Ach, Marie Fredriksson. Mehr als ein Mal bekam ich im Erdkundeunterricht Ermahnungen, weil ich heimlich Texte von Roxette übersetzte, statt die Höhenstufen des Kilimandscharos zu zeichnen. Im Sommer 1989 lief “The Look” bei mir auf Repeat-All, sowohl zu Hause als auch unterwegs. Ich hatte die Kassette im Walkman und hörte die Musik von morgens bis abends, wenn ich allein durch Würzburg streifte.
Die fast verliebte Schwärmerei für die Popsängerin hielt nicht lange und wurde nach Kurzer Zeit von Schwärmereien für reale Personen abgelöst, faszinierend fand ich Marie Fredriksson aber weiterhin. Die 90er gingen, und mit ihnen verschwanden Roxette und Marie von der Bildfläche.
Nachrichten von einer Krebserkrankung machten die Runde, und niemand hätte erwartet, noch einmal was von Frederiksson und Gessle zu hören. Ich erinnere mich darin wie überrascht ich war als ich 2011 mitbekam, dass Marie sich wieder auf die Bühne gekämpft und mit Roxette noch einmal auf Tour gehen wollte.
Im Juni 2011 war es dann soweit, ausgerechnet in Oberursel (fragen sie nicht!) hatte ich die die Gelegenheit Roxette live zu sehen. Sie war schon immer zierlich gewesen, aber nun wirkte sie fragil und irgendwie zerbrochen. Auf einen Barhocker gestützt und nur einen Arm nutzend wirkte sie wie eine Puppe aus Porzellan, die heruntergefallen war und die jemand mit großer Mühe, aber irgendwie verkehrt wieder zusammengesetzt hatte.
Singen tat sie freilich immer noch großartig, wenn auch die Worte ein wenig verschliffen kamen. Sie liebte die Bühne, dass war zu merken. Es war aber auch deutlich zu merken, dass es ihr alles andere als gut ging. In der Folge kaufte ich mir ihre Solo-Alben, konnte mit denen aber nicht viel anfangen.
Nun ist Marie Fredriksson in dieser Woche gestorben. 61 ist sie am Ende geworden und damit älter, als man es bei ihrer Erkrankung hätte hoffen können. Auf Youtube hat Per Gessle gerade die “The Roxette Diaries” bereitgestellt. Größtenteils unkommentierte Aufnahmen aus den 80ern und 90ern, die zeigen, wie Marie hinter den Kulissen war. Sie war natürlich genau so, wie ich mir sie vorgestellt hatte, und dazu noch unglaublich liebenswert und witzig.
Auch wenn sie der großen Julia Roberts in „Pretty Woman“ dem Gefühl emotionaler Verletztheit mit dem Song „It Must Have Been Love“ eine unvergessliche Stimme verliehen hatte, war die schwedische Sängerin Marie Fredriksson bald selbst eine Art Stilikone. Mit ihrer strubbeligen Kurzhaarfrisur und einem weit ausgeschnitten Trägerkleid verkörperte die 1958 im schwedischen Össjö geborene Sängerin an der Seite ihres musikalischen Partners Per Gessle die Fortsetzung des schwedischen Popmärchens nach Abba.
Unter dem Namen Roxette avancierten die beiden in den 80er- und 90er-Jahren zu einem der erfolgreichsten Duette der Popgeschichte. Hits wie „Listen To Your Heart“ und „The Look“ standen für die verführerische Leichtigkeit einer Epoche, der nach der Auflösung der politischen Machtblöcke zu Beginn der 90er-Jahre die Welt in viele Richtungen offenzustehen schien.
Eine davon erbrachte die Gewissheit, dass gut gemachter Pop nicht mehr nur aus Großbritannien und den USA kommen musste. Das Roxette-Prinzip, das auf balladesker Beschwingtheit und melancholischer Tiefe basierte, funktionierte in Asien ebenso wie in Südamerika und Australien, wo Roxette überall ganz oben in den Charts auftauchten.
Marie Fredrikkson hatte im südschwedischen Svalöv Musik studiert und zunächst eine beachtliche Solokarriere gestartet, die sie bald zu einer schwedischen Berühmtheit machte. Mit 28 traf sie auf Per Gessle, und nach einem mäßig erfolgreichen ersten Album folgte mit „The Look“ der Durchbruch.
In hoher Schlagzahl lieferte Roxette eingängige Melodien und gehaltvolle Up-Tempo Nummern, die beim Wiederhören auch jenseits der nervigen Formats der 80er-Jahre-Shows ihren Reiz nicht verloren haben.
Ein jähes Ende des immer auch etwas gesprenkelt wirkenden Gute-Laune-Gefühls brachte im Jahre 2002 die Nachricht, dass Marie Fredriksson an einem Hirntumor erkrankt sei. Zwar stand sie schon nach kurzer Pause wieder auf der Bühne, war in der Folgezeit gesundheitlich aber deutlich gehandicapt.
Als Roxette 2015 aus Anlass ihres 30-jährigen Bandjubiläums auf Tournee gingen, absolvierte Marie Fredriksson die Konzerte im Sitzen. Kurz danach rieten ihr die Ärzte, künftig nicht mehr auf kraftzehrende Tourneen zu gehen.
Roxette haben am Donnerstag in der o2 World gespielt. Die große Popband der Neunziger, zu deren Welthits eine ganze Generation rumknutschte, mit Liebeskummer weinte oder einfach nur abfeierte. Sie spielen all diese Songs.„Sleeping In My Car" und „The Big L." gleich zum Auftakt.
Per Gessle (56), Teil zwei des Schweden-Duos, das 70 Millionen Platten verkaufte, ist bestens drauf. Hat immer noch die lustige Langhaar-Frisur von einst. "Per" steht groß auf seinem Hemdsärmel. Falls sich jemand nicht mehr richtig erinnern sollte.
„Spending My Time" spielen sie und „Fading Like A Flower". Die vielen Pärchen im Publikum kraulen sich zu den Balladen den Rücken. Es folgen Tanznummern wie „How Do You Do?".
Apropos: Wie geht es Dir? Das fragen sich alle in der Halle bei Fredriksson. Die war 2002 an einem Hirntumor erkrankt und viele Jahre von der öffentlichen Bildfläche verschwunden. Ihre Rückkehr auf die Bühnen Europas eine Sensation.
Beinprobleme soll sie haben. Jetzt sitzt sie da. Stolz. Fans jubeln ihr zu. Rufen „Marie! Marie!", wenn sie Soloparts singt wie im ruhigen „Watercolours In The Rain". Manchmal bleibt ihre Stimme weg. Eine Background-Sängerin hilft dann mit. Ihr Hit „A Little Bit Dangerous" kommt.
Die Rückenkraul-Pärchen fassen sich jetzt an den Po. Tanzen. Zur Zugabe dann noch einmal der lange Gang für sie von der Bühne hinunter und wieder zurück. „Oh mein Gott", rufen einige. Jubeln ihr Mut zu.
Roxette spielen als Abschluss ihre beiden Meganummern: „Listen To Your Heart" und „The Look". Nochmal jubeln, nochmal feiern, nochmal knutschen. Finale.
Die Band tritt an den Bühnenrand, nimmt Marie Fredriksson in die Mitte, die sich langsam von ihrem Hocker erhebt. Glückliche Fans beklatschen ihr Idol. Gessle nimmt sie dann an den Arm. In Ruhe gehen sie gemeinsam von der Bühne.
Dass sich Justin Bieber die Haare wasserstoffblond gefärbt hat, ist uns keine News wert. Wir graben tiefer und wollen viel mehr wissen, von wem er die Frisur geklaut hat. Denn es gibt eindeutige Indizien - in Form von Fotos - die beweisen, dass der Biebs bestimmt auch nach Deutschland geschaut hat, um sich vom Who is Who der hiesigen Promi-Szene inspirieren zu lassen.
Justin Bieber ist jetzt blond. Und zwar weißblond. Dazu trägt er einen Undercut und eine überlange Ponypartie. Moment! Diese Frisur in Zusammenspiel mit dieser Haarfarbe kennen wir doch!
Einige Prominente, die möglicherweise als Inspiration für Justin Biebers Frisur dienten:
Wenn man ehrlich ist, so richtig cool waren Roxette nicht. Damals, 1988, wurde "The Look" veröffentlicht, 1989 wurde die Single zum Hit. Wie Sänger Per Gessle da im Video das Kinn im Takt nach vorne schmiss, dass der Pony seiner antoupierten Frisur hochflog. Wie Marie Fredriksson den Kopf nach hinten legte, während sie Gitarre spielte. Überhaupt: Gitarrensolo!
Wenn man jung ist, findet man Texte, die an Zeilen aus Kinderliedern erinnern, natürlich eher nicht so gut. Aber wenn man wiederum ehrlich ist: Viel mehr als Roxette ist ja gar nicht geblieben aus dieser Zeit, den Neunzigern.
Dr. Alban tritt auf irgendwelchen Scheunenfesten auf, was mit Whigfield ist, weiß kein Mensch, Fools Garden haben mit ihrem "Lemon Tree" ungewollt an einer besonders abgelegenen Windung des Gehirns Wurzeln geschlagen - und Nirvana spielt ja in einer ganz anderen Liga.
Klar, es gab noch die Cranberries und Alanis Morrisette. Da singt man noch mal ab und zu mit und denkt dabei an Steffen aus der 8b, der vor einen Baum gefahren ist, an Nele, die ein Café am Marktplatz aufgemacht hat. Oder an Ann-Kathrin, die heute mit einem 20 Jahre älteren Mann Pferde züchtet.
Mit dem Hören von "The Look" kommt auch dieses Gefühl zurück, das dieses Pop-Rockduo aus Schweden damals begleitete. Zwischen Gehen und Kommen. Weniger Sehnsucht, weniger Projektion, einfach nur ein Umspielen des Daseins, mitsamt den zugehörigen Empfindungen. Und davon gab es ja so viele.
Roxette waren immer zur Stelle, ganz egal, dass die Poster mit Gessle und Fredriksson in der "Bravo" nie so wirklich gut aussahen. Das lag natürlich eher an ihm als an ihr. Und an den Rocker-Outfits. Viel Leder. Blazer auch. Und dass man nicht so genau wusste, was dieses Schweden eigentlich sein soll. Nur, dass Saltkrokan da irgendwo sein musste.
Aber die Musik klingt heute fast noch besser als früher. Denn sie ist unheimlich gut gealtert. Roxette waren eine Hitmaschine. Das "Nanananana" in "The Look", das Pfeifen in "Joyride", das Piano am Anfang von "Fading Like a Flower". Das dramatische "It Must Have Been Love" vom "Pretty Woman"-Soundtrack, als wir alle Julia Roberts sein wollten, die schöne Kleider und große Hüte geschenkt bekommt.
Als wir noch wirklich gar keine Ahnung davon hatten, was da los ist, wenn die Liebe dann over ist. (Und auch nicht, was es heißt, Sexarbeiterin zu sein.) Mann, was hatten wir gute Laune! "Hello, you fool, I love you!" Und wenn wir einmal schlecht drauf waren, weil Sarah mal wieder nicht ins Briefbuch zurückgeschrieben hatte, dann wurde eben "Listen To Your Heart" gebrunftet.
Alles, was an Roxette gut war, lag an dieser Frau. Diese saucoole Frau, mit dieser Liebe in der Stimme. Mit diesen aufgestellten, platinblonden Haaren, die es nicht verdienen, dass man Bürstenschnitt zu ihnen sagt. Diese sehr spezielle Frauenfigur, von der es so gar keine Zweite gab. Auch wenn Annie Lennox schon summte und Gianna Nannini schon tobte oder Mama Ina Deter hörte, war Marie Fredriksson doch viel greifbarer, weil weniger schrill. Androgyn, sexy, aber laut und oft auch leise. "Queen Of Rain": Ganz leicht.
Als Paar waren Marie Fredriksson und Per Gessle vollkommen unsexuell. Das war so herrlich befreiend. Auch, weil man ihn immer etwas doof fand. Ihm konnte man die Schuld geben, für die man ja in der Jugend immer jemanden brauchte. Und sie machte ihn erträglich, ihn und die Schuld. Ohne Marie Fredriksson wäre die Frau von heute, die den Mann überhaupt erträglich macht, indem sie seine Art, sich viel zu ernst zu nehmen, gönnend überstrahlt, wohl gar nicht denkbar.
Und wie sie da im Video zu "The Look" durch die Bruchbude spaziert! Auf dem Klo sitzend oder auf dem Bett stehend Gitarre spielt. Die Bühne: ihre. Das Studio: ihrs. Die Musik: ihre natürlich - "Crash! Boom! Bang!".
Das Roxette-Album mit diesem Titel erschien 1994, fünf Jahre nach dem Durchbruch mit "The Look" und "Listen To Your Heart", da waren sie immer noch erfolgreich. Zehn Alben haben sie als Roxette aufgenommen, 2016 das letzte. Mehr als 75 Millionen Tonträger haben die beiden verkauft. Ganz oben.
An Eskapaden oder Tratsch kann man sich in all dieser Zeit nicht erinnern. Nur an diese eine, komische Geschichte: Ohne einen US-amerikanischen Austauschstudenten hätten wir Marie Fredriksson nämlich vielleicht nie nicht kennen gelernt.
1984 nahm sie ihr erstes Album als Solokünstlerin auf. Sie sang auf Schwedisch und gründete nebenbei mit Gessle, einem alten Kumpel aus ihrer Punkband Strul, Roxette. Die beiden hatten zusammen ein paar Hits in ihrer Heimat. Aber es war jener US-Student, der das zweite Roxette-Album "Look Sharp!" mit nach Hause nahm und einem Radiosender gab. So gelangte das schwedische Duo in die Billboard-Charts und schließlich in die ganze Welt.
Klar scheint heute, dass auch künftig noch viele Studenten ihre Musik weitergeben werden. Marie Fredriksson Marie Fredriksson wurde als energiegeladene Sängerin des schwedischen Pop-Duos Roxette bekannt.
Gemeinsam mit ihrem Roxette-Partner Per Gessle feierte die Sängerin mit den auffälligen weißblonden kurzen Haaren riesige Erfolge mit Songs wie "Joyride", "The Look" und "It Must Have Been Love". Marie Frederiksson zog sich 2016 von der Bühne zurück und starb 2019, nur 61-jährig.
Marie Fredriksson hieß mit bürgerlichem Namen Gun-Marie Bolyos. Sie wurde in der nahe Stockholm gelegenen Gemeinde Danderyd geboren. Ihre musikalische Karriere bereitete sie durch das Studium an einer Musikhochschule vor.
Doch weder ihre erste Band ("MaMas Barn") noch ihre Solokarriere waren so erfolgreich wie das, was danach kam: Als Teil der Band "Roxette" wurde Marie weltberühmt und Teil des Soundtracks einer ganzen Generation. Damit trug sie auch zum Weiterleben des Mythos von der weltweit akzeptablen und begeisternden schwedischen Popmusik bei - nach ABBA, vor Ace of Base.
Schon seit 1994 war Marie Fredriksson mit Mikael Bolyos, genannt Mikke, verheiratet. Die beiden haben einen Sohn und eine Tochter.
2002 wurde bei Marie Fredriksson ein Gehirntumor entdeckt. Sie musste sich einer Strahlentherapie und einer Operation unterziehen. Zwar galt sie zwischenzeitlich als geheilt. Doch die Behandlung hatte ihre Spuren hinterlassen.
2013 tritt Marie Fredriksson - ohne Per Gessle, als Solo-Künstlerin - bei der Hochzeit der schwedischen Prinzessin Madeleine auf. Während der Trauungszeremonie am 8. Juni 2013 sang sie ihr Lied "Ännu doftar kärlek" (ungefähr "Die Liebe liegt noch in der Luft"). Generell wird der Song heute noch in Schweden häufiger gespielt - auf Hochzeiten. Und auf Beerdigungen.
Ab 2016 trat Marie Fredriksson nicht mehr auf. Möglicherweise hatte ihre lange Krankheit sie so sehr geschwächt, dass sich das nicht mehr mit dem Zustrom von Konzertbesuchern vereinbaren ließ, die sie immer noch anzog. Denn nach einem Reunionauftritt 2009 hatten Roxette noch zwei Alben produziert und eine Welttournee absolviert. Die 2016er-Tour fand nicht mehr statt.
Am 10. Dezember 2019 wurde bekannt, das Marie Fredriksson gestorben ist. Weltweit trauerten die Fans und trendeten die Songs von Roxette.
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