mit Haarverlust unterstützt. Durch die Sammlung von Haarspenden werden hochwertige Perücken hergestellt, die den Betroffenen nicht nur eine ästhetische Lösung bieten, sondern auch ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnen lassen. Die Perücken sind ein wertvolles Hilfsmittel, um die psychische Belastung durch den Verlust der Haare, insbesondere bei Krankheit, zu lindern.
Die Bedeutung von Haarspenden kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, insbesondere in Anbetracht der wachsenden Nachfrage nach hochwertigen Perücken. Viele Menschen, die an Krankheiten leiden, wünschen sich eine natürliche Lösung, um ihr Selbstbewusstsein und ihre Lebensqualität zurückzugewinnen. Leider reicht die Menge an verfügbaren Haarspenden oft nicht aus, um diesen Bedarf zu decken.
Die Herausforderung besteht darin, genügend gesunde Haare zu sammeln, die den strengen Qualitätsstandards entsprechen, um daraus Perücken herzustellen.
Um eine Haarspende korrekt durchzuführen, sind einige spezifische Richtlinien zu beachten.
Mindestens 30 Zentimeter lang sollten die Haare sein. Bei der Fertigung der Perücken gehen einige Zentimeter Länge verloren, aus einer Haarspende mit 30 Zentimetern Länge kann man eine schulterlange Perücke fertigen. Generell gilt: Je länger die Haare, desto besser.
Die Haare sollten mindestens 30 cm lang sein und dürfen nicht chemisch behandelt worden sein - sie dürfen also nicht gefärbt, gesträhnt oder dauergewellt sein. Vor der Spende müssen die Haare am Ansatz und an den Spitzen fest zusammengebunden werden, um ein Verfilzen zu vermeiden.
Darüber hinaus sollten die Haare in einem trockenen und guten Zustand sein. Viele Spender entscheiden sich, ihren abgeschnittenen Zopf mit nach Hause zu nehmen und ihn dann persönlich an die Haarkunst GmbH zu verschicken*.
Haare spenden - so geht's:
Spender, die Haare privat zusenden, sollten laut Rausch darauf achten, dass sie in einem oben und unten zugebundenen Zopf verschickt werden. "Lose Haare sind eine Katastrophe. Wir nehmen sie nicht an, denn Haare sind nicht glatt, sondern haben Schuppen wie Tannenzapfen und wenn sie durcheinander geraten, verhaken sie sich deswegen und verfilzen schnell", sagt Rausch.
Ein weiteres Kriterium sei, dass die Haare nicht chemisch behandelt worden sein dürfen, da dadurch die Haarstruktur aufgebrochen wird.
Die Haarspendenaktion des BVZ hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2009 erheblich entwickelt. Ursprünglich begannen wir mit nur 23 Zöpfen, doch mittlerweile werden jährlich beeindruckende 300 bis 400 kg Haare gesammelt. Diese Spenden werden versteigert, um hochwertige Perücken herzustellen, die insbesondere für Menschen, die eine Perücke brauchen, von großer Bedeutung sind.
Für die Herstellung einer hochwertigen Perücke werden in der Regel bis zu fünf Haarspenden benötigt. Diese Anzahl ist notwendig, da nicht alle Haare in einer Spende den erforderlichen Qualitätsstandards entsprechen. Einige Haare können beispielsweise zu kurz sein, chemisch behandelt worden sein oder andere Mängel aufweisen, die sie für die Verarbeitung ungeeignet machen.
Haarspenden kommen von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Oft sind es Personen, die aus persönlichen Gründen, wie dem Wunsch nach einem neuen Look oder einer Veränderung, ihre Haare kürzen möchten. Viele Schulen, Organisationen und soziale Gruppen organisieren Haarspendenaktionen, um Gemeinschaft und Solidarität zu fördern.
Die Entscheidung, Haare zu spenden, bietet sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Vorteile. Es ist eine aktive Form der Hilfe für Menschen in Not, insbesondere für Krebspatienten, deren Leben durch eine Perücke erheblich verbessert werden kann. Haarspenden sind auch ein Zeichen der Solidarität und Unterstützung für Menschen, die schwere gesundheitliche Herausforderungen bewältigen müssen. Viele Spender empfinden eine tiefe Zufriedenheit, wenn sie wissen, dass ihre Haare einen positiven Einfluss auf das Leben anderer haben.
Der Erlös aus der Versteigerung spendet der BVZ dann abzüglich der eigenen Kosten. "Letztes Jahr haben wir 197.000 Euro eingenommen und davon 167.000 Euro an die DKMS LIFE gespendet", sagt die Geschäftsführerin.
Die Organisation bietet Kosmetikseminare für Krebskranke an, um einen Umgang mit den äußerlichen Veränderungen durch die Erkrankung zu finden.
Ramona Rausch, Geschäftsführerin BVZ, (re.) und Ruth Neri, Geschäftsführerin ►DKMS LIFE bei der Scheckübergabe | Credit: BVZ
Die Haarspende-Auktion des BVZ erzielt jährlich einen sechsstelligen Betrag, der direkt in gemeinnützige Projekte fließt. Diese Erlöse unterstützen insbesondere die Stiftung Deutsche Kinder Krebshilfe und andere gemeinnützige Organisationen, was die Relevanz und den sozialen Wert dieser Aktion unterstreicht.
Zum Thema Haarspenden und der Rapunzel-Aktion gibt es auch verschiedene Videos und Medien, die auf den Webseiten des BVZ oder auf Plattformen wie YouTube verfügbar sind. Diese Videos zeigen oft den Prozess der Haarspende, die Geschichten von Spendern und Empfängern sowie die positiven Auswirkungen der Perücken auf das Leben der Betroffenen.
Haare spenden können auch Männer: Polizist Marco Dinaro aus Augsburg hat sich zwei Jahre lang seine Haare wachsen lassen und hat sie dann im Mai 2019 für eine Echthaar-Perücke gespendet. Bekommen wird die Perücke wohl ein kleines Mädchen, das unter Krebs leidet. 30 Zentimeter waren Dinaros Haare am Ende lang.
Auslöser für seine Spende war ein Gespräch mit einer Mutter, die ihm von der großen Freude ihrer krebskranken Tochter berichtete - sie hatte an dem Tag eine Echthaarperücke bekommen. Als Vater von zwei Töchtern hat ihn das sehr berührt und er beschloss nach dieser Begegnung, sich seine Haare wachsen zu lassen und sie dann für eine Perücke für ein krankes Kind zu spenden. Von seinem Dienststellenleiter hat er sich seine langen Haare vorher genehmigen lassen.
Es gibt viele Friseure, die die Haare umsonst oder günstiger abschneiden, wenn man sie spenden will.
Die Bremer Krebsgesellschaft empfiehlt Spendenwilligen, sich an die Internetseite "haare-spenden.de" oder an den Bundesverband der Zweithaarspezialisten Rapunzel (BVZ) zu wenden.
"Wir haben alle Friseure dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen", sagt Rausch, "Fragen Sie einfach nach, ob der jeweilige Friseur mitmacht, falls ja, schneidet er die Haare ab und schickt sie fachgerecht zu uns."
Der BVZ erhält aber auch von Privatpersonen Haarspenden. "Gehen Sie einfach zum Friseur Ihres Vertrauens, lassen Sie sich die Haare schneiden und senden Sie sie einfach selbst zu uns", sagt sie.
„Wir danken allen, die ihre Haare gespendet und uns geschickt haben. Die Aktion „Rapunzel“ wird unverändert fortgesetzt, jeder kann seine Haare spenden und an die Geschäftsstelle des BVZ schicken.
Haarkunst GmbH Bergstr.
Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten e.V.
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