Graue Haare mit 25: Ursachen und was man dagegen tun kann

Es geht wohl vielen von uns so: Entdeckt man im Spiegel das erste graue Haar, zuckt man schon ein bisschen zusammen. Schließlich verbinden viele das Ergrauen mit dem Älterwerden. Doch graue Haare sind nicht unbedingt nur den älteren Frau- und Herrschaften unter uns vorbehalten. Auch mit 20 oder 30 Jahren können graue Haare ganz plötzlich auf dem Schopf auftauchen. Ob das normal ist, was die Ursachen fürs frühe Ergrauen sind und was man gegen graue Haare tun kann - wir haben die Antworten darauf!

Was lässt Haare grau werden?

Um zu verstehen, warum Haare grau werden, ist es gut zu wissen, wie Haare zu ihrer natürlichen Farbe kommen. Spezielle Farbzellen in den Haarwurzeln geben Pigmente an die Haarzellen ab. Die Farbkörnchen lagern sich in die Hornschichten des Haarschaftes ein, der den sichtbaren Teil der Haare bildet. Diese Farbzellen heißen Melanozyten. Sie stellen den Farbstoff Melanin her, der namensgebend ist.

Die große Vielfalt an natürlichen Haarfarben verdanken wir zwei Sorten von Melanin-Farbkörnchen: dem schwarz-braunen Eumelanin und dem rot-gelben Phäomelanin. Das Mischungsverhältnis der beiden Stoffe sowie die Gesamtmenge an Pigmenten, die das einzelne Haar speichert, entscheiden über die Haarfarbe.

Mit zunehmendem Alter lässt die Funktion der Zellen nach, die das Melanin produzieren. Die Haare lagern weniger Farbstoff ein. Die Folge: sichtbar graues Haar. Das Grau ist allerdings eine optische Täuschung. Der Farbton entsteht, weil noch pigmentierte und bereits depigmentierte Haare nebeneinander liegen. Ein weiterer Effekt kommt dazu: Anstatt von Pigmenten lagern die Haare Sauerstoffbläschen ein. Brechen sie das Licht, erscheint das Haar weiß. Eigentlich sind die Haare farblos.

Wann werden die Haare grau?

Der Zeitpunkt des Ergrauens ist genetisch festgelegt. Wessen Eltern früh graue Haare hatten, der wird vermutlich selbst früh ergrauen. Bei wem die betagten Großeltern noch ihre ursprüngliche Haarfarbe zur Schau tragen, der hat ebenfalls gute Chancen, spät das erste graue Haar zu finden. Bei den meisten Menschen erscheinen graue Haare zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr.

Neben den Erbinformationen können wohl Luftverschmutzung, ultraviolette Strahlung, Rauchen und eine Mangelernährung das Ergrauen der Haare begünstigen. Vermutlich führen diese Faktoren dazu, dass sich freie Sauerstoffradikale (Reactive Oxygen Species, ROS) bilden. Sie schädigen die Zellen, die für den Farbnachschub sorgen.

Frühzeitiges Ergrauen

Beim Ergrauen in jüngeren Jahren spricht man vom frühzeitigen Ergrauen (canities praecox). Der Zeitpunkt unterscheidet sich: Bei hellhäutigen Menschen spricht man von vorzeitigem Ergrauen, wenn sie unter 20 Jahre alt sind, bei Asiaten vor dem 25. und bei Afrikanern vor dem 30. Lebensjahr. Der genaue Mechanismus, der dahintersteckt, ist noch immer nicht gut verstanden.

Neben der Genetik könnten bestimmte Medikamente dafür verantwortlich sein, etwa Mittel, die vor Malaria schützen. Außerdem Infektionen wie HIV (Humanes Immunschwächevirus) sowie einige seltene, genetische und immunologische Erkrankungen. Sie behindern die Melaninproduktion, sodass dem Körper die Farbpigmente fehlen.

Vorrangiges Therapieziel beim vorzeitigen Ergrauen: mögliche Auslöser erkennen und behandeln. Die grauen Haare selbst haben keinen Krankheitswert, sie gelten für manche eher als ästhetischer Makel.

Graue Haare - Das kannst du dagegen tun! 🤯

Wieso werden Haare durch Stress grau?

Dass Stress und graue Haare zusammenhängen, vermutet man schon eine Weile. Lange Zeit fehlte jedoch der wissenschaftliche Nachweis, obwohl Forschende die biochemischen und molekularen Veränderungen im Haarfollikel immer besser verstehen. Mittlerweile gibt es einige Studien, die die Zusammenhänge bestätigen und erklären, welche Mechanismen dabei eine Rolle spielen könnten.

Der Grund: Solange sich Haare noch als Follikel in der Haut befinden, werden sie von Stresshormonen und zahlreichen anderen Prozessen beeinflusst, die sich in unserem Körper und Geist abspielen. Um zu verstehen, welche Prozesse ganz konkret dabei wirksam sind, haben die US-amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Tausende Eiweiße in den Haaren der Probanden bestimmt.

Änderte sich die Haarfarbe, veränderten sich auch rund 300 Proteine, die teilweise den Energiestoffwechsel in den Mitochondrien beeinflussen. Die Mitochondrien gelten als die Kraftwerke der Zellen, die die Energie für jegliche Prozesse im menschlichen Körper bereitstellen. Offenbar reagieren sie auch auf eine Reihe von Signalen, etwa auf psychischen Stress. Möglicherweise vermitteln sie über Veränderung bestimmter Proteine die entsprechenden Informationen an die Melanozyten in den Haarwurzeln.

Können Haare durch Stress plötzlich grau werden?

Dass Menschen bei großem Stress plötzlich über Nacht graue Haare bekommen, ist ein Mythos, befeuert von Legenden wie der um Marie-Antoinette. Das Haar der in Ungnade gefallenen französischen Königin soll 1791 über Nacht grau geworden sein, kurz bevor sie geköpft wurde. Gleiches soll Karl Marx passiert sein, weil er sich über den Tod seines achtjährigen Sohns Edgar grämte.

Die Biologie widerspricht der Erzählung: Haar, das einmal aus dem Follikel gewachsen ist, verändert seine Farbe nicht mehr. Sobald es aus dem Haarfollikel austritt und die Kopfhaut verlässt, bleibt es unverändert. Die Pigmente, die den Haaren ihre Farbe verleihen, können nicht herausfallen. Ergrauen ist vielmehr ein schleichender Prozess. Die Haare sprießen pro Monat rund einen Zentimeter, sodass die natürliche Haarfarbe langsam herauswächst.

Kann man das Ergrauen der Haare rückgängig machen?

Wenn Stress Haare grau werden lässt, kehrt dann durch Erholung und Entspannung die natürliche Haarfarbe zurück? Zumindest einem Teilnehmer der US-Studie wuchsen ein paar Haare in seiner ursprünglichen Farbe nach, während er im Urlaub war.

„Unsere Daten zeigen, dass das Altern des Menschen kein linearer, festgelegter biologischer Prozess ist, sondern zumindest teilweise aufgehalten oder sogar vorübergehend rückgängig gemacht werden kann“, erklärte Martin Picard, Verhaltensmediziner und Hauptautor der Studie, in einer Pressemitteilung der Universität. Allerdings dämpfte der Experte allzu große Hoffnungen.

„Auf der Grundlage unserer mathematischen Modellierung gehen wir davon aus, dass das Haar einen Schwellenwert erreichen muss, bevor es grau wird“, so Picard. „In der Lebensmitte, wenn das Haar durch das biologische Alter und andere Faktoren sich dem Schwellenwert nähert, kann Stress es über diese Schwelle hinausschieben, sodass es grau wird.“

Es sei daher nicht davon auszugehen, dass ein 70-Jähriger, der seit Jahren grau ist, durch Entspannung wieder dunkle Haare bekommt, oder dass Megastress bei einem 10-Jährigen ausreicht, um sein Haar ergrauen zu lassen.

Graue Haare mit 30 oder früher: die häufigsten Ursachen

Doch wie wird aus Braun, Schwarz oder Blond plötzlich Grau? Die Haarfarbe entsteht durch das Pigment Melanin, das in sogenannten Melanozyten gebildet wird. Für die Melaninproduktion braucht der Körper unter anderem die Aminosäure Tyrosin, die mithilfe des Enzyms Tyrosinase in Melanin umgewandelt wird. Mit zunehmendem Alter oder durch Einflüsse wie oxidativen Stress oder genetische Faktoren nimmt die Aktivität der Melanozyten ab. Wird kein Melanin mehr produziert, erscheinen die Haare grau oder weiß.

Neben dem Alter sind diese Einflüsse in der Regel die Ursache für graue Haare ab 20:

  1. Graue Haare durch Stress: Es wird schon länger vermutet, dass es zwischen extremem Stress und grauen Haaren einen Zusammenhang gibt.
  2. Graue Haare durch eine Krankheit: Erkrankungen der Schilddrüse, der Hormondrüse und Autoimmunkrankheiten können sich ebenfalls auf die Haarfärbung auswirken.
  3. Graue Haare durch Vitamin-Mängel: Die Dermatologin Dr. med. Marie Jhin erklärte in einem Interview der „Time“ gegenüber, dass eine andere Ursache für silbrige Strähnen ein Vitamin‑B12‑Mangel sein könne. Andere Nährstoffmängel wie zum Beispiel Eisen oder Kupfer können jedoch ebenfalls eine Rolle spielen.
  4. Graue Haare durch Nikotin: Rauchen fördert oxidativen Stress, der die Melanozyten schädigen und somit den Pigmentverlust beschleunigen kann.
  5. Graue Haare durch Gene: Abgesehen von äußeren Einflüssen sind vor allem die Gene dafür verantwortlich, wann unsere Haare grau werden.

Wenn du bereits mit 20, 25 oder 30 Jahren graue Strähnen bemerkst und dich das belastet, kann es sinnvoll sein, eine dermatologische Fachkraft aufzusuchen. Sie kann dir helfen, mögliche Ursachen einzugrenzen und passende Lösungen zu finden.

Was kann man gegen graue Haare tun?

Leider (noch) nicht viel. Die gute Nachricht: Graue Haare sind in der Regel kein medizinisches Problem, manche empfinden sie jedoch ästhetisch als störend: Zumindest früh ergraute Haare werden vielfach immer noch als Anzeichen für vorzeitiges Altern und eine ungesunde Lebensweise wahrgenommen.

Gesellschaftliche Schönheitsideale machen es uns jedoch nicht leicht, graue Haare anzunehmen. Insbesondere Frauen, die bloß ewig jung aussehen sollen, fühlen sich gern mal unwohl, wenn sich graue Haare bemerkbar machen. Wir haben Tipps, was du gegen graue Haare tun kannst, wenn du dich damit unwohl fühlst.

  1. Stress reduzieren und vermeiden: Stressreduktion kann helfen, dass ergraute Haare teilweise wieder in der natürlichen Haarfarbe nachwachsen.
  2. Vitamin-Mängel beheben: Eine gesunde, also nährstoffreiche und ausgewogene Ernährung, kann dazu beitragen, das vorzeitige Ergrauen der Haare zu verzögern - und dient zudem als Haarpflege von innen.

Lass dich dafür ärztlich auf mögliche Vitamin- oder Mineralstoffmängel untersuchen und nimm Nahrungsergänzungsmittel nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt ein.

Vitamine und Nährstoffe gegen graue Haare

Laut der Gesundheitsplattform Healthline sollte man auf folgende Vitamine und Nährstoffe achten:

  • Vitamin B‑5 (Pantothensäure)
  • Vitamin B‑6
  • Vitamin B‑9 (Folsäure)
  • Vitamin B‑12
  • Vitamin D
  • Biotin (häufig in B‑Vitamin-Kombipräparaten)
  • Selen

Auch Mineralien wie Kupfer, Zink und Eisen sollen grauen Haaren vorbeugen.

  1. Melanin-Tabletten gegen graue Haare: Sogenannte Melanin-Tabletten enthalten Stoffe wie Tyrosin, Kupfer und B-Vitamine, die den körpereigenen Pigmentbildungsprozess unterstützen sollen. Doch so vielversprechend das klingt - eine zuverlässige wissenschaftliche Bestätigung für ihre Wirksamkeit gibt es bislang nicht.
  2. Graue Haare färben, tönen oder mit Strähnen kaschieren: Natürlich lassen sich graue Haare auch einfach kaschieren.
  3. Grey Blending: Oder du setzt deine grauen Haare einfach gekonnt in Szene, anstatt sie zu überdecken. Grey Blending ist eine moderne Haarfärbetechnik, bei der die grauen Haare harmonisch und natürlich in die bestehende Haarfarbe integriert werden.
  4. Bei grauen Ansätzen: Möchtest du grauen Ansätzen - zum Beispiel nach dem Kolorieren - wieder die passende Farbe schenken, lohnt sich auch der Griff zu Haarmascara oder -puder.

Bitte graue Haare nicht einfach rauszupfen.

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