Die Bahnhofstraße in Wedel: Geschichte und Geschichten einer lebendigen Straße

Das Stadtarchiv Wedel hat eine beeindruckende Sammlung von Fotografien und Informationen zur Bahnhofstraße zusammengestellt. Diese Dokumente bieten einen Einblick in die reiche Geschichte und Entwicklung dieser zentralen Straße.

Das Stadtarchiv Wedel präsentiert Ihnen Geschichte[n] und Abbildungen für fast alle Gebäude der Bahnhofstraße. Aber auch das Stadtarchiv Wedel kann nicht allwissend sein! Wissen Sie mehr zu einzelnen Gebäuden zu berichten, haben Sie weitergehende Infos oder sogar Abbildungen zu den Gebäuden, dann teilen Sie bitte Ihr Wissen und kontaktieren Sie mich! Hätten Sie Spaß daran, mitzuhelfen, die Geschichte dieser Stadt lebendig zu halten? Lieben Sie es, wie ein Detektiv zu arbeiten und darüber zu publizieren? Das Stadtarchiv ist voll von Unterlagen und Geschichte[n] die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Daher suche ich für vielerlei Projekte Forscher und/oder Mithelfer im Ehrenamt fürs Stadtarchiv. Interesse geweckt?

Die Bahnhofstraße in Wedel.

Die Anfänge am Rathausplatz

Die Einmündung in die Bahnhofstraße auf einer Postkarte von 1915.

Das Eckgrundstück der Bahnhofstraße zum Rosengarten war seit 1890 im Eigentum des Gastwirtes Heinrich Petersen, der hier die Gastwirtschaft Petersens Gasthof am Bahnhof mit Ausspann führte. Nach dem Tode der Eheleute Petersen erwarb die Stadt Wedel das Areal um dort gegenüber dem Bahnhof am Eingang der Bahnhofstraße einen Platz anzulegen.

Zunächst verpachtete die Stadt Wedel die Gaststätte an den Gastwirt August Rösicke und hielt in Ermangelung eines Saales ihre Sitzungen dort ab. Ab 1927 schrieb die Stadt Wedel einen Ideenwettbewerb für den Neubau eines Rathauses und die Gestaltung eines Rathausplatzes aus. Das mittlerweile recht baufällige Gebäude wurde daher 1934 abgebrochen und hier zunächst eine Grünanlage angelegt, die ab 1936/37 den Rathausneubau einfasste.

Es entstand ein Rathausplatz mit einer Grünanlage in der Mitte und Straßen, die herumführten. Ab Ende den 1950er Jahren, bis zum Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofes ZOB 1987 wurde der Platz vor dem Rathaus auch als Bushaltestelle genutzt. Während des Neubaus des ZOB war zudem die Taxizentrale dort zu finden.

Der Rathausplatz im Jahr 1935.

Der Rathausplatz als zentraler Verkehrsknotenpunkt.

Historische Gebäude und ihre Geschichten

Rathausplatz 2: Friseurgeschäft Heinrich Jantzen

1965 war in dem Wohn- und Geschäftshaus die Geschäftsstelle des Wedel-Schulauer Tageblatt zu finden. 1888 erweiterte der Schumacher Hans Hinrich Hushahn sein Wohnhaus um einen Stall. Sein Schwiegersohn, der Zigarrenhändler Claus Hinrich Jantzen erbaute auf dem Grundstück ein Wohn- und Geschäftshaus. Dessen Sohn, der Barbier und Friseur Heinrich Jantzen ließ um 1911 den linken Flügel anbauen und 1954 den rechten Flügel zum Friseurgeschäft ausbauen.

Rathausplatz 4: Kaiserliche Post und Polizeirevier

Das Gebäude wurde 1903 von Hieronymus Körner I in Spitzerdorf erbaut. 1910 erwarb es der Postmeister Gohrbandt für die Kaiserliche Post. Die Post nutzte das Gebäude bis 1964. Dann zog das Polizeirevier, dass vier Jahre lang ein Provisorium in einer Villa am Rosengarten Polizei hatte, dort ein. Diese konnte im März 1979 ihr Domizil im alten Amtsgericht in der Gorch-Fock-Straße beziehen und machte den Weg frei für das Italienische Restaurant Da Mario.

Im Obergeschoss hatte seit mind. Anfang der 1970er Jahre die Kinderärztin Frau Dr. Caspers ihre Praxis.

Rathausplatz 6: Wohnhaus und Gastronomie

Das Wohnhaus Rathausplatz 6 wurde 1907 durch den Schuhmachermeister Theodor Thee erbaut und im Jahr 1955 durch den Bäckermeister Ernst Lepthien zum Café mit etwa 80 Plätzen umgebaut. Im März 1971 wurde der Betrieb aus gesundheitlichen Gründen eingestellt. Kurz danach eröffnete der Gastwirt Rolf Dehn dort die Gaststätte City-Restaurant, die er einige Jahre später in Salz und Pfeffer umbenannte. Wenige Jahr später erhielt die Gaststätte durch neue Betreiber den Namen Rathaus-Eck.

Bahnhofstraße 9-11: Ladenzeile und Wohnblocks

Wenn man vom Bahnhof kommt, muss zunächst eine kleine Steigung überwunden werden. Hier lag um 1900 auf der linken Seite das Wohn- und Hofgebäude der Gärtnerei von August Langeloh. Die Gebäude wurden zwar während des Zweiten Weltkriegs arg zerstört, konnten aber auch wieder aufgebaut werden. Erst 1960 wurde das zuvor an Hermann Friedrich Bruhn verkaufte Gelände der ehemaligen Gärtnerei mit dem danebenliegenden Gebäude abgebrochen und durch eine Ladenzeile mit dahinterliegende Wohnblocks bebaut.

Die moderne Ladenzeile in der Bahnhofstraße.

Bahnhofstraße 10: Das Altenteilerhaus des Hoophofes

Hier stand lange Jahrzahnte das Altenteilerhaus, oder wie es hier heißt, das Abschiedshaus des größten Hofes in Wedel - des Hoophofes. Hierhin zog sich der Alt-Bauer zurück, wenn er den Hof nicht mehr führen konnte und diesen an seinen Sohn übergeben hat. Anders als das Hofgebäude des Hoophofes überstand das Abschiedshaus den Bombenhagel und lag an der Einmündung der 1949 erbauten Gorch-Fock-Straße. Für einen Neubau wurde es 1957 abgebrochen.

Bahnhofstraße 12: Vom Stall zum Wohnhaus mit Arztpraxen

In der Bahnhofstraße 12 standen Stallgebäude des Hoophofes. Dieses Land wurde 1912 an den praktischen Arzt Dr. med. K. Dallwig verkauft, der dort sein Wohnhaus erbaute. 1914 erweiterte es Dr. med. Alfred Knüppel. Ab 1947 praktizierte hier der Zahnarzt Dr. Hoffbauer.

Bahnhofstraße 13: Volksbank Wedel

Auch dies Gelände gehörte urspünglich zum Hoophof und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg parzelliert. 1952 erbaute hier die Volksbank Wedel in der Bahnhofstraße 13 ein Wohn- und Geschäftsgebäude. Die Volksbank wurde 1927 von Wedeler Gewerbetreibenden gegründet und das Geschäftslokal befand sich zuvor im Gebäude Mühlenstraße 31. Das Gebäude wurde 1974 umgebaut.

Bahnhofstraße 14: Wohnhaus mit Praxisräumen

Das Grundstück Bahnhofstraße 14 war Teil der Mitgift, die Adolf Holland, Direktors der Zuckerfabrik 1922 seiner Tochter Helene für die Ehe mit dem praktischen Arzt Dr. Willy Gerd Thiessen mitgab. Helene verstarb bereits ein Jahr nach Eheschließung am Kindbett, aber das Grundstück verblieb im Eigentum des Witwers, der 1934 dort ein Wohnhaus mit Praxisräumen errichtete. Das schmucke Wohnhaus überstand die Bombennacht und wurde erst 1970 abgebrochen.

Bahnhofstraße 16: Der Hoophof und seine Zerstörung

Auf dem Gelände Bahnhofstraße 16 stand bis zur Bombennacht 1943 das 1831 erbaute weichgedeckte Fachwerkwohn- und Wirtschaftsgebäude des Hoophofes. Dieser Hof ist seit etwa 1748 im Eigentum der Familie Langeloh. Der Hof wurde total zerstört und das Gelände lag bis 1963 brach. Es wurde durch die Familie Langeloh nicht wieder aufgebaut, sondern zunächst an den Kaufmann Schölermann verpachtet, der die Gartenanlage nutzte. Um 1960 wurde die alte Baustelle an den Makler Bruhn verkauft. Dieser ließ auf dem Gelände ein dreistöckiges Wohnhaus mit einem Geschäftsvorbau entlang der Bahnhofstraße errichten. Hier eröffnete 1963 das Bekleidungsgeschäft Corso und das Schuhgeschäft Schuh Kay seine Pforten. Ein Jahr später konnten die Wohnungen bezogen werden.

Der stolze Hoophof vor seiner Zerstörung.

Bahnhofstraße 17: Feinkost und Filialbetriebe

Auch diese Seite der Bahnhofstraße gehörte ursprünglich zum Hoophof. Das Gelände wurde Ende der 1920er Jahre parzelliert und die Straße Beim Hoophof geschaffen. Das Wohn- und Geschäftshaus Bahnhofstraße 17 wurde 1929 durch Ernst Schölermann erbaut. Die Familie betrieb in den Geschäftsräumen ein Feinkostgeschäft. Am 18.03.1965 ziehen hier zwei Filialbetriebe ein.

Bahnhofstraße 18: Villa, Amtsgericht und Bettenhaus

Auf dem Gelände der heutigen Bahnhofstraße 18 stand die Scheune des Hoophofes. Nachdem diese 1923 abgerissen wurde, konnte das Gelände abgeteilt und verkauft werden. Der Direktor der Zuckerfabrik, Adolf Holland, bislang in der Elbstraße 52 wohnhaft, erwarb eine Parzelle und ließ sich dort 1927 eine Villa errichten. In den Steuerbüchern ist er dort ab 1936 als wohnhaft aufgeführt, 1940 wohnte er dort auch noch. Nach einem größeren Umbau zog das Bettenhaus Rumöller von 1959 bis 1966 in die Räume. 1966 bis 1970 konnten dort bei Firma Gebers Teppiche und Betten gekauft werden. 1970 zog dann das alteingesessene Wedeler Haushaltswaren- und Porzellangeschäft Schneider von der Bahnhofstraße 36 in das Gebäude.

Bahnhofstraße 18a: Postamt und Buchhandlung

Neben der Einmündung in den heutigen Eichendorffweg, Bahnhofstraße 18a hatte die Reichspostdirektion Ende der 1930er Jahre Grundbesitz erworben. Auf den ehemaligen Weiden des Hoophofes sollte das Postamt Wedel entstehen, da die Räumlichkeiten im bisherigen Gebäude Rathausplatz 4 längst nicht mehr ausreichten. Durch den Krieg verzögerten sich die Planungen, dennoch konnte 1940 dort ein Fernsprechamt erbaut werden. Ab 1948 hatte Willy Bröker dort die Auer-Buchandlung.

Bahnhofstraße 21: Buchhandlung und Widerstand

Das Eckhaus zur Straße Beim Hoophof wurde 1932 durch den Ingenieur Emil Bähnke erbaut. Hier eröffnete der Sozialdemokrat Willy Bröker 1948 die Auer-Buchhandlung, die seine Tochter Karla Baasch später übernehmen sollte. Der 1913 in Wedel geborene Willy Bröker war bereits 1926 Mitglied der Arbeiterjugend. Ab 1933 ging er in den aktiven Widerstand gegen das NS-Regime und in die Lehre zum Klempner. Nach dem Krieg arbeitete er für zwei Jahre im neu gegründeten SPD-eigenen Auer-Verlag am Speersort, bis er sich im Dezember 1948 selbstständig machte.

Bahnhofstraße 22: Schlachterei und mehr

Auch dies Gelände gehörte ursprünglich zum Hoophof und wurde 1934 durch Robert Möller mit einem Wohnhaus erbaut. Das Gebäude erlitt 1943 große Schäden, wurde aber wieder aufgebaut. Hier war nach dem Krieg ein Kaffeegeschäft mit Ausstellungsfenstern der Firma Marxen. Im Frühjahr 1964 wurde vor dem Wohnhaus ein Ladengeschäft vorgebaut und ein zweites Wohnhaus mit Kühlhaus hinter dem ersten errichtet. Im Ladengeschäft eröffnete 1964 der Fleischer Dieter Heins seine Schlachterei. Diese wurde 1987 geschlossen. Danach gab es in den Gebäuden verschiedene Mieter.

Bahnhofstraße 23: Buchverlag und Glaserei

Das Gebäude des Buchverlags „Wissen ist Macht“ wurde im Bombenhagel 1943 geschädigt, konnte aber wieder aufgebaut werden. Bereits in den 1930er Jahren hatte der Radiohändler Willy Klindt hier seine Werkstatt, die er Anfang der 1960er Jahre in den Kronskamp 17 verlegte. In dem hinteren Gebäude war lange Jahre die Glaserei Harder zu finden.

Bahnhofstraße 24: Kaufhaus Marxsen

Der Kaufmann Heinrich Marxsen, der sein Geschäft zunächst in der Mühlenstraße 21 hatte, erbaute 1914 in der Bahnhofstraße 24 ein Wohn- und Geschäftshaus. Hier richtet er ein Kaufhaus für Textilwaren ein. Das Gebäude wurde 1932 auf 250 m² Verkaufsfläche erweitert. Auch hier zerstörten Bomben im März 1943 das Gebäude. Zunächst ging der Verkauf in Baracken und ab 1946 in Anbauten weiter. Ab 1954 wurde der Wiederaufbau vorangetrieben und die Firma Marxsen auf 1.000 m² ausgedehnt.

1958 verstarb Heinrich Marxsen und übergab das Geschäft seiner Tochter Toni und ihrem Mann Heinrich Staack. 1982 hatte das Unternehmen 25 Mitarbeiter. Ein Jahr später muss das Unternehmen Konkurs anmelden und schließt zum 1. Juli 1983. Das Gebäude wird an den Wedeler Bauunternehmer Willy Kuhrt verkauft.

Wenige Monate später eröffnet hier eine Filiale der Drogerie-Handelskette Kloppenburg mit einer gut besuchten Autogrammstunde von Uwe Seeler ihre Pforten.

Bahnhofstraße 25: Tabakwaren und Spionage

Links neben dem Kino hatte der Tabakwarenhändler Johannes Brauer 1934 sein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Dieser Tabak- und Zeitschriftenladen wurde in der Bombennacht 1943 schwer zerstört, wurde aber wieder aufgebaut. Er kam 1983 bundesweit in die Presse, nachdem der Verkäufer und Lebensgefährte der Betriebsinhaberin wegen Spionageverdachts für die Bundesrepublik Deutschland in der DDR verhaftet wurde. Ein Jahr später wird das Gebäude verkauft und abgebrochen.

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