Haare fallen täglich aus - das ist ganz normal. Alter und Genetik bestimmen dabei maßgeblich, wie dicht, kräftig oder farbstabil unser Haar ist. Doch nicht immer ist der Haarverlust ein unveränderbares Schicksal. Denn unser Haarwachstum wird entscheidend von Hormonen gesteuert.
Die Schilddrüse spielt eine wichtige Rolle im menschlichen Körper, da sie Hormone produziert, die den Stoffwechsel und verschiedene Körperfunktionen regulieren. Eine Funktionsstörung der Schilddrüse kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter auch Haarausfall.
Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ, das sich im vorderen Halsbereich befindet und eine entscheidende Rolle in unserem Körper spielt. Sie produziert wichtige Hormone, die viele unserer Körperfunktionen regulieren - von der Temperaturregulierung bis hin zum Stoffwechsel.
Die Diagnose der Schilddrüsenüber oder -unterfunktion ist oft nicht einfach. Denn es können sehr viele Symptome zusammentreffen, die einzeln betrachtet ebenfalls auf andere Erkrankungen hinweisen können.
Bei Haarausfall oder anderen Symptomen aufgrund einer Erkrankung der Schilddrüse sollte in erster Linie das ärztliche Gespräch gesucht werden, um die zugrunde liegende Schilddrüsenfunktionsstörung abklären und behandeln zu lassen. Eine genaue Diagnose und eine angemessene medizinische Therapie sind entscheidend, um den Haarausfall zu stoppen oder zu reduzieren. Letztendlich ist es wichtig, eine positive Einstellung zu bewahren, denn diffuser Haarausfall aufgrund einer Schilddrüsenfunktionsstörung ist meist reversibel, sofern die Erkrankung durch Medikamente reguliert wird.
Im Folgenden werden die Zusammenhänge zwischen Schilddrüsenerkrankungen und Haarausfall näher erläutert.
Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3), die über den Blutkreislauf in die Haarfollikel gelangen und dort das Haarwachstum beeinflussen. Diese Hormone steuern die Zellerneuerung und den Stoffwechsel der Haarzellen, was das Wachstum der Haare direkt unterstützt.
Die Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) beeinflussen den Stoffwechsel im menschlichen Körper. Das Haarwachstum wird in den Haarfollikel gesteuert, diese haben einen natürlichen Kreislauf. Wird dieser Kreislauf durch zu wenige oder zu viele Hormone aus der Schilddrüse gestört, kommt es zu Veränderungen im Haarwachstum bzw. einem Ausfall von Haaren.
Die Schilddrüse beeinflusst nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Wirkung der Sexualhormone im Körper. Das bedeutet: Eine scheinbar „normale“ Hormonveränderung, wie nach einer Schwangerschaft, kann unerwartete Auswirkungen auf die Schilddrüse haben.
Der Haarzyklus besteht aus drei Phasen:
Wenn die Haarfollikel durch zu wenige oder zu viele Hormone fehlgesteuert werden, ist ihr Wachstum fehlgeleitet. Dadurch erlangen die Haare keine ausreichende Stabilität und werden zu fein, matt und brüchig. Zudem erreichen sie nicht ihre gewohnte Länge und fallen zu früh oder direkt aus.
Ist die Hormonproduktion gestört, geraten auch die von ihr gesteuerten Vorgänge durcheinander. Neben Haarausfall kann es zu weiteren Veränderungen kommen, z.
Wichtig sind die Hormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die direkt die Proteinsynthese in den Haarfollikeln steuern.
Viele Menschen denken bei Haarausfall zunächst an das Kopfhaar. Auch die Körperhaare, wie z.B.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. Die verminderte Produktion von Schilddrüsenhormonen führt dazu, dass der Stoffwechsel im Körper verlangsamt wird. Dies kann das Haarwachstum beeinflussen und zu dünnerem, mattiertem Haar führen. Die Haare können zudem trocken, brüchig und spröde werden. Dadurch laufen viele Stoffwechselprozesse verlangsamt ab. Typische, an den Haaren sichtbare Symptome sind z.
Unter dem Begriff “Hypothyreose” versteht man eine krankhafte Unterfunktion der Schilddrüse. Dadurch resultiert eine mangelnde Versorgung des Körpers mit den Schilddrüsenhormonen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Bei Erwachsenen liegt die Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion in den meisten Fällen in einer chronische Schilddrüsenentzündung. Bei Männern ist diese Erkrankung deutlich weniger ausgeprägt als bei Frauen - häufig im mittleren Alter.
Typische Symptome einer Hypothyreose:
Die häufigste Form der Schilddrüsenunterfunktion ist Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Zellen der Schilddrüse an und schädigt diese.
Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen, die den Hormonhaushalt ausgleichen. Dies kann das Haarwachstum häufig wieder stabilisieren.
Nährstoffmangel: Für gesundes Haarwachstum braucht der Körper eine zuverlässige Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen. Eisen bzw. Ein Nährstoffmangel kann verschiedene Ursachen haben. Bei Frauen spielen zusätzlich starke Menstruationsblutungen oder andere Formen von Blutverlust eine große Rolle, da dadurch vor allem Eisen verloren geht.
Vitamin B12 kann die durch eine Schilddrüsenunterfunktion verursachten Symptome verbessern.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, was zu einem beschleunigten Stoffwechsel führt. Dies kann dazu führen, dass das Haar schneller als üblich in die Ruhephase übergeht und ausfällt. Die Haare können dünner, feiner und brüchiger werden. Der Körper ist überstimuliert - alles läuft „auf Hochtouren“.
Entgegengesetzt zu einer Unterfunktion, können die beiden Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) auch im Überfluss produziert und ausgeschüttet werden. Dann ist von einer “Hyperthyreose” die Rede. Diese Autoimmunerkrankung kann eine Vielzahl von verschiedenen Krankheitserscheinungen hervorrufen. Eine mögliche Folge der Überproduktion an Hormonen ist unter anderem der Haarausfall. Auch eine erhöhte Zufuhr von Schilddrüsenhormonen in Form von Medikamenten (Thyreotoxicosis factitia) kann die Überfunktion verantwortlich sein. In den meisten Fällen kann eine medikamentöse Behandlung die Schilddrüsenüberfunktion erfolgreich regulieren. In schwereren Fällen muss eine Operation durchgeführt werden.
Typische Symptome einer Hyperthyreose:
Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion kann Medikamente, eine Radiojodtherapie oder in manchen Fällen eine Operation umfassen. Eine stabile Hormonproduktion ist wichtig, um das Haarwachstum wieder anzukurbeln und Haarausfall zu stoppen.
Steigt die Hormonaktivität zu stark an, kann eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen - und auch hier zählt diffuser Haarausfall zu den typischen Symptomen.
Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow und die Hashimoto-Thyreoiditis können ebenfalls Haarausfall verursachen. Bei diesen Erkrankungen greift das Immunsystem die Schilddrüse an, was die Hormonproduktion beeinflussen kann.
Autoimmunerkrankungen erfordern oft eine gezielte medikamentöse Therapie, die das Immunsystem und die Hormonproduktion stabilisiert.
Komplizierter wird es, wenn die Schilddrüsenstörung eine autoimmune Ursache hat, wie bei der Hashimoto-Thyreoiditis. Genau das passiert bei Alopecia Areata, einer Form des kreisrunden Haarausfalls. Studien (1) zeigen, dass bei Alopecia areata und anderen Alopezieformen deutlich häufiger eine Schilddrüsenerkrankung auftritt. Eine große genetische Analyse (2) konnte zeigen, dass Menschen mit Hypothyreose ein 34 % höheres Risiko für Alopecia Areata haben als gesunde Personen.
Die Schilddrüse verliert selten „einfach so“ ihre Balance. Die Schilddrüse ist ein sehr empfindliches Organ und reagiert auf viele Einflussfaktoren:
Damit die Schilddrüse - und damit auch deine Haare - wieder ins Gleichgewicht kommen, reicht es in vielen Fällen nicht aus, lediglich Hormone zu substituieren. Kurz gesagt: Es geht immer um das Gesamtsystem. Damit die Haare wieder normal wachsen, muss die zugrunde liegende Schilddrüsenerkrankung behandelt werden - sei es eine Unterfunktion (Hypothyreose) oder Überfunktion (Hyperthyreose).
Wichtige Faktoren für die Behandlung:
Haarausfall kann bei der Einnahme von L-Thyroxin auftreten - entweder weil die Dosierung noch nicht optimal ist oder weil sich die Haarwurzeln an die veränderten Hormonspiegel anpassen müssen. Wie lange es dauert, bis die Haare nach L-Thyroxin wieder wachsen, hängt vom individuellen Haarzyklus ab.
Haarausfall kann viele Ursachen haben - von genetischer Veranlagung über Stress bis hin zu Nährstoffmängeln. Die gute Nachricht ist jedoch: Haare können nach Schilddrüsenproblemen in vielen Fällen wieder nachwachsen, sobald die Hormonbalance stabil ist.
Für Menschen, die unter durch Schilddrüsenprobleme verursachtem Haarausfall leiden, können unterstützende Behandlungen wie die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma) und die Mesotherapie das Haarwachstum anregen und das Haar insgesamt stärken. Beide Methoden zielen darauf ab, die Kopfhaut mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen und die Haarfollikel zu revitalisieren, was besonders dann sinnvoll sein kann, wenn der Haarausfall auch nach der medikamentösen Einstellung der Schilddrüse anhält.
Unterstützende Behandlungen:
Diese Behandlungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn der Haarausfall stabil ist und die Schilddrüsenerkrankung bereits gut eingestellt wurde. Da sie die Haarfollikel stärken und das Haarwachstum unterstützen, können PRP- und Mesotherapie als begleitende Maßnahmen zur Schilddrüsenbehandlung dabei helfen, das Haar wieder dichter und kräftiger wachsen zu lassen.
Kann eine Schilddrüsenerkrankung Haarausfall verursachen?
Ja.
Wachsen die Haare nach einer Behandlung wieder?
In den meisten Fällen ja. Sobald die Hormonbalance stabil ist und die Haarfollikel ausreichend versorgt werden, beginnen die Haare nach 3-6 Monaten sichtbar nachzuwachsen.
Können pflanzliche Extrakte oder Nahrungsergänzungen helfen?
Ja. Studien zeigen, dass z. B.
Kann L-Thyroxin Haarausfall verursachen?
Ja, manchmal vorübergehend. Wenn die Dosierung nicht optimal ist, kann es zu diffusem Haarausfall kommen - sowohl bei Unterdosierung als auch bei Überdosierung.
Ein gesunder Schilddrüsenhaushalt ist entscheidend für das Wachstum und die Gesundheit unserer Haare. Sowohl eine Unter- als auch eine Überfunktion der Schilddrüse können zu Haarausfall und anderen Haarproblemen führen. Falls Sie bei sich vermehrten Haarausfall beobachten und gleichzeitig Symptome einer Schilddrüsenstörung feststellen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen und Ihre Schilddrüsenwerte überprüfen zu lassen.
Tabelle: Zusammenfassung Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haarausfall
| Schilddrüsenfunktionsstörung | Hormonproduktion | Auswirkungen auf das Haar | Behandlung |
|---|---|---|---|
| Hypothyreose (Unterfunktion) | Zu wenig Schilddrüsenhormone | Dünnes, mattes, trockenes und brüchiges Haar; verlangsamtes Haarwachstum | Hormonersatztherapie (L-Thyroxin) |
| Hyperthyreose (Überfunktion) | Zu viele Schilddrüsenhormone | Dünneres, feineres und brüchigeres Haar; beschleunigter Haarzyklus mit vermehrtem Ausfall | Medikamente, Radiojodtherapie oder Operation |
| Autoimmunerkrankungen (z.B. Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow) | Veränderte Hormonproduktion durch Angriff des Immunsystems auf die Schilddrüse | Haarausfall je nach Art der Funktionsstörung (Unter- oder Überfunktion) | Medikamentöse Therapie zur Stabilisierung des Immunsystems und der Hormonproduktion |
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