Das Bild von blonden Haaren und blauen Augen ist in Deutschland seit Jahrhunderten präsent und hat sich tief in das kulturelle Gedächtnis eingebrannt. Es ist eng mit der Vorstellung von den Germanen verbunden, die als "eigenwüchsiges, unvermischtes Volk von unvergleichlicher Eigenart" beschrieben wurden. Alle hätten "trotzig blaue Augen, rotblondes Haar und hünenhafte Leiber".
Eine blonde Frau mit blauen Augen in einem Gemälde von Karl Brüllow.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Germanenideologie eine Renaissance. Angetrieben durch die Wiederentdeckung der "Germania" des Tacitus begann man sich seit dem Humanismus verstärkt für die Vorfahren zu interessieren. Als dann im 18. Jahrhundert Ideen von nationaler Identität aufkamen, fragten sich die Deutschen mehr und mehr, ob es ein einendes Moment angesichts des Flickenteppichs unzähliger deutscher Kleinstaaten geben könnte.
Die Germanen wurden als Vorbilder stilisiert, weil man in ihnen die Bezwinger Roms sah. Siegfried, Wotan, aufrechte blonde Recken, oft - archäologisch nicht haltbar - in Rüstung und mit Flügelhelm - wurden in Gemälden, in Gedichten und Romanen, Bühnenstücken und Opern verewigt. Mit der Errichtung des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald wurde Arminius als deutscher Nationalheld gefeiert. Und zunehmend wurde der Mythos um die Germanen völkisch-rassisch ausgedeutet.
Die Rede war von der Existenz einer germanischen, nordischen Rasse, die anderen Völkern und Kulturen überlegen sei. "Der Reinhaltung der Rasse messen wir eine besonders hohe Bedeutung bei. Ungeeignete Blutmischung führt zum Verfall. Unserem Volk muss der germanische Charakter erhalten bleiben", hieß es in einer Broschüre des völkischen "Deutschbundes" in den frühen 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Diese Ideologie gipfelte in der Zeit des Nationalsozialismus, in der blonde Haare und blaue Augen zum germanischen Kennzeichen der "Herrenrasse" stilisiert wurden. Die NS-Ideologen missbrauchten die Haarfarbe, bedienten sich bei dem 1900 verstorbenen Philosophen Friedrich Nietzsche und seinem Begriff der "blonden Bestie".
Hitlerjugend auf dem Reichsparteitag in Nürnberg.
Blond wurde fortan in den internationalen Filmproduktionen zum Attribut des bösen Mannes. Vor allem die Gegenspieler von James Bond strahlten mit ihrem Haar eine bedenkliche Attraktivität aus. So wie Fiesling Max Zorin, gespielt von Christopher Walken, der mit blonder Fönfrisur in „Im Angesicht des Todes“ die Welt bedrohte. Der deutsche Schauspieler Götz Otto verlieh der Rolle des Handlangers des Bösewichtes in „Der Morgen stirbt nie“ endgültig die Ausstrahlung eines Obersturmbannführers. Blond kämpft mit einem üblen Image. Gerecht ist das nicht.
In den 70er Jahren wollten sich einige Rechte lösen vom Muff der NS-Nostalgie. Dazu erfanden sie neue Erzählungen. Jetzt gings nicht mehr um arische Zuchtbullen, sondern um unterdrückte Ethnien, die eine organische Demokratie hatten und deren Frauen nicht unterdrückt waren. In der Erzählung der Neuen Rechten gilt es dann, das Erbe dieses "sympathischen Völkchens" zu schützen. So schlägt es zum Beispiel die sogenannte "Identitäre Bewegung" mit ihrem Konzept des "Ethnopluralismus" vor.
Es geht um ein Überzeitliches, mit langer Geschichte angereichertes Verständnis von Volk. Wie Karl Banghard erläutert, kann zum Beispiel Arminius und die Varusschlacht in der aktuellen Netflix-Serie "Barbaren" auch heute noch als Blaupause für aktuelle Konflikte dienen, indem man "die Erzählelemente der Varusschlacht notorisch auf das Hier und Jetzt bezieht.
Die Verwendung von Farben als Stilmittel ist in der Literatur und Kunst weit verbreitet. Farben können dazu dienen, Stimmungen zu erzeugen, Charaktereigenschaften zu unterstreichen oder symbolische Bedeutungen zu vermitteln.
Allerdings kann die stereotype Verwendung von Farben auch zu Klischees führen, wie beispielsweise die Darstellung von Bösewichten mit dunklen Haaren und Helden mit blonden Haaren. Es ist wichtig, diese Klischees zu hinterfragen und Charaktere vielfältig und individuell zu gestalten.
Ein interessantes Beispiel für die Verwendung von Farben als Stilmittel ist die Dystopie "Shades of Grey" von Jasper Fforde, in der nicht alle Menschen gleich viele Farben sehen können. Manche können gar keine Farben sehen, andere nur grün, lila oder rot. Daran ist dann eine Hierarchie aufgebaut und entsprechend sind natürlich auch die Umgebungsbeschreibungen darauf abgestimmt.
Einst waren blonde Frauen der Inbegriff von Sexappeal. Heute verschwinden sie ausgerechnet im Namen der Diversität aus der medialen Wahrnehmung, als wären sie politisch nicht korrekt. Warum helle Haare ein schützenswertes Kulturgut sind.
Männer stehen auf blonde Frauen, mehr als auf Dunkel- oder Rothaarige. Das ist kein Klischee. Das ergab nicht zuletzt eine Studie der Augsburg University in Minnesota. Männer geben blonden Frauen mehr Trinkgeld, bieten ihnen öfter Hilfe an. Die Wissenschaft erklärt das mit der Evolution. Helle Haare gelten als Indiz für Jugendlichkeit und Fruchtbarkeit. Das macht Lust. Dass sich Männer aber bei der Wahl der Ehepartnerin und Mutter ihrer Kinder für die Brünette entscheiden, hänge mit der Vorstellung zusammen, die Blonde sei weniger treu, neige zur Promiskuität. Typisch.
Es gibt auch Gründe, Klischees benutzen zu wollen. Sie sind nicht immer fehl am Platz. Ich benutze Farben und Licht gern, um Vielfalt auszudrücken. Daher habe ich einige Geschichten, in denen das Böse farblos ist.
Tabelle: Stereotypen und Realität
| Merkmal | Stereotyp | Realität |
|---|---|---|
| Haarfarbe | Blond = dumm, naiv | Vielfältige Charaktereigenschaften unabhängig von der Haarfarbe |
| Augenfarbe | Blau = rein, unschuldig | Vielfältige Charaktereigenschaften unabhängig von der Augenfarbe |
| Germanen | Blond, blauäugig, stark, heroisch | Historisch nicht belegbar, ideologische Konstruktion |
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