Haarausfall Ursachen und Neueste Forschung

Üppige, schöne Haare sind den meisten Menschen wichtig, und übermäßiger Haarverlust löst Besorgnis aus. Millionen von Menschen sind allein in Deutschland von Haarausfall betroffen, darunter sowohl Männer als auch Frauen. Männer sind jedoch im Laufe ihres Lebens etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. In diesem Artikel werden die verschiedenen Arten von Haarausfall, ihre Ursachen und die neuesten Forschungsergebnisse beleuchtet.

Grundlagen des Haarwachstums

Um Haarausfall zu verstehen, ist es wichtig, den natürlichen Wachstumszyklus der Haare zu kennen. Jeder Haarfollikel durchläuft mehrere Phasen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase): Diese Phase dauert 2-6 Jahre, in der das Haar etwa 1 cm pro Monat wächst. Etwa 85-90% der Kopfhaare befinden sich normalerweise in dieser Phase.
  • Übergangsphase (Katagenphase): Diese kurze Phase dauert etwa 2 Wochen. Der Haarfollikel schrumpft und löst sich von seiner Blutversorgung.
  • Ruhephase (Telogenphase): Diese Phase dauert 2-4 Monate und endet mit dem Ausfall des Haares, während ein neues Haar im selben Follikel zu wachsen beginnt.

Ein täglicher Verlust von 50-100 Haaren gilt als normal und ist kein Grund zur Sorge. Erst wenn deutlich mehr Haare ausfallen oder die Haardichte merklich abnimmt, spricht man von problematischem Haarausfall.

Häufige Formen von Haarausfall

Haarausfall tritt in unterschiedlichen Formen auf:

  1. Androgenetische Alopezie (erblich bedingter Haarausfall): Die häufigste Form des Haarausfalls, die etwa 80% der Männer und 50% der Frauen im Laufe ihres Lebens betrifft.
  2. Alopecia areata (kreisrunder Haarausfall): Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Haarfollikel angreift.
  3. Alopecia diffusa (diffuser Haarausfall): Hier dünnt das Haar gleichmäßig am gesamten Kopf aus.

Androgenetische Alopezie

Bis zu 70 Prozent der Männer sind im Laufe ihres Lebens von genetisch bedingtem Haarausfall betroffen. Auch vor Frauen macht die sogenannte androgenetische Alopezie nicht Halt. Bis zu 40 Prozent haben Probleme mit dem vererbten Haarausfall, der durch eine Überempfindlichkeit der Haare auf männliche Sexualhormone - sogenannte Androgene - verursacht wird.

Bei Männern zeigt sich die androgenetische Alopezie typischerweise durch zurückweichenden Haaransatz an den Schläfen (Geheimratsecken) und Ausdünnung am Oberkopf (Tonsur), die fortschreitend zur klassischen Glatze führen kann.

Bei Frauen äußert sich der erblich bedingte Haarausfall anders: diffuse Ausdünnung hauptsächlich am Scheitel, Verbreiterung des Mittelscheitels, selten vollständige Kahlheit, wobei der Haaransatz meist erhalten bleibt.

Alopecia Areata

Die Alopecia areata (AA) ist eine chronische, immunvermittelte Krankheit, die durch einen akut einsetzenden Haarausfall gegenzeichnet ist. Die Alopecia areata ist nach dem anlagenbedingten Haarausfall die zweithäufigste Ursache für Haarausfall. Die Wahrscheinlichkeit, mindestens einmal im Leben an einer AA zu erkranken, beträgt 2 % (Lebenszeitinzidenz).

Die Alopecia areata zeigt ein sehr breites klinisches Bild. Der Haarverlust kann alle behaarten Bereiche des Kopfes und Körpers betreffen.

Die genaue Ursache der AA ist noch nicht vollständig geklärt, doch ist es allgemein anerkannt, dass der Kollaps des Immunprivilegs des Haarfollikels eine entscheidende Rolle in der Entstehung der Krankheit spielt.

Die Alopecia areata ist eine Erkrankung mit einem stark variablen Verlauf. Einmaliges Auftreten, lange freie Intervalle und immer wieder neues Auftreten einzelner oder mehrerer Herde können sich abwechseln. Jahrelange keine neuen Herde und Remissionen über mehrere Jahre können ebenso auftreten.

Faktoren, die mit einer schlechten Prognose assoziiert sind, sind ein Auftreten im jungen Alter und ein ausgeprägter Haarverlust.

Diffuser Haarausfall

Bei dieser Form dünnt das Haar gleichmäßig am gesamten Kopf aus. Der diffuse Haarausfall ist meist vorübergehend und hat verschiedene Auslöser:

  • Starker körperlicher oder emotionaler Stress
  • Hormonelle Umstellungen (Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahre)
  • Nährstoffmangel
  • Bestimmte Medikamente
  • Schilddrüsenerkrankungen

Nach Beseitigung der Ursache erholt sich das Haarwachstum in der Regel innerhalb von 6-12 Monaten.

Ursachen von Haarausfall im Detail

Die Ursachen für Haarausfall sind vielschichtig. Oft kommen mehrere Gründe zusammen:

  • Genetische Faktoren: Die Genetik spielt eine entscheidende Rolle beim Haarausfall. Die Hauptursache ist die genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber DHT.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Schwankungen können zu vorübergehendem oder dauerhaftem Haarausfall führen.
  • Medizinische Ursachen: Verschiedene Erkrankungen und medizinische Behandlungen können Haarausfall auslösen.
  • Ernährungsbedingte Faktoren: Eine unausgewogene Ernährung kann das Haarwachstum erheblich beeinträchtigen.
  • Stress: Der Körper reagiert auf Stress mit der Ausschüttung verschiedener Hormone, die den Haarfollikel in die Ruhephase versetzen können.

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Diagnose von Haarausfall

Bevor eine gezielte Behandlung beginnen kann, ist eine gründliche Diagnose unerlässlich. Folgende Untersuchungen können durchgeführt werden:

  • Ausführliche Anamnese
  • Dermatologische Untersuchung
  • Trichoskopie
  • Haarzugtest (Pull-Test)
  • Trichogramm
  • Blutuntersuchungen

Behandlungsmöglichkeiten

Eine Heilung der androgenetischen Alopezie gibt es bislang nicht - probate Mittel gegen den Haarausfall aber schon.

  • Minoxidil: Verbessert die Durchblutung um die Haarwurzeln herum und hilft so, die Haare besser mit Nährstoffen zu versorgen.
  • Finasterid: Senkt den Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT). Es ist nur für Männer zugelassen.
  • PRP-Behandlung (plättchenreiches Plasma): Dafür wird Patienten Blut abgenommen und Blutplättchen herausgefiltert. Sie werden in konzentrierter Form wieder in die Kopfhaut injiziert.
  • Haartransplantation: Für die Transplantation werden Haare vom unteren Hinterkopf entnommen, weil diese resistent gegen das für den erblich bedingten Haarausfall verantwortliche Hormon Dihydrotestosteron sind.

Neueste Forschung

Eine aktuelle Studie hat eine bislang unbekannte Ursache für Haarausfall identifiziert. Das erklärt auch, warum viele Haarwuchsmittel nicht wirken. Denn offenbar funktioniert das Haarwachstum anders als bislang angenommen.

Forscher vom französischen L’Oréal Forschungs- und Innovationsinstitut sowie von der britischen Queen Mary Universität haben die Entwicklungsdynamik von menschlichen Haarzellen und Haarfollikeln unter kontrollierten Laborbedingungen (Ex-vivo-Kulturen) untersucht. Mithilfe eines 3D-Live-Bildgebungssystems stellten sie fest, dass Haarwachstum anders verläuft, als bislang angenommen.

Dabei spielt eine spezielle Zellbewegung im äußeren Bereich des Haarfollikels offensichtlich eine entscheidende Rolle. Die Zellen an der Außenseite bewegen sich nämlich spiralförmig nach unten, während das Haar selbst nach oben wandert. Dieser Mechanismus erzeugt eine Zugkraft, die das Haar nach oben zieht.

Bislang ging man davon aus, dass allein die Zellteilung dafür verantwortlich sei, dass ein Haar nach oben gedrückt werde. Die Studie zeigt jedoch, dass andere Mechanismen, wie die äußere Zugkraft der Außenzellen, entscheidender sind.

Diese neue Sichtweise auf die Mechanik der Haarfollikel eröffnet neue Möglichkeiten für die Erforschung und Behandlung von Haarausfall. So könnten womöglich neue Medikamente entwickelt werden. Auch die Gewebezüchtung als Teil der regenerativen Medizin könnte neu ausgerichtet werden.

Durchbruch in der Forschung: Zucker gegen Haarausfall?

Nun könnte einem Forschungsteam aus England und Pakistan der Durchbruch gelungen sein. Eigentlich wollte das Team um Sheila MacNeil von der University of Sheffield und Muhammed Yar von der COMSATS University Islamabad untersuchen, wie der Zucker namens 2-Desoxy-D-Ribose (2dDR) - auch Desoxyribose genannt - zur Wundheilung beitragen kann.

Als die Forschenden die Desoxyribose in Form eines Gels auf die Wunden von Mäusen auftrugen, stellten sie aber auch noch etwas anderes fest: 2dDR kann offensichtlich nicht nur Wunden verschließen - sondern auch den Haarwuchs anregen.

Um herauszufinden, warum das so ist, stellten die Wissenschaftler*innen den menschlichen erblich bedingten Haarausfall bei Mäusen nach. Bei einer Gruppe von Mäusen trugen sie anschließend eine kleine Dosis 2dDR auf die kahlen Stellen auf. Das Forschungsteam kam zu dem Ergebnis: Der natürlich vorkommende Zucker 2dDR ist genauso wirksam wie das chemisch hergestellte Medikament Minoxidil.

Das mache ihn zu einem guten Kandidaten für die weitere Forschung zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall.

Vorbeugung und Selbsthilfe

Auch wenn Haarausfall oft genetisch bedingt ist, können Sie einiges tun, um Ihr Haar gesund zu halten und weiteren Haarausfall zu minimieren:

  • Gesunde Ernährung
  • Schonende Haarpflege
  • Stressmanagement

Zusammenfassung

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Die gute Nachricht ist, dass es viele Behandlungsmöglichkeiten gibt, die helfen können, den Haarverlust zu stoppen oder sogar umzukehren. Neue Forschungsergebnisse eröffnen zusätzliche Perspektiven für zukünftige Therapien.

Überblick über Haarausfall-Typen und Häufigkeit
Haarausfall-Typ Häufigkeit in der Bevölkerung Besonders betroffene Gruppen
Androgenetische Alopezie 80% der Männer, 50% der Frauen Erwachsene ab 30 Jahren
Kreisrunder Haarausfall 2% der Bevölkerung Alle Altersgruppen
Diffuser Haarausfall 3-10% der Bevölkerung Frauen nach Schwangerschaft, Menschen unter Stress

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