Die blutige Geschichte hinter der rot-weiß-blauen Barberpole

In den letzten Jahren sind Barbershops wie Pilze aus dem Boden geschossen. Oftmals weisen sie an der Fassade oder im Schaufenster einen sich drehenden rot-weiß-blauen Pfosten auf. Dieses Erkennungsmerkmal, die sogenannte Barberpole, ist ein weltweites Symbol für Herrenfriseure. Doch was steckt hinter diesem universellen Zeichen?

Egal, ob in Zürich, Marrakesch oder Hanoi, überall weisen sich die Männerfriseure mit diesem sogenannten Barbierpfosten aus. Diagonale Streifen in rot, weiss und blau drehen sich dabei so, dass es aussieht, als würden sie nach oben wandern. Aber was hat dieses universelle Symbol eigentlich zu bedeuten?

Die Geschichtsschreiber sind sich nicht einig, aber es gibt einige Legenden rund um das Thema. Sie alle beginnen aber im Mittelalter in Europa. Schon damals gab es Barbiere. Neben dem Haare schneiden und Bart rasieren führten viele von ihnen auch chirurgische Eingriffe durch. Dazu zählten unter anderem das Zähneziehen aber auch der Aderlass.

Dieser kam schon in der Antike auf. Zur Heilung von Krankheit wurden den Patient*innen zwischen 50 und 1000 Milliliter Blut entnommen. Diese Praxis kommt aus der Säftelehre, die besagt, dass Krankheit das Ungleichgewicht der Mischung von Blut, Galle und Schleim im Körper ist.

Der Aderlass ging meist nicht spurlos vorüber. Die blutigen Verbände sollen draussen an einem Pfosten zum Trocknen aufgehängt worden sein. Durch den Wind hätten sie sich dann diagonal um den Pfosten gewickelt und so ein rot-weisses Muster erzeugt. Aus diesem Grund sind die älteren Barbierpfosten auch nur rot und weiss.

Die Legenden um die Farben der Barberpole

Diese Verbandspfosten wurden laut der Legende nach und nach zum Erkennungszeichen für Barbiere, die auch chirurgische Eingriffe durchführten und nicht nur Haare schnitten. Der blaue Streifen soll später als Zeichen amerikanischen Patriotismus’ dazu gekommen sein.

Andere Legenden besagen, dass sich die Menschen für den Aderlass an dem Pfosten festhielten, damit die - von aussen - blauen Adern hervortraten, was den zusätzlichen Streifen im Symbol erklären würde. Andere wiederum behaupten, die Farben symbolisierten das arterielle Blut (rot), das venöse Blut (blau) und den sauberen Verband (weiss).

Zusammenfassend lassen sich die Theorien wie folgt darstellen:

Farbe Theorie 1 Theorie 2 Theorie 3
Rot Blutige Verbände des Aderlasses Arterielles Blut Blut
Weiß Saubere Verbände Sauberer Verband Bandagen
Blau Amerikanischer Patriotismus Venöses Blut Adern

Die Barberpole heute

Heute sind solche Universalberufe fast ausgestorben. Jede*r ist Expert*in auf einem kleinen Teilgebiet. Beim Barber gibt’s eine Art von Haarschnitt (oder zumindest scheint mir nur eine gewählt zu werden) und oben drauf eine Nassrasur. Das Ergebnis ist handwerklich perfekt. Blut fliesst lediglich, wenn der Barbier dir aufgrund einer Unaufmerksamkeit beim Rasieren ein Schnittchen zufügt.

Mit der Barberpole bekennt sich der Barbier zu seinem Handwerk. Ursprünglich nur in den Staaten zu finden, dreht sich die rot-weiß-blau bemalte Stange auch hierzulande immer öfter vor den Barbershops eures Vertrauens. Sie signalisiert dem Mann , dass er hier Haarschnitt und Rasur erhalten kann. Schließt der Laden, hört das Drehen der Barberpole meistens auf.

Die Barbiere fingen damit an, die rot-weißen Pfosten dazu zu nutzen, um auf Ihre chirurgischen Dienstleistung aufmerksam zu machen und mehr Kunden anzulocken. Schon früh wurden die rot-weißen Streifen um einen blauen Streifen ergänzt. Diesen findet man immer auf amerikanischen und heute auch überwiegend auf europäischen Barberpoles.

History of the Barber Pole

Heute ist der Barberpole Kultobjekt und Wegweißer zum Barbershop gleichzeitig. Nur schmerzhaften Eingriffen kann man sich hier nicht mehr unterziehen.

Zugleich ist die Barberpole-Illsusion auch eine der bekanntesten optischen Täuschung der wahrgenommenen Bewegung. Die Täuschung basiert auf dem definierten Aperturproblem.

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