In der Stillzeit leiden viele Frauen unter vermehrtem Haarausfall. Dieses Phänomen tritt häufig nach der Schwangerschaft auf und kann verunsichern. Aber keine Sorge, ausfallende Haare sind in der ersten Zeit nach der Geburt ganz typisch und meist kein Grund zur Sorge. Was es braucht, ist vor allem Geduld. Hier erfahren Sie, was die Ursachen für Haarausfall in der Stillzeit sind und was Sie tun können, um Ihren Körper in dieser Phase zu unterstützen.
Viele Frauen haben während der Schwangerschaft eine nie gekannte Haarpracht: dicht und glänzend. Grund dafür ist der erhöhte Östrogenspiegel. Generell wächst das Haar in einem dreiphasigen Zyklus aus Wachstum, Ruhe und Ausfallen. Die Östrogene halten die Haarfollikel während der Schwangerschaft in der Wachstumsphase. Alles ist auf Erhalt angelegt, weniger Haare fallen aus.
Die Ursachen und Formen von Haarausfall sind vielfältig. Es entstehen lichte Stellen und eine ausgedünnte Haarpracht. Da jedes Haar nur eine begrenzte Lebensphase hat, ist es völlig normal, jeden Tag bis zu 100 Haare zu verlieren.
Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel wieder. Das Haarwachstum ist verkürzt, sodass vermehrt Haare ausfallen. Gleich nach der Geburt sinken die Östrogenwerte aber schnell ab und viele Haarfollikel wechseln zeitgleich in die Ruhephase. Damit beginnt der Haarausfall nach der Schwangerschaft, das sogenannte postpartale Effluvium.
Dank des in der Schwangerschaft erhöhten Östrogenspiegels dürfen sich werdende Mütter oft über dichte und glanzvolle Haare freuen. Normalerweise befinden sich diese in einem sich ständig wiederholenden Haarzyklus, der aus Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase besteht. Die Östrogene schwangerer Frauen halten die Haarfollikel jedoch länger in der Wachstumsphase, da der Körper für das heranwachsende Baby alles auf Erhalt ausrichtet. Folglich fallen während dieser Zeit weniger Haare aus.
Keine Sorge! Nicht alle Follikel befinden sich ständig in der gleichen Phase. Jedes Haar hat seinen ganz eigenen Zyklus, der gegenüber seinen Nachbarn zeitlich versetzt abläuft. Es befinden sich daher stets einige Haare in der Neubildung, manche im Umbruch und wieder andere fallen gerade aus.
Wann der hormonell bedingte Haarausfall nach der Schwangerschaft einsetzt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Meistens beginnt er schon wenige Wochen nach der Entbindung, es kommt aber auch vor, dass er erst 5 Monate nach der Geburt auftritt.
Nicht das Stillen lässt die Haarpracht dünner werden - dafür ist allein der Östrogenspiegel verantwortlich, der nach der Geburt abfällt. Allerdings stellen sich die Hormone bei stillenden Frauen häufig langsamer um, weshalb bei ihnen der Haarausfall oft später einsetzt als bei Müttern, die die Stillzeit längst hinter sich haben. In manchen Fällen beginnt der Haarverlust sogar erst nach dem Abstillen.
Das führt fälschlicherweise gelegentlich zu der Annahme, Stillen sei der Grund für die ausfallenden Haare.
Junge Mütter sind oft erschöpft, aber dies hat andere Ursachen als das Stillen. Obwohl Müttern aus ihrem Umfeld oft nahegelegt wird abzustillen, damit sie sich wieder fitter fühlen, hilft diese Maßnahme so gut wie nie. Das Abstillen selbst stellt meist eine große zusätzliche Belastung für Mutter und Kind dar. Außerdem entgeht der Mutter dann auch die Möglichkeit, ihr Baby oder Kleinkind schnell und effektiv zu beruhigen, in den Schlaf zu begleiten und ihre gegenseitige Bindung durch Stillen zu stärken.
Stillen ist kein Ausnahme, sondern der evolutionär entstandene Normalzustand einer Frau im reproduktiven Alter, der über Jahre und bei mehreren Kindern auch über Jahrzehnte andauern kann, ohne dass die Gesundheit der Mutter oder ihre Versorgung mit Nährstoffen darunter leiden würde.
Offenbar beobachten bei weitem nicht alle Frauen Haarausfall in der Stillzeit und nicht-stillende Mütter sind von einem etwas verstärkten Haarausfall genauso häufig betroffen wie stillende. Möglicherweise sind der vermehrte Haarwuchs in der Schwangerschaft und ein vorübergehender verstärkter Haarausfall nach der Geburt auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen.
Jedoch kann auch ein Mineralstoffmangel während der Schwangerschaft für einen anhaltenden Haarausfall sorgen. Zusätzlich zur hormonellen Umstellung können seelischer Stress, ein hoher Blutverlust bei der Geburt, zu wenig Schlaf oder ernährungsbedingte Mangelerscheinungen den Haarausfall verstärken. Auch Blutarmut (Eisenmangel-Anämie) kann zu solchen Beschwerden führen.
Neben den hormonellen Veränderungen, die zu einem Haarausfall nach der Schwangerschaft führen, gibt es auch Veranlagungen, die Auslöser für eine weitere Art des Haarausfalls sind, nämlich den hormonell erblich bedingten Haarausfall.
Insbesondere Frauen, die vorher die Pille genommen haben, sind anfälliger dafür. Da auch in der Pille Hormone enthalten sind, muss nach deren Absetzen der weibliche Körper die eigene Hormonproduktion zunächst anpassen. Zusätzlich ist während einer Schwangerschaft der Bedarf an verschiedenen Nährstoffen und Spurenelementen erhöht.
Selbst bei sonst gesunden Frauen kann dadurch während der Schwangerschaft manchmal ein Eisenmangel auftreten, der zu Haarausfall führen kann. Insbesondere in der zweiten Schwangerschaftshälfte, wenn das Wachstum des Babys besonders zügig vor sich geht, neigen Schwangere zu einem Eisenmangel.
Wenn der Haarausfall in der Stillzeit extrem (deutlich mehr als 100 Haare pro Tag) erscheint, kann es ratsam sein, mit einem Arzt über andere mögliche Ursachen und Behandlungen zu sprechen. In seltenen Fällen - bei etwa zwei von tausend Schwangeren - kann sich der Haarverlust auf einzelne Bereiche am Kopf konzentrieren (sogenannter „kreisrunder Haarausfall“) und kahle Stellen verursachen.
Eine ärztliche Untersuchung durch eine*n Dermatolog*in kann die Ursache für den übermäßige Haarausfall klären, um eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Sollte sich der Haarausfall nicht nach ein paar Monaten wesentlich bessern und auch sonst keine behandelbare Ursache dafür gefunden werden, kann die frühzeitige Kontaktaufnahme mit einem Spezialzentrum für Haarausfall-Behandlungen und Haartransplantationen sinnvoll sein.
Wenn der Haarausfall nach der Geburt auch lästig ist, so gehört er doch zum natürlichen Prozess dazu. Aber es gibt Möglichkeiten, dem Körper das zu geben, was er in dieser Phase braucht: Vitamine und Mineralstoffe. Ernähre Dich dafür gesund und ausgewogen.
Es gibt jedoch Mittel und Wege, damit umzugehen:
Dem Haarausfall, der nach der Geburt durch den absinkenden Östrogenspiegel entsteht, können Sie leider nicht vorbeugen. Sie können den hormonellen Haarausfall nicht stoppen. Sobald sich der Hormonhaushalt wieder normalisiert hat, geht der Haarausfall von ganz alleine zurück.
Einem nährstoffbedingten Haarausfall können Sie vorbeugen, indem Sie sich gesund ernähren. Viel Ruhe, wenig Stress und eine gesunde Lebensweise tragen ebenso dazu bei, dass es nicht zum stressbedingten Haarausfall kommt.
Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen, Zink, Biotin und Hirse-Extrakt können nach der Schwangerschaft durchaus von Vorteil sein, um schöne Haare und Haut zu erhalten.
Eine Kopfmassage kann die Durchblutung der Kopfhaut anregen und die Haarfollikel stimulieren.
Das Haar selbst sollte mit einem sanften Shampoo gewaschen werden und möglichst von Farbe, heißem Fön und mechanisch reizenden Frisuren verschont bleiben.
Nach spätestens einem Jahr sollte das Haarwachstum wieder so sein, wie vor der Schwangerschaft. Bleibt der Haarverlust bestehen, sind möglicherweise andere Gründe ursächlich. Kontaktieren Sie daher Ihren Hausarzt, Dermatologen oder Gynäkologen, wenn der Haarausfall über ein Jahr nach der Geburt weiterhin ungewöhnlich stark ist.
Auch hormonell bedingt: die androgenetische Alopezie
Manchmal kann ein postpartales Effluvium auch in eine androgenetische Alopezie übergehen. Unter diesem erblich bedingten Haarausfall leiden bis zu 30 Prozent aller Frauen. Meist tritt er in den Wechseljahren auf, kann aber auch durch eine Schwangerschaft getriggert bzw.
Bei manchen Patientinnen kann eine Hormontherapie zur Behandlung eines hormonell bedingten Haarausfalls hilfreich sein. Da jedoch auch schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten können, sind die Therapiemöglichkeiten diesbezüglich oft begrenzt.
Sollten Sie unter einem optisch sehr auffälligen Haarausfall leiden, so können Sie auch in einer Haarsprechstunde eines Spezialisten für Haartransplantationen und Haarausfallerkrankungen aufzusuchen. Meist kann schon eine regenerative Therapie, die PRP-Therapie, helfen, den Haarverlust aufzuhalten.
Die Behandlung ist minimal-invasiv und frei von Nebenwirkungen. Die PRP-Therapie ist eine Eigenblut-Plasma-Therapie. Die Grundsubstanz, das "Platelet Rich Plasma", wird durch eine spezielle Aufbereitung des von der Patientin entnommenen Blutes gewonnen. Es handelt sich um hochkonzentriertes Blutplasma, welches viele Wachstumsfaktoren, Zytokine und Mikronährstoffe enthält. Diese Stoffe sind wichtig für die Zellteilung und -regeneration. Dadurch werden die Haarfollikel stimuliert und die Kopfhaut besser durchblutet.
Lässt sich das eigene Haar nicht mehr regenerieren, kann eine Haartransplantation die rettende Alternative sein. Mit der I-FUE-Technik (Intermittent Follicular Unit Extraction) wird Ihr eigenes Haar an die kahlen Stellen transplantiert. Ein schonender Eingriff, bei dem hohe Anwuchsraten zu erwarten sind.
Egal, ob der Scheitel licht ist oder die Schläfen leicht kahl werden - mit der Haartransplantation können Sie sich schon ggf. bald wieder über eine natürliche und volle Haarpracht freuen.
Wenn sich jedoch der Haarausfall über den gesamten Kopf erstreckt und dadurch zu wenig Spendermaterial vorhanden ist, sollte eine Haartransplantation nicht durchgeführt werden.
Darum gilt: je früher der Haarausfall durch regenerative Behandlungen gestoppt wird, desto erfolgreicher wird die späte Haartransplantation sein.
| Tipp | Beschreibung |
|---|---|
| Schonende Haarpflege | Milde Shampoos, sanfte Bürsten verwenden, Hitze vermeiden |
| Ausgewogene Ernährung | Vitamine, Mineralstoffe, Eiweiß, Obst, Gemüse, Vollkornprodukte |
| Stressreduktion | Ruhe, Entspannung, Yoga, Meditation |
| Nahrungsergänzungsmittel | Eisen, Zink, Biotin, Hirse-Extrakt (nach Rücksprache mit dem Arzt) |
| Ärztliche Beratung | Bei starkem Haarausfall oder kahlen Stellen |
Der Haarausfall nach einer Schwangerschaft ist in der Regel harmlos - bewahren Sie also Ruhe. Wenn die Hormonumstellung vorbei ist, reguliert sich das Haarwachstum von alleine wieder.
Falls Dir der Haarausfall nach der Schwangerschaft und in der Stillzeit zu schaffen macht, darfst Du geduldig mit Deinem Körper sein. Das Haarwachstum pendelt sich wieder ein.
Wenn das eigene Haar nicht mehr wächst wie es soll, kommt immer noch eine Haartransplantation für Frauen infrage. Mit einer speziellen minimal-invasiven Technik entstehen nahezu keine Narben, es bestehen maximale Chancen für einen guten Anwuchs.
Haarausfall während oder nach der Schwangerschaft ist häufig und einfach behandelbar. Unsere Spezialisten beraten Sie gerne zu Ihren Möglichkeiten.
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