Haarausfall durch Schilddrüsenerkrankung: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im vorderen Halsbereich befindet und eine entscheidende Rolle in unserem Körper spielt. Sie produziert wichtige Hormone, die viele unserer Körperfunktionen regulieren - von der Temperaturregulierung bis hin zum Stoffwechsel.

Die Ursachen für Haarausfall können vielseitig begründet sein - unter anderem in einer Fehlfunktion der Schilddrüse. Über die Schilddrüsenhormone werden lebenswichtige Körperfunktionen gesteuert, auch das Haarwachstum. Häufige Fehlfunktionen sind eine Unter- (Hypothyreose) sowie eine Überfunktion (Hyperthyreose) der Schilddrüse. Dabei werden zu wenige oder zu viele Hormone produziert und ausgeschüttet.

Im folgenden Beitrag werden Hintergründe über den Haarausfall im Zusammenhang mit der Schilddrüse vorgestellt. Dabei werden Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten beleuchtet.

Die Schilddrüse und ihr Einfluss auf den Haarausfall.

Wie die Schilddrüse das Haarwachstum beeinflusst

Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3), die über den Blutkreislauf in die Haarfollikel gelangen und dort das Haarwachstum beeinflussen. Diese Hormone steuern die Zellerneuerung und den Stoffwechsel der Haarzellen, was das Wachstum der Haare direkt unterstützt.

Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) beeinflussen den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Das Haarwachstum wird in den Haarfollikel gesteuert, diese haben einen natürlichen Kreislauf. Wird dieser Kreislauf durch zu wenige oder zu viele Hormone aus der Schilddrüse gestört, kommt es zu Veränderungen im Haarwachstum bzw. einem Ausfall von Haaren.

Die Diagnose der Schilddrüsenüber oder -unterfunktion ist oft nicht einfach. Denn es können sehr viele Symptome zusammentreffen, die einzeln betrachtet ebenfalls auf andere Erkrankungen hinweisen können.

Der natürliche Kreislauf der Haarfollikel:

  • Wachstumsphase (Anagenphase): Die Haare wachsen aktiv.
  • Übergangsphase (Katagenphase): Das Haarwachstum kommt auf natürliche Weise zum erliegen, da die Nährstoffzufuhr vom Körper nach und nach eingestellt wird.
  • Ruhephase (Telogenphase): Sobald die Nährstoffversorgung zum Erliegen kommt, verliert das Haar an Kraft und fällt schließlich aus.

Nun zum Problem der Schilddrüsenhormone: Wenn die Haarfollikel durch zu wenige oder zu viele Hormone fehlgesteuert werden, ist ihr Wachstum fehlgeleitet. Dadurch erlangen die Haare keine ausreichende Stabilität und werden zu fein, matt und brüchig. Zudem erreichen sie nicht ihre gewohnte Länge und fallen zu früh oder direkt aus.

Hashimoto: Symptome für eine Schilddrüsenunterfunktion erkennen | Dr. Julia Fischer | ARD Gesund

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und Haarausfall

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Die verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen führt dazu, dass der Stoffwechsel im Körper verlangsamt wird. Dies kann das Haarwachstum beeinflussen und zu dünnerem, mattiertem Haar führen. Die Haare können zudem trocken, brüchig und spröde werden.

Unter dem Begriff “Hypothyreose” versteht man eine krankhafte Unterfunktion der Schilddrüse. Dadurch resultiert eine mangelnde Versorgung des Körpers mit den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Bei Erwachsenen liegt die Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion in den meisten Fällen in einer chronische Schilddrüsenentzündung.

Symptome der Hypothyreose

Die Symptome der Erkrankung treten meist schleichend auf und sind eher unspezifisch. So klagen Betroffene zum Beispiel über:

  • Schwäche
  • Müdigkeit und schnelle Erschöpfung
  • Niedriger Puls und Kurzatmigkeit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Gewichtszunahme und Verstopfungen
  • Trockene Haut
  • Trockene oder brüchige Haare und Haarausfall
  • Psychische Beschwerden wie Depressivität, Antriebsarmut, Teilnahmslosigkeit oder Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Im Erwachsenenalter entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) meist schleichend, anfangs treten keine oder kaum Beschwerden auf. Symptome machen sich in der Regel erst bei einer stärkeren Unterfunktion bemerkbar.

Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und Haarausfall

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, was zu einem beschleunigten Stoffwechsel führt. Dies kann dazu führen, dass das Haar schneller als üblich in die Ruhephase übergeht und ausfällt. Die Haare können dünner, feiner und brüchiger werden.

Entgegengesetzt zu einer Unterfunktion, können die beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) auch im Überfluss produziert und ausgeschüttet werden. Dann ist von einer “Hyperthyreose” die Rede. Diese Autoimmunerkrankung kann eine Vielzahl von verschiedenen Krankheitserscheinungen hervorrufen. Eine mögliche Folge der Überproduktion an Hormonen ist unter anderem der Haarausfall.

Weitere Auswirkungen der Hyperthyreose

  • Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) führt zu einer verstärkten Aufnahme von Glucose (Zucker) aus dem Darm, zu einer vermehrten Freisetzung von Zucker aus der Leber und dadurch zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels.
  • Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es zu einer Abnahme der Cholesterinwerte im Blut, bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu einem Anstieg der Cholesterinwerte und damit zur erhöhten Gefahr für eine Gefäßverkalkung und zu kardiovaskulären Risiken.
  • Bei einer schweren Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es durch den gesteigerten Energieverbrauch häufig zu einem Gewichtsverlust.
  • Bei einem Zuviel an Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose) kommt es zu einem beschleunigten Knochenstoffwechsel und insbesondere zu einem vermehrten Knochenabbau.

Autoimmunerkrankungen und Haarausfall

Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis können ebenfalls Haarausfall verursachen. Bei diesen Erkrankungen greift das Immunsystem die Schilddrüse an, was die Hormonproduktion beeinflussen kann.

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Diese Erkrankung führt häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion, was das Haarwachstum verlangsamt und Haarausfall verursacht.
  • Morbus Basedow: Diese Autoimmunerkrankung verursacht oft eine Schilddrüsenüberfunktion und kann zu diffusen Haarausfall führen.

Autoimmunerkrankungen erfordern oft eine gezielte medikamentöse Therapie, die das Immunsystem und die Hormonproduktion stabilisiert.

Behandlung von Haarausfall durch Schilddrüsenerkrankungen

Bei Haarausfall oder anderen Symptomen aufgrund einer Erkrankung der Schilddrüse sollte in erster Linie das ärztliche Gespräch gesucht werden, um die zugrunde liegende Schilddrüsenfunktionsstörung abklären und behandeln zu lassen. Eine genaue Diagnose und eine angemessene medizinische Therapie sind entscheidend, um den Haarausfall zu stoppen oder zu reduzieren.

Zunächst gilt es die Ursache für die Fehlfunktion zu finden und zu beheben. Je nach Ursache ist hierfür ein medizinischen Eingriff erforderlich oder die Einnahme von Medikamenten. Oftmals setzt das Haarwachstum dann wieder von selbst ein bzw. es normalisiert sich.

Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen, die den Hormonhaushalt ausgleichen. Dies kann das Haarwachstum häufig wieder stabilisieren.

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion kann Medikamente, eine Radiojodtherapie oder in manchen Fällen eine Operation umfassen. Eine stabile Hormonproduktion ist wichtig, um das Haarwachstum wieder anzukurbeln und Haarausfall zu stoppen.

Verschiedene Behandlungsansätze bei schilddrüsenbedingtem Haarausfall.

Ergänzende Behandlungen zur Unterstützung des Haarwachstums

Für Menschen, die unter durch Schilddrüsenprobleme verursachtem Haarausfall leiden, können unterstützende Behandlungen wie die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) und die Mesotherapie das Haarwachstum anregen und das Haar insgesamt stärken. Beide Methoden zielen darauf ab, die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und die Haarfollikel zu revitalisieren, was besonders dann sinnvoll sein kann, wenn der Haarausfall auch nach der medikamentösen Einstellung der Schilddrüse anhält.

  • PRP-Therapie: Bei der PRP-Behandlung wird körpereigenes, plättchenreiches Plasma in die Kopfhaut injiziert. Dieses Plasma enthält eine hohe Konzentration an Wachstumsfaktoren, die die Durchblutung und die Zellregeneration in der Kopfhaut fördern. Gerade bei Haarausfall aufgrund hormoneller Schwankungen - wie etwa durch Schilddrüsenprobleme - kann die PRP-Therapie helfen, das Haarwachstum zu stimulieren und dünner werdendes Haar zu kräftigen.
  • Mesotherapie: Diese Methode verwendet Mikroinjektionen, um eine Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und manchmal auch Medikamenten direkt in die Kopfhaut einzubringen. Die Mesotherapie kann die Haarfollikel stärken und die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen versorgen, die für ein gesundes Haarwachstum erforderlich sind. Bei schilddrüsenbedingtem Haarausfall kann diese Behandlung den Zustand der Kopfhaut verbessern und das Wachstum neuer Haare anregen.

Diese Behandlungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Haarausfall stabil ist und die Schilddrüsenerkrankung bereits gut eingestellt wurde. Da sie die Haarfollikel stärken und das Haarwachstum unterstützen, können PRP- und Mesotherapie als begleitende Maßnahmen zur Schilddrüsenbehandlung dabei helfen, das Haar wieder dichter und kräftiger wachsen zu lassen.

Wichtige Hinweise

  • Beachten: Haarausfall aufgrund einer Schilddrüsenerkrankung ist nicht sofort sichtbar und/oder als solcher zu erkennen. Anstelle von kahlen Stellen äußert er sich in Form von stellenweisem Haarausfall und lichter werdendem Haar.
  • Reversibilität: Haarausfall in Folge von Schilddrüsenerkrankungen ist oftmals vollständig reversibel. Aber auch wenn der Haarausfall nur vorrübergehend ist, braucht es Monate, bis das Haarwachstum wieder einsetzt. Das Nachwachsen der Haare ist nicht vorhersehbar, so kann sich das neue Haar sowohl in der Farbe als auch in der Textur unterscheiden.
  • Begleitsymptome: Haarausfall ist nur ein Symptom einer Schilddrüsenerkrankung. Weitere Symptome sind Müdigkeit, ständiges Frieren, spröde und brüchige Nägel, unerklärlicher Gewichtsverlust oder -zunahme und Stimmungsschwankungen.
  • Betroffene: Schilddrüsenerkrankungen können Erwachsene und Kinder, Männer und Frauen betreffen. Sie können schon von Geburt an vorhanden sein und sich mit zunehmendem Alter entwickeln.
  • Ursachen: Schilddrüsenprobleme sind unter anderem eine Folge von Jodmangel. Aber auch Autoimmunerkrankungen greifen die Schilddrüse an und verursachen eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion.

Ein gesunder Schilddrüsenhaushalt ist entscheidend für das Wachstum und die Gesundheit unserer Haare. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können zu Haarausfall und anderen Haarproblemen führen. Falls Sie bei sich vermehrten Haarausfall beobachten und gleichzeitig Symptome einer Schilddrüsenstörung feststellen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen.

Hinweis: Bitte beachten Sie, dass wir die hier beschriebene Behandlung derzeit leider nicht mehr in unserer Klinik anbieten.

tags: #Haarausfall #Schilddrüse #Ursachen

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