Vor allem Chemotherapien, aber auch andere Krebstherapien, können vorübergehend zum Verlust der Haare führen. Haarausfall kann Krebspatientinnen und Krebspatienten emotional stark belasten. Nicht zuletzt, weil eine Glatze für andere sichtbar ist und die Krebserkrankung "öffentlich" wird.
Dieser Artikel gibt Empfehlungen, die den Umgang mit Haarausfall bei einer Krebsbehandlung erleichtern können. Es ist wichtig zu beachten, dass Informationen aus dem Internet Ihnen einen Überblick bieten können, aber nicht dazu geeignet sind, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.
Haarausfall gehört zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Aber: Nicht jede Chemo lässt die Haare ausfallen.
Wir erklären, bei welchen Medikamenten Betroffene mit Haarverlust rechnen müssen. Ob und in welchem Ausmaß mit Haarausfall zu rechnen ist, können die Patienten ihre Ärzte fragen. Das Gespräch mit dem ärztlichen Team über einen möglichen Haarverlust kann für die Betroffenen eine große Unterstützung sein.
Auch wenn Haarverlust zu den typischen Nebenwirkungen einer Chemotherapie gehört: Nicht jedes Chemotherapie-Medikament (Zytostatikum) verursacht Haarausfall. Das ärztliche Team kann den betroffenen Patientinnen oder Patienten im Voraus darüber Auskunft geben, bei welchem Arzneimittel mit einem Verlust der Haare zu rechnen ist. Darüber hinaus kann der Haarverlust bei jeder Patientin oder jedem Patienten anders verlaufen.
Die Art, wie die Ärzte eine Chemo verabreichen, beeinflusst beispielsweise das Risiko für Haarausfall: Erhalten Krebspatientinnen oder -patienten ihre Tumortherapie über die Vene direkt ins Blut, sind die Nebenwirkungen meist stärker als wenn sie Tabletten einnehmen. Eine Kombination mehrerer Wirkstoffe erhöht ebenfalls das Risiko, dass die Haare ausgehen. Auch hohe Medikamenten-Dosierungen steigern die Wahrscheinlichkeit für Haarausfall.
Etwa 1 - 4 Wochen nach Therapiebeginn fallen die Haare mehr oder weniger stark aus. Und zwar dann, wenn eine Chemotherapie nicht nur Krebszellen, sondern auch die Haarzellen angreifen. Die Haare fallen bei vielen klassischen Chemotherapie-Medikamenten meist wenige Wochen nach Beginn der Behandlung aus.
Für einen beginnenden Haarverlust spricht, wenn die Kopfhaut bei Berührungen empfindlich ist oder sogar weh tut. Die Haare fallen in der Regel nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach, manchmal auch büschelweise. Sind mehr als die Hälfte der Haare auf dem Kopf ausgegangen, fällt der Haarverlust auch Außenstehenden auf.
Meist verlieren die Patientinnen und Patienten nach einer Chemo alle Haare auf dem Kopf und sie bekommen eine Glatze. Seltener kommt es zum diffusen oder flächigen Haarverlust. Beim diffusen Haarverlust fallen die Haare auf dem Kopf gleichmäßig aus, das Haar sieht "dünner" aus. Beim flächigen Haarausfall entstehen begrenzte, meist runde kahle Stellen.
Manchmal dünnen die Haare auf dem Kopf auch nur aus oder brechen direkt über der Haarwurzel ab. Zurück bleiben dann Haarstoppeln. Unter Umständen gehen die Haare auch im Gesicht, also Augenbrauen, Wimpern und Bart, im Scham- oder Achselbereich oder am gesamten Körper aus.
Bei einigen Patientinnen oder Patienten kommt es nicht zum Haarausfall, sondern die Haare wachsen während der Krebstherapie nur langsamer. Dabei können die Haare auch ihre Farbe und Beschaffenheit verändern. Wer nicht möchte, dass ein Haarverlust sichtbar ist, kann ihn mit einer Perücke kaschieren.
Chemotherapie: Eine Krebsbehandlung mit Chemotherapie zielt darauf, die sich schnell teilenden Krebszellen in ihrem Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Diese Form der Therapie wirkt auf den ganzen Körper und schädigt auch schnell wachsendes, gesundes Gewebe - wie die Haarwurzel-Zellen. In der Folge hören die Haare auf zu wachsen und fallen aus.
Neben dem Kopfhaar können Augenbrauen, Wimpern, Bart, Achsel- und Schamhaare verloren gehen.
Bestrahlung: Eine Bestrahlung zerstört die Krebszellen um den bestrahlten Bereich herum. Wird etwa der Kopf bestrahlt, kann das die Haarwurzeln schädigen und Haarausfall begünstigen.
Zielgerichtete Therapie: Zielgerichtete Therapien greifen nur ganz bestimmte Strukturen der Krebszellen an. Gesundes Gewebe schädigen sie in der Regel nicht. Es gibt jedoch Wirkstoffe, die sich gegen Strukturen richten, die auch bei gesunden Zellen vorkommen. Betrifft es die Zellen der Haarwurzeln, ist Haarausfall möglich.
Immuntherapie: Immuntherapien dienen dazu, dass Immunsystem zu aktivieren und dieses gezielt gegen die Krebszellen zu richten. Wie es dabei genau zu Haarausfall kommt, ist bisher unklar. Man vermutet, dass Entzündungsprozesse an den Haarwurzeln eine Rolle spielen.
Antihormontherapie: Wie Antihormontherapien mit Haarausfall zusammenhängen, ist ebenfalls noch nicht vollständig geklärt. Was man weiß: Geschlechtshormone beeinflussen das Haarwachstum.
Da die eigentliche Haaranlage durch eine Krebsbehandlung meist nicht geschädigt wird, wachsen die Haare nach Ende der Therapie in der Regel nach.
Haarausfall unter Antihormontherapie bei Brustkrebs. Vollständiger Haarverlust sehr selten. Gut zu wissen: Auch ein verstärktes Haarwachstum oder Bartwuchs bei der Frau sind unter einer Antihormontherapie sehr selten.
Meist gehen die Haare diffus und nicht klar abgegrenzt aus, das Haar kann brüchig oder dünner werden. Bei manchen Betroffenen kann der Haaransatz auf der Stirn zurückweichen. Bei anderen kommt es manchmal auch zu einem ausgedünnten Haarwachstum um den Mittelscheitel oder Geheimratsecken.
Nur sehr selten führt eine Antihormontherapie zum vollständigen Haarverlust. Nach Beendigung der Therapie wachsen die Haare in der Regel wieder wie vorher.
Für Betroffene kann ein Haarausfall infolge der Brustkrebs-Therapie eine große psychische Belastung darstellen. Der Kontakt zu einem Psychoonkologen kann eine große Hilfe sein.
Im Folgenden nennen wir Beispiele für Zytostatika**, bei denen Patientinnen und Patienten sehr häufig, gelegentlich oder selten ihre Haare verlieren (aufgeführt in alphabetischer Reihenfolge):
Meist verlieren die Patientinnen und Patienten nach einer Chemo alle Haare auf dem Kopf. Die Haare fallen in der Regel aber nicht alle auf einmal aus, sondern nach und nach, manchmal auch büschelweise.
Das Risiko für Haarverlust erhöht sich beispielsweise, wenn Patientinnen oder Patienten die Chemo über die Vene direkt ins Blut bekommen, bei einer Chemotherapie mit einer Kombination aus mehreren Wirkstoffen, wenn Betroffene ihre Zytostatika in hohen Dosierungen oder innerhalb kurzer Zeitabstände erhalten.
Im Fachgeschäft können sich Krebspatientinnen und Krebspatienten zu Perücken beraten lassen. Vom Tragekomfort her gibt es kaum Unterschiede. Echthaarperücken sind länger haltbar und haben natürliche Eigenschaften. Sie lassen sich wie natürliche Haare auch frisieren, färben, locken oder glätten. Perücken mit echten Haaren sind jedoch deutlich teurer als solche mit Kunsthaar.
Kunsthaarperücken sind pflegeleicht und kostengünstiger als Echthaarperücken. Bei einer günstigen Kunsthaarperücke ist die Frisur kaum wandelbar. Qualitativ hochwertiges Kunsthaar lässt sich aber auch frisieren und ist kaum von Echthaar zu unterscheiden.
Bei dünnem Haar können die Betroffenen "Streuhaare" als Pulver auf das Haar streuen. Streuhaare bestehen aus Fasern, die sich durch statische Anziehung mit dem Eigenhaar verbinden. Dadurch sieht das Haar dichter aus.
Der Verlust der Haare kann seelisch sehr belastend sein. Das Äußere eines Menschen verändert sich deutlich, wenn er auf einmal keine Kopfhaare, Wimpern oder Augenbrauen mehr hat. Außerdem ist die Krebserkrankung für andere nun "sichtbar".
Wenn Krebspatientinnen und Krebspatienten sehr unter ihrem Haarausfall leiden, stehen ihnen folgende Anlaufstellen zur Verfügung:
Folgende Tipps sind keine evidenzbasierten Empfehlungen, haben sich aber in der Praxis als hilfreich erwiesen:
Die Haare fangen meist wieder an nachzuwachsen, wenn die Krebsmedikamente im Körper abgebaut sind: in der Regel innerhalb von 3 - 6 Monaten. Ist die Behandlung mit den Krebsmedikamenten abgeschlossen, wachsen die Haare meist innerhalb von 3 - 6 Monaten wieder nach.
Die nachwachsenden Haare können sich vom früheren Haar unterscheiden: Es kann sein, dass das Haar dichter und lockiger als vorher wird oder die Haarfarbe sich ändert. Solche Strukturveränderungen sind meist vorübergehend und die Haare sehen nach der Behandlung oft wieder wie früher aus.
Ist bei der Therapie mit Haarausfall zu rechnen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich darauf vorzubereiten.
Einfache Pflege-Maßnahmen helfen, den Haaren und der Kopfhaut etwas Gutes zu tun. Dazu gehört zum Beispiel:
Manche Menschen entscheiden sich dafür, die Haare kurz zu schneiden oder abzurasieren noch bevor die ersten Haare ausfallen. Andere warten den Verlauf ab und entscheiden sich später. Wer lange Haare hat und sich langsam an die Veränderung gewöhnen möchte, kann die Haare stufenweise kürzer schneiden.
Hüte, Tücher, Mützen sind ein hilfreicher Begleiter während der Zeit des Haarausfalls und für die Zeit, wenn die Haare nachwachsen. Fehlt das eine oder andere in der Garderobe, kann man es im Voraus nachkaufen.
Möchte man eine Perücke oder ein Haarteil tragen, ist es sinnvoll, sich vorab darum zu kümmern. Für den Haarersatz wendet man sich am besten an ein spezialisiertes Zweithaarstudio. Sprechen Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Haarersatz notwendig ist und er oder sie ihn verordnen kann. Der Farbton einer Perücke lässt sich auf die gewünschte Haarfarbe abstimmen.
In einigen, teils umfangreichen kontrollierten Studien haben Experten untersucht, ob eine Kühlung der Kopfhaut während der Gabe von Chemo-Medikamenten verhindern kann, dass die Haare ausgehen. An den Studien nahmen vor allem Brustkrebspatientinnen teil.
Prinzip der Kühlhauben: Die Blutgefäße ziehen sich durch die Kälte zusammen und es gelangen weniger Blut und somit weniger Chemotherapie-Medikamente in die Gefäße der Kopfhaut. Die Haarwurzeln verlangsamen bei Kälte ihren Stoffwechsel und werden dadurch weniger geschädigt.
Ergebnis der Studien: Bei einem Teil der Patientinnen verringerte sich der Haarausfall. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und ein unangenehmes Kältegefühl während der Kühlhaubenbehandlung.
Patientinnen und Patienten sollten mit ihren Ärzten Nutzen und Risiken einer Kopfhautkühlung abwägen. Darüber hinaus sollten sie die Kostenfrage klären, da die Krankenkassen in der Regel die Kosten nicht übernehmen.
Wer sich mit dem Haarausfall unwohl fühlt und in der Öffentlichkeit keine Glatze tragen möchte, kann ihn auf verschiedene Weise verbergen:
Es gibt Perücken aus Echt- und Kunsthaar, die verschieden geknüpft sind. Im Tragekomfort unterscheiden sie sich kaum. Perücken aus Echthaar sind jedoch aufwändiger zu pflegen und teurer.
Die Preise für Perücken sind sehr verschieden. Manche kosten einige hundert Euro, andere mehr als tausend Euro. Erkundigen Sie sich im Zweithaarstudio zu den aktuellen Preisen.
Bei der Wahl des Zweithaarstudios ist darauf zu achten, dass es von der jeweiligen Krankenkasse als Anbieter zugelassen ist.
Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Perücke trägt oder anteilig übernimmt, muss der Arzt oder die Ärztin den Haarersatz verordnen. Zudem muss die Krankenkasse die Verordnung genehmigen.
Bei gesetzlich versicherten Frauen, Kindern und Jugendlichen erstatten die Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Perücke. Bei Männern ist es mit der Kostenerstattung schwieriger. Der Grund ist, dass man bei ihnen annimmt, dass sie selten unter dem Haarausfall leiden.
Ob die Kosten ganz oder teilweise übernommen werden, hängt vom Perücken-Modell ab. Hat die Perücke Eigenschaften, die über die medizinisch notwendige Versorgung hinausgehen, muss man die Mehrkosten selber tragen.
Fallen die Haare aus, ist die Kopfhaut an den haarlosen Stellen sehr empfindlich und benötigt eine spezielle und schonende Pflege.
Solange die Haare ausfallen und nicht vollständig nachgewachsen sind, ist es ratsam:
In dieser Zeit empfiehlt es sich:
Kühlkappen sollen helfen, Haarausfall zu vermeiden. Ärztinnen und Ärzte können sie anbieten, wenn mit starkem Haarverlust zu rechnen ist - etwa bei einer Chemotherapie über die Vene.
Man trägt die Kühlkappe einige Minuten vor, während und nach der Medikamentengabe. Das kann mit starkem Kälteempfinden und Kopfschmerzen verbunden sein.
Die Kälte bewirkt, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. In der Folge fließt weniger Blut durch die Kopfhaut. Dadurch gelangt auch weniger Chemotherapie-Medikament über das Blut in die Kopfhaut und schließlich in die Haarzellen.
Gleichzeitig drosseln die Haarwurzeln ihren Stoffwechsel und nehmen insgesamt geringere Mengen des Medikaments auf: Die Haare werden weniger geschädigt und können erhalten bleiben.
Der Einsatz von Kühlkappen eignet sich nicht für jede Krebsform und jede Krebsbehandlung. Zudem sind sie nicht überall verfügbar.
Sprechen Sie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt, ob eine Kopfhautkühlung infrage kommt. Fragen Sie zudem bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Kosten dafür übernommen werden.
Generell ist vorab der Nutzen von Kühlkappen gegenüber den Risiken abzuwägen. Bei Brustkrebs gibt es die meisten Studien. Sie weisen darauf hin, dass eine Kühlung der Kopfhaut bei manchen Menschen starken Haarausfall verhindern kann. Ihr Nutzen ist bislang aber nicht abschließend geklärt.
Plötzlich und schnell die Haare zu verlieren, ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis.
Der Haarverlust kann dazu führen, dass man sich zum Beispiel traurig oder wütend fühlt. Auch fällt es manchmal schwer zu entscheiden, wie man am besten mit dem Haarausfall umgeht.
Dann kann es hilfreich sein:
Krebsbehandlungen: Ursache für den Verlust der Haare. Lexikon Alopezie: vollständiger Verlust der Haare. Zytostatika und Strahlentherapie: Viele Chemotherapie-Medikamente sowie die Strahlen einer Bestrahlung wirken besonders auf schnell wachsende und sich häufig teilende Zellen. Dazu zählen Tumorzellen, aber auch die Haarwurzelzellen, die sich in der Wachstumsphase befinden. Sind die Haarwurzeln geschädigt, fallen die Haare aus.
Der Haarausfall ist für viele Menschen eine der schwersten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Er kann zum Beispiel belasten, weil andere nun erkennen können, dass man an Krebs erkrankt ist. Auch das Selbstbild als Frau oder Mann kann leiden. Bei Frauen spielt dabei in erster Linie der Verlust des Kopfhaars, bei Männern auch der von Bart- und Körperhaaren eine Rolle.
Es gibt einige Wege, mit diesen Belastungen umzugehen:
Überlegen Sie vor Beginn der Behandlung, ob Sie sich vielleicht die Haare vorher schon kurz schneiden lassen. Dann ist der Unterschied zur Haarlosigkeit nicht so groß. Auch ist der Umgang mit ausfallenden kurzen Haaren für die Betroffenen leichter, als wenn Strähnen langer Haare ausgehen.
Vertrauen Sie sich Ihrem Behandlungsteam an, wenn Ihnen der drohende Haarverlust Sorgen macht (Psychologische Unterstützung schon vor der Therapie suchen).
Für Krebspatientinnen und Krebspatienten kann es hilfreich sein, sich schon vor einer Behandlung mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass die Haare ausgehen können. So können sie sich bereits im Vorfeld überlegen, wie sie mit dem Verlust ihrer Haare umgehen möchten (Perücken).
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