Die markante Glatze von Pierluigi Collina ist untrennbar mit seinem Image als einer der besten Schiedsrichter der Welt verbunden. Doch die Gründe für eine Glatze bei Fußballschiedsrichtern und deren Akzeptanz sind vielfältiger, als man denkt.
Pierluigi Collina war zu seiner Zeit einer der besten Schiedsrichter der Welt. Der Italiener hinterließ bei Fans und Spielern gleichermaßen Eindruck. In einem Interview mit dem kicker erzählt der heute 59-Jährige nun von dem bizarren Grund, aus dem er einst von der Schiedsrichter-Kommission aus dem Verkehr gezogen wurde. Collina war einer der besten Schiedsrichter der Welt. Glatze, weit aufgerissene Augen, absolute Autoritätsperson: Pierluigi Collina war einer der besten Schiedsrichter der Welt.
"Ich verlor meine Haare Mitte der 80er mit 24 Jahren wegen einer Krankheit in einer Zeit, als dieser Look längst keine Mode wie heute war", führte der sechsmalige Weltschiedsrichter aus. Damals wurde ihm ernsthaft gesagt: Jetzt pausierst du mal ein paar Monate mit dem Pfeifen, vielleicht wachsen die Haare ja wieder."
Knapp drei Monate später habe die Schiedsrichter-Kommission dann einen Test in der 4. Liga veranstaltet, vor "5000 oder 6000 Zuschauern". Der Grund: Man wollte herausfinden, ob "ein kahlköpfiger Referee überhaupt akzeptiert würde. Heute unvorstellbar." Collina, dass ihm der Look auf dem Platz sogar weiterhalf: "Er wurde dann zu einer Art Markenzeichen und einige sagten: Die Glatze hat dir zum exponierten Image geholfen.
Was bei dem Test passiert sei? "Natürlich nichts. Den Leuten war schnuppe, ob Glatze oder nicht. Wenn du deine Arbeit gut machst, ist doch die Frisur belanglos."
Der ehemalige italienische Star-Schiedsrichter Pierluigi Collina hat mit vielen Jahren Abstand einen kleinen Regelverstoß beim WM-Finale 2002 zugegeben. Der 64-Jährige gestand, dass er das Spiel zwischen Brasilien und Deutschland länger laufen ließ, um an den Ball zu kommen. Damals pfiff ich das Spiel mit 13 oder 14 Sekunden Verspätung ab, ohne Rücksicht auf das Ergebnis, um sicher zu sein, dass ich den Ball in den Händen hielt, sagte Collina der Tageszeitung La Repubblica. Die eigenwillige Verlängerung änderte aber nichts: Deutschland verlor 0:2.
Collina, der eine Elfmeter-Revolution im Weltfußball plant, erinnert sich lebhaft an die Siegerehrung, bei der er den Ball fest in seiner Hand hielt, obwohl jemand versuchte, ihn ihm abzunehmen. „Auf den Fotos der Zeremonie bin ich immer mit dem Ball in der Hand zu sehen“, erinnert er sich zurück an diesen denkwürdigen Abend.
Neben dem Spielball besitzt Collina auch die Trikots der brasilianischen Spieler Ronaldo und Cafu sowie des deutschen Spielers Didi Hamann. Der Ball, der nun in einem Fitnessstudio liegt, in dem Collina arbeitet, ist nicht das einzige Souvenir, das er aus diesem denkwürdigen Spiel mitnahm. Heute ist Collina, der sechsmal zum Weltschiedsrichter des Jahres gewählt wurde, übrigens als Schiedsrichter-Chef bei der FIFA tätig.
Der Italiener gehörte über viele Jahre hinweg zu den bekanntesten Schiedsrichtern des internationalen Fußballs. Anteil daran hatte auch seine markante Glatze.
Chaos mit Ansage! Im Amateurfußball kann es bekanntlich ruppig zugehen. Auch für den Schiedsrichter: Überehrgeizige Eltern schreien einen an, mitunter kriegt man sogar Bierdosen an den Kopf. Ralph Vollmers kennt das alles. Freude hat er dennoch daran.
Über 75.000 Menschen opfern in Deutschland ihre Wochenenden, um Fußballspiele zu pfeifen. Das Geld, das sie dafür bekommen, reicht meist nur für die Fahrtkosten. Diese Leute sind Schiedsrichter aus Leidenschaft.
Einer von ihnen: der 48-jährige Ralph Vollmers, Spitzname „Drago“. Seit 20 Jahren ist er Referee. Inzwischen trägt Ralph Vollmers Glatze, sein Geld verdient er als Versicherungsangestellter. Er wohnt mit seiner Frau Anke, die ebenfalls Schiedsrichterin ist, im Hamburger Umland, im schleswig-holsteinischen Geesthacht.
Dennoch gibt es auch in den unteren und Jugendligen immer wieder Probleme, weil Spieler oder die Eltern von Spielern die Nerven verlieren und handgreiflich werden. Die Probleme liegen da in meinen Augen in der Erziehung. Auch Ballerspiele tragen dazu bei. Dadurch geht viel vom Ehrgefühl verloren, das eigentlich beinhaltet, den anderen nicht zu verletzen und seine Unversehrtheit zu respektieren. Diese Haltung ist auf dem Platz kaum noch vorhanden.
Es gibt da schon Reglementänderungen, die solche Probleme begrenzen sollen. Dass etwa ohne Schiedsrichter gespielt wird. Das bringt dann aber anderswo Probleme mit sich, weil der Schiedsrichternachwuchs fehlt oder der Nachwuchs nicht mehr die Chance hat, wichtige Erfahrungen zu sammeln. Als Jungschiedsrichter verliert mancher so mehrere Jahre Berufserfahrung.
Ich kenne einige Schiedsrichter die homosexuell sind. Da habe ich noch nie gehört, dass die geschnitten wurden oder so. Aber wenn ich mich mit Spielern unterhalte, erzählen die öfter mal davon, dass Homosexuelle gemobbt werden. Die müssen ganz schön standfest sein, gerade im Profibereich. Weil es halt immer noch Leute gibt, die das als abnormal ansehen. Das ist eigentlich krank, dass in unserer weltoffenen Gesellschaft noch so etwas Hinterwäldlerisches Platz hat. Aber das wird dann eben zwei, drei Wochen in der Presse thematisiert und ist dann wieder aus den Augen und damit aus dem Sinn. Für die betroffenen Spieler verschwinden die Probleme dadurch leider nicht.
Ich wurde einmal nach einem Spiel fast verhauen. Danach habe ich mich schon lange gefragt: Wofür gebe ich mir das? Das war ein Bierdosenwurf nach einem Spiel in Hamburg-Billstedt, der Sie am Kopf traf. Wie ging es danach weiter?
Ich habe mir gesagt: Das ist mein Sport. Ich habe Fußball fast schon von den Windeln an gespielt. Er ist ein Teil meines Lebens und mir macht es unglaublich viel Spaß, mit den Menschen auf dem Platz umzugehen und ein Fußballspiel zu leiten. Den Spaß lasse ich mir von solchen Vollidioten nicht kaputtmachen. Das war der Hauptgrund, weiterzumachen.
Würden Sie sagen, dass diese grundsätzliche Haltung, auf den Schiri zu schimpfen, falsch ist? Nein. Das ist normal und gehört irgendwie zum Sport dazu. Auch die Haltung von Spielern auf dem Platz, die einem gerne mal zu verstehen geben, dass sie mal viel mehr Ahnung haben als man selbst. Es ist Teil des Spiels, die Grenzen dessen abzustecken, wie weit man als Spieler, als Fan, als Trainer gehen kann. Fußball ist eben auch ein emotionales Spiel und wenn es total still auf dem Platz wäre, wäre das Spiel tot.
Ich finde das krass, auf den nächsten Eckball oder den nächsten Strafstoß oder auf die nächste gelbe Karte tippen zu können. Das interessiert mich selbst aber eher nicht. Ich wette nicht, deshalb kann ich dazu kaum etwas sagen.
Weshalb haben Sie nie die höheren Ligen gepfiffen? Ich war einfach zu alt. Ich habe erst mit 28 Jahren angefangen zu pfeifen und da haben sie mir schon relativ schnell gesagt: Super, dass du pfeifst - aber für oben reicht das nicht mehr. Da habe ich mich auch gefragt: Warum mache ich das? Wieso bin ich mit 28 Jahren schon zu alt? Ich habe ja die Erfahrung als Spieler mitgebracht, die anderen Schiedsrichtern fehlte. Die vierte Liga habe ich dann immerhin noch vier Jahre gepfiffen, trotz meines biblischen Alters. Nun ist die nächste Saison meine letzte in der Ober- und Landesliga. Da liegt die Altersgrenze bei 49 Jahren und ich bin jetzt 48 Jahre alt. Ich darf natürlich in der Bezirksliga noch weiterpfeifen. Mal schauen, ob ich das dann mache. Das entscheide ich dann von Spiel zu Spiel.
Ich wünsche mir, dass sie die Arbeit von Schiedsrichtern ein bisschen objektiver sehen, ihre Arbeit besser verstehen lernen und ihnen auch zugestehen, dass sie wie jeder Mensch Fehler machen. Sie sollten sich vor Augen führen, was Schiedsrichter auf dem Platz leisten und sich dann überlegen, ob man das besser machen könnte. Jeder soll in seiner Freizeit auf dem Platz oder der Tribüne motzen können und dürfen, aber auch das hat seine Grenzen. Niemand darf für schlechte Leistungen verhauen werden. Spieler kriegen ja auch keine Dresche, wenn sie das Tor nicht treffen.
Der DFB will mit der Aktion "Profi wird Pate" dem Rückzug von Schiedsrichtern aus dem Spielbetrieb entgegenwirken. Dabei werden Profi-Referees als Pate für Neulinge im Amateurfußball eingesetzt.
Ittrich macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass er sich sehr freuen würde, wenn sein Pate und bestenfalls noch ganz viele andere junge Menschen seinem Weg folgen würden: "Schiedsrichter zu sein ist eine unfassbar geile und sensationelle Lebensschule.
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