Nach einer Corona-Erkrankung ist Haarausfall eine häufige Folge. Viele Betroffene bemerken plötzlich vermehrt Haare auf Kleidung, Kopfkissen und Fußboden. Sieht die Bürste nach dem Kämmen aus wie ein Fell, ist Alarm angesagt!
Die Frage nach dem Warum ist nicht einfach zu beantworten. Haare fallen saisonbedingt vermehrt aus, aber es kann auch hormonelle Gründe geben, Stress eine Rolle spielen, einschneidende Erlebnisse als Auslöser wirken oder ein Nährstoffmangel vorliegen. Oder eben ein Zusammenhang mit Corona bestehen.
Inzwischen gibt es eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang von Corona-Erkrankungen bzw. Long COVID und Haarausfall belegen. Auch nach einer Corona-Impfung kann es zu Haarausfall kommen. Kurz gesagt: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass nach einer Corona-Erkrankung manchmal Haarausfall auftreten kann. Dies erklärt sich durch die Zeit des Stresses und des Fiebers.
Eine Studie, die im Fachjournal „The Lancet“ publiziert wurde, zeigt, dass einer von fünf Patienten sechs bis acht Wochen nach einer überstandenen Corona-Infektion von Haarausfall betroffen ist. Eine im Oktober 2022 veröffentlichte Studie untersuchte die Häufigkeit von Haarausfall nach COVID-19-Infektion in Saudi-Arabien und die damit verbundenen Faktoren. Von den 806 Teilnehmern berichteten 52,7 % über Haarausfall nach einer COVID-19-Infektion.
Eine im Juli 2022 veröffentlichte Studie der Universität Birmingham untersuchte Symptome und Risikofaktoren im Zusammenhang mit COVID-19. Unter den 62 Symptomen, die nach 12 Wochen signifikant mit SARS-CoV-2 assoziiert waren, waren Anosmie, Haarausfall, Niesreiz, Ejakulationsschwierigkeiten und verminderte Libido am häufigsten.
Wir beraten Sie zu Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten, wenn Sie unter Haarverlust nach einer Corona-Infektion leiden.
Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom.
Die Ursachen von Haarausfall sind äusserst vielfältig. Bei COVID-19 sind die Ursachen nicht vollständig geklärt.
Dr. Tina Peters erklärt: „Eine solche Infektion, eine schwere Grippe oder auch eine Operation haben oft zur Folge, dass die Haarwurzeln nicht ausreichend mit Mikronährstoffen und Sauerstoff versorgt werden, weil der Körper sich um Akutes kümmert. Den Haaren fehlt dann quasi der Treibstoff. Sie wechseln von der Wachstumsphase, die mehrere Jahre dauert, in die Ausfallphase und lösen sich aus der Verankerung.“
Der genaue Mechanismus, der zum Haarausfall bei COVID-19 führt, ist noch nicht vollständig erforscht. Es gibt jedoch erste Erkenntnisse, dass dies auf Gefäßveränderungen zurückzuführen sein kann, die die Versorgung der Haarwurzeln mit Nährstoffen und Sauerstoff beeinträchtigen.
Das Coronavirus verursacht plötzlichen Stress in den Haarfollikeln, der Ihren Haarzyklus verändern kann. Körperlicher Stress wird durch Krankheit und Fieber verursacht. Auch emotionaler Stress kann auftreten. Dieser Stress verkürzt die Wachstumsphase Ihres Haares und verlängert die Ruhephase. In dieser Zeit verlieren Sie mehr Haare als das neue Haare wachsen.
Dieses Phänomen wird oft als Telogenes Effluvium bezeichnet, eine Form des diffusen Haarausfalls (über die gesamte Kopfhaut verteilter Haarausfall). Der Haarausfall wird oft zwei bis drei Monate nach den ersten Corona-Beschwerden bemerkt.
Auffällig ist, dass die Wahrscheinlichkeit von Haarausfall umso größer ist, je stärker die Corona-Beschwerden waren. Wenn Sie darüber nachdenken, ist das verständlich.
Corona führt zu unterschiedlichen Formen des Haarausfalls, häufig treten sie in Kombination auf. Corona löst Autoimmunerkrankungen aus bzw. reaktiviert jene, die in Vergangenheit aufgetreten sind.
Corona beschädigt Gefäße, aktuellen Erkenntnissen zufolge greifen Autoantikörper die innere Haut der Gefäße an (Endothel). Woraufhin die Versorgung von Zellen und Organen nicht mehr optimal funktioniert. Durch eine Unterversorgung der Haarfollikel mit Sauerstoff und Nährstoffen werden sie geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig bzw. sterben ab. Das zeigt sich im anagenen Effluvium (Haarausfall in der Wachstumsphase der Haare mit unterschiedlichen Haarlängen). Die Folge ist diffuser Haarausfall, welcher sich über das gesamte Kopfhaar erstreckt.
Wir stellen immer wieder fest, dass Corona Autoimmunerkrankungen auslöst bzw. reaktiviert. Die Professorin und Leiterin der Immundefekt-Ambulanz, Carmen Scheibenbogen der Charité Universitätsklinik in Berlin stellte treffend fest: “Long-COVID hat alle Anzeichen einer Autoimmunkrankheit.” Corona führt also zumindest bei manchen Erkrankten dazu, dass das Immunsystem fehlgesteuert reagiert. Dabei werden körpereigene Zellen und Organe als Fremdkörper bzw. Und dieses Muster sehen wir bei den Haarfollikeln ebenfalls, in Form von Alopecia Areata (kreisrundem Haarausfall). Diese Haarwurzeln werden also von den eigenen Abwehrkräften angegriffen.
Es wird zwischen der vernarbender und nicht-vernarbender Alopezie unterschieden. Bei der nicht vernarbenden Alopezie sterben die Haarwurzeln in aller Regel nicht ab. Sie gehen in einen Ruhezustand über. Bei der vernarbenden Form der Autoimmunerkrankung werden die Haarfollikel und teilweise auch das umgebende Bindegewebe (bspw. die Haut) zerstört. Dies äußert sich in einem Absterben und Vernarben der Haarwurzeln. Dazu gehört u.a. die Folliculitis Decalvans, dahinter steckt eine Entzündung der Kopfhaut und Haarwurzeln, die die Haarfollikel unwiederbringlich zerstört.
Auch nach einer Corona-Impfung kann es zu Haarausfall kommen. Wir haben beobachtet, dass Impfungen mit Haarausfall-Erkrankungen einhergehen können. Die Inkubationszeit beträgt bei nicht-vernarbenden Alopezien etwa 4 bis 6 Wochen, nach Ansteckung bzw. Impfung.
In den meisten Fällen heilt der Haarausfall durch Corona von selbst. Denn je nach Art des Haarausfalls stellen die Haarfollikel “nur” vorübergehend ihre Funktion ein oder werden irreversibel geschädigt, so dass sie keine Haare mehr produzieren werden.
In den meisten Fällen scheint der Haarausfall nach der Genesung von COVID-19 spontan und ohne spezifische Behandlung zurückzugehen. Es kann jedoch einige Monate dauern, bis sich das Haarwachstum wieder normalisiert und nicht bei allen Betroffenen erholen sich die Haarfollikel vollständig.
Die Wirkung des Virus oder der Impfung ist in den meisten Fällen nach 6 bis 9 Monaten wiederhergestellt. Nach diesem Zeitraum sollten Sie weniger Haarausfall haben, und es kann neues Haarwachstum auftreten.
Dr. Merkel erklärt: “Meiner Erfahrung nach dauert der Haarausfall ungefähr drei bis sechs Monate. Das heißt, die Patient:innen kommen meist nach drei Monaten, wenn sie bemerken, dass vermehrt Haare ausfallen. Und dann müssen sie noch mal durch ein Tal, wo vermehrt die Haare ausfallen. Das Gute ist, dass dieser Haarausfall nicht bleibt. Die Haarwurzel wird nicht beschädigt, und dementsprechend kommen die Haare auf jeden Fall wieder nach.”
Damit der Haarausfall durch COVID-19 gestoppt werden kann, ist möglichst schnell eine gezielte Therapie zu beginnen.
Es gibt verschiedene Therapieansätze, um den Haarausfall zu behandeln:
Hier sind drei Tipps von Experten, die gegen den Haarausfall nach der überstandenen Covid-Erkrankung helfen können und schnelle Besserung versprechen:
Der Geheimtipp von Friseur Josef Baranowski: “Was ich absolut empfehlen kann, ist ein Haarwasser wie z.B. Minoxicutan. Das ist ein Produkt, das den Haarausfall stoppt bzw. aufhält und die Durchblutung der Kopfhaut anregt. Dadurch werden die Haarwurzeln zum Wachsen motiviert. Mein Tipp bei Haarausfall und Haarbruch - jeden Morgen ein bis zwei Teelöffel Bio-Kurkuma-Konzentrat (Pulver) in einem Glas lauwarmem Wasser auflösen und trinken. Kurkuma ist ein altes Hausmittel und wirkt entzündungshemmend.”
“Diese Therapie ist eine der ältesten Haartherapien: Bei der Mesotherapie werden Vitamine und Proteine in die Kopfhaut injiziert, um die Haarwurzeln, die in dem Moment ein bisschen verkümmert sind, optimal zu ernähren und sie zu unterstützen, wieder ein vollwertiges Haar zu bilden. Die Mesotherapie macht man ungefähr in monatlichen Abständen”, so Dr. Merkel.
Dermatologe Dr. Merkel kennt noch eine zweite Therapie, die helfen kann - die sogenannte PRP. “Das ist eine Kurzform für Platelet-Rich Plasma, wobei man Blut abnimmt, zentrifugiert und aktiviert und daraus eigenes Blutplasma gewinnt. In diesem befinden sich die eigenen Wachstumsfaktoren und Stammzellen.
Die modernste Möglichkeit zur Verjüngung der Haut und zur Behandlung von Haarausfall ist die sogenannte PRP-Therapie. Sie ist auch unter den Bezeichnungen Eigenblutbehandlung, Vampire Lift und Plasmabehandlung bekannt. Bei der Therapie wird dem Patienten zunächst eine kleine Menge Blut entnommen, die dann speziell aufbereitet wird. Durch Zentrifugation wird das Blutplasma isoliert. Dabei handelt es sich um das PRP (platelet-rich plasma; plättchenreiches Plasma). Das PRP wird anschließend unter die Haut beziehungsweise in die Kopfhaut injiziert. Dort entfaltet es seine positive Wirkung: Die körpereigenen Regenerationsprozesse und die Neubildung von Zellen werden angeregt.
Die PRP-Therapie findet ambulant statt und dauert etwa eine Stunde. Eine örtliche Betäubung sorgt dafür, dass die Behandlung ohne Schmerzen verläuft. Mit Einschränkungen oder Ausfallzeiten ist in der Regel nicht zu rechnen. PRP ist reich an Stammzellen und Wachstumsfaktoren. Es unterstützt gezielt die Reparaturmechanismen des Körpers. Da es sich ausschließlich um natürliche Substanzen handelt, ist die PRP-Therapie zudem sehr gut verträglich und belastet den Körper nicht. Sie kann mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden. Vor allem die Verbindung aus Microneedling und PRP-Therapie hat sich in der ästhetischen Medizin als effektiv erwiesen.
Zusätzlich können Sie folgende Massnahmen ergreifen:
Spectral.F7 Lotion enthält u.a. Astressin-B und Kupferpeptide. Astressin-B ist ein Peptidkomplex aus 33 Aminosäuren, der Stresshormone reduziert, Haarausfall verhindert und neues Haarwachstum anregt, den Durchmesser der Haarschafts vergrößert und die Produktion von Keratin stimuliert. Eine Lotion wird zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen, wo das Haar schütter ist. Diese Lotion eignet sich für Männer und Frauen mit leichtem (nicht erblich bedingtem) Haarausfall und dünner werdendem (wachsendem) Haar, z. B.
Tabelle: Überblick über Studien zum Thema Haarausfall nach COVID-19
| Studie | Ort | Teilnehmer | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| The Lancet (2020) | Wuhan, China | COVID-19 Patienten | 22% berichteten über Haarausfall |
| Studie (Okt. 2022) | Saudi-Arabien | 806 | 52,7% berichteten über Haarausfall nach COVID-19 |
| Universität Birmingham (Juli 2022) | Birmingham | 486.149 (mit Infektion), 1.9 Mio (ohne Infektion) | Haarausfall war eines der häufigsten Symptome nach 12 Wochen |
Grafik: Vergleich von Telogen Effluvium und erblich bedingtem Haarausfall
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