Syphilis: Ursachen, Verlauf und Behandlung der Geschlechtskrankheit

Syphilis, auch bekannt als Lues, ist eine chronisch verlaufende bakterielle Infektion, die unbehandelt zu schweren systemischen Schädigungen führen kann. Die Erkrankung wird meist über direkten sexuellen Kontakt übertragen und durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht. Die sogenannte venerische Syphilis gehört zu den am weitesten verbreiteten Infektionskrankheiten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weltweit von rund 7 Millionen Neuinfektionen im Jahr aus. In Deutschland und Westeuropa sind von der Syphilis vor allem schwule Männer und andere Männer, die (auch) mit Männern Sex haben, betroffen. Die gemeldeten Zahlen zu Syphilis-Infektionen in Deutschland der letzten Jahre zeigen deutlich, dass das Risiko, sich mit Syphilis zu infizieren, steigt. Im Jahr 2022 wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 8.300 Syphilis-Fälle gemeldet, ein neuer Höchststand.

Früh erkannt, lässt sich Syphilis heutzutage gut mit Antibiotika behandeln. Allerdings bleibt die Geschlechtskrankheit oft lange unerkannt: Sie verläuft in mehreren Stadien, die sich durch teils unspezifische Symptome äußern. Unbehandelt kann sich die Infektion ausbreiten, schwere Organschäden verursachen und tödlich verlaufen. Insbesondere sexuell aktive Menschen sollten daher über mögliche Syphilis-Symptome Bescheid wissen und im Zweifel ärztlichen Rat einholen.

Syphilis - Alle Fakten zu Verbreitung, Symptomen und Behandlung

Erreger und Übertragung

Der Erreger Treponema pallidum ist ein spiralig gewundenes, gramnegatives Bakterium aus der Familie der Spirochaetaceae. Die Virulenz von Treponema pallidum beruht auf der Fähigkeit, das Immunsystem zu umgehen und in den Wirtszellen persistieren zu können.

Bei ungeschütztem, sexuellen Kontakt dringt der Erreger über Mikroläsionen, also winzige Verletzungen der Schleimhaut oder Haut, in den Körper ein. Eine Infektion kann aber auch über kontaminierte Nadeln bzw. Gegenstände erfolgen, was allerdings nur selten der Fall ist. Eine Übertragung des Syphilis-Erregers ist aber auch in der Schwangerschaft bzw. unter der Geburt von der Mutter auf das Kind möglich.

  • Verbreitung: Syphilis tritt weltweit auf, wobei die Prävalenz in Entwicklungsregionen und bei Risikogruppen (z. B. Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)) erhöht ist.
  • Haupteintrittspforte: Die Hauptpforte für Treponema pallidum ist die Haut- oder Schleimhautoberfläche im Genital-, Anal- oder Mundbereich.

Stadien der Syphilis

Die Syphilis verläuft in mehreren Phasen. Hierbei unterscheidet man zwischen Frühsyphilis (bis 1 Jahr nach Infektion) und Spätsyphilis. Unbehandelt durchläuft die Syphilis verschiedene Stadien: die Frühsyphilis, die Sekundärsyphilis, die Spätsyphilis, die Neurosyphilis und die konnatale Syphilis. Alle Fälle, in denen der Infektionszeitpunkt früher als ein Jahr zurückliegt, bezeichnet man als Frühsyphilis.

Primäre Syphilis (Lues I)

Das erste Stadium der Frühsyphilis wird als Primäre Syphilis bezeichnet. Hier äußert sich die Erkrankung zunächst durch eine Verhärtung des Gewebes an der Stelle des Körpers, an der der Erreger eingetreten ist. Kurz nach einer Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum zeigt sich zunächst ein einzelnes, schmerzloses Geschwür (harter Schanker) zum Beispiel an der Schleimhaut von Scheide, Penis, After oder im Mund - je nachdem, wo das Bakterium beim Geschlechtsverkehr oder intensiven Kontakt in den Köper gelangt. Das Geschwür ist meist schmerzlos und heilt von selbst wieder ab. Es kann aber auch eine kleine Narbe hinterlassen. Da das Geschwür viele potentiell übertragbare Bakterien enthält, ist es sehr ansteckend. Oft sind auch die benachbarten Lymphknoten geschwollen.

Die Verhärtung, auch Induration genannt, entwickelt sich im Verlauf zu einem häufig schmerzlosen Geschwür. Dieses nennt man Primäraffekt. Richtig - mit Antibiotika - behandelt kann die Erkrankung nach 4 bis 6 Wochen abheilen. Auch eine spontane Ausheilung kann vorkommen. Ein genitaler Herpes kann ebenfalls ein Primäraffekt sein.

Sekundäre Syphilis (Lues II)

Dieses zweite Stadium beginnt nach 4 bis 10 Wochen und äußert sich durch sehr unterschiedliche Symptome. Nach dem ersten Geschwür, das auf die Ansteckung mit den Bakterien folgt, kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Syphilis sich erneut zeigt. Zu Beginn des Stadiums können Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten. Begleitet werden die Beschwerden in der Regel von angeschwollenen Lymphknoten. Die Schwellung der Lymphknoten kann nun auch an anderen Stellen im Körper auftreten.

Auf die anfänglichen Beschwerden folgt ein Hautausschlag an mehreren Stellen des Körpers, der im Verlauf von 1 bis 3 Wochen zunimmt. Zudem kann es zu einem Hautausschlag mit rötlich-braunen Flecken und kleinen Knötchen kommen. Der Hautausschlag juckt meist nicht. Auch diese Symptome an der Haut können zunächst wieder verschwinden und erst nach Monaten zurückkehren. Manchmal kehren sie auch nur noch als rötliche Flecken an den Handinnenflächen und Fußsohlen wieder. Oft tauchen die warzenförmigen Hautveränderungen auf der Schleimhaut im Genitalbereich (Condylomata lata) oder im Mund wieder auf.

Manchmal kommt es während der Sekundären Syphilis auch zu mottenfraßartigem Haarausfall, Depigmentierungen am Hals und Flecken im Bereich der Mundhöhle. Wenn im Zusammenhang mit einer Syphilisinfektion Haarausfall auftritt, sprechen Fachleute von Alopecia syphilitica. Betroffen sind neben dem Kopfhaar auch Augenbrauen, Wimpern, Bart und andere behaarte Körperregionen. Insbesondere beim Kopf- und Barthaar treten blumenkohlähnliche Papillome auf ("mottenfraßartig").

Latente Syphilis

Sämtliche Symptome der sekundären Syphilis verschwinden nach rund vier Monaten in der Regel von selbst wieder. Bleibt die Erkrankung weiter unbehandelt, können alle diese Beschwerden zum Teil wieder über Jahre verschwinden. Dann folgt die sogenannte latente Syphilis (auch Latenzphase oder Latenzstadium), eine beschwerdefreie Zeit, die mehrere Jahre andauern kann. In dieser Latenzzeit ist auch eine Spontanheilung möglich. Das Bakterium Treponema pallidum befindet sich jedoch weiterhin im Körper und die betroffene Person bleibt meist infektiös. Auch ohne Beschwerden kann sie die Erkrankung also auf andere Menschen übertragen.

Tertiäre Syphilis (Lues III)

Wurde die Frühsyphilis (Lues I und II) nicht ausreichend behandelt, kann es zur Tertiären Syphilis kommen. Die Spätsyphilis zeigt sich oft bei einem unklaren, unbekannten Infektionszeitpunkt oder einem Infektionszeitpunkt, der länger als ein Jahr zurückliegt. Unentdeckt und unbehandelt kann dieses Stadium jedoch zu bleibenden Organschäden führen. Bei der tertiären Syphilis können Schäden an verschiedenen Organen auftreten - zum Beispiel an der Hauptschlagader oder am Nervensystem inklusive Rückenmark und Gehirn. Die Spätsyphilis kommt heute jedoch nur noch selten vor.

Im tertiären Stadium können schwerwiegende Hautveränderungen (Lues tuberosa) auftreten. Dabei handelt es sich um gummiartige Geschwülste, die zu tiefen Wunden werden können und besonders oft am oberen Rumpf, auf der Kopfhaut, im Gesicht und an den Beinen auftreten. Sie können aber auch die Knochen und inneren Organe befallen. Möglich ist etwa eine Entzündung der Blutgefäße im Herzen, die Aneurysmen und Herzklappenschäden zur Folge haben können. Auch Funktionsstörungen der Leber und Nieren kommen vor. Eine Syphilisinfektion im dritten Stadium kann Augenkrankheiten auslösen. Typisch sind etwa Entzündungen im Inneren des Auges (Uveitis), an der Netzhaut und Aderhaut (Chorioretinitis) sowie des Sehnervs (Optikusneuritis).

Neurosyphilis (Lues IV)

Lassen Betroffene auch die Tertiäre Syphilis nicht ausreichend behandeln, kann es zur Manifestation der Syphilis am Zentralen Nervensystem (ZNS) kommen. Dann sprechen Fachleute von einer Neurosyphilis oder dem quartären Stadium. Dieses Stadium der Spätsyphilis wird dann Neurosyphilis genannt. Diese Phase verläuft in einigen Fällen beschwerdefrei, in anderen Fällen kann es jedoch zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) kommen.

Diese führt zu einem fortschreitenden Abbau des Nervengewebes, was wiederum Wesensveränderungen und Verwirrtheit bis hin zur Demenz mit sich bringen kann. Je nachdem, welche Abschnitte des ZNS betroffen sind, kann die Neurosyphilis verschiedene Formen annehmen oder auch komplett ohne Symptome verlaufen.

Kongenitale Syphilis (Lues connata)

Unter Lues connata versteht man eine Syphilis-Infektion des Fötus über den Mutterkuchen im Mutterleib. Das Ungeborene kann sich in jedem Stadium der Schwangerschaft und in jedem Stadium der nicht oder ungenügend behandelten Mutter anstecken. Die sogenannte konnatale Ansteckung ist umso wahrscheinlicher, je kürzer die Infektion der Schwangeren zurückliegt. Infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft, beträgt die Übertragungsrate bis zu 100 Prozent.

Steckt sich ein Fötus im Mutterleib mit Syphilis an, liegt das Risiko einer Totgeburt bei 30 bis 40 Prozent. Auch Frühgeburten sind häufig. Während oder unmittelbar nach der Geburt kann es zu umfassenden Hautläsionen beim Neugeborenen kommen. Innerhalb der ersten zwei Lebensjahre können Symptome wie wiederkehrendes Fieber, geschwollene Lymphknoten, Darmentzündungen sowie eine Vergrößerung von Leber und Milz auftreten. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, entstehen unter anderem Schäden im zentralen Nervensystem.

Diagnose

Zur Diagnose der Krankheit Syphilis gehören immer verschiedene Tests, eine Abstrich-Diagnostik und eine Kultur aus dem Blut. Es gibt unterschiedliche Suchtests und Bestätigungstests. Der sogenannte Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptions-Test (FTA-abs-Test) kann zum Beispiel in der Frühphase die Infektion bestätigen. Er weist die vom Körper gebildeten Antikörper IgM und IgG nach.

Wer sich auf Syphilis testen lassen will, kann das zum Beispiel bei Ärztinnen und Ärzten für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Gynäkologie und Urologie machen lassen. Besteht der Verdacht auf Syphilis, kann man mittels eines Bluttests, bei dem die Antikörper des Bakteriums festgestellt werden, Syphilis nachweisen. Laut Infektionsschutzgesetz ist in Deutschland dem RKI der direkte oder indirekte Nachweis von Treponema pallidum innerhalb von zwei Wochen zu melden.

Behandlung

Als wirkungsvollstes Medikament gegen die Erkrankung gilt das Antibiotikum Penicillin. Die Entwicklung von Penicillin war der Grund für den starken Rückgang der Syphilisfälle seit dem Ende der 1970er Jahre. Seit der Jahrtausendwende jedoch steigt die Anzahl der Erkrankungen wieder leicht an, vor allem in großstädtischen Ballungsräumen.

Wird Syphilis diagnostiziert, kann man diese Geschlechtskrankheit sehr gut mit dem verschreibungspflichtigen Antibiotikum Penicillin heilen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich Syphilis gut mit Antibiotika behandeln. In der Frühsyphilis ist die Standardtherapie Penicillin. Bei Patienten mit einer Allergie ist alternativ Doxycyclin als Behandlung bei Syphilis möglich. Eine Therapie mit Ceftriaxon ist auch möglich.

Die Spätsyphilis wird ebenfalls mit Penicillin behandelt. Alternativ ist die Verwendung von Doxycyclin und Ceftriaxon ebenfalls möglich. Je nach Verlauf und Lokalisation der Spätfolgen der Syphilis ist eine Spätsyphilis noch mit Antibiotika heilbar. Die Dosis und die Dauer der Syphilis-Therapie richten sich nach dem Krankheitsstadium.

Insbesondere bei älteren Patienten und länger bestehender Syphilis besteht das Risiko, dass es zu Beginn der Antibiotika-Therapie zur Herxheimer-Reaktion kommt: Da durch die Einnahme der Antibiotika die Bakterien zahlreich versterben, werden Zellgifte, sogenannte Endotoxine, frei, die zu Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen führen.

Prävention

Einen vollständigen Schutz vor einer Infektion mit Syphilis gibt es nicht. Doch die Verwendung von Kondomen kann das Risiko einer Ansteckung stark senken. Du solltest Kondome beim Vaginal- und beim Analsex verwenden - auch dann, wenn der Penis nur kurz in die Scheide oder den Po eindringt. Wenn du Sexspielzeug mit anderen teilst, sollte vor jeder Weitergabe ein neues Kondom benutzt werden. Außerdem sollten Syphilis-Geschwüre und nässende Hautstellen nicht berührt werden.

Die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr kann das Risiko einer Syphilisinfektion erheblich reduzieren. Wer sichergehen will, sollte auch beim Oralverkehr darauf zurückgreifen. Regelmäßige Tests auf sexuell übertragbare Infektionen sind ebenfalls sinnvoll, um eine mögliche Ansteckung frühzeitig zu erkennen.

Eine Impfung gibt es gegen die meldepflichtige Geschlechtskrankheit nicht. Safer Sex unter Verwendung von Kondomen bietet einen gewissen Schutz.

Stadium Symptome Infektiosität
Primär Schmerzloses Geschwür (harter Schanker), geschwollene Lymphknoten Hochinfektiös
Sekundär Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten, Haarausfall Infektiös
Tertiär Schäden an Organen (Herz, Gehirn, Nerven), Gummen, Hautgeschwüre Keine Infektiosität mehr

tags: #Haarausfall #Syphilis #Ursachen

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