Haarfärbemittel sind beliebt, um die eigene Haarfarbe zu verändern und dem persönlichen Stil Ausdruck zu verleihen. Allerdings können sie auch unerwünschte Reaktionen hervorrufen, insbesondere bei Menschen mit empfindlicher Haut oder Allergien. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Allergien gegen Haarfarbe, insbesondere durch den Inhaltsstoff Para-Phenylendiamin (PPD), und bietet Informationen zu Symptomen, Behandlung und Prävention.
Allergische Reaktionen auf Haarfärbemittel werden meist durch bestimmte chemische Inhaltsstoffe ausgelöst. Diese Substanzen können die Haut reizen oder das Immunsystem zu einer Überreaktion anregen. Bedenkliche Inhaltsstoffe in Haarfärbemitteln können Farbstoffe wie Para-Phenylendiamin (PPD) oder Para-Toluenyldiamin (PTD) sein, aber auch Hilfsstoffe wie Resorcin, Wasserstoffperoxid oder Ammoniak, die zwar nicht sensibilisierend sind, aber zum Teil stark reizende Wirkung zeigen.
PPD ist der Hauptauslöser für Allergien auf Haarfarben. Das aromatische Amin PPD ist bekannt durch seine hohe Sensibilisierungspotenz. Der Einsatz dieser Haarfarben-Vorstufe ist in Oxidationsfarben durch die Kosmetikverordnung geregelt und ihre Höchstkonzentration ist auf 2% im Anwendungsprodukt begrenzt. Notwendige Voraussetzung für das Färben mit PPD ist die Anwesenheit einer Kupplersubstanz, wie Resorcin, im Produkt.
Es seien die aktuellen Modetrends, die immer mehr junge Leute zur Haarfarbe greifen lasse. Das Beispiel Japan zeigt den Anstieg: Im Jahre 1992 färbten sechs Prozent der Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren ihre Haare, heute sind es 85 Prozent.
Para-Phenylendiamin kann beispielsweise in Textilfarben eingesetzt werden, in dunklen Henna-Tattoos oder Henna-Haarfarben. Außerdem wird PPD in Leder, Pelzen, Textilien, Schuhputzmitteln, Lacken, Gummi, Tinte, Kontrastmitteln, technischen Ölen, Autoreifen und photographischen Entwicklern eingesetzt. Da eine Kreuzreaktion auf andere Substanzen mit ähnlicher chemischen Struktur möglich ist, wie z.B. auf das para-Toluylendiamin (PTD), p-Aminophenol oder Azofarbstoffe, können auch diese Stoffe beim Hautkontakt eine allergische Reaktion auslösen.
Das Allergen komme vor allem in Haarfärbemitteln (und in Hennafarben) vor und ist häufig der Grund für allergische Reaktionen bei Friseurinnen und Friseuren.
Bei entsprechender Veranlagung können Oxidationsfarben zu schweren allergischen Reaktionen führen. Nach einer Haarfärbung treten die Symptome im Gesicht und an den Augen auf, die anschwellen und sich schmerzhaft entzünden können. Ursache hierfür ist meistens das PPD. Eine PPD-Kontaktallergie ist vergleichsweise häufig, der Auslöser muss nicht zwangsläufig die Anwendung von oxidativen Haarfarben sein, auch andere Produkte, die diese Chemikalie enthalten, können eine Sensibilisierung hervorrufen.
Die Symptome einer Haarfarbenallergie können vielfältig sein und sich in unterschiedlicher Stärke äußern:
Rund 24 bis 36 Stunden nach der Färbung fängt die Haut an zu jucken, schwillt an oder rötet sich. Die Beschwerden machen sich zunächst auf dem Kopf und im Gesicht, aber auch rund um die Augen bemerkbar. In der Regel treten die allergischen Beschwerden jedoch nur an den Stellen auf, die direkt mit dem Allergieauslöser in Kontakt kommen.
Wenn die Kopfhaut nach dem Färben juckt, brennt, schuppt oder rot wird, ist es wahrscheinlich eine PPD-Allergie. Sogar die Kopfschwarte kann stark anschwellen.
Es ist wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und von anderen Allergien zu unterscheiden. Bei Verdacht auf eine PPD-Allergie sollte ein Fachmann aufgesucht werden.
Ein Allergologe kann durch spezifische Tests die genauen Auslöser identifizieren.
Bei einer PPD-Allergie ist es entscheidend, schnell und richtig zu handeln, um Symptome zu lindern und weitere Reaktionen zu vermeiden. Zunächst sollte der Kontakt mit der Substanz, die Para-Phenylenediamin (PPD) enthält, sofort eingestellt werden. PPD ist häufig in Haarfärbemitteln und einigen Kosmetika enthalten. Sobald die Allergie festgestellt wird, ist es ratsam, einen Dermatologen oder Allergologen aufzusuchen.
Zur Linderung von akuten Symptomen wie Juckreiz, Rötung oder Schwellung können Antihistaminika eingenommen werden. In schwereren Fällen kann eine Kortisoncreme verschrieben werden, um Entzündungen zu reduzieren.
Tritt die Allergie zum ersten Mal auf, hilft auch mehrmaliges Haarewaschen nicht. So hält die Wirkung temporärer Haarfärbemittel rund sechs bis acht Wochen an. Die beste - aber auch radikalste Lösung - ist daher, die gefärbten Haare abzuschneiden. Leiden Patienten unter starken Schwellungen, können auch Cortison-Präparate helfen.
Wer zu sehr an seinen Haaren hängt, sollte den Kontakt zwischen Haut und Haaren möglichst verhindern. So kann es meist schon helfen, einen Rollkragenpullover aus Baumwolle zu tragen oder die Haare in einem Zopf zusammen zu binden. Heilen lässt sich eine Allergie gegen Haarfarbe jedoch nicht.
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um allergischen Reaktionen auf Haarfarben vorzubeugen:
Auch wer akut unter einer gereizten Kopfhaut leidet, sollte laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) die Haarfärbung besser verschieben. Denn Haarfarbe reizt die Haut zusätzlich.
Wie bei allen kosmetischen Produkten sollten Menschen mit empfindlicher Haut oder einer bekannten Kontaktallergie Haarfarbe zudem vor dem ersten Gebrauch auf ihre Verträglichkeit testen. Dazu geben Verbraucher die Farbsubstanzen zunächst nur auf eine kleine Stelle. Ist die Haut auch nach einer längeren Einwirkzeit frei von Irritationen, kann das Haarfärbemittel meist problemlos verwendet werden. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) weist jedoch darauf hin, dass Farbmischungen nur für eine kurze Zeit Kontakt mit der Haut und den Haaren haben sollten.
Seit 2011 gibt es eine Einschränkung der oxidativen Haarfarben für Jugendliche und Kinder, um für diese Personengruppe das Allergierisiko zu minimieren. Über dieses Verbot bzw. die Einschränkung haben wir bereits in ALLERGIE konkret 3/2012 berichtet.
Das Blondieren mit Wasserstoffperoxid gilt als weniger problematisch, da hier keine sensibilisierenden Substanzen eingesetzt werden. Die Haare mit einer Wasserstoffperoxid-Ammoniak-Lösung behandelt. Die aufhellende Wirkung beruht darauf, dass die Wasserstoffmoleküle in die Haare eindringen und dort die Farbpigmente zerstören. Beide Wirkstoffe haben reizende, irritierende Eigenschaften, die eine empfindliche Kopfhaut belasten und reizen. Vorsichtshalber sollte bei geröteter, entzündeter Kopfhaut auf eine Blondierung verzichtet bzw. eine Besserung des Hautzustandes abgewartet werden. Wichtig sind hier die Empfehlungen in Bezug auf die Anwendungskonzentration bzw. Anwendungsdauer, sie sollten unbedingt eingehalten werden. Fachgerecht ist das Blondieren beim Friseur.
Pflanzenfarben gelten als relativ schonende und besser verträgliche Alternative zu den synthetischen Färbemitteln. Für die Farbveränderung kommen hier folgende Naturstoffe zum Einsatz: Henna, Auszüge aus Kamille, Rhabarber sowie Indigo- und Kaffeepulver, wobei Henna die weit größte Bedeutung hat. Beispielsweise ist Färbung mit Henna von Dauer, allerdings kann sich der Farbton mit der Zeit verändern und verblassen. Die Farbvielfalt, die mit den Naturstoffen erreicht werden kann, ist etwas eingeschränkt, doch auch hier ist eine allergische Reaktion nicht ausgeschlossen.
Reine Henna beispielsweise zeigt geringe sensibilisierende Potenz und löst sehr selten eine allergische Reaktion aus. Um mit dem Henna-Farbstoff eine intensivere und dunklere Färbung zu erreichen, wird der Henna para-Phenylendiamin zugesetzt. Experten weisen darauf hin, dass der Einsatz eines potenten Allergieauslösers wie PPD eine Sensibilisierung gegenüber dem schwachen Allergen in Hennafarben fördern kann.
Als weniger problematisch als die Oxidationsfarben gelten die Tönungen. Hier kommen größere Farbmoleküle zum Einsatz, die schlechter in die Haut eindringen können. Im Unterschied zu dauerhaften Farben dringen die Farbstoffe nicht ins Haarinnere, sondern verbleiben weitgehend auf der Haaroberfläche, von wo sie mit der Haarwäsche nach und nach entfernt werden können. Allerdings auch hier berichten Allergologen über Reaktionen der Kopf- und Gesichtshaut auf die Inhaltsstoffe der Tönung, die mit jeder Wäsche von der Haaroberfläche mobilisiert werden und auf die Haut gelangen. Auch hier gilt, wer tönen möchte, sollte die Hände mit Handschuhen schützen und die Einwirkzeit unbedingt einhalten.
Haarfarben bieten vielfältige Möglichkeiten, den eigenen Stil zu verändern, können jedoch für Menschen mit empfindlicher Haut oder Allergien eine Herausforderung darstellen. Das Risiko allergischer Reaktionen lässt sich durch die Wahl geeigneter Produkte und Vorsichtsmaßnahmen wie Verträglichkeitstests deutlich reduzieren. Wichtig ist, die Inhaltsstoffe sorgfältig zu prüfen und bei Unsicherheiten professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Mit der richtigen Vorbereitung und einer bewussten Produktwahl können auch Menschen mit Allergieneigung das Färben ihrer Haare sicher und ohne Sorgen genießen.
| Inhaltsstoff | Potenzielle Wirkung | Alternative |
|---|---|---|
| PPD (Para-Phenylendiamin) | Stark sensibilisierend, häufigster Auslöser von Allergien | PPD-freie Haarfarben, Pflanzenfarben (Henna, Indigo) |
| Ammoniak | Reizend für Haut und Atemwege | Ammoniakfreie Haarfarben |
| Resorcin | Kann Hautreizungen verursachen | Haarfarben ohne Resorcin |
| Wasserstoffperoxid | Reizend, kann die Kopfhaut belasten | Niedrig dosierte oder alternative Oxidationsmittel |
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