Die Tradition des Haarreifens reicht bis ins Mittelalter zurück. Damals nutzten Damen das Accessoire, um ihr offenes Haar zurückzustecken. Des kirchlichen Glaubens wegen war es nicht erlaubt, das Haar offen zu tragen.
Ohne die entsprechende Kopfbedeckung aber ist der mittelalterliche weibliche „Look“ nicht vollständig. Und den Kopfputz kann man nicht ohne die Frisuren beschreiben.
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war der wohl beliebteste adlige Frisurenstil das „Widderhorn“. Das lange Haar (alle adligen Frauen tragen ihr Haar lang) wird in der Mitte geteilt; jede Seite wird zu einem einzelnen langen Zopf geflochten, und der wird dann zu einer Art Dutt oder Schnecke über dem Ohr aufwickelt und mit einer Haarnadel dort befestigt. Wenn Sie verheiratet sind, tragen Sie einen Reif, eine Haube, einen Hut oder Schleier darüber und befestigen Ihre „Rise“, das Tuch, das unter dem Kinn drapiert wird und den Hals bedeckt, an beiden Seiten.
Auffällig ist vor allem die Technik, die beiden Zöpfe zu nehmen und sie an den Schläfen hoch und wieder hinunter zu führen, sodass sie Säulen aus geflochtenem Haar bilden, die das Gesicht einrahmen. Oft sind diese aufwendig mit goldener Gaze durchwirkt - so trägt Königin Philippa ihr Haar in den 1360ern gern. Ihre Zeitgenossin, die Countess of Warwick, hat ihr Haar ähnlich frisieren lassen; doch statt der steifen goldenen Säulen, die das Gesicht umrahmen, hat sie die beiden geflochtenen Säulen über dem Kopf zusammenlaufen lassen und sie dann mit einem goldenen Netzgitter umhüllt. Das Ergebnis ist ein eindrucksvoller Bogen aus goldenem Haar rund um ihr Gesicht.
Diese aufwendigen Frisuren brauchen Stunden. Die meisten adligen Damen geben sich mit schlichten langen Zöpfen oder einer Variation des Widderhornstils zufrieden; dazu kommen ein Reif oder ein Diadem und eine Rise (wenn sie verheiratet sind). Anne von Böhmen, die Ehefrau Richards II., bevorzugt einen einzigen langen Zopf, der den Rücken hinabfällt. Unverheiratete Mädchen schmücken sich mit Edelsteinen im Haar - oft mit künstlichen Blumen aus Gold und Juwelen - oder mit pelzbesetzten Kapuzen.
Es ist für adlige Damen höchst unüblich, in der Öffentlichkeit mit langem, frei fallendem Haar aufzutreten. Selbst wenn es einfach unter eine Haube gesteckt wird - es wird bedeckt. Langes, offenes Haar gilt allgemein als verführerisch und wird deshalb wie auch nackte Arme und Beine versteckt, um Unschicklichkeit zu vermeiden.
Neben den Frisuren spielten auch die Kopfbedeckungen eine wichtige Rolle. Hier eine Übersicht:
Wenn man die zeitgenössischen Abbildungen anschaut, merkt man schnell, dass es eine große Varianz in Sachen Schleier gibt. Im 13. Jahrhundert kann man den Schleier alleine nicht mehr zur Bestimmung des Familienstandes der Frau heranziehen, denn auch Jungfrauen konnten Schleier tragen. Die klugen Jungfrauen werden oft mit Schleier dargestellt und das Paradebeispiel schlechthin ist natürlich die heilige Jungfrau Maria, die sehr häufig Schleier trägt.
Das Gebende war die typische Kopfbedeckung für verheiratete Frauen im 13. Jahrhundert und Anfang des 14. Jahrhunderts. Bis ca. zur Mitte des 13. Jahrhunderts sind beide Streifen etwa handbreit. Danach werden sie zunehmend schmaler, bis sie Ende des 13./Anfang des 14. Jahrhunderts nur noch 2-3 Finger breit sind.
Die Haube alleine konnte von unverheirateten Frauen getragen werden, in Kombination mit dem Gebende auch von verheirateten Frauen. Der Ausdruck "unter die Haube kommen" ist also nicht hochmittelalterlich, sondern jünger. Im 13. Jahrhundert hätte man allenfalls gesagt "unter das Gebende kommen".
Erst im 20. Jahrhundert avancierte der Haarreif zum beliebten Accessoire und verabschiedete sich von seinem ursprünglichen Nutzen. Als Markenzeichen der Ikone Audrey Hepburn, als Blair Waldorfs It-Piece in "Gossip Girl" und als Must-have der 90er (denken wir an Cher Horowitz in "Clueless") war der Haarreif von nun an nicht mehr wegzudenken. Heute sehen wir den Haarschmuck nicht nur in sämtlichen Streetstyles, sondern auch auf den Laufstegen renommierter Modehäuser.
Wie auch die College Jacken, Cowboystiefel und Schlaghosen feiern auch die Haarreifen 2023 ein Comeback. Ob als Haarband, gepolsterter Haarreif, mit Perlen, in Schwarz oder Weiß - die Möglichkeiten scheinen grenzenlos. Das Haar-Accessoire avanciert 2023 zum Must-have und ist in vielen modernen Interpretationen zu sehen. Daher lässt sich sagen, dass Haarreifen nicht noch modern sind, sondern wieder.
Das Beste an einem Haarreifen ist, dass er sich bei jeder Haarlänge und nahezu zu jedem Haarschnitt tragen lässt. Vom Kurzhaarschnitt, über langes Haar bis hin zum Buzz Cut - Ihnen sind in Sachen Styling absolut keine Grenzen gesetzt.
Einen Haarreif kann jede:r tragen - wichtig ist nur, dass Sie die Form und die Breite des Haarreifs auf Ihre Gesichtsform abstimmen. Zu breiten Gesichtsformen oder Menschen, die eine hohe Stirn oder hervorstehende Ohren haben, passt ein schmaler Haarreif. Dagegen liegen Menschen mit schmaler Gesichtsform mit einem breiten Reif richtig.
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