Haarausfall Ursachen: Entzündungen im Kiefer als Auslöser?

Volles Haar wird oft mit Vitalität, Jugend und Gesundheit assoziiert, während Haarausfall eher mit Krankheit oder Alterung in Verbindung gebracht wird. Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig und können sowohl hormonelle als auch genetische Gründe haben. Doch auch Entzündungen im Körper, insbesondere im Kieferbereich, können eine Rolle spielen.

Verschiedene Formen von Haarausfall

Grundsätzlich können alle Formen des Haarausfalls beide Geschlechter betreffen, doch treten bestimmte Varianten aufgrund geschlechtsspezifischer Unterschiede häufiger auf. Im Folgenden werden die häufigsten Formen des Haarausfalls und ihre Ursachen erläutert:

Androgenetischer Haarausfall (Erblich bedingter Haarausfall)

Haarausfall bei Männern ist in den meisten Fällen genetisch bedingt und auf eine Überreaktion der Haarwurzeln zurückzuführen. Ursache ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron (DHT), einem männlichen Sexualhormon. Typische Muster sind Geheimratsecken und fortschreitender Haarausfall mit Ausdünnung der Tonsur. Bei Frauen kann eine gestörte Östrogenproduktion oder eine erhöhte Testosteronproduktion die Ursache sein - oder eine andere Veränderung im Hormonhaushalt (Schwangerschaft, Wechseljahre). Frauen sind meist erst nach den Wechseljahren betroffen, da ein hoher Östrogenspiegel schützend wirkt. Bei ihnen wird der Scheitel dünner, bis die Kopfhaut durchscheint.

Bei Männern beginnt es mit Geheimratsecken (Haarausfall am Haaransatz oberhalb der Schläfen). Der Haarausfall schreitet fort und betrifft den Tonsurbereich, bis schließlich eine Halbglatze entsteht und nur noch der Haarkranz übrig bleibt.

Androgenetischer Haarausfall ist genetisch bedingt, also in gewissem Umfang vorbestimmt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass diese Art des Haarausfalls durch bestimmte Faktoren, wie Stress, Nikotinabusus, nährstoffarme Ernährung und ähnlichem ausgelöst bzw. verstärkt werden kann.

Alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall)

Der Kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) kann schon in jungen Jahren beginnen. Ursache sind Entzündungsreaktionen im Körper. Auch wenn viele Details unklar sind, geht man von einer Autoimmunerkrankung aus. Das körpereigene Abwehrsystem greift die Haarwurzeln an. Typisch sind kreisrunde, kahle Stellen. Es gibt viele verschiedene Formen der Alopecia areata mit unterschiedlichen Ausprägungen. So können auch Längsstreifen an Finger- und Fußnägeln auftreten oder die Intensität des Haarausfalls variiert bis hin zum Verlust der gesamten Körperbehaarung.

Kreisrunder Haarausfall bildet sich in vielen Fällen innerhalb von 6 bis 12 Monaten von selbst zurück. Ist dies nicht der Fall, kann der Haarausfall gut behandelt werden. Zunächst muss die Immunreaktion unterdrückt werden. Dies kann mit Kortison oder anderen Medikamenten erreicht werden.

Diffuser Haarausfall

Wenn die Haare am ganzen Kopf ausfallen, spricht man von diffusem Haarausfall. Diese Form des Haarausfalls tritt bei beiden Geschlechtern und in jedem Alter auf. Die Ursachen sind vielfältig und liegen meist in Mangelzuständen oder Erkrankungen, die zu einer Unterversorgung der Haarwurzeln mit Sauerstoff und Nährstoffen führen. Dadurch wird der Wachstumsprozess gestört und es kann zu Haarausfall kommen.

Typisch ist eine Ausdünnung der gesamten Kopfbehaarung. Die Haare fallen am ganzen Kopf (oder Körper) aus. Gerade deshalb ist eine individuelle Behandlung entscheidend für den Erfolg. Wir investieren daher zunächst Zeit in die Analyse und Ursachenforschung. Manchmal sind die Ursachen schnell gefunden (z.B. wenn ein offensichtlicher Nährstoffmangel vorliegt), andere Ursachen erfordern eine tiefere Analyse.

Vernarbende Alopezie

Bei der vernarbenden Alopezie kommt es zu Juckreiz, Schuppung und Rötung der Kopfhaut. Typisch sind auch Schmerzen und eine helle, haarlose Haut, die glatt und glänzend erscheint. Die Haarwurzeln sind nicht mehr sichtbar. Je nach Ursache kann die Haut blass oder gerötet bleiben.

Die Behandlung der vernarbenden Alopezie umfasst den Einsatz von topischen oder systemischen Kortikosteroiden, Immunmodulatoren und Antibiotika zur Entzündungshemmung. Auch regenerative Therapien können den Körper im Kampf gegen die Entzündung unterstützen, ebenso wie Ernährung und Haarpflege.

Weitere Ursachen für Haarausfall

Neben den genannten Formen gibt es weitere Faktoren, die Haarausfall begünstigen können:

  • Mangelzustände: Eisen-, Eiweiß-, Nährstoff-, Vitamin- und Mineralstoffmangel
  • Psychische Erkrankungen: Trichotillomanie, Trauer, Depression, Trauma
  • Äußere Einflüsse: Zu straffe Frisuren, Haarextensions
  • Stress: Stressbedingter Haarausfall tritt auf, weil Stresshormone wie Cortisol den Haarwachstumszyklus stören.
  • Infektionen: Corona, HIV, Syphilis, Impetigo contagiosa und Scharlach
  • Medikamente: Betablocker, ACE-Hemmer, Heparin und Zytostatika
  • Kopfhauterkrankungen: Pilzinfektionen, Schuppenflechte, Verbrennungen, Unfälle oder angeborene Fehlbildungen
  • Schwermetalle: Amalgam, Palladium und Quecksilber
  • Chemikalien: Haarfärbemitteln und anderen kosmetischen Behandlungen
  • Ungesunde Lebensweise: Rauchen, Alkohol, Drogen

Der Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und Haarausfall

Es gibt Indizien dafür, dass orale Probleme und Haarverlust in einem Zusammenhang stehen könnten. Zahninfektionen entstehen, wenn Bakterien in den Zahnschmelz und das darunter liegende Dentin eindringen. Über die Blutbahn können die Bakterien und die durch sie produzierten Toxine in andere Teile des Körpers gelangen. Die durch Zahninfektionen verursachten Entzündungsreaktionen können wiederum eine Kaskade von Reaktionen im Körper auslösen. Diese systemischen Entzündungsreaktionen können den Haarwuchszyklus stören und so zu Haarausfall führen.

Zahnfleischentzündung, medizinisch als Gingivitis bezeichnet, tritt auf, wenn das Zahnfleisch durch Bakterien im Mund entzündet wird. Wenn diese Entzündung nicht behandelt wird, kann sie zu einer ernsteren Form führen, bekannt als Parodontitis. Diese Entzündungen können in den Blutkreislauf gelangen und Entzündungsmediatoren im gesamten Körper verteilen. Diese Entzündungsstoffe können die normalen Funktionen der Haarfollikel stören, insbesondere ihre Fähigkeit, gesundes Haar zu produzieren und zu erhalten.

Ein zahnärztlicher Abszess ist eine Ansammlung von Eiter, die durch eine bakterielle Infektion in und um einen Zahn verursacht wird. Ebenso wie bei Zahnfleischentzündungen können die mit einem Abszess verbundenen Entzündungen und Bakterien in den Blutkreislauf gelangen.

Auch allergische Reaktionen auf Zahnmaterialien wie Amalgam, Kunststoffe oder bestimmte Metalle können unterschwellig ablaufen und sich nicht nur im Mund, sondern auch an ganz anderen Körperstellen bemerkbar machen. Wer also neue Füllungen, Kronen oder Brücken erhalten hat und danach plötzlich unter Haarausfall leidet, sollte die Möglichkeit einer Materialunverträglichkeit unbedingt mit dem Zahnarzt besprechen.

Die Prävention von Zahn- und Mundproblemen ist nicht nur für die Mundgesundheit selbst, sondern auch für die allgemeine Gesundheit des Körpers, einschließlich der Haargesundheit, von entscheidender Bedeutung. Regelmäßige Zahnarztbesuche ermöglichen auch die Früherkennung von Problemen wie Karies, Zahnfleischentzündungen oder Abszessen. Durch die Umsetzung dieser vorbeugenden Maßnahmen können viele der Zahnprobleme, die potenziell die Haargesundheit beeinflussen könnten, verhindert werden.

Fallbeispiel: Zahninfektion und kreisrunder Haarausfall

Ein 32-jähriger Mann stellte sich mit mehreren plötzlich entstandenen, runden kahlen Stellen am Hinterkopf vor. Weder familiäre Vorbelastung noch psychischer Stress waren erkennbar. Die üblichen dermatologischen Therapien blieben erfolglos. Nach Entfernung eines betroffenen Zahns kam es innerhalb weniger Wochen zu einem überraschenden Phänomen: Das Haarwachstum setzte an den betroffenen Stellen wieder ein. Die kahlen Areale bildeten sich langsam zurück, und nach etwa drei Monaten war die Kopfhaut wieder vollständig behaart.

Diagnostik und Behandlung

Die Suche nach den Ursachen des Haarausfalls setzt sich im Wesentlichen aus diagnostischen Schritten zusammen. Die entsprechenden Antworten und Untersuchungsergebnisse fügen sich schließlich zu einem kompletten und ganzheitlichen Bild zusammen.

Da bestimmte Laborwerte wichtige diagnostische Hinweise auf mögliche Ursachen des Haarausfalls geben, führen wir für unsere Patienten, sofern gewünscht, eine Laboruntersuchung durch. Ein eventueller Diagnoseverdacht kann mittels der Laborergebnisse schließlich gezielt gefestigt oder ggf. ausgeschlossen werden.

Zudem führen wir ein digitales Trichogramm durch.

Nach einer Beratung und Diagnose der Ursachen erstellen wir für jeden Patienten einen geeigneten und gezielten Therapieplan zur Bekämpfung des Haarausfalls. Grundsätzlich stehen folgende Behandlungs- und Therapiewege zur Verfügung:

  • PRP-Therapie
  • Low-Laser-Therapie
  • Stammzellen-Therapie
  • Meso-Therapie
  • Infusionstherapie
  • Medikamentöse Behandlung
  • Haartransplantation

Was Sie selbst tun können

Zunächst einmal sollten Sie nicht in Panik verfallen. Haarausfall ist in vielen Fällen vorübergehend oder gut behandelbar und Panik kann die Situation sogar verschlimmern, da Stress den Haarausfall verstärken kann.

Beginnen Sie stattdessen mit einer Selbstanalyse. Fragen Sie sich, was sich in letzter Zeit in Ihrem Leben verändert hat. Nehmen Sie neue Medikamente? Haben Sie Ihre Ernährung umgestellt? Sind Sie besonderem Stress ausgesetzt? Gibt es Fälle von Haarausfall in Ihrer Familie?

Widerstehen Sie der Versuchung, sofort zu Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen frei verkäuflichen Produkten zu greifen.

Der nächste wichtige Schritt ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vereinbaren Sie einen Termin bei einem Experten, im ersten Schritt ist der Hausarzt bzw. Hautarzt eine gute Anlaufstelle.

Wann sollten Sie einen Zahnarzt aufsuchen?

Eine zahnärztliche Untersuchung ist besonders dann angezeigt, wenn der kreisrunde Haarausfall trotz dermatologischer Behandlung bestehen bleibt oder immer wiederkehrt. Auch bei Haarausfall, der ohne erkennbare Ursache plötzlich auftritt, sollte die Zahngesundheit überprüft werden. Testung auf Materialunverträglichkeiten ist sinnvoll, wenn zeitnah zu neuen Füllungen, Kronen oder Zahnersatz ein Haarausfall einsetzt.

Je früher ein möglicher Zusammenhang erkannt wird, desto besser stehen die Chancen, dass sich der Haarausfall nach Behandlung der Zahnprobleme wieder zurückbildet oder zumindest gestoppt werden kann.

Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Der Hausarzt ist der erste Ansprechpartner. Er kann offensichtliche Probleme erkennen, z.B. Mangelerscheinungen.

Die meisten Menschen wenden sich jedoch an einen Dermatologen. Ein Dermatologe ist ein Facharzt, der sich auf die Behandlung von Hautkrankheiten und Funktionsstörungen der Haut spezialisiert hat. Ein Teilgebiet ist das Haar und sein Wachstum bzw. das Ausbleiben des Haarwachstums.

Die beste Beratung bei Haarausfall erhalten Sie von einem Haarausfallspezialisten.

Der Grund für deinen Haarausfall (Es ist nicht Genetik)

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