Unsere Haare sind weit mehr als ein ästhetisches Merkmal - sie spiegeln Persönlichkeit, Lebensstil und oft auch unseren Gesundheitszustand wider. Kräftiges, glänzendes Haar gilt seit jeher als Symbol für Vitalität und Wohlbefinden. Doch echte Haargesundheit beginnt nicht im Bad, sondern im Körper: in einer gut versorgten Kopfhaut, ausgewogener Ernährung und einem stabilen Stoffwechsel.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick darauf, welche Rolle Nährstoffe, Hormone und Stoffwechsel für die Haargesundheit spielen, wie Lebensstil und Ernährung unsere Haare beeinflussen und welche Strategien im Alltag helfen, die Haare langfristig zu stärken.
Wussten Sie schon, dass…
Unsere Haare erfüllen weit mehr Aufgaben, als man auf den ersten Blick vermutet:
* Schutzfunktion: Haare schützen die Kopfhaut vor UV-Strahlung, Hitze, Kälte und äußeren Einflüssen. Auch Augenbrauen und Wimpern haben eine Schutzfunktion. Sie halten Staub, Schweiß und kleine Partikel von den Augen fern.* Wärmeregulierung: Haare helfen, die Körpertemperatur zu regulieren, indem sie Wärme speichern oder ableiten.* Sinnesfunktion: Körperhaare dienen als feine Tastorgane. Sie nehmen kleinste Berührungen oder Luftbewegungen wahr, ein frühzeitiger Warnreiz, etwa vor Insekten auf der Haut.Haare bestehen größtenteils aus Keratin, einem festen Strukturprotein, das ihnen Stabilität und Elastizität verleiht. Über die Haarwurzel sind sie in der Haut verankert und werden dort mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Der Haarfollikel, die „Wachstumsfabrik“ des Haares, spielt dabei eine zentrale Rolle für seine Stärke und Gesundheit.
Jedes Haar durchläuft einen Wachstumszyklus, der aus drei Phasen besteht:
* Anagenphase (aktive Wachstumsphase): dauert mehrere Jahre, circa. 85 bis 90 Prozent aller Haare befinden sich darin* Katagenphase (kurze Übergangsphase): das Wachstum stoppt, der Follikel bereitet sich auf Ruhe vor* Telogenphase (Ruhephase): das Haar fällt aus und schafft Platz für neues WachstumFaktoren wie Genetik, Hormone und eine ausgewogene Nährstoffversorgung (zum Beispiel Eiweiß, Eisen, Zink, Vitamine) bestimmen die Stärke, Dichte und Struktur des Haares.
Die Haarwurzel gehört zu den stoffwechselaktivsten Geweben des Körpers. Sie benötigt eine kontinuierliche Zufuhr von Nährstoffen über die Blutbahn.
Wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente:
Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich) und eine gute Durchblutung der Kopfhaut, etwa durch regelmäßige Kopfmassagen, fördern den Nährstofftransport und unterstützen das Haarwachstum.
Nur ein gesunder Darm kann Vitamine und Mineralstoffe optimal aufnehmen. Antibiotika, Stress oder zu viel Zucker können das Gleichgewicht stören. Probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder fermentiertes Gemüse unterstützen die Darmflora - und damit auch das Haar.
Während des Schlafs regeneriert der Körper Zellen und reguliert Hormone. Chronischer Schlafmangel erhöht den Cortisolspiegel und kann Haarverlust begünstigen.
Auch Schilddrüsen- und Geschlechtshormone spielen eine zentrale Rolle im Haarzyklus. Eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse etwa kann sich beispielsweise durch Haarausfall zeigen. Hormonelle Veränderungen (z. B. Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre) können das Haarbild beeinflussen.
Chronische Entzündungen oder Autoimmunreaktionen wie Alopecia areata schädigen die Haarfollikel. Eine ausgewogene Ernährung, Stressreduktion und eine gute Darmgesundheit wirken dagegen.
Ein täglicher Verlust von etwa 50 bis 100 Haaren gehört zum natürlichen Wachstumszyklus und ist völlig normal. Erst wenn über eine längere Zeit deutlich mehr Haare ausfallen oder sichtbare Lücken entstehen, spricht man von Alopezie und sollte medizinisch nach Ursachen suchen.
Sanfte Haarpflege erhält die natürliche Balance von Haar und Kopfhaut.
* Waschen: Waschen Sie Ihre Haare zwei bis drei Mal pro Woche mit mildem Shampoo und lauwarmem Wasser. Massieren Sie dazu das Shampoo sanft in die Kopfhaut ein und vermeiden Sie starkes Rubbeln. Bei empfindlicher Haut können Sie auf pH-neutrale oder pflanzliche Produkte zurückzugreifen.* Bürsten: Zum Bürsten eignen sich weiche Naturborsten oder abgerundete Kunststoffborsten am besten. Entwirren Sie Ihre Haare am besten vorsichtig vom Spitzenansatz nach oben. Nasses Haar ist sehr empfindlich, weshalb Sie es lieber erst leicht antrocknen lassen sollten.* Trocknen: Lufttrocknen ist am schonendsten für unsere Haare. Wenn Sie auf einen Föhn zurückgreifen, stellen Sie eine kühle bis mittlere Temperatur ein, halten Sie genügend Abstand und verwenden Sie einen Hitzeschutz.Das Geheimnis schöner Haare ist nicht nur die richtige Pflege, sondern es sind auch die richtigen Nährstoffe. Hier ist eine Tabelle mit wichtigen Nährstoffen und deren empfohlener Tagesdosis:
| Nährstoff | Empfohlene Tagesdosis | Wirkung |
|---|---|---|
| Zink | 10 mg (Erwachsene), 15-45 mg (bei Mangel) | Entzündungshemmend, beteiligt sich an der Bildung von Kreatin |
| Biotin | 30-60 Mikrogramm | Verhilft den Haaren zu Glanz und gibt ihm eine bessere Struktur |
| Kupfer | 1,0 bis 1,5 mg | Wichtig für Enzyme, die sich an der Regulierung von Stoffwechselprozessen beteiligen, erhält eine intakte Haarstruktur aufrecht |
| Selen | 60 Mikrogramm (Frauen), 70 Mikrogramm (Männer) | Wichtig für Haare, Nägel und Immunsystem |
Es gibt Tipps zu natürlichen Haarpflegemitteln gesammelt, die sich einzeln anwenden oder auch miteinander kombinieren lassen.
Thorben Royeck ist Dermatologe in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn. Im Interview beantwortet er spannende Fragen rund um das Thema Kopfhaar.
Im Durchschnitt trägt jeder Mensch etwa 100.000 Haare auf dem Kopf. Die genaue Anzahl richtet sich vor allem nach der Haarfarbe. Menschen mit hellem Haar haben vergleichsweise viele Haare, etwa 130.000 bis 150.000, dafür sind die Haare aber auch dünner. Bei dunkleren Haarfarben ist die Struktur kräftiger, die Anzahl der Haare jedoch geringer. Übrigens verliert der Mensch jeden Tag im Durchschnitt 100 Kopfhaare. Der genaue Wert hängt von der gesamten Haaranzahl ab. Personen mit vielen Haaren verlieren täglich auch mehr davon.
Allerdings fallen beim Menschen nicht auf direktem Weg jeden Tag durchschnittlich 100 Haare aus - viele von ihnen sitzen ganz locker im Haarkanal, sie sind per Definition also bereits ausgefallen, benötigen aber noch den letzten Anstoß, um sich vollständig zu lösen. Sie verabschieden sich bei der nächsten mechanischen Belastung, also dem Haarewaschen, Föhnen oder Kämmen. Gerade Menschen mit Haarausfall verzichten häufig darauf, sich regelmäßig die Haare zu waschen oder zu bürsten, aus Angst, noch mehr Haare zu verlieren. Wenn sie beispielsweise nur noch einmal pro Woche die Haare waschen, kommen ihnen dann nicht 100, sondern 600 Haare entgegen - also alle Haare, die schon die Tage davor locker im Haarkanal saßen und sich nun durch die mechanische Belastung lösen. Das führt bei Betroffenen dann zu einer großen Verunsicherung.
Auch hier gibt es einen Durchschnittswert, der liegt bei einem Zentimeter pro Monat. Beim Thema Haarwachstum ist aber nicht unbedingt interessant, wie schnell ein Haar wächst, sondern wie lange es in der Wachstumsphase verbleibt. Schließlich bestimmt die Dauer der Wachstumsphase auch die Länge der Haare.
Grundsätzlich durchläuft das Kopfhaar auf seinem „Lebensweg“ drei Phasen:
Nun gibt es Faktoren, die negativ auf die Wachstumsphase einwirken und somit das Haarwachstum verkürzen können. Dazu zählt beispielsweise das Rauchen. Die Substanzen, die in Zigaretten stecken, können Durchblutungsstörungen an der Haarwurzel verursachen und so das Haarwachstum einschränken. Schlafmangel kann die Versorgung des Haars ebenfalls verschlechtern und die Wachstumsphase stören.
Es gibt übrigens viele Gründe dafür, warum gerade Haare so empfindlich auf innere und äußere Einflüsse reagieren. Zum einen sind sie sehr sensibel, zum anderen befinden sie sich ganz außen am Körper und sind daher im Vergleich zu anderen Körperstrukturen eher von der Nährstoffversorgung abgeschottet. Außerdem kann sich ein Haar nicht erholen - ist es einmal in die Ausfallphase eingetreten, fällt es unwiederbringlich aus.
Dr. Royeck: "Es gibt Faktoren, die negativ auf die Wachstumsphase einwirken und somit das Haarwachstum verkürzen können. Dazu zählt beispielsweise das Rauchen."
Ja, das kann tatsächlich klappen. Der Wirkstoff Minoxidil, der eigentlich zur Senkung des Blutdrucks entwickelt wurde, kann an die Haarwurzel andocken und dort die Durchblutung verbessern.
Dadurch wird die Haarwurzel beispielsweise optimaler mit Mikronährstoffen versorgt. Das Haar ist mit der besseren Versorgung zufriedener und verbleibt länger in der Wachstumsphase. Minoxidil ist übrigens der einzige „Haarwuchswirkstoff“, der in einer Leitlinie vertreten ist, und zwar in der europäischen S3-Leitlinie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie (erblich bedingter Haarausfall). Betroffene können den Wirkstoff Minoxidil mit einem speziellen Schaum oder einer Lösung auf die Kopfhaut aufbringen.
Um die Haare schneller wachsen zu lassen, greifen manche Menschen auch zu Produkten mit Rosmarin.
Natürliche Inhaltsstoffe schaden nicht - sofern sie für die Person verträglich sind -, große Erfolge sollten Anwendende damit aber nicht erwarten. Dass Haare beispielsweise mit Rosmarin doppelt so schnell wachsen, ist ein Mythos. Ein weiterer Mythos ist übrigens, dass Haare nach dem Rasieren dicker nachwachsen - die Stoppeln erwecken lediglich den Eindruck, die Haarstruktur an sich bleibt aber gleich.
Das ist ein sehr kontroverses Thema. Grundsätzlich können Frauen bei der Anwendung von Haarfärbemitteln nicht sicher ausschließen, dass die chemischen Stoffe, die darin stecken, das ungeborene Kind erreichen. Es wäre möglich, dass sie über die Kopfhaut in den Körper der Mutter und dann über die Plazenta weiterwandern. Frauen haben in der Schwangerschaft aber den Luxus, dass die Haare länger wachsen. Das liegt daran, dass der Körper in der Zeit das Östrogen hochfährt - das Sexualhormon ist ein optimaler Wachstumsunterstützer für die Haare. In der Schwangerschaft verbleiben die Haare durch das Östrogen nämlich länger in der Wachstumsphase und fallen dadurch später aus. Die neu gewonnene Haarpracht tröstet viele Frauen über die fehlenden Haarfärbeprodukte hinweg.
Wer trotzdem nicht auf Farbe im Haar verzichten möchte, kann sich Strähnchen machen lassen. Dabei kommt die Haarfärbung im besten Fall nicht mit der Kopfhaut in Berührung. Auch eine Haartönung ist eine mögliche Alternative, denn dabei legt sich die Farbe um das Haar herum, das erfordert nicht so aggressive Stoffe wie bei der Haarfärbung. Bei der Haarfärbung muss die Haarstruktur nämlich zunächst aufgespalten werden, um die Farbpigmente dort hineinzubringen - dieser Eingriff in das Haar ist viel drastischer. Die Haare in der Schwangerschaft zu tönen oder die Haare natürlich aufzuhellen, können also sinnvolle Alternativen sein.
Es gibt durchaus Hausmittel wie Bier oder Ei, die einen pflegenden Effekt besitzen sollen. Schädlich sind sie für die Kopfhaut oder das Haar nicht, sie leisten aber auch keinen bahnbrechenden Beitrag zur Haarpflege. Ein Hausmittel, das sich für fast jeden Kopf eignet und durchaus sinnvoll erscheint, ist Heilerde. Einmal bis zweimal im Monat angewendet, entfernt sie überschüssiges Fett und kann die Kopfhaut beruhigen. Außerdem enthält sie Nährstoffe wie Magnesium, Silizium oder Eisen. Personen, die Heilerde zu oft in die Pflegeroutine einbinden, können aber eine trockene Kopfhaut entwickeln, daher ist hier weniger mehr. Grundsätzlich ist es so, dass Hausmittel nicht mit speziellen Haarkuren aus dem Handel mithalten können. Die Anwendung erfordert zudem oft ein gewisses Maß an Zeit.
Bestimmte Vitamine sind wichtig für gesundes, gepflegtes und kräftiges Haar.
Dazu zählen:
All diese Haar-Vitamine tragen zur Aktivität des Haarfollikels bei. Zum Haarfollikel gehören die Strukturen, die sich rund um die Haarwurzel befinden und das Haar in der Haut verankern. Menschen, die bei sich einen übermäßigen Haarausfall vermuten, können beim Hausarzt oder der Hausärztin einen Mikronährstoff-Test machen lassen. Das ist durchaus sinnvoll, um einem eventuell vorhandenen Nährstoffdefizit auf die Spur zu kommen und eine ärztliche Empfehlung für ein Vitaminprodukt zu erhalten. Haar-Vitamine in Form von Nahrungsergänzungsmitteln sind übrigens zu niedrig dosiert, um einen ausgeprägten Mangel zu beheben. Sie bieten sich daher nur bei leichten Mangelerscheinungen an.
Die Haare sind totes Material, sobald sie die Kopfhaut durchstoßen, sie selbst verursachen die Schmerzen also nicht. Vielmehr löst die Nervenwurzel, die in dem lebenden Part in der Kopfhaut sitzt, die unangenehmen Gefühle aus. Bei Personen, die den Eindruck haben, dass ihre Haare wehtun, kann eine Vielzahl von Ursachen infrage kommen. Beispielsweise ein Ekzem, eine entzündliche Erkrankung wie eine Neurodermitis, eine Pilzerkrankung oder eine vernarbende Kopfhauterkrankung. Ein elektrisierendes und schmerzendes Gefühl auf der Kopfhaut kann auch ein Anzeichen für eine beginnende Gürtelrose, also eine Nervenerkrankung, sein.
Gene, Mangelerscheinungen, Krankheiten, Alter - es gibt viele Faktoren, die die Haare dünner machen können. Die folgenden zehn Lebensmittel helfen, eine kräftigere Haarpracht zu schenken.
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