Wer eine COVID-19-Erkrankung überstanden hat, kann noch lange nach dem Abklingen der Krankheit an den Folgen leiden. Dazu gehört mitunter auch der Haarausfall. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass nach einer Corona-Erkrankung manchmal Haarausfall auftreten kann. Dies erklärt sich durch die Zeit des Stresses und des Fiebers. Es sind auch Fälle von Haarausfall nach einer Corona-Impfung bekannt.
Das Coronavirus verursacht plötzlichen Stress in den Haarfollikeln, der Ihren Haarzyklus verändern kann. Körperlicher Stress wird durch Krankheit und Fieber verursacht. Auch emotionaler Stress kann auftreten. Dieser Stress verkürzt die Wachstumsphase Ihres Haares und verlängert die Ruhephase. In dieser Zeit verlieren Sie mehr Haare als neue Haare wachsen. Dieses Phänomen wird oft als Telogenes Effluvium bezeichnet, eine Form des diffusen Haarausfalls (über die gesamte Kopfhaut verteilter Haarausfall).
Der Haarausfall wird oft zwei bis drei Monate nach den ersten Coronabeschwerden bemerkt. Auffällig ist, dass die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall umso größer ist, je stärker die Coronabeschwerden waren. Wenn Sie darüber nachdenken, ist das verständlich. Auch nach einer Corona-Impfung kann es zu Haarausfall kommen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch viel geringer als nach einer Infektion mit dem Corona-Virus.
Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Die Ursachen von Haarausfall sind äusserst vielfältig.
Grundsätzlich lässt sich der Haarausfall bzw. die Alopezie in zwei Kategorien einteilen:
Vernarbend bedeutet, dass es zu einer irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt, meistens durch länger bestehende Entzündungsreaktionen verursacht. Ein neues Haarwachstum ist bei fortgeschrittenem Befall der Haarfollikel dann nicht mehr möglich. Beispiele wären hier z. B. Folliculitis Decalvans, dahinter steckt eine Entzündung der Kopfhaut und Haarwurzeln, die die Haarfollikel unwiederbringlich zerstört.
Nicht vernarbend bedeutet, dass es zu keiner irreversiblen Zerstörung der Haarfollikel kommt und neues Haarwachstum prinzipiell wieder möglich ist. Ursachen wären beispielweise Telogenes Effluvium (Diffuser Haarausfall) oder auch Alopecia Areata (Kreisrunder Haarausfall).
Die Virusinfektion bzw. die dadurch bedingten internistischen Erkrankungen wie eine Lungenentzündung stellen eine starke Belastung für den Körper da. Eine solche Belastung kann zur Entwicklung eines sog. Telogenen Effluviums führen. Dies bedeutet, dass das Haar aus seiner Wachstumsphase in die Ausfallphase (Telogene Phase) wechselt. Das Haar löst sich dabei von der Blutversorgung und seiner Verankerung ab.
Das Haar fällt dabei aber nicht direkt aus, sondern erst nachdem es sich langsam aus eben dieser Verankerung gelöst hat. Die Symptomatik des Haarausfalls beginnt daher in der Regel erst Monate nach der eigentlichen Covid-Erkrankung. Telogenes Effluvium kann auch durch zahlreiche andere Erkrankungen bedingt sein, z. B. Stress oder Nährstoffmangel.
Der Haarausfall nach einer Impfung äußert sich in einer anderen Form, nämlich als lückenhafte Kahlheit (Alopecia Areata). Diese Ursache des Haarausfalls wurde bisher nur selten gemeldet, nämlich in drei Fällen in Italien. In der Studie mit denjenigen, bei denen dies der Fall war, traten die Symptome erst 2 bis 3 Wochen nach der Impfung auf.
Die sogenannte Alopecia areata oder auch kreisrunder Haarausfall setzt sich aus dem griechischen Wort alopekia für „krankhaften Haarausfall“ und dem lateinischen Wort area für „freier Platz“ zusammen. Der Begriff bezeichnet vereinfacht ausgedrückt das Auftreten mehrerer kreisrunder haarloser Bereiche, zumeist an der Kopfhaut.
Typisch für den kreisrunden Haarausfall ist, dass in diesen Bereichen Entzündungsreaktionen nachgewiesen werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang von sogenannten follikulären Entzündungen, da sie Strukturen betreffen, die die Haarwurzeln umgeben. Der kreisrunde Haarausfall wird zu den nicht-vernarbenden Formen des Haarausfalls gezählt. Das bedeutet, die Haarwurzeln selbst werden nicht zerstört und ein erneutes Wachsen der Haare ist möglich.
Als Ursache für den kreisrunden Haarausfall werden Autoimmunreaktionen vermutet. Dies bedeutet vereinfacht, dass der Erkrankung eine Störung des Immunsystems zugrunde liegt. Der Körper bildet Antikörper gegen eigene Strukturen und ruft so eine Entzündung hervor. Dieser Abwehrmechanismus richtet sich in diesem Fall gegen die Haarfollikel, welche zwar nicht zerstört, aber am Wachstum gehindert werden.
In ca. 20% der Fälle lässt sich ein familiär gehäuftes Auftreten beobachten und auch ein möglicher Zusammenhang mit Stressbelastungen wird in der medizinischen Forschung diskutiert.
Bei fortbestehenden Entzündungsreaktionen der Kopfhaut (Rötungen, Schmerzen, Schwellungen) sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Weiterhin gilt die Faustregel, dass bei Ausfall von mehr als 100 Haaren pro Tag eine Abklärung erfolgen kann. Wichtig und oft missverstanden ist aber folgender Punkt: Die 100 Haare, welche pro Tag ausfallen dürfen, fallen nicht zwingend aus, sondern verbleiben zunächst über Tage auch einfach nur sehr locker im Haarfollikel.
Um den kreisrunden Haarausfall zu diagnostizieren, dient einem Haarspezialisten in erster Linie eine ausführliche Anamnese sowie das individuelle klinische Erscheinungsbild als Anhaltspunkt. Zur tiefergehenden Diagnostik & Haaranalyse bei Haarausfall kann außerdem eine Probe aus den haarlosen Bereichen entnommen und anschließend unter dem Mikroskop untersucht werden. Auf diese Weise kann ein Entzündungsgeschehen nachgewiesen werden.
Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, den kreisrunden Haarausfall ursächlich zu heilen. Daher haben die Therapiemöglichkeiten vor allem das Ziel, die Symptome der Krankheit zu lindern, also den Haarausfall zu bekämpfen. Nach Absetzen der Therapie kann es daher häufig zu einem erneuten Haarverlust kommen. Eine kosmetische Behandlungsmöglichkeit stellt die Haarpigmentierung dar.
Die aktuell angewandten Therapien richten sich meist gegen die Entzündungsreaktion in den haarlosen Bereichen. Entzündungshemmende Medikamente sind daher oft Therapie der Wahl. Hierbei handelt es sich vor allem um cortisonhaltige Mittel, die entweder oral als Tablette oder auch lokal in Form von Salben oder Haarwässern angewendet werden.
Ein weiterer Therapieansatz besteht darin, in den betroffenen Arealen künstlich eine Entzündung hervorzurufen. Diese Entzündung beansprucht dann die Abwehrmechanismen des Körpers für sich, sodass sich diese nicht mehr so stark gegen die Haarwurzeln richten. Dabei wird die Haut beispielsweise mit flüssigem Stickstoff behandelt oder im Rahmen der sogenannten PUVA-Therapie mit UV-A-Licht bestrahlt.
Auch eine Immuntherapie oder PRP-Therapie bei Haarausfall kann in bestimmten Fällen hilfreich sein. Hierunter versteht man Methoden, die das körpereigene Immunsystem so stärken, dass die Bekämpfung einer Erkrankung erleichtert wird.
Das Telogene Efflvium verursacht einen reversiblen Haarausfall. Das heißt, dass die Haarfollikel erhalten bleiben und nach dem ausgefallenen Haar ein neues Haar nachwächst. Haare, die zum Zeitpunkt der Infektion in ihre Ausfallphase gewechselt sind, werden in bis zu sechs Monaten ausfallen. Parallel sollte aber untersucht werden, ob die neu nachwachsenden Haare auch optimale Bedingungen für ihr Wachstum haben. Es sollte so beispielweise nach Mikornährstoffstörungen gescreent werden (z. B. Zink, Eisen, Vit D3 usw.) und ggf. behandelt werden.
Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass auch der covidbedingte Haarausfall, so wie jedes andere Telogene Effluvium, reversibel ist. Um dies zu beweisen, fehlen aber schlichtweg noch ausreichend Studiendaten.
Da der Haarausfall in der Regel reversibel ist, positiv bleiben, Ruhe bewahren und nicht in ein Gedankenkreisen rund ums Haar geraten. Bitte keine wilde Anwendung von Antihaarausfall-Lotion oder -shampoos etc. Diese können wie bereits beschrieben keinen Wechsel zurück in die Wachstumsphase bewirken. Stattdessen optimale Bedingungen für die neuen Haare schaffen, d. h. z. B. eine ausgewogene Ernährung.
Sie sollten es vermeiden, Geräte zu benutzen, die Ihr Haar übermäßiger Hitze aussetzen. Lassen Sie sich auf Nährstoffmängel untersuchen, da ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralien zu Haarausfall führen kann. Eisen, Vitamin D, Vitamin B12 und Zink sind für die Erhaltung eines gesunden Haarschopfs unerlässlich.
Wenn sich herausstellt, dass Sie an einer Form von Nährstoffmangel leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es kann auch hilfreich sein, den Stress zu reduzieren, dem Sie ausgesetzt sind. Meditation oder Atemübungen können dabei helfen, die normale Haarfunktion wiederherzustellen.
Nach einer Corona-Infektion ist Haarausfall häufig stressbedingt und vorübergehend. Wichtig ist, dem Körper Zeit zur Regeneration zu geben, auf eine nährstoffreiche Ernährung zu achten und stressreduzierende Maßnahmen in den Alltag einzubauen. Am besten hilft eine Kombination aus Geduld, gesunder Lebensweise und eventuell gezielter Einnahme von Mikronährstoffen wie Biotin oder Zink, sofern ein Mangel festgestellt wurde.
In der Regel beginnt der Haarausfall zwei bis drei Monate nach der Infektion und kann etwa drei bis sechs Monate andauern, bevor sich das Haarwachstum wieder normalisiert.
Bei anhaltendem Haarausfall nach einer Corona-Infektion sollte man mögliche Nährstoffmängel ärztlich abklären lassen und dem Körper durch ausgewogene Ernährung, Pflege und Ruhe optimale Bedingungen für die Erholung bieten.
| Form des Haarausfalls | Beschreibung | Mögliche Ursachen |
|---|---|---|
| Diffuser Haarausfall (Telogenes Effluvium) | Gleichmäßiger Haarausfall über die gesamte Kopfhaut | Stress, Krankheit (z.B. COVID-19), Nährstoffmangel, Medikamente |
| Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata) | Auftreten von kreisrunden, kahlen Stellen | Autoimmunreaktion, genetische Veranlagung, Stress |
| Vernarbende Alopezie | Zerstörung der Haarfollikel mit Narbenbildung | Entzündungen der Kopfhaut und Haarwurzeln |
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