Nach 70 Jahren endet eine Ära: Friseurmeister Wolfgang Grunewald übergibt seinen Salon an seine Mitarbeiterin. Wolfgang Grunewald (68) greift heute ein letztes Mal zur Schere. Nach 52 Jahren als Friseur.
In Husum geht eine Ära zu Ende: Nach 70 Jahren im Familienbesitz gibt Wolfgang Grunewald seinen Salon in andere, jüngere Hände.
Die ersten 35 Jahre hat sein Vater Fritz Grunewald den Salon geführt. Die letzten 35 Jahre war Wolfgang Grunewald in zweiter Generation der Chef.
„Ich höre auf, weil ich sehe, dass mein Geschäft bestehen bleibt“, sagt er.
Grunewalds Mitarbeiterin Cornelia Schmidt (32) wird den Salon weiter betreiben. Heute ist der letzte Tag. Danach lässt Cornelia Schmidt den Salon modernisieren. Am 2. August will sie ihn wieder eröffnen.
Wolfgang Grunewald bietet die in die Jahre gekommene Einrichtung zum Verkauf an.
Zwölf Quadratmeter Raum, Kamm und Schere und nur für Herren: So ging es vor 50 Jahren los. Fritz Grunewald eröffnete 1946 seinen Friseursalon an der Hauptstraße in Husum.
Der gebürtige Magdeburger war gerade erst 30, als er nach dem Zweiten Weltkrieg nur mit einem Koffer auf dem Rad in Husum gelandet war. Der Ort gefiel ihm, und so entschloss er sich, dort das Geschäft zu eröffnen.
„Die Kunden kamen oft erst nach 18 Uhr in unser Geschäft, wenn sie die Feldarbeit beendet hatten“, erinnerte sich Fritz Grunewalds Frau Marta beim 50-jährigen Jubiläum vor 20 Jahren.
1951 zog der Salon in eine umgebaute Scheune gegenüber der Husumer Kirche um. Mit drei Bedienungsplätzen für Damen und zwei für Herren startete dort der Damenund Herrensalon.
1958 machte Fritz Grunewald seine Meisterprüfung. Damals mussten die angehenden Meister sogar noch Perücken knüpfen.
Eine Dauerwelle war damals noch eine heiße Sache: Metallwickler wurden erhitzt und kamen auf den Kopf.
1960 baute Fritz Grunewald das Haus mit dem heutigen Friseursalon an der Rehburger Straße 9 in Husum. Dort begann Wolfgang Grunewald 1965 seine dreijährige Friseurlehre.
1980 übernahm er das Geschäft seines Vaters. Er starb 1988, seine Mutter 2007 im Alter von 93 Jahren.
Wolfgang Grunewald hat auch schon hohe Politiker bedient. Als junger Friseur arbeitete er zweieinhalb Jahre in Bonn/Bad Godesberg, dem damaligen Regierungssitz.
„Es war eine sehr interessante Arbeit. Er schnitt sogar dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel, der zu Willy Brandts Zeiten Bundeskanzler werden wollte, die Haare.
Friseur war nicht gerade sein Traumberuf. Als am Ende der Realschulzeit sein damaliger Rektor erfuhr, dass Grunewald dennoch den Beruf ergreifen will, fragte der nur ungläubig: „Sie und Friseur?“
Er habe sich eher verpflichtet gefühlt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, gibt er heute zu.
„Für Journalismus wäre ich auch nicht abgeneigt gewesen. Auch als Sport- und Deutschlehrer hätte ich gern gearbeitet. Es hat sich aber anders entwickelt, darüber bin ich nicht böse“, blickt er zurück.
Der Journalismus ließ ihn aber nicht los. Lange Jahre war er Pressewart der Friseurinnung Nienburg.
Was er an seinem Beruf liebt? Dass Wolfgang Grunewald etwas von seinem Fach versteht, bewies er in seiner Lehrprüfung, die er mit gut und sehr gut hinlegte und in seiner Meisterprüfung 1972: Er bestand sie mit Auszeichnung.
Wolfgang Grunewald freut sich, nun endlich mehr Zeit für seine zweieinhalb Jahre alten Enkel in Neustadt zu haben. Und dann müssen noch Haus und Garten in Schuss gehalten werden.
Wolfgang Grunewald fährt auch gern Rad. Einmal im Jahr macht er eine große Tour. Seit 18 Jahren, und immer mit denselben Freunden. Mal ging es an den Rhein, mal an die Nordsee und Ostsee.
Überhaupt hat er sich mit Sport fit gehalten. Jahrelang spielte er Tennis und Tischtennis und war aktiver Schütze im Schützenverein Husum.
Schon dreimal war er Schützenkönig. Seine Frau Ulla (62) arbeitet weiterhin als Lehrerin.
Mit der Übernahme durch Cornelia Schmidt beginnt ein neues Kapitel für den Friseursalon. Die Modernisierung verspricht frischen Wind und innovative Ideen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich der Salon unter neuer Leitung entwickeln wird und welche Veränderungen die Kunden erwarten können.
Die Geschichte des Friseursalons Grunewald ist geprägt von Tradition, Handwerkskunst und dem persönlichen Engagement zweier Generationen. Nun liegt es an Cornelia Schmidt, diese Tradition fortzuführen und den Salon in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.
tags: #friseur #könig #stolzenau #öffnungszeiten
Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen
Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.