Das Haar der Berenike (lat. Coma Berenices) ist die einzige Konstellation, deren Namensursprung in einer historischen Persönlichkeit liegt. Das Sternbild liegt in der nördlichen Hemisphäre und kann von fast allen bewohnten Regionen der Erde beobachtet werden, denn es zeigt sich bis 57° südlicher Breite. Die besten Monate, um die Konstellation am Nachthimmel zu sehen, sind von März bis Mai. Das Haar der Berenike zu finden ist nicht einfach, denn sowohl die Form als auch die Sterne sind sehr unauffällig. Die Form erinnert an eine 90° Ecke, die aus drei Sternen besteht.
Das Haar der Berenike (lat. Cóma Bereníces, Cómae Bereníces, Com) befindet sich zwischen den markanten Sternbildern Löwe und Bärenhüter. In Richtung Haar der Berenike liegt der galaktische Nordpol unserer Milchstraße.
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In der antiken griechischen Mythologie war das Haar der Berenike kein eigenes Sternbild, die entsprechenden Sterne wurden dem Sternbild Löwe als Schwanzquaste zugerechnet. Zu Zeiten des Sternbildbeschreibers Ptolemäus gehörten die schwachen Sterne und damals unbekannten Galaxien des heutigen Sternbilds am Nordhimmel zum Sternbild Löwe. Die Mythologen der griechischen Antike sahen darin die Quaste des Savannenräubers fernab der Milchstraße.
Erst 245 v. Chr. wurde der Teil des Tierkreiszeichens von Astronomen und Poeten nach der wohltätigen Pharaonin »Berenike die II.« umbenannt. Sie hatte, so erzählen die Schriften, ihr Haar geopfert, um die sichere Rückkehr ihres Gatten aus dem Krieg zu erbitten.
Später fanden sich Hinweise auf und Beschreibungen der Konstellation in zahlreichen Schriften, sowohl der Astronomie als auch Astrologie, auf Himmelsgloben und Sternkarten.
In der frühen Antike war der Himmelsbereich des Sternbilds Haar der Berenike ein Teil des Sternbilds Löwe. Der matte Lichtschimmer des Coma-Sternhaufens verkörperte damals die Endquaste an der Schwanzspitze des Löwen.
Zwischen 250 v. Chr. und 245 v. Chr. heiratete Pharao Ptolemäus III. von Ägypten seine Cousine Berenice von Cyrene, den antiken Beschreibungen nach war sie eine anmutige junge Dame mit sehr schönen blonden Locken. Das Glück des jungen Paares wurde jedoch sofort gestört, da Ptolemäus schon am Morgen nach seiner Hochzeitsnacht in den Krieg ziehen musste. Darum schwor Berenice, dass sie im Falle seiner siegreichen Rückkehr ihre schönen Haare auf dem Altar der Aphrodite im Tempel von Zephyrium bei Assuan opfern werde. Und so geschah es.
Es ist nicht überliefert, wie Ptolemäus auf den Anblick seiner geschorenen jungen Gattin reagiert hat. Jedenfalls waren die schönen blonden Locken am folgenden Morgen vom Altar der Aphrodite verschwunden. Das verursachte erhebliches Aufsehen, denn es handelte sich dabei schließlich um eine sehr persönliche Opfergabe der Königin. Der Hofastronom linderte die nun allgemein aufkeimende Aufregung, indem er verkündete, dass die Götter die Locken der Königin Berenice voll Freude über deren Schönheit an den Himmel versetzt hätten, denn dort könne sie nun jedermann im Sternbild Löwe sehen.
Fortan verbreitete sich unter den damaligen Astronomen die Vorstellung, den Coma-Haufen nicht mehr als Schwanzquaste eines Löwen zu interpretieren, sondern als die im Sternenlicht zart schimmernden Locken der schönen Berenice von Cyrene.
1551 erstellte der Holländer Gerhard Mercator eine Sternkarte, die ein Sternbild namens „Coma Berenices“ enthielt. Mercator wusste nicht, dass „Coma Berenices“ kein Sternbild war, sondern eigentlich ein Nebelchen im Sternbild Löwe bezeichnete. Diese Sternkarte wurde in den folgenden Jahren von vielen Astronomen benutzt, und so fand „Coma Berenices“ als Sternbild seinen Eingang in die wissenschaftliche Astronomie.
Das Sternbild entstand 247 v. Chr. Der Astronom Kónon von Samos, der in Alexandrien arbeitete und mit Archimedes befreundet war, führte es am Himmel ein. Eratosthénes (um 230 v. Chr.) nennt die Sterngruppe das Haar der Königin Bereníke von Ägypten. Ptolemaíos ( 138 n. Chr.) zählt diese Sterne nach zum Löwen als "ausserhalb der Figur". Die Araber begannen im Mittelalter, die Sterngruppe als eigenes Bild zu führen.
Bereníke ist eine geschichtliche Figur. Sie ist die Tochter des Mágas von Kyréne. Sie heiratete 247 v. Chr. Ptolemaíos III. Euergétes (= der Wohltäter, griech. Ehrentitel), der im selben Jahr ägyptischer König geworden ist. Als er in einen Kriegszug gegen die Assyrer gezogen ist, bangte Bereníke um ihren Ehemann. Sie versprach der Göttin Aphrodíte, ihr wunderschönes Haupthaar zu opfern, wenn er heil aus der Schlacht heimkehre. Wie der König nach Wochen siegreich zurückkommt, schneidet sie ihre Haarpracht ab und legt sie im Tempel auf dem Altar der Aphrodíte. Aber kurz darauf waren die Zöpfe weg. Was wirklich mit ihnen geschehen ist, wird nicht überliefert. Doch Kónon zeigt eine Gruppe von Sternen oberhalb der Jungfrau, nahe beim Schwanz der Löwen und erklärte dem König, die Göttin habe das Haar unter die Sterne versetzt.
Das Haar der Bereníke ist daher das erste Sternbild, dessen Entstehungsjahr (247 v. Chr.) bekannt ist.
Als dieser in den 3. Syrischen Krieg zog, versprach sie der Liebesgöttin Aphrodite ihr prachtvolles Haar zu opfern, sollte ihr Gemahl siegreich und unversehrt heimkehren. Ptolemaios siegte, Berenike schnitt ihr Haar ab und brachte es in einem Tempel dar. Als der Haarschopf am nächsten Tag verschwunden war, erklärte der Hofastronom Konon, die Götter seien über das Opfer so erfreut gewesen, dass sie die Haarpracht am Himmel verewigt hätten.
Der ebenfalls am Hof (in Alexandria) anwesende Dichter Kallimachos schrieb dazu einen Katasterismos in Gedichtform, in dem das Haar der Berenike selbst vom Himmel aus "erzählt", was geschehen ist. Und Catull hat es in seinem 66. Gedicht ins Lateinische übersetzt.
Obwohl Haupt- und sonstige Sterne des Sternbilds Haar der Berenike nicht heller als 4 mag scheinen, lohnt sich eine Beobachtungsnacht zu diesem Teil des Nordhimmels. Viele Doppelsterne und Mehrfachsternensysteme lassen sich bereits mit Prismenferngläsern oder einfachen (kleinen) Teleskopen in ihre Komponenten auflösen. Auch der von Gas- und Staubwolken ungestörte Beobachtungsbereich erleichtert die Sicht auf teils sehr nahe Sterne und Sternsysteme.
Der hellste der drei Sterne trägt den Namen Diadem (lat. Krone). Es handelt sich hierbei um ein engstehendes Doppelsternsystem, dessen Sterne sich circa alle 25 Jahre umkreisen. Der Hauptstern Diadem ist ein enger Doppelstern. Seine beiden Partner sind gleich hell und umkreisen einander einmal in 25 Jahren, wobei der gegenseitige Abstand der beiden Partnersterne maximal 0,9 Bogensekunden erreicht. Diadem kann somit nur in Fernrohren großer Öffnung bei hoher Vergrößerung als Doppelstern erkannt werden.
Ein weiterer schöner Doppelstern ist 35 Comae. Die beiden ungleich hellen Partnersterne erscheinen orange (5,2m) und blauweiß (9,2m).
Das Sternbild Haar der Berenike befindet sich in einer interessanten Himmelsgegend. Charles Messier entdeckte 7 Galaxien und einen Kugelsternhaufen (M53) und nahm sie in seinen Katalog auf. Heute sind weit mehr Galaxien im Haar der Berenike bekannt. Sie werden im NGC-Katalog aufgelistet. Einige der Galaxien gehören dem Virgo-Galaxienhaufen an. Dieser wiederum ist Teil eines Super-Galaxienhaufens, zu dem auch die Milchstraße gerechnet wird.
Im Frühjahr erlaubt es der Blick zum Sternenhimmel, über unseren galaktischen Tellerrand hinauszuschauen. Was das bedeutet, zeigt sich direkt neben dem galaktischen Nordpol. Dort wimmelt es von Galaxien, die zusammen den Coma-Galaxienhaufen bilden. Der Haufen besteht aus rund 1000 Galaxien, er ist erstaunliche 300 Millionen Lichtjahre weit entfernt. Zum Vergleich: unsere nächste Nachbarmilchstraße, die Andromeda-Galaxie, ist nur 2,5 Millionen Lichtjahre weit weg.
Den Coma-Galaxienhaufen können wir leider nur mit großen Teleskopen beobachten. Wer das Sternbild Haar der Berenike mit einem Fernglas anschaut, wird aber einen anderen Haufen entdecken: den offenen Sternhaufen Melotte 111. Im rechten, oberen Teil des Sternbildes kann man einige Dutzend locker verstreute Sterne ausmachen.
Im Bereich der Bereníke liegen die zwei größten Ansammlungen von Galaxien. Sie sind allerdings nur mit technischen Mitteln großer Sternwarten zu erkennen. Der Coma - Haufen im Norden des Sternbildes enthält rund 1000 Galaxien und ist 220 Millionen Lichtjahre entfernt. Der Virgo - Haufen liegt auf der Grenze Bereníke/Jungfrau. Er zählt 2500 Galaxien und ist 36 Millionen Lichtjahre entfernt.
Im Sternbild das Haar der Bereníke sind nur drei Sterne heller als 4,5m Größe. Von Auge ist aber der große, offene Sternhaufen (Mel 111) südlich vom Stern (g) bei dunklem Himmel auffällig.
In jedem Frühjahr finden Beobachter am Nordhimmel zwischen dem markanten »Löwen« und dem »Bärenhüter« eine schemenhafte Konstellation aus durchweg lichtschwachen Hauptsternen. Die meisten Sterne des Sternbilds Haar der Berenike gehören einem offenen Sternhaufen an, der fast bekannter als das zugehörige Sternbild ist. Experten meinen sogar, der Coma-Sternhaufen Melotte 111 habe die Sternbildbeschreiber einst zur Namensgebung inspiriert.
Der Herbst/Winter-Meteorstrom »Coma-Bereniciden« (höchstens 3 - 5 Sternschnuppen pro Stunde) im Dezember hat seinen Radianten im Sternbild Haar der Berenike des Nordhimmels.
Im Frühling ist das Sternbild besonders gut zu beobachten, denn dann befindet es sich abends hoch oben, fast im Zenit.
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Der Coma-Sternhaufen ist 250 Lichtjahre von uns entfernt. Dieser Offene Sternhaufen hat einen Durchmesser von über 4° und umfasst 37 Sterne. Keiner davon ist ein Riesenstern. Seine hellsten Mitglieder sind die Sterne 14 Comae und 19 Comae, sie haben jeweils 50 Sonnenleuchtkräfte. Aufgrund seiner Größe am Himmel (sie beträgt ca. acht Vollmonddurchmesser!) kann der Coma-Sternhaufen nur mit dem Fernglas beobachtet werden. Er ist auch unter dem Namen „Melotte 111“ bekannt.
Wenn wir unser Fernglas auf Diadem richten, erkennen wir ein Grad nordöstlich von Diadem einen rundlichen, kleinen Nebelfleck. Das ist der Kugelsternhaufen M53. Im Fernrohr erscheint er hell und zu seiner Mitte hin konzentriert. In Fernrohr ab 5 Zoll Öffnung kann man die Randbereiche von M53 in einzelne Sterne aufgelöst sehen. M53 liegt ca. 60000 Lichtjahre von uns entfernt.
Das Sternbild Haar der Berenike liegt am Himmel weit abseits von den Sternenwolken der Milchstraßenebene. Daher kann man hier besonders tief ins All schauen. So lassen sich mit einem leistungsfähigen Fernrohr mehrere Galaxien beobachten. Da das Sternbild keine hellen Sterne enthält, ist es nicht leicht, diese Galaxien mittels der „Starhopping“-Methode aufzufinden. Für die erfolgreiche Beobachtung muss man sich mit dem Sternbild vertraut machen, damit man weiß, wo diese Galaxien liegen.
Zieht man eine Linie von Gamma Comae zu Diadem, kann man auf dieser Linie ca. 2,3° südöstlich von Gamma Comae in mittelgroßen Fernrohren die Galaxie NGC 4565 als schmale Lichtnadel sehen. Diese 9,6m helle Spiralgalaxie sehen wir exakt in ihrer Kantenlage.
Folgt man der Linie um weitere 6,3°, stößt man auf einen ovalen Lichtfleck, das ist die Spiralgalaxie M64, die in der Astronomie als die „Galaxie mit dem schwarzen Auge“ bekannt ist. Diesen poetischen Namen verdankt sie einer großen Dunkelwolke, die in der Galaxie liegt und im Fernrohr ab einer Öffnung von acht Zoll bei hoher Vergrößerung erkennbar wird.
2° östlich von Gamma Comae befindet sich NGC4559, eine unregelmäßige ovale Galaxie, deren schwächere Ausläufer erst in Fernrohren ab acht Zoll erkannt werden können. Ein halbes Grad östlich von 17 Comae finden wir die ovale Galaxie NGC 4494.
Ca. 2° südlich von 31 Comae können wir die Spiralgalaxie NGC4725 auffinden. Im südlichen Teil des Sternbilds liegen im Grenzbereich zum Sternbild Jungfrau die Galaxien M85, M88, M99 und M100. Da diese Galaxien ca. 60 Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind, kann man sie nur bei sehr klarem, dunklem Himmel in größeren Fernrohren deutlich wahrnehmen.
In den Tiefen des Sternbilds verborgen liegen große Galaxienhaufen. Wer ein Fernrohr ab 10 Zoll Öffnung zur Verfügung hat, kann versuchen, die hellsten Galaxien dieser Galaxienhaufen zu beobachten. Ca. zwei Grad westlich von Beta Comae liegt z. B. die 13m helle elliptische Galaxie NGC 4889. Sie ist ca. 300 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Die Spiralgalaxie M64 trägt den Namen Blackeye-Galaxie. Sie ist ca. 25 Mio Lichtjahre von uns entfernt. Der Kugelsternhaufen M53 ist ca. 60.000 Lichtjahre entfernt. Er gehört zum sogenannten Halo der Milchstraße.
Rund 300 Millionen Lichtjahre von uns entfernt, im eher unauffälligen Sternbild Haar der Berenike (lateinisch: Coma Berenices), erstreckt sich ein langer Sternenstrom zwischen den Mitgliedern des Coma-Galaxienhaufens. Er ist rund 1,7 Millionen Lichtjahre lang, was etwa der zehnfachen Ausdehnung unserer Galaxis entspricht. Damit ist er der längste bekannte Sternenstrom überhaupt.
Deutlich kleinere Sternenströme sind im Umfeld unseres Milchstraßensystems und um nahe gelegene Galaxien herum bekannt, aber noch nie wurde ein so ausgedehntes Gebilde in so großer Ferne nachgewiesen.
Sternenströme entstehen, wenn Zwerggalaxien mit erheblich größeren Welteninseln verschmelzen. Dabei kommt es durch Gezeitenwechselwirkungen zwischen den Galaxien dazu, dass die kleinere Welteninsel auseinandergezogen wird und sich ihre Sterne in lang gestreckten Strömen anordnen. Über viele Millionen Jahre hinweg vereinigen sich die Mitglieder dieser Gebilde mit den Sternen der großen Galaxie und werden ein Teil von ihr.
Bei dem jetzt entdeckten Sternenstrom lassen sich allerdings keine zugehörigen Galaxien erkennen, die für seine Bildung verantwortlich gewesen sein könnten. Er scheint einfach zwischen den Galaxien des Haufens zu treiben.
Die Gruppe um Javier Román von der niederländischen Universität Groningen taufte ihn auf den Namen »Riesiger Coma-Strom« und veröffentlichten ihn im Fachjournal »Astronomy & Astrophysics«. Seine Existenz ist gar nicht so leicht zu erklären, denn solch ein Sternenstrom ist ein fragiles Gebilde.
Um die Coma-Galaxien rankt sich ein dunkles Geheimnis: astronomische Messungen haben ergeben, dass der Haufen sehr viel schwerer sein muss als die Galaxien, aus denen er besteht.
tags: #Haar #der #Berenike #Sternbild
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