Haare auf dem Bauch: Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Stärkerer Haarwuchs an Brust und Bauch tritt oft bei Männern auf und wird durch höhere Mengen an Androgenen, also männlichen Hormonen, verursacht, die das Haarwachstum anregen. Dennoch hat eine nicht unerhebliche Anzahl von Frauen mit unerwünschter Behaarung zu kämpfen. Einige Frauen haben Haare auf der Brust oder am Bauch. Auch dies hat eine hormonelle Ursache und ist häufig genetisch bedingt. Folglich kann die jeweilige Ausprägung variieren. Statt einem leichten Haarflaum werden kräftige dunkle Haare ausgebildet. Dies führt oftmals zu Frustration und einer verminderten Empfindung der eigenen Weiblichkeit.

Unerwünschter Haarwuchs an ungewöhnlichen Stellen wie Brust oder Bauch wird medizinisch als Hirsutismus bezeichnet. Ein leichter Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) kann dazu führen, dass verstärkt dunkle, kräftige Haare wachsen. Zum Beispiel ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) - eine häufige hormonelle Störung - dafür bekannt, vermehrten Haarwuchs bei Frauen auszulösen. Aber auch ohne Krankheitswert kann die individuelle genetische Veranlagung bewirken, dass Sie mehr Haare an Brust oder Bauch entwickeln als andere. Solcher Haarwuchs ist weit verbreitet und meist gesundheitlich unbedenklich.

Wenn Sie plötzlich ungewöhnlich starken Haarwuchs bemerken, kann zwar eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein - in den meisten Fällen jedoch handelt es sich um ein rein kosmetisches Problem, bei dem wir Ihnen helfen können. Kaum etwas wirkt so sinnlich und gepflegt wie glatte Haut an Brust und Bauch. Viele Frauen empfinden eine haarfreie Haut in diesen Zonen als wichtig für ein attraktives Erscheinungsbild und als Teil ihres Schönheitsideals. Werden die störenden Härchen entfernt, steigt oft unmittelbar das Selbstbewusstsein, im Bikini am Strand oder im Alltag vor dem Spiegel.

In diesem Artikel werden wir die Ursachen für Haare auf dem Bauch bei Frauen genauer betrachten und Behandlungsoptionen aufzeigen.

Was ist Hirsutismus?

Diese Hormonstörung macht mich kaputt: Das PCO Syndrom hat jede 10. | reporter

Unter Hirsutismus versteht man einen sehr starken Haarwuchs bei Frauen, der eher dem männlichen Behaarungsmuster entspricht. Charakteristisch sind etwa ein „Damenbart“ oder Haare an Brust und Rücken. Frauen mit Hirsutismus haben einen sehr starken Haarwuchs, der eher der typischen männlichen Körperbehaarung entspricht. Zum Beispiel wachsen vermehrt dicke und dunkle Haare am Kinn und auf der Oberlippe, am Oberkörper oder Po. Zudem ist die Behaarung unter den Achseln und im Genitalbereich oft stark ausgeprägt - ähnlich wie bei Männern.

Dieser sehr starke Haarwuchs kann nach der Pubertät bei Frauen auftreten, deren Körper zu viele männliche Geschlechtshormone bildet.

Symptome von Hirsutismus

  • Starke Behaarung an Körperstellen, an denen normalerweise nur Männer kräftige Haare haben (z.B. Kinn, Oberlippe, Brust, Rücken).
  • Zudem wachsen die Haare im Genitalbereich oft bis auf den Oberbauch oder die Innenseiten der Oberschenkel.
  • Bei manchen Frauen treten zudem Symptome einer sogenannten Vermännlichung auf.

Ursachen von Hirsutismus

Auch Frauen haben männliche Geschlechtshormone (Androgene) im Körper, aber in der Regel deutlich weniger als Männer. Die Menge an Androgenen beeinflusst, wo welcher Haartyp wächst. Bei Jungen in der Pubertät werden dadurch die Haare im Gesicht dicker und dunkler, der Bartwuchs beginnt. Auch am restlichen Körper verändert sich die Behaarung. Nimmt der Anteil an Androgenen im Körper der Frau zu, kann es zu einer solchen eher für Männer typischen Ausprägung der Körperbehaarung kommen.

Mit bis zu 80 Prozent ist das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) die häufigste Ursache für einen ausgeprägten Hirsutismus. Andere Ursachen für Hirsutismus sind seltener.

Weitere Ursachen für vermehrte Bauchbehaarung

  • Idiopathischer Hirsutismus: In neun von zehn Fällen hat Hirsutismus keine erkennbaren krankhaften Ursachen. Ärzte sprechen dann von einem idiopathischen Hirsutismus. Bei vielen Frauen ist der verstärkte Haarwuchs schlicht Veranlagung. Ihre Haarfollikel reagieren vermutlich von Natur aus besonders empfindlich auf männliche Sexualhormone (Androgene).
  • Hormonelle Störungen: Seltener lässt sich ein bestimmter Auslöser feststellen, etwa eine hormonelle Störung. Bestimmte Hormone sind dann im Übermaß vorhanden. Ein möglicher Hinweis auf eine hormonelle Ursache sind zusätzliche Symptome einer Vermännlichung.
  • Androgenitales Syndrom: Die Nebennieren bilden durch einen Enzymdefekt zu wenig Kortisol und oft auch zu wenig Aldosteron.
  • Cushing-Syndrom: Bei dieser Erkrankung ist das Hormon Kortisol im Körper aus unterschiedlichen Gründen im Übermaß vorhanden. Zusätzlich kann ein Überschuss an männlichen Hormonen entstehen.

Diagnose von Hirsutismus

Die Diagnose Hirsutismus ergibt sich für den Arzt unmittelbar aus dem charakteristischen männlichen Behaarungstyp einer Patientin: An Stellen wie Kinn, Oberlippe oder Brust finden sich vermehrt die kräftigen Terminalhaare. Der Arzt oder die Ärztin wird im nächsten Schritt herausfinden wollen, ob bestimmte Erkrankungen oder Medikamente den Hirsutismus hervorgerufen haben. Verschiedene Blutwerte geben Aufschluss darüber, ob der Hirsutismus eine hormonelle Ursache hat und welche Erkrankung dahinterstecken könnte. Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen sinnvoll.

Behandlung von Hirsutismus

Bei einem mild ausgeprägten Hirsutismus ist eine Behandlung - rein medizinisch betrachtet - meist nicht nötig. Ob der übermäßige Haarwuchs stört oder nicht, ist individuell sehr unterschiedlich. Viele Frauen fühlen sich aber wohler damit, die Haare zu entfernen.

Kosmetische Methoden zur Haarentfernung

  • Blondierungscremes mit Wasserstoffperoxid („Bleichen“)
  • Enthaarungscremes
  • Rasieren
  • Wachsen
  • Auszupfen, entweder mit einer Pinzette oder einem elektrischen Epiliergerät

Bei diesen kosmetischen Verfahren wachsen die Haare nach einer gewissen Zeit wieder nach, da die Haarwurzeln intakt bleiben. Es ist möglich, dass bei der Anwendung Hautreizungen auftreten.

Professionelle Haarentfernung

Um die Haare dauerhaft und sachgerecht entfernen zu lassen, kann man eine Fachärztin oder einen Facharzt aufsuchen. Hier kommen zwei Methoden infrage: die Photoepilation und die Elektrolyse. Bei der Photoepilation werden Haarfollikel mithilfe von Licht geschädigt, bei der Elektrolyse mit Strom. In beiden Fällen wachsen die Haare weniger oder gar nicht mehr nach. Auch bei diesen Verfahren sind Nebenwirkungen möglich.

Medikamentöse Behandlung

Bei Frauen mit einem sehr ausgeprägten Hirsutismus kommen die Haare trotzdem oft wieder zurück. Dann können zusätzlich Medikamente helfen. Hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen wie die Antibabypille können die Menge männlicher Geschlechtshormone im Körper senken. Sie eignen sich jedoch nur für Frauen, die aktuell nicht schwanger werden möchten. Andere Arzneimittel hemmen die Aufnahme von Androgenen im Körper. Alle diese Medikamente können Nebenwirkungen haben. Es ist daher wichtig, gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt den möglichen Nutzen und die Risiken abzuwägen.

Frauen mit Hirsutismus wird empfohlen, die Medikamente mindestens 6 Monate lang zu nehmen. Erst dann zeigt sich, ob die Behandlung anschlägt oder nicht.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

  • Gewichtsabnahme: Hat ein PCO-Syndrom den Hirsutismus begünstigt, kann bei übergewichtigen Frauen eine Gewichtsabnahme den Hormonhaushalt positiv beeinflussen.
  • Metformin: Da bei einem PCO-Syndrom häufig der Zuckerstoffwechsel gestört ist, kann auch eine Behandlung mit dem Antidiabetikum Metformin infrage kommen, welches als Tablette eingenommen wird.
  • Antiandrogene: Eine Alternative ist die Behandlung mit sogenannten Antiandrogenen oder der „Antibabypille“.
  • Eflornithin-Creme: Bei übermäßiger Gesichtsbehaarung steht der Wirkstoff Eflornithin als Creme zur Verfügung.

Das Rapunzel-Syndrom: Wenn Haare zur Gefahr werden

In seltenen Fällen kann das zwanghafte Essen von Haaren (Trichophagie) zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Als Folge können sich die Haare zu einem sogenannten "Trichobezoar" im Magen zusammenballen. Diese seltene Komplikation des Haar-Fraßes nennen Mediziner "Rapunzel-Syndrom".

Über das "Rapunzel-Syndrom" wurde 1968 erstmals berichtet, weltweit sind nur einige Dutzend Fälle dokumentiert. Es ist benannt nach der gleichnamigen, langhaarigen Märchenfigur der Brüder Grimm. Bei Betroffenen schlängeln sich die Haarknäuel durch Magen und Darm. Neben Bauchschmerzen und Übelkeit kann das "Rapunzel-Syndrom" Depressionen sowie Persönlichkeitsstörungen hervorrufen und kann im Extremfall sogar tödlich enden.

Erst vor kurzem mussten Mediziner einem jungen Mädchen einen riesigen Haarklumpen aus dem Bauch operieren. Sie litt unter dem Rapunzel-Syndrom. Dabei bilden sich lebensgefährliche Haarknäuel im Magen-Darm-Trakt.

Symptome und Warnzeichen des Rapunzel-Syndroms

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Verstopfungen
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Haare essen

Das Haarknäuel ist nicht einfach zu diagnostizieren und nur mittels Ultraschall, Gastroskopie oder Computertomographie feststellbar.

Haarklumpen im Magen-Darm-Trakt müssen chirurgisch entfernt werden, damit Patienten nicht daran versterben. Die Grunderkrankung, die dahinter steckt und dazu führt, dass die Betroffenen Haare essen, ist damit allerdings noch nicht behandelt. Diese Ursachen müssen psychiatrisch abgeklärt und psychotherapeutisch behandelt werden.

Zusammenhang zwischen PCO-Syndrom und PSA-Werten

In einer kürzlich veröffentlichten Studie haben Forscher herausgefunden, dass bei PCO-Patientinnen erhöhte Werte des Prostata-spezifischen Antigens (‚PSA’) gemessen werden können. Unter diesem komplizierten Begriff verstehen Mediziner ein Eiweiß, das bei Männern in der Prostata (‚Vorsteherdrüse’) und bei Frauen in bestimmten Drüsen im Scheidenbereich hergestellt wird. Besonders an diesem Eiweiß ist eigentlich, dass eine erhöhte Konzentration auf Krankheiten wie Prostatakrebs oder eine Prostataentzündung hinweisen kann. Anscheinend trifft das jedoch auch bei einer PCO-Erkrankung zu.

Zusammenfassende Tabelle: Ursachen und Behandlungen von Hirsutismus

Ursache Behandlung
Idiopathischer Hirsutismus Kosmetische Haarentfernung, Eflornithin-Creme
PCO-Syndrom Gewichtsabnahme, Metformin, Antiandrogene, Antibabypille
Androgenitales Syndrom Cortisol-Einnahme
Cushing-Syndrom Tumorentfernung (Hypophyse oder Nebenniere), Rücksprache bei Cortisontherapie

tags: #haare #auf #dem #bauch #ursachen

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen