Im Tennis geht es nicht nur um sportliche Höchstleistungen, sondern auch um Mode und persönlichen Ausdruck. Die Frisuren der Spielerinnen und Spieler sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Besonders Serena Williams hat im Laufe ihrer Karriere immer wieder mit ihren Haaren experimentiert und Trends gesetzt.
Svetlana Kuznetsova schneidet sich die Haare während eines Spiels
Swetlana Kusnezowa sorgte bei den WTA Finals 2016 für Aufsehen, als sie sich während eines Matches kurzerhand die Haare abschnitt. Ihre Begründung: Die Haare fielen ihr bei jedem Schlag ins Gesicht. Ob eine Schere Mary Joe Fernandez wohl geholfen hätte? Kusnezowa ist nicht die Einzige, die Probleme mit ihrer Frisur hat. Bereits 1993 ließ sich Mary Joe Fernandez (rechts) von Steffi Graf mit ihrem Haarband helfen. Die beiden trafen im Finale der French Open aufeinander. Trotz aufgeräumter Frisur verlor Fernandez das Finale, nachdem sie den ersten Satz noch für sich entschieden hatte.
Auch Männer tragen lange Haare - legendär etwa Andre Agassis Vokuhila aus den Neunzigern, der allerdings nur eine Perücke war. Der "Maestro" persönlich, Roger Federer, hatte hingegen einen echten Zopf. Hatte, wohlgemerkt, denn nach den frühen Stadien seiner Karriere (hier 2001 beim Hopman Cup in Australien) wurden die Haare stetig kürzer. Nach diversen, nicht immer schönen Varianten eines Pilzkopfs trägt er inzwischen eine seriöse Kurzhaarfrisur.
Andre Agassi mit seiner berühmten Perücke
Anna Kurnikowa gewann in ihrer gesamten Karriere keinen einzigen Titel im Einzel, dabei erreichte sie zwischenzeitlich Platz 8 der Weltrangliste. Ob es an ihrem Zopf lag, ist nicht bekannt. Zur Schere hätte sie vermutlich trotzdem nicht gegriffen, die Russin legte viel Wert auf ihr weibliches Aussehen: "Ich glaube, dass Tennis ein Frauensport ist, also sollten wir da draußen wie Frauen aussehen." Bei Sabine Lisicki ist der Zopf inzwischen zum Markenzeichen geworden. Die geflochtenen blonden Haare begleiten sie seit jeher auf dem Platz. Ungeschlagener König der Zöpfe ist Dustin "Dreddy" Brown. Der Deutsch-Jamaikaner macht seiner Herkunft alle Ehre und spielt mit meterlangen Dreadlocks. Schon seit 20 Jahren hat er sie angeblich nicht mehr geschnitten.
Mit Perlen verziert, penibel geglättet oder grün: Serena Williams hat mit ihren Haaren schon alles Erdenkliche durchprobiert. Anfang September holte sie ihren 308. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier und ist damit eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Geschichte. Momentan lässt sie übrigens ihr Haar so stehen, wie es gewachsen ist - und hält die Locken einfach mit breiten Haarbändern zusammen. Auch Serena Williams' (40) Mähne erstrahlt seit Neuestem in warmem Gold.
Serena Williams mit Locken und Haarband
Als Freizeitaktivität für die weiße Oberschicht war Tennis seit seinen Anfängen im späten 19. Jahrhundert ein Sport, bei dem es ums Sehen und Gesehenwerden ging, auch in modischer Hinsicht. Dabei gab es strenge Vorschriften, in welcher Kleidung Spielerinnen und Spieler sich auf dem Court blicken lassen durften. Wer wie die Amerikanerin Hazel Hotchkiss Wightman zur Jahrhundertwende als Frau den Tennisschläger schwang, tat das mit Sonnenhut auf dem Kopf und gekleidet in ein weißes, knöchellanges Kleid, mit Unterkleidern und anderen Stofflagen, manche auch mit Korsett darunter. Die Stofflagen sollten sicherstellen, dass ja kein unschicklicher Blick auf nackte Haut fallen konnte. Schon entblößte Knöchel sorgten damals für Gerede, etwa bei Maud Wilsons Wimbledon-Sieg 1884. »Schamlos« fand die Presse das modische Auftreten der Französin Suzanne Lenglen in den Zwanzigerjahren. Denn die Revoluzzerin wagte es als Erste, im wadenlangen Dress dem Ball hinterher zu hechten. Statt ihre Beine in Strumpfhosen zu zwängen, entschied sie sich für Strümpfe, die sie für mehr Beweglichkeit bis zu den Knien herunterrollte.
Als schwarze Athletin eroberte Althea Gibson zwei der weißesten Aktivitäten der Oberschicht: Tennis und Golf. Das weiße Shirt und der Faltenrock, in dem Gibson regelmäßig über den Court fegte, waren deshalb modisches und politisches Statement zugleich. Ihre Karriere inspirierte Tennisspielerinnen wie Billie Jean King und ebnete den Weg für schwarze Athletinnen wie Venus und Serena Williams.
1973 war es Zeit für ein Ausrufezeichen. Wiederholt hatte Ex-Tennis-Champion Bobby Riggs fabuliert, dass Frauentennis dem Männersport unterlegen sei. Deshalb sei es nur logisch und vollkommen gerecht, dass Tennisspielerinnen weniger verdienten als die Männer. Billie Jean King hatte genug von Riggs‘ Macho-Gehabe und trat im »Battle of the Sexes«, der »Schlacht der Geschlechter« gegen ihn an. Das Spiel wurde live für ein Millionenpublikum übertragen und King servierte Riggs in drei Sätzen mit 6:4, 6:3 und 6:3 ab. In Schlaghosen hechtete Björn Borg zwar nicht über den Platz, dafür aber in den wohl knappsten Shorts, die die Siebziger zu bieten hatten. 11 Grand-Slam-Siege fuhr der Schwede zwischen 1974 und 1981 ein. Sein Trainingsplan sicherte Borg ein höheres Fitnesslevel als vielen seiner Gegner und machte ihn zum Aushängeschild für Sportbekleidung. Sonnenbrillen gehören zur Standardausrüstung für das Publikum von Tennismatches. Das galt umso mehr ab Ende der Achtzigerjahre, als der Amerikaner Andre Agassi den Court betrat.
Agassis Signatur waren neonfarbene Radlerhosen (zuweilen unter Jeans-Shorts getragen) und neonfarbene Muster auf seinen T-Shirts. Die Haarlänge war vielleicht eine Hommage an Björn Borg, die Fönfrisur eindeutige Achtziger-Haarmode. Agassis Neon-Outfits waren ihm so wichtig, dass er sogar auf den Start bei Wimbledon verzichtete, weil die sturen Briten partout nicht von ihrer »Alles-Weiß«-Regel abweichen wollten. Ihre oft farbigen Wickelröcke für maximale Bewegungsfreiheit und die farbenfrohen T-Shirts wurden komplettiert durch Haarband oder Scrunchie, dem überdimensionalen Zopfgummi. Steffi Grafs Mode war das etwas subtilere Damentennis-Pendant zu Andre Agassis Outfits - ob es ein früher Hinweis darauf war, dass sich hier zwei finden würden? Venus Williams, die sich wie ihre Schwester Serena immer wieder Kommentare zu ihren Looks und ihrem Auftreten gefallen lassen muss, wurde mit hämischen Bemerkungen bedacht, etwa ob sie im Nachthemd zum Match angetreten sei, oder ob sie den Can Can tanzen wolle. Williams scheint die Kritik an ihren Outfits herzlich egal zu sein.
»Wie eine Kriegerin« fühlte sich Serena Williams, als sie bei den French Open 2018 im schwarzen Catsuit mit rotem Band gegen die Tschechin Kristyna Pliskova antrat und sie mit 7:6 und 6:4 besiegte. Williams hatte gesundheitliche Gründe für ihre Outfitwahl. Seit ihrer Schwangerschaft hatte die Amerikanerin wiederholt mit Blutgerinnseln gekämpft, der von Nike entworfene Catsuit sollten die Blutzirkulation in ihren Beinen anregen. Ausgerechnet die sonst so modischen Franzosen hatten jedoch wenig Sinn für diese Fashion-Revolution und verbannte Williams‘ Catsuit.
Nach seinem Angriff auf den Schiedsrichter reißt die Kritik an Alexander Zverev nicht ab. Nun meldete sich Serena Williams in einem Interview zu Wort. Ihr gehen die Sanktionen gegen den Deutschen nicht weit genug. Die 40-Jährige beklagt unterschiedliche Maßstäbe.
Danach befragt, was sie über das Verhalten Alexander Zverevs denke, traf sie eine bemerkenswerte Einschätzung.„Ich bin, wer ich bin - auf und abseits des Platzes, und ich bin auch sehr leidenschaftlich“, gab Williams zu, „aber es gibt definitiv unterschiedliche Maßstäbe. Ich wäre wahrscheinlich ins Gefängnis gekommen, wenn ich das getan hätte. Wirklich. Kein Witz.“
Auch Williams war während ihrer Karriere berüchtigt für ihre Wutausbrüche und Eskapaden auf dem Platz. „Ich war sogar schon einmal auf Bewährung“, erinnerte sie sich im Interview an einen mehr als zwölf Jahre alten Vorfall.
Ihr Image wurde dadurch schwer beschädigt.Williams, die sich immer häufiger als Geschäftsfrau definiert, bereut ihre Taten allerdings keineswegs und macht Zverev damit indirekt Hoffnung: „Wenn ich die Leidenschaft nicht auf dem Platz gehabt hätte, hätte ich sie auch nicht bei den Dingen, die ich jetzt mache.“
Nach dem Final-Sieg bei den Australian Open über die Weltranglistenerste Serena Williams (34) liegt ihr die Tennis-Welt zu Füßen.
★Sie will sich nie mehr die Haare färben„Ich habe mir einmal beim Turnier in Miami zum Spaß eine schwarze Perücke aufgesetzt und ein Foto gemacht. Alle, denen ich es gezeigt habe, haben sich an den Kopf gefasst und gesagt: 'Lass es lieber.' Ich bleibe bei Blond.”
| Turnier | Anzahl der Titel |
|---|---|
| Australian Open | 7 |
| French Open | 3 |
| Wimbledon | 7 |
| US Open | 6 |
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