Haarausfall bei Schilddrüsenüberfunktion: Ursachen und Behandlung

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im vorderen Halsbereich befindet und eine entscheidende Rolle in unserem Körper spielt. Sie produziert wichtige Hormone, die viele unserer Körperfunktionen regulieren - von der Temperaturregulierung bis hin zum Stoffwechsel.

Die Schilddrüse im Halsbereich

Die Rolle der Schilddrüsenhormone für das Haarwachstum

Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3), die über den Blutkreislauf in die Haarfollikel gelangen und dort das Haarwachstum beeinflussen. Diese Hormone steuern die Zellerneuerung und den Stoffwechsel der Haarzellen, was das Wachstum der Haare direkt unterstützt. Ein gesunder Schilddrüsenhaushalt ist entscheidend für das Wachstum und die Gesundheit unserer Haare.

Was kannst tun, wenn Du Haarausfall durch deine Schilddrüse hast?

Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haarausfall

Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können zu Haarausfall und anderen Haarproblemen führen. Da die Schilddrüse mit ihren Hormonen das Haarwachstum beeinflusst, gehören auch Schilddrüsenfunktionsstörungen zu den möglichen Auslösern für Haarausfall. In den menschlichen Haarfollikelzellen wird das Haar gebildet und dort ist auch die Haarwurzel verankert.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Eine Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, zeichnet sich durch eine vermehrte Produktion der Schilddrüsenhormone aus. Bei einer Überfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone. Betroffene sind oft nervös, zittern, haben Herzrasen und verlieren scheinbar grundlos an Gewicht. Dünner werdendes und diffus ausfallendes Haar deutet hingegen auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommt es bei bis zu 2⁄3 der Betroffenen auch zu Verschlechterungen des Zuckerstoffwechsels und zu einer verminderten Insulinwirksamkeit (Insulinresistenz). Zudem sind die Symptome einer Hyperthyreose und eines entgleisten Diabetes zum Teil sehr ähnlich, sodass bei Patienten mit einer unbekannten Hyperthyreose häufig nicht an einen zusätzlichen Diabetes gedacht wird und umgekehrt.

Mögliche Symptome einer Hyperthyreose sind:

  • ein „dickerer“ Hals (Kropf oder Struma) aufgrund der vergrößerten Schilddrüse
  • Herzklopfen und Herzrasen
  • schneller Puls, hoher Blutdruck
  • Zittern
  • Schwitzen und Hitzewallungen
  • warm-feuchte Haut
  • Haarausfall
  • Nervosität, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Unruhe, Rastlosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafprobleme und schnelle Ermüdbarkeit
  • Probleme beim Ein- und Durchschlafen
  • scheinbar grundloser Gewichtsverlust trotz Heißhunger
  • häufiger Stuhlgang, Durchfall
  • Gewichtsverlust
  • hervortretende Augen (bei Basedow-Krankheit)
  • Muskelschwäche

Je länger eine Hyperthyreose besteht und unbehandelt bleibt, desto stärker zeigen sich in der Regel die Symptome. In schweren Fällen kann es zu einer lebensbedrohlichen thyreotoxischen Krise kommen, d. h. zu einer Schilddrüsenvergiftung, bei der die Patientinnen und Patienten in ein Koma fallen können.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Bei einer Unterfunktion fallen die Haare zunehmend aus, da sich die Haarzellen vermehrt in einer Ruhephase befinden und das Haarwachstum verlangsamt ist. Darüber hinaus werden die Haare spröde und brüchig.

Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion

Zwar können einer Schilddrüsenüberfunktion verschiedene Ursachen zugrunde liegen, meist sind die beiden häufigsten Ursachen jedoch die Schilddrüsenautonomie sowie Morbus Basedow.

  • Morbus Basedow: Eine häufige Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion ist die Basedow-Krankheit. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Die Immunabwehr bildet fälschlicherweise Antikörper, die sich an die Schilddrüsenzellen binden. Das führt dazu, dass diese Zellen mehr Schilddrüsenhormone herstellen und ins Blut abgeben als üblich.
  • Heiße Knoten (Schilddrüsenautonomie): Bei einer Autonomie der Schilddrüse handelt es sich um eine gutartige Drüsenwucherung, auch „heiße Knoten“ genannt, die zusätzliche Schilddrüsenhormone produziert. In heißen Knoten reagieren die Schilddrüsenzellen nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Sie bilden zu viele Hormone, sie machen sich selbstständig (autonom).
  • Entzündliche Erkrankungen der Schilddrüse: Zu den entzündlichen Erkrankungen der Schilddrüse gehören die akute Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, sowie die De Quervain Thyreoiditis, bei der zu viele Schilddrüsenhormone freigesetzt werden.
  • Überdosierung von Schilddrüsenhormonen: Besteht eine Schilddrüsenunterfunktion bzw. wurden eine Radiojodtherapie oder Operation durchgeführt, kann im Rahmen der anschließenden Therapie eine zu hohe Dosierung der Schilddrüsenhormone über Medikamente zu einer Hyperthyreose führen.

Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion

Treten Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion auf, kann die Diagnose ärztlich gestellt werden. Hierzu erfolgt zunächst eine Anamnese, bei der Symptome, eingenommene Medikamente und bestehende Vorerkrankungen besprochen werden können. Anschließend kann der Arzt bzw. Eine Blutuntersuchung kann zusätzlich die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut feststellen. Liegen die Werte über den Normalwerten, so deutet dies auf eine Überproduktion hin. Die hierfür relevanten Hormone sind das freie T3 und T4 sowie TSH.

Weitere Hinweise liefern eine Ultraschalluntersuchung oder Szintigrafie. Dank dieser können die Ärztinnen und Ärzte das Schilddrüsengewebe untersuchen und erkennen, ob etwaige vorhandene Knoten vermehrt Hormone herstellen. Ist dies der Fall, handelt es sich um einen sogenannten „heißen Knoten“.

Normalwerte der Schilddrüsenhormone

Eine Schilddrüsenüberfunktion tritt auf, wenn die Werte der Schilddrüsenhormone über dem Normalwert liegen. Ohne Schilddrüsenüberfunktion liegt dieser für das Hormon TSH zwischen 0,4 bis 4,0 mU/I, für das freie T3 bei 2,0 bis 4,4 pg/ml und für T4 bei 0,8 bis 1,8 ng/dl.

Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion erfolgt anhand der zugrundeliegenden Auslöser. Eine stabile Hormonproduktion ist wichtig, um das Haarwachstum wieder anzukurbeln und Haarausfall zu stoppen.

  • Reduzierung der Jodaufnahme: Liegt die Ursache für eine drohende oder vorliegende Schilddrüsenüberfunktion statt in zu wenig TSH in einer Überversorgung an Jod, kann eine Reduzierung der Jodaufnahme die Symptome vermindern. In diesem Zuge sollten Lebensmittel mit viel Jod verringert werden, etwas Meeresfrüchte und Algen, aber auch verarbeitete Lebensmittel mit zugesetztem, jodhaltigem Salz.
  • Thyreostatika: Thyreostatika können den Hormonspiegel senken und werden bei einer Überfunktion dazu eingesetzt, die Neuproduktion der Schilddrüsenhormone zu hemmen. Hierfür werden häufig Medikamente vom Typ Thionamid eingesetzt, zu denen Thiamazol und Carbimazol gehören.
  • Medikamente für das Herzkreislaufsystem: Eine Schilddrüsenüberfunktion kann auch mit Müdigkeit, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen einhergehen, weshalb in einigen Fällen die Einnahme von Medikamenten für das Herzkreislaufsystem nötig werden.
  • Radiojodtherapie und Operationen: Zuletzt stehen die Radiojodtherapie und Operationen den Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Diese finden besonders bei einer Schilddrüsenüberproduktion Verwendung, die nicht ausgeheilt werden kann, etwa bei einer Schilddrüsenautonomie. Um die Symptome dennoch zu lindern, werden die Teile des Schilddrüsengewebes dauerhaft entfernt oder zerstört, die für die Überproduktion an Schilddrüsenhormonen bei einer Autonomie sorgen.

Neben der Radiojodtherapie können auch die Thermoablation, Alkoholinjektion oder die Sklerosierung angewandt werden.

Unterstützende Behandlungen bei Haarausfall durch Schilddrüsenprobleme

Für Menschen, die unter durch Schilddrüsenprobleme verursachtem Haarausfall leiden, können unterstützende Behandlungen wie die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) und die Mesotherapie das Haarwachstum anregen und das Haar insgesamt stärken. Beide Methoden zielen darauf ab, die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und die Haarfollikel zu revitalisieren, was besonders dann sinnvoll sein kann, wenn der Haarausfall auch nach der medikamentösen Einstellung der Schilddrüse anhält.

  • PRP-Therapie: Bei der PRP-Behandlung wird körpereigenes, plättchenreiches Plasma in die Kopfhaut injiziert. Dieses Plasma enthält eine hohe Konzentration an Wachstumsfaktoren, die die Durchblutung und die Zellregeneration in der Kopfhaut fördern.
  • Mesotherapie: Diese Methode verwendet Mikroinjektionen, um eine Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren und manchmal auch Medikamenten direkt in die Kopfhaut einzubringen. Die Mesotherapie kann die Haarfollikel stärken und die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen versorgen, die für ein gesundes Haarwachstum erforderlich sind.

Diese Behandlungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Haarausfall stabil ist und die Schilddrüsenerkrankung bereits gut eingestellt wurde. Da sie die Haarfollikel stärken und das Haarwachstum unterstützen, können PRP- und Mesotherapie als begleitende Maßnahmen zur Schilddrüsenbehandlung dabei helfen, das Haar wieder dichter und kräftiger wachsen zu lassen.

Wichtiger Hinweis

Falls Sie bei sich vermehrten Haarausfall beobachten und gleichzeitig Symptome einer Schilddrüsenstörung feststellen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen.

tags: #Haarausfall #Schilddrüsenüberfunktion #Ursachen #Behandlung

Populäre Artikel:

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen