Haare blondieren in der Schwangerschaft: Risiken und Alternativen

Können sich Schwangere wie gewohnt die Haare färben, blondieren oder tönen? Alles rund um den Umgang mit Haarfarben in der Schwangerschaft.

Wer schwanger ist, betrachtet viele Dinge plötzlich mit neuen Augen: was kann ich noch essen, wie intensiv darf der Sport sein und welche Stoffe können eventuell schädlich für das Ungeborene sein? In diesem Zusammenhang schweifen die Gedanken unweigerlich zum nächsten Friseurbesuch. Denn wer sich regelmäßig die Haare färben, blondieren oder tönen lässt, erinnert sich sicher auch an die Gerüche, die von den Färbemitteln ausgehen - kann das gesund sein?

Grundsätzlich spricht nach aktuellem Wissensstand nichts dagegen, auch in der Schwangerschaft deine Haare zu färben - dies gilt übrigens auch für das Blondieren oder Tönen deiner Haare. Die verschiedenen Techniken der Coloration differenzieren sich durch ihre Intensität und Haltbarkeit - und damit auch in den enthaltenen Inhaltsstoffen. Auf dieser Grundlage kommen manche Expert*innen zu der Empfehlung, dass das Tönen oder Blondieren prinzipiell empfehlenswerter für Schwangere sei als etwa das komplette Färben der Haare.

Lass dich unbedingt verwöhnen! Damit sollte auch klar sein: Es gibt keinen „Cut-off-Point“, nach dem Haare färben in der Schwangerschaft strikt verboten wäre. Und trotzdem solltest du dich und dein Wohlbefinden nicht hinten anstellen.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung bestehen für Haarfärbemittel keine Risiken während der Schwangerschaft und Stillzeit. Daher gibt es auch keine offiziellen Empfehlungen, die sich explizit gegen oder für bestimmte Produkte aussprechen.

Es gibt bislang keine eindeutigen Beweise dafür, dass das Färben oder Blondieren der Haare deinem Baby schadet. Es gibt jedoch keine belastbaren Studien, die einen Zusammenhang zwischen Haarfärbemitteln und Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen herstellen.

Dennoch wird der Einsatz von Färbemitteln von Expert*innen weiterhin kontrovers diskutiert. Wende dich im Zweifel immer an deine*n Gynäkolog*in.

16. SSW | Haare färben in der Schwangerschaft? Ja oder Nein?

Was passiert beim Färben, Blondieren und Tönen der Haare?

Um die Farbe dauerhaft im Haar zu verankern, muss die Struktur der Haare aufgebrochen werden. Dies lässt sich über sogenannte Oxidationsmittel erreichen, die es den Farbpigmenten ermöglichen, in die inneren Schichten der Haare zu gelangen. Auch Blondierungen setzen auf Oxidationsmittel, um die Haarfarbe dauerhaft zu verändern. Dem Haar werden Pigmente entzogen, damit es heller erscheint.

Das Tönen der Haare ist im Gegensatz zum Färben keine dauerhafte Veränderung. Die Tönung legt sich lediglich um das Haar und dringt nicht in das Innere ein. Daher wäscht sich die Farbe nach und nach aus und verblasst mit jeder Haarwäsche.

Welche Mengen an chemischen Inhaltsstoffen beim Färben, Tönen und Blondieren über die (Kopf-)Haut in den Körper gelangen, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen etwa, wie häufig man sich die Haare färbt, wie viel Kopfhaut mit der Haarfarbe direkt in Berührung kommt und ob die Haut gesund und unverletzt ist.

Schwangere Friseurinnen können ebenfalls unbesorgt weiterhin mit Haarprodukten arbeiten, sofern diese der Europäischen beziehungsweise Schweizer Kosmetikverordnung entsprechen und damit als ungefährlich für die Gesundheit eingestuft werden.

Die Begriffe „Pflanzenhaarfarbe“ oder „Naturhaarfarbe“ sind keine geschützten Begriffe und sagen nichts darüber aus, ob sie konventionellen Haarfärbemitteln vorzuziehen sind. Auch wenn Hersteller mit Produkten „ohne Chemie“ werben, ist das wenig aussagekräftig. Denn Chemie ist in allem, was uns umgibt und somit nicht pauschal zu verteufeln. Bevor du dich also auf vermeintlich vielversprechende Claims verlässt, achte eher darauf, dass das Produkt eine entsprechende Zertifizierung und Zulassung hat.

In der EU dürfen Haarfarben höchstens zwei Prozent PPD enthalten. Außerdem sind Kupplersubstanzen als Inhaltsstoffe vorgeschrieben, denn sie verhindern die Entstehung der gesundheitsschädlichen Bandrowski-Base, die das Erbgut verändern kann und Allergien fördert.

Um ihre Haarfarben in der EU verkaufen zu dürfen, müssen die Hersteller dafür sorgen, dass die Inhaltsstoffe den strengen Sicherheitsanforderungen genügen. Dafür müssen sie die Produkte toxikologisch bewerten lassen. Dies regelt die Europäische Kosmetikverordnung, an die auch die Schweizer Verordnung für kosmetische Mittel angepasst ist.

Haarfarben müssen strengen Vorgaben entsprechen, um in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassen zu werden. Produkte ohne Zulassung sind trotzdem oft erhältlich -zum Beispiel über das Internet.

Sowohl chemische als auch pflanzliche Haarfarben von Herstellern außerhalb Europas und der Schweiz können dann gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. So warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung etwa vor Henna-Haarfärbemittel aus Asia-Shops, die mitunter PPD ohne Kupplersubstanzen enthalten. Sie stellen eine erhebliche Gesundheitsgefährdung dar.

Auch Haarglättungsmittel ohne EU-Zulassung enthalten möglicherweise riskante Substanzen, etwa Formaldehyd, das Augen, Haut und Schleimhäute stark reizen kann, hochallergen und Krebs erzeugend ist. Durch die Behandlung mit dem heißen Glätteisen werden die giftigen Dämpfe dann eingeatmet. In der EU wie auch in der Schweiz ist Formaldehyd in Haarglättungsmitteln nicht zugelassen.

Empfehlungen für die Anwendung von Haarfarben während der Schwangerschaft

Frauenärzte empfehlen daher, vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft (1. Trimester) auf das Färben der Haare zu verzichten. Im 2. und 3. Trimester ist das Ungeborene in der Regel weniger anfällig dafür, in seiner Entwicklung durch Chemikalien geschädigt zu werden.

Ab wann und ob Schwangere überhaupt ihre Haare färben sollten, klären Sie am besten mit Ihrem Gynäkologen oder Ihrer Gynäkologin ab.

Nicht nur das Färben, auch das Blondieren während der Schwangerschaft halten Experten für gesundheitlich unbedenklich. Die chemischen Inhaltsstoffe treten kaum in den Blutkreislauf über und gelangen daher wahrscheinlich nicht zum ungeborenen Kind.

Um kein Risiko einzugehen, können Frauen sich darauf beschränken, lediglich einzelne Strähnchen zu blondieren oder nur die untere Partie der Haare zu bleichen (etwa mit Balayage, einer speziellen Färbetechnik).

Auch bei Tönungen gehen nach derzeitigem Kenntnisstand kaum Inhaltsstoffe über die Haut in den Körper über. Daher gelten sie auch in der Schwangerschaft als gesundheitlich unbedenklich. Schwangere sollten mit einer Tönung sicherheitshalber trotzdem bis zum 2. Trimester warten.

Welche Haarfarbe eignet sich für Schwangere?

Es gibt drei Arten von Haarfärbemitteln:

  • Temporäre Färbemittel (wie Farbshampoos, Farbfestiger): Die Farbstoffe lagern sich an der Oberfläche des Haares ab, das Farbergebnis hält ein bis zwei Haarwäschen.
  • Semipermanente Färbemittel (Tönungen): Die Farbstoffe dringen in die Haarfaser ein. Eine semipermanente Haarfärbung hält etwa acht bis zehn Haarwäschen.
  • Permanente Färbemittel (Oxidative Haarfarben): Sie färben das Haar vollständig durch. Die Farbe bildet sich erst durch eine chemische Reaktion aus einer zuvor farblosen Vorstufe. Oxidative Haarfarben sind nicht auswaschbar.

Viele Haarfarben gibt es auch ohne Ammoniak, das - unabhängig von einer Schwangerschaft - die Atemwege reizen kann.

Naturhaarfarben färben das Haar mithilfe pflanzlicher Inhaltsstoffe. Auch erstes Grau lässt sich damit abdecken. Pflanzliche Haarfarben haben jedoch ihre Grenzen: Sie dunkeln Haare nur um etwa eine Stufe ab. Eine Blondierung oder Aufhellung ist nicht möglich, da hierfür ausschließlich chemische Oxidationshaarfarben infrage kommen.

Rein pflanzliche Haarfarben aus Henna oder Indigo gelten auch in der Schwangerschaft als sicher. Eine Zeit lang stand das in Henna enthaltene Pigment Lawson zwar unter Verdacht, das Erbgut zu schädigen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam nach Auswertung der Studien aber zu dem Ergebnis, dass „nach heutigem Wissen kein erbgutschädigendes Risiko“ besteht.

Pflanzenhaarfarben haben ein geringeres Allergiepotenzial als chemische Oxidationshaarfarben. Eine allergische Reaktion kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden.

Wenn du es in den ersten drei Monaten aushalten kannst, warte mit dem Haarefärben. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe. Konventionelle Haarfarben enthalten oft Ammoniak, Parabene oder andere chemische Substanzen, die über die Kopfhaut aufgenommen werden könnten.

Ammoniakfreie Farben: Viele Friseure oder auch Farben aus dem Handel bieten mittlerweile Haarfarben ohne Ammoniak an, die deutlich sanfter zur Kopfhaut sind.

Strähnchen statt Ganzfärbung: Wenn du nur bestimmte Partien färbst, kommt die Farbe kaum in Kontakt mit der Kopfhaut - eine sanfte Lösung, um deinen Look aufzufrischen.

Haare färben in der Stillzeit

Mit dem Ende der Schwangerschaft schließt sich meist direkt die nächste Frage an: Darf ich in der Stillzeit meine Haare färben? Auch die Stillzeit gilt als sehr sensible Phase in der Entwicklung von Babys. Über die Muttermilch können nicht nur Nährstoffe in vom Kreislauf der Mutter auf das Kind übergehen.

Es wird vermutet, dass potenziell auch Schadstoffe weitergeben werden könnten. Doch hierfür müsste sich zunächst eine entsprechend hohe Konzentration des fraglichen Stoffes in der Blutbahn der Mutter anreichern.

Daher gilt es auch in der Stillzeit nach derzeitigem Kenntnisstand als unbedenklich, sich die Haare zu färben.

Auch die Stillvorbereitung kommt nicht zu kurz. Du kannst Dich in jedem Fall von Deinem Friseur beraten lassen welche Produkte er zum Haare färben in der Schwangerschaft empfiehlt. Farben auf Naturbasis sind meist deutlich verträglicher und werden inzwischen vorzugsweise von den Friseuren angewandt.

Allergische Reaktionen

Japanische Forschungsdaten von mehr als 77.300 Menschen zeigen jedoch auch: Kinder von Frauen, die sich während der Schwangerschaft sehr oft selbst die Haare färbten, litten im Kleinkindalter häufiger an allergischer Rhinitis (wie Heuschnupfen).

Generell haben die Inhaltsstoffe insbesondere von dauerhaften Colorationen ein hohes Allergiepotenzial. Für schwangere Frauen sind allergische Reaktionen unter Umständen besonders gefährlich, weil gängige Allergiemedikamente während der Schwangerschaft oft nicht infrage kommen.

Allergische Reaktionen äußern sich beispielsweise als Hautrötung, Juckreiz und Schwellung (Kontaktekzem). Es ist nicht ratsam, das Färbemittel vor der Anwendung an einer kleinen Hautstelle zu testen, obwohl viele Hersteller genau das empfehlen. Laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann ein solcher Selbsttest das Allergierisiko zusätzlich erhöhen.

Bei Fragen oder Bedenken sollten Sie sich an eine dermatologische Praxis wenden, bevor Sie Ihre Haare färben.

Checkliste: Tipps zum Färben und Blondieren in der Schwangerschaft

Wenn Sie nach den ersten drei Schwangerschaftsmonaten zu Färbemitteln greifen möchten, können Sie einiges tun, um die Sicherheit für Mutter und Kind zu erhöhen.

  • Zunächst ist ein Besuch im Friseursalon zu empfehlen, wenn Sie Ihre Haare in der Schwangerschaft färben oder blondieren möchten. Die Profis wenden Methoden an, wodurch die Kopfhaut kaum mit Farbe in Berührung kommt.
  • Kaufen Sie Haarfärbemittel, die den Vorgaben der EU oder Schweizer Behörden entsprechen, und seien Sie vorsichtig bei Haarprodukten aus dem nicht-europäischen Ausland.
  • Färben Sie Ihre Haare nur dann, wenn Ihre Kopfhaut gesund und unverletzt ist.
  • Reduzieren Sie den Hautkontakt auf ein Minimum.
  • Tragen Sie undurchlässige Gummihandschuhe.
  • Wenden Sie die Haarfarbe in gut belüfteten Räumen an.
  • Lassen Sie das Mittel nicht länger als nötig einwirken.
  • Spülen Sie die Farbe gründlich aus.
  • Bleichen Sie nicht das komplette Haar, sondern beschränken Sie sich auf Strähnchen oder kopfhautferne Haarpartien.
  • Rein pflanzliche Haarfarben sind eine sichere Alternative zu chemischen Haarfarben.
  • Auch Färbeshampoos mit natürlichen Farbstoffen aus Walnuss, Kastanie oder Kamille frischen die Haarfarbe schonend auf und sind gesundheitlich unbedenklich.

Übrigens: In der Schwangerschaft verändert sich durch die Hormonumstellung der ganze Körper - bis in die Haarspitzen, denn Hormone beeinflussen die Haarstruktur. Die Haarfarbe fällt also mitunter anders aus, als Sie es vielleicht vorher gewohnt waren. Auch bei einer Tönung müssen Schwangere damit rechnen, einen anderen als den erwarteten Effekt zu erzielen. Wenn Sie sich in der Schwangerschaft oder Stillzeit die Haare färben möchten, lassen Sie sich am besten von einer Friseurin oder einem Friseur beraten.

Hausmittel zum Haare färben: Alternative in der Schwangerschaft?

Jeder Schwangeren sollte es selbst überlassen bleiben, womit sie sich wohlfühlt - ob mit oder ohne Haarefärben.

Um Deinem Haar eine hellere Nuance zu verleihen, kannst Du Zitrone und Kamille verwenden. Zwar wird das Ergebnis nicht mit einer echten Blondierung zu vergleichen sein, aber eine gewisse Nuance heller erscheint es in jedem Fall. Verwende frisch gepressten Zitronensaft, den Du gleichmäßig in Deinem Haar verteilst. Du kannst zusätzlich etwas Backpulver und Honig untermischen.

Kamille ist sehr sanft zu den Haaren und hellt die Haare nur sehr langsam auf. Wenn Du noch nie mit natürlicher Haarfarbe gefärbt hast, solltest Du auch nicht allzu große Erwartungen haben. In jedem Fall ist es eine Alternative gegenüber den klassischen Färbemitteln und frei von Nebenwirkungen.

Du möchtest Dein Haar dunkler haben? Dann sind schwarzer Tee und Kaffee eine gute Alternative. Greife bei Schwarzen Tee aber bitte nicht auf ein Discounterprodukt zurück, sondern auf reinen Schwarztee aus dem Fachhandel. Du setzt 3 Esslöffel von dem Tee mit 300 ml Wasser auf und lässt den Sud gut 30 Minuten ziehen. Währenddessen am besten die Haare mit einem milden Shampoo waschen und handtuchtrocken rubbeln. Jetzt den Sud in eine Schüssel geben das Haar darin tränken.

Bitte beachte: Die Inhalte dieses Artikels sollen dir allgemeine Informationen und Hintergrundwissen vermitteln und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Anregungen und Tipps ersetzen keine fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Hebamme.

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