Haarausfall bei Frauen in den Wechseljahren: Ursachen, Behandlung und Hausmittel

Wenn beim morgendlichen Kämmen lose Haare in der Bürste zurückbleiben, ist das kein Grund zur Panik. Erst wenn der Anteil der ausfallenden Haare mehr als 100 Kopfhaare pro Tag übersteigt, sprechen Expertinnen und Experten von Alopezie und damit von vermehrtem, krankhaftem Haarausfall. Frauen leiden darunter seltener als Männer, aber verschont bleiben sie allerdings nicht.

Es ist wichtig zu verstehen, dass hinter dem Haarausfall viele Ursachen stecken können. Suchen Sie deshalb bei andauerndem übermäßigem Haarverlust eine Ärztin oder einen Arzt auf.

Der Haarzyklus

Um die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Haarausfall besser zu verstehen, ist es hilfreich, den natürlichen Haarzyklus zu kennen:

  • Wachstumsphase (Anagenphase): Das Haar wird im Follikel der Kopfhaut gebildet und wird länger und dicker.
  • Übergangsphase (Katagenphase): In dieser Phase des Haarzyklus befinden sich etwa ein Prozent der Haare. Die Haarwurzel wird nun nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und stellt deshalb die Zellteilung und das Haarwachstum ein. Sie schrumpft und verhornt schließlich. Das Haar wird von der Haarpapille abgestoßen.
  • Ruhe-/Ausfallphase (Telogenphase): In der Telogenphase befinden sich in der Regel etwa 14 Prozent aller Haare auf dem Kopf, sie dauert rund drei Monate an. Die Stoffwechselaktivität des Follikels wird eingestellt. Ein neues Haar wird gebildet, das das alte aus dem Follikel schiebt: Es fällt aus.

Hormonell bedingter Haarausfall in den Wechseljahren | Interview mit Christina Wolff-Staudigl

Ursachen von Haarausfall bei Frauen

Hinter dem Haarausfall können viele Ursachen stecken. Hier sind einige der häufigsten:

Genetisch bedingter Haarausfall

Unabhängig vom Geschlecht leiden 90 Prozent aller Betroffenen unter erblichem oder anlagebedingtem Haarausfall. Hatten die Mutter und/oder die Großmutter ebenfalls Haarausfall? Ja, dann ist diese Ursache wahrscheinlich. Bei Männern zieht sich in diesem Fall der Haaransatz an Stirn und Schläfen zurück, die Geheimratsecken entstehen.

Hormonschwankungen

Geraten Hormone aus der Balance, kann das zum Haarausfall führen. Eine Veränderung des Hormonhaushalts tritt insbesondere in der Pubertät, während der Wechseljahre und in der Schwangerschaft auf. Auch das Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln („Pille“) beeinflusst die Hormone.

In den Wechseljahren kommt es bei Frauen zu Hormonschwankungen, die neben dem Ausbleiben der Periode zu Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Hautproblemen aber auch zu plötzlich starkem Haarausfall führen. Genauer gesagt, produzieren Frauen um die 50 weniger Fortpflanzungshormone wie Östrogen und Progesteron. Und genau diese Hormone sorgen, wenn wir jünger sind, dafür, dass die Wachstumsphase des Haarzyklus lange anhält.

Hormonell bedingter Haarausfall kann übrigens auch nach einer Schwangerschaft oder nach dem Absetzen der Pille entstehen.

Der Abfall des Östrogenspiegels in den Wechseljahren kann zu Haarausfall oder trockenem Haar führen. Der Hintergrund: In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, während der Anteil männlicher Hormone wie Testosteron relativ steigt.

Etwa ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren leiden, bedingt durch Östrogenmangel, zumindest zeitweise unter Haarausfall. Ein Test des Hormonspiegels beim Arzt kann Aufschluss darüber geben, ob eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein könnte, um Hormonschwankungen entgegenzuwirken.

Wird die Pille nach längerer Einnahme nach Beginn der Wechseljahre abgesetzt, sind ausfallende Haare eine häufige Begleiterscheinung. Auch in solchen Fällen kann die Behandlung mit bioidentischen Hormonen den Haarausfall vorbeugen und Symptome von Östrogenmangel mildern.

Wenn in den Wechseljahren der Östrogenspiegel sinkt und der Anteil von Testosteron im Blut verhältnismäßig steigt, wirkt sich das bei vielen Frauen auf das Volumen und die Fülle der Kopfhaare aus.

Ernährung

Das Haar wird über die Haarwurzel mit Nährstoffen versorgt. Damit sie gesund wachsen können, brauchen die Haare Vitamine und Spurenelemente:

  • Eisen
  • Zink
  • Biotin (Vitamin B7)
  • Vitamin A
  • Vitamin E
  • Vitamin C

Eine Unterversorgung kann den Haarausfall fördern.

Bei Haarausfall in den Wechseljahren ist eine ausreichende Zufuhr von Aminosäuren, Eisen und Zink wichtig. Aminosäuren sind die Bausteine von Eiweiß und aus ihnen wird u.a. Keratin gebildet.

Medikamente

Die Einnahme bestimmter Arzneimittel kann das Haarwachstum verhindern. Dazu gehören einige Blutverdünner, Antidepressiva und ACE-Hemmer sowie Antiepileptika, die den Wirkstoff Valproinsäure enthalten, oder Zytostatika.

Pflegefehler / mechanisch bedingter Haarausfall

Wer seine Haare zu heiß wäscht, föhnt oder mit dem Glätteisen behandelt, kann Haarausfall fördern. Ungeeignete Shampoos und Hairstyling-Produkte belasten die Haarsubstanz zusätzlich.

Vernarbender Haarausfall

Hauterkrankungen und Schädigungen der Kopfhaut führen zu Haarausfall und vernarbten Stellen.

Weitere Formen von Haarausfall

  • Diffuser Haarausfall (Effluvium): Meist zeigt sich der Haarausfall bei Frauen als „diffuser Haarausfall” (Effluvium): Die Haare gehen gleichmäßig am ganzen Kopf aus.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Bei dieser Form fällt das Haar an den betroffenen Körperstellen münzförmig aus. Der kreisrunde Haarausfall tritt bei ein bis zwei Prozent der Betroffenen auf. Als Ursache wird eine Autoimmunreaktion gegen die in der Haut liegenden Haarbestandteile vermutet. Dadurch entstehen lokale Entzündungen, die das Wachstum der Haare stören. Alopecia areata klingt meist von selbst wieder ab.
  • Alopecia totalis: Auch hier wird eine Autoimmunerkrankung als Grund angenommen: Der Körper zerstört die eigenen Haarwurzeln. Betroffene haben keinerlei Haare mehr auf dem Kopf.

Symptome von Haarausfall in den Wechseljahren

Wie äußert sich der Haarausfall in den Wechseljahren? Hier sind einige typische Anzeichen:

  • Du findest mehr Haare in der Haarbürste, im Abfluss oder auf dem Kissen.
  • Der Pferdeschwanz wird schmaler und die Kopfhaut schimmert am Ansatz durch.
  • Dein Haar sieht außerdem schlapp und kaputt aus.

Das sind eindeutig Symptome für hormonell bedingten Haarausfall bei Frauen über 50, die auftreten, wenn sich die Wachstumsphase des Haars verkürzt und die Ruhephase verlängert.

Behandlung von Haarausfall

Die Behandlung hängt von der Ursache und der Art des Haarausfalls ab. Ist beispielsweise ein Medikament für den Haarverlust bei Frauen verantwortlich, kann ein alternatives Mittel ausprobiert werden.

Medikamentöse Behandlungen

  • Minoxidil: Zu den bekanntesten Wirkstoffen zählt Minoxidil: Das Blutdruck senkende Mittel ist als Medikament bei Haarausfall bei genetisch bedingtem Haarausfall bei Frauen (und Männern) zugelassen. Studien haben gezeigt, dass die äußerliche Anwendung das Haarwachstum fördert. Der Wirkstoff wird als Flüssigkeit oder Schaum regelmäßig auf die Kopfhaut aufgetragen. Besserung soll sich meist nach 2 bis 3 Monaten einstellen.
  • Weitere Medikamente: Weitere apothekenpflichtige Medikamente gegen Haarausfall bei Frauen sind die Pantovigar® vegan-Tabletten und Produkte der Marke Priorin (Tabletten oder als Liquid zur Anwendung auf der Kopfhaut).
  • Koffein-Shampoos: Zudem versprechen Shampoos mit Koffein das gesunde Haarwachstum zu fördern. Wissenschaftlich erwiesen ist der Effekt aber nicht. Bei zu häufiger Anwendung oder sensibler Kopfhaut kann es zudem zu Nebeneffekten wie Hautirritationen, trockener Kopfhaut oder Schuppenbildung kommen.
  • Alfatradiol: Shampoos und Tinkturen mit Alfatradiol wie Ellcranell sind zur Behandlung von hormonbedingtem Haarausfall zugelassen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel versprechen eine Wirksamkeit bei Haarausfall.

Behandlung von kreisrundem Haarausfall: Bei kreisrundem Haarausfall werden meist Glukokortikoide oder JAK-Inhibitoren zur medikamentösen Behandlung verordnet. Diese sind verschreibungspflichtig. Weitere hilfreiche Methoden können die Low-Level-Laser-Therapie, Microneedling oder das Einspritzen von Blutplättchen-reichem Eigenplasma in die Kopfhaut sein.

Hormontherapie

Um die hemmende Wirkung von männlichen Hormonen auf die Haarwurzeln zu unterdrücken, bieten sich Behandlungen mit Östrogen und Progesteron bei Haarausfall an. Treten in der Zeit der Wechseljahre auch andere Beschwerden wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen auf, können Behandlungen mit bioidentischen Hormonen den Hormonhaushalt ausgleichen und Symptome lindern.

In einigen Fällen kann eine Hormonersatztherapie in Betracht gezogen werden, um den Hormonhaushalt auszugleichen. Sie kann jedoch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein, daher sollte sie nur nach Rücksprache mit einem Facharzt in Erwägung gezogen werden.

Weitere Behandlungen

  • PRP-Therapie: Dazu gehört beispielsweise eine Eigenblut-Plasma-Therapie, die man auch PRP-Therapie (PRP= Platelet Rich Plasma) nennt. Sie ist die effektivste Therapieform des Haarausfalls bei Frauen. In etwa 90% der Fälle kann der Haarausfall gestoppt werden. Darüber hinaus erholen sich bei jeder zweiten Patientin die erkrankten Haarfollikel. Die Qualität und Effektivität der PRP Therapie ist von der Erfahrung des Arztes, der Injektionstechnik und Laborausstattung abhängig. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen, speziell aufbereitet und anschließend in die Kopfhaut injiziert. Es enthält hochkonzentrierte Wachstumsfaktoren und Mikronährstoffe, die die Haarfollikel reaktivieren und die Durchblutung der Kopfhaut stärken.
  • Stammzellen-Therapie: Eine weitere Möglichkeit ist die Gewinnung von Stammzellen aus Haarfollikeln oder Unterhautfettgewebe. Die Stammzellen werden aufbereitet und in die Kopfhaut gespritzt.
  • Haartransplantation: Wem Hausmittel, Shampoos, Medikamente oder Regenerationstherapien nicht helfen und der Haarverlust ein beeinträchtigendes kosmetisches Problem darstellt, für den bietet die Haartransplantation oft eine letzte rettende Alternative.

Hausmittel gegen Haarausfall

Klarzustellen ist, dass viele Formen von Haarausfall vorübergehend sind und das Haar von selbst nachwächst. Das wichtigste „Hausmittel“ gegen Haarausfall bei Frauen ist die Ernährung: Die für kräftiges Haar notwendigen Bausteine stecken in frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und tierischen Lebensmitteln wie Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch. Auch Milchprodukte, Eier, magerer Fisch, Nüsse, Pilze und Hülsenfrüchte dürfen auf dem Speiseplan nicht fehlen.

Gegen Haarausfall in den Wechseljahren gibt es auch pflanzliche Mittel ohne chemische Zusätze. Natürliche Hausmittel gegen Haarausfall bei Frauen über 50 sind zum Beispiel Arganöl, Apfelessig oder Brennessel, die aufgrund des hohen Nährstoffgehalts positiv auf die Durchblutung der Kopfhaut wirken.

Hier sind einige weitere Hausmittel, die helfen können:

  • Brennnesselhaarwasser: Für ein Brennnesselhaarwasser einfach eine Handvoll Brennnesselblätter mit einem viertel Liter kochendem Wasser übergießen. Den Sud 10 Minuten ziehen lassen, durch ein Sieb gießen und abkühlen lassen. Täglich etwas abgekühlten Sud in die Kopfhaut einmassieren.
  • Apfelessig-Spülung: Dazu mischen Sie Apfelessig im Verhältnis 1:5 mit handwarmen Wasser und geben die Mischung nach der üblichen Haarwäsche ins Haar. 5- 10 Minuten einwirken lassen und dann ausspülen.
  • Rosmarinöl: Auf die Kopfhaut aufgetragen, soll es die Durchblutung und die Gesundheit der Kopfhaut fördern.

Weitere Tipps für schönes Haar in den Wechseljahren

  • Styling-Tipps: Haarstylisten empfehlen Frauen mit Haarausfall in den Wechseljahren oft einen kürzeren Haarschnitt, da dünner werdendem Haar damit optisch mehr Volumen und Textur verliehen werden kann. Manchmal kann es aber auch schon helfen, den Scheitel anders zu legen, um lichte Stellen im Haar zu kaschieren.
  • Sanfter Umgang mit den Haaren: Schlafe zum Beispiel auf einem Seidenkissen, trockne die Haare mit einem Mikrofaser Handtuch ab oder benutze den Tangle Teezer Wet Detangler zum Entwirren, wodurch die Haare weniger beansprucht werden. Außerdem solltest du weniger oft zu Hitzestyling-Tools wie Glätteisen oder Lockenstab, Blondierungen oder permanenten Colorationen greifen.

Neben dem Haarausfall leidest du nun auch an Kopfhautjucken im Alter? Warum das so ist und was du dagegen machen kannst, erfährst du in unserem Blog.

Dauer des Haarausfalls in den Wechseljahren

Wie lang der Haarausfall in den Wechseljahren dauert, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Die Symptome können über mehrere Monate oder sogar Jahre bestehen - in der Regel so lang, bis die Wechseljahre vorbei sind. Aber ihr könnt aufatmen: Danach regeneriert sich das Haar wieder. Also ein Ende ist bei jeder Frau nach den Wechseljahren in Sicht.

Psychische Belastung

Zum Schluss ist noch zu sagen, dass der Umgang mit Haarausfall in den Wechseljahren emotional belastend sein kann. Es ist wichtig, eine positive Einstellung zu bewahren und sich bewusst zu machen, dass dies ein natürlicher Prozess ist, der das Selbstbewusstsein nicht beeinträchtigen sollte. Unterstützung von Freunden, Familie oder einem Therapeuten kann hilfreich sein.

Durch die richtige medizinische Betreuung, gesunde Lebensstiländerungen und die Pflege des emotionalen Wohlbefindens können Frauen in den Wechseljahren Wege finden, ihren Haarausfall zu bewältigen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Zusammenfassung

Haarausfall in den Wechseljahren ist ein häufiges Problem, das viele Frauen betrifft. Die Ursachen sind vielfältig, aber oft spielen hormonelle Veränderungen eine wichtige Rolle. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, von medikamentösen Therapien bis hin zu Hausmitteln und Styling-Tipps. Wichtig ist, sich frühzeitig an einen Arzt zu wenden, um die Ursache abzuklären und die geeignete Therapie zu finden.

Nährstoffe für gesundes Haarwachstum
Nährstoff Lebensmittelquellen Wirkung
Eisen Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse Wichtig für den Sauerstofftransport zu den Haarwurzeln
Zink Fleisch, Nüsse, Samen, Vollkornprodukte Unterstützt das Haarwachstum und die Reparatur von Gewebe
Biotin (Vitamin B7) Eier, Nüsse, Samen, Süßkartoffeln Wichtig für die Keratinproduktion
Vitamin A Karotten, Süßkartoffeln, Spinat, Leber Fördert das Zellwachstum und die Talgproduktion
Vitamin E Nüsse, Samen, Pflanzenöle, grünes Blattgemüse Antioxidative Wirkung, schützt die Haarwurzeln
Vitamin C Zitrusfrüchte, Paprika, Erdbeeren, Brokkoli Fördert die Kollagenproduktion und die Eisenaufnahme
Aminosäuren Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse Bausteine für Keratin, das Hauptprotein der Haare

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